{"id":4328,"date":"1996-06-30T01:30:00","date_gmt":"1996-06-29T23:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4328"},"modified":"2021-02-16T01:32:00","modified_gmt":"2021-02-15T23:32:00","slug":"friede-und-liebe-werden-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4328","title":{"rendered":"Friede und Liebe werden m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"\n<p>Pfarrerin Marion Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Sonntag nach Trinitatis 30.6.96<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00f6m. 12, 17 &#8211; 21<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelvorspiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Eingangslied: EG 452, 1, 2, 4+5<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Psalm 42:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,<\/p>\n\n\n\n<p>so schreit meine Seele, Gott, zu dir.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Seele d\u00fcrstet nach Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>nach dem lebendigen Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann werde ich dahin kommen,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df ich Gottes Angesicht schaue?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Tr\u00e4nen sind meine Speise Tag und Nacht,<\/p>\n\n\n\n<p>weil man t\u00e4glich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?<\/p>\n\n\n\n<p>Daran will ich denken und aussch\u00fctten mein Herz bei mir selbst:<\/p>\n\n\n\n<p>wie ich einherzog in gro\u00dfer Schar, mit ihnnen zu wallen zum Hause<\/p>\n\n\n\n<p>Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Was betr\u00fcbst du dich, meine Seele,<\/p>\n\n\n\n<p>und bist so unruhig in mir?<\/p>\n\n\n\n<p>Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gott, betr\u00fcbt ist meine Seele in mir,<\/p>\n\n\n\n<p>darum gedenke ich an dich aus dem Lande am Jordan und Hermon,<\/p>\n\n\n\n<p>vom Berge Misar.<\/p>\n\n\n\n<p>Deine Fluten rauschen daher, und eine Tiefe ruft die andere;<\/p>\n\n\n\n<p>alle deine Wasserwogen und Wellen gehen \u00fcber mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag sendet der Herr seine G\u00fcte,<\/p>\n\n\n\n<p>und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sage zu Gott, meinem Fels:<\/p>\n\n\n\n<p>Warum hast du mich vergessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum mu\u00df ich so traurig gehen,<\/p>\n\n\n\n<p>wenn mein Feind mich dr\u00e4nget?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wie Mord in meinen Gebeinen,<\/p>\n\n\n\n<p>wenn mich meine Feinde schm\u00e4hen und t\u00e4glich zu mir sagen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wo ist dein Gott?<\/p>\n\n\n\n<p>Was betr\u00fcbst du dich, meine Seele,<\/p>\n\n\n\n<p>und bist so unruhig in mir?<\/p>\n\n\n\n<p>Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt, la\u00dft uns anbeten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Ehr sei dem Vater und dem Sohn..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: S\u00fcndenbekenntnis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du willst, da\u00df alle Menschen mit sich, mit anderen und mit dir in Einklang und zufrieden leben, damit Friede und Liebe das letzte Wort haben gegen\u00fcber dem, was trennt und was Leiden schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Du traust uns zu, da\u00df wir aus deiner Liebe Kraft und Mut sch\u00f6pfen, dem B\u00f6sen zu widerstehen und ihm Gutes entgegenzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gibt es Tage, da f\u00fchlen wir uns dem B\u00f6sen n\u00e4her als dem Guten: Wir tun Unrecht, verweigern uns dem Anliegen unseres N\u00e4chsten, sehen \u00fcber Not hinweg. Wir f\u00fchlen uns innerlich zerrissen zwischen dem Guten, das wir wollen, und dem B\u00f6sen, das wir trotzdem tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich, zeige uns immer wieder M\u00f6glichkeiten, wie wir aus unseren Feinden unsere Freunde machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr, erbarme dich!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Herre, Gott, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Christe, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Herre Gott, erbarme dich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gandenwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott pflanzt uns seine Liebe ein,<\/p>\n\n\n\n<p>so da\u00df auch wir zur Liebe f\u00e4hig werden:<\/p>\n\n\n\n<p>andere zu segnen statt zu verfolgen,<\/p>\n\n\n\n<p>anderen Gutes zu tun statt B\u00f6ses,<\/p>\n\n\n\n<p>Frieden zu schaffen statt zu hassen,<\/p>\n\n\n\n<p>uns zu vers\u00f6hnen statt zu r\u00e4chen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Allein Gott in der H\u00f6h sei Ehr<\/p>\n\n\n\n<p>und Dank f\u00fcr seine Gnade, darum da\u00df nun<\/p>\n\n\n\n<p>und nimmermehr uns r\u00fchren kann kein<\/p>\n\n\n\n<p>Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;<\/p>\n\n\n\n<p>nun ist gro\u00df Fried ohn Unterla\u00df, all Fehd<\/p>\n\n\n\n<p>hat nun ein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott, du siehst uns und kennst uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind wir mit allem, was uns in der vergangenen<\/p>\n\n\n\n<p>Woche gefreut hat, mit allem, was uns gegl\u00fcckt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir danken dir daf\u00fcr. Da sind wir mit allem, was uns belastet hat, mit allem,<\/p>\n\n\n\n<p>womit wir den anderen M\u00fche gemacht haben. Nimm du es uns ab.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df uns jetzt \u00fcber unserem Leben und \u00fcber unserer Welt den hellen Schein deiner Barmherzigkeit wahrnehmen. Wir warten auf dein Wort, da\u00df es uns zurechtbringe, da\u00df es uns tr\u00f6ste und heile und fr\u00f6hlich mache. Im Namen Jesu sind wir beisammen und warten auf dich. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 1. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Mose 50, 15 &#8211; 21<\/p>\n\n\n\n<p>Die Br\u00fcder Josefs aber f\u00fcrchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef k\u00f6nnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum lie\u00dfen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Br\u00fcdern die Missetat und ihre S\u00fcnde, da\u00df sie so \u00fcbel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und seine Br\u00fcder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe wir sind deine Knechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Josef aber sprach zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Statt? Ihr gedachtet es b\u00f6se mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, n\u00e4mlich am Leben zu erhalten ein gro\u00dfes Volk. So f\u00fcrchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tr\u00f6stete sie und redete freundlich mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Halleluja, Halleluja, Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied, 243, 1,2,4+6<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 2. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lukas 6, 36 &#8211; 42<\/p>\n\n\n\n<p>Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht. so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedr\u00fccktes, ger\u00fctteltes und \u00fcberflie\u00dfendes Ma\u00df wird man in euren Scho\u00df geben; denn eben mit dem Ma\u00df, mit dem ihr me\u00dft, wird man euch wieder messen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcnger steht nicht \u00fcber dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, da\u00df du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei dir Herr!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lob sei dir o Christe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>La\u00dft uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unsers Glaubens:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an Gott, den Vater,<\/p>\n\n\n\n<p>den Allm\u00e4chtigen,<\/p>\n\n\n\n<p>den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde;<\/p>\n\n\n\n<p>und an Jesus Christus,<\/p>\n\n\n\n<p>seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,<\/p>\n\n\n\n<p>empfangen durch den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>geboren von der Jungfrau Maria,<\/p>\n\n\n\n<p>gelitten unter Pontius Pilatus,<\/p>\n\n\n\n<p>gekreuzigt, gestorben und begraben,<\/p>\n\n\n\n<p>hinabgestiegen in das Reich des Todes,<\/p>\n\n\n\n<p>am dritten Tage auferstanden von den Toten,<\/p>\n\n\n\n<p>aufgefahren in den Himmel;<\/p>\n\n\n\n<p>er sitzt zur Rechten Gottes,<\/p>\n\n\n\n<p>des allm\u00e4chtigen Vaters;<\/p>\n\n\n\n<p>von dort wird er kommen,<\/p>\n\n\n\n<p>zu richten die Lebenden und die Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>die heilige, christliche Kirche,<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinschaft der Heiligen,<\/p>\n\n\n\n<p>Vergebung der S\u00fcnden<\/p>\n\n\n\n<p>Auferstehung der Toten<\/p>\n\n\n\n<p>und das ewige Leben. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 495, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Preidigt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>R\u00f6m. 12, 17 &#8211; 21<\/p>\n\n\n\n<p>Vergeltet niemand B\u00f6ses mit B\u00f6sem. Seid auf Gutes bedacht gegen\u00fcber jedermann. Ist&#8217;s m\u00f6glich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00e4cht euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: &#8222;Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielmehr, &#8222;wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; d\u00fcrstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>Gut und B\u00f6se, das ist ein Thema, das seit Menschengedenken die Menschen besch\u00e4ftigt und weiter besch\u00e4ftigen wird, solange es Menschen gibt. Schriftsteller und M\u00e4rchenerz\u00e4hler, Philosophen und Theologen haben intensiv dar\u00fcber nachgedacht. Auch der Apostel Paulus hat dies in seinem Brief an die R\u00f6mer getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Er setzt sich mit der Erscheinung des B\u00f6sen auseinander. Genauer gesagt, geht es um das B\u00f6se, wie es uns in dem Verhalten b\u00f6swilliger und feindseliger Menschen begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst \u00fcberrascht die N\u00fcchternheit, mit der die Bibel von der M\u00f6glichkeit des B\u00f6sen redet, ja sie sozusagen als den Normalfall ansieht, \u00fcber den sich besonders zu wundern oder zu beklagen kein Anla\u00df besteht. Diese Wirklichkeit des Argen, unter der wir zu leiden haben, l\u00e4\u00dft sich weder durch psychologische Theorien aufl\u00f6sen, noch durch soziale oder p\u00e4dagogische Reformen allm\u00e4hlich zum Verschwinden bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie soll man sich nun verhalten, wenn jemand einem Schlechtes zuf\u00fcgt?<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein kann man beobachten, da\u00df B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergolten wird. Ja, dies kommt in der Welt so h\u00e4ufig vor, es ist scheinbar so normal, da\u00df man schon fast von einem Gesetz der Vergeltung und Rache sprechen kann. Blickt man auf das allgemeine Weltgeschehen, dann f\u00e4llt auf, wie oft in den Nachrichten von Gewalt und Gegengewalt berichtet wird, wie oft da z.B. von &#8222;Sanktionen&#8220; die Rede ist, die verh\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Rad der Vergeltung ist in st\u00e4ndiger Bewegung. Im gro\u00dfen Weltgeschehen wie im kleinen, privaten Bereich herrscht allgemein die Regel, da\u00df B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergolten wird, auch wenn die Betreffenden dies weit von sich weisen w\u00fcrden. Das gilt f\u00fcr die Ger\u00fcchtek\u00fcche, f\u00fcr \u00fcble Nachrede, f\u00fcr Feindseligkeiten zwischen Nachbarn oder innerhalb des Stadtteils oder des Dorfes.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es ist ja auch nur allzu verst\u00e4ndlich! Wenn einem Schlechtes widerf\u00e4hrt, ist man voller \u00c4rger und Zorn. Dieser \u00c4rger verleitet dazu, dem betreffenden Menschen wiederum ein \u00dcbel zuzuf\u00fcgen, ihn bewu\u00dft und unbewu\u00dft zu bestrafen, oder zumindest ihm etwas Gutes vorzuenthalten! Man ist guten Willens, aber es gelingt nicht; man will ruhig bleiben und wird doch aufbrausend, man will umsichtig sein und doch entwickeln sich die Worte verletzend. Es ist eine gro\u00dfe Versuchung so zu reagieren, ja man k\u00f6nnte meinen es ist wie eine heimliche Kraft, wie ein Sog, gegen den man nicht ankommt. Wer k\u00f6nnte sich vollends davon freimachen?<\/p>\n\n\n\n<p>Genau das aber ist die eigentliche Gefahr f\u00fcr uns Christinnen und Christen &#8211; die Neigung, dem \u00dcbel mit \u00dcblem zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Neigung des Menschen, so sagt Paulus, bedeutet den Sieg der Lieblosigkeit und st\u00e4rkt das B\u00f6se! Wir lassen uns auf die Spielregeln des B\u00f6sen ein, unser Denken und Handeln richtet sich dann nach dem Prinzip von Schlag und Gegenschlag. Wir lassen uns in die teuflische Logik des B\u00f6sen hineinziehen. Jede &#8222;Rache&#8220; ist ein Unterfangen, &#8222;den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben&#8220; und st\u00e4rkt die Macht des Gottfeindlichen. Das Rad der Vergeltung ist in st\u00e4ndiger Bewegung, und dabei kommt es gerade darauf an, da\u00df dieses Rad des Verderbens an uns Christinnen und Christen zerbricht. Wir sollen uns in der Begegnung mit dem B\u00f6sen eben nicht besiegen lassen, sondern uns selbst als Sieger bew\u00e4hren. Das geschieht aber nur dadurch, da\u00df wir uns entschlossen dem Sog nach Vergeltung entgegenstellen, indem wir &#8222;auf Gutes bedacht sind gegen\u00fcber jedermann&#8220;. Nur die Kr\u00e4fte des Guten, des Guten Willens, der guten &#8222;Nachrede&#8220;, des guten Handelns bedeuten einen Schutz gegen die Ansteckung durch das B\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Soweit es an euch liegt, haltet mit den Menschen Frieden&#8220;, sagt Paulus. Das hei\u00dft doch: Wir sind nicht allein f\u00fcr den Frieden verantwortlich, wir m\u00fcssen nicht alles hinnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn es dem b\u00f6sen Nachbarn nicht gef\u00e4llt&#8220;. sagt Schiller. Aber es gilt das eigene dazuzutun, es gilt seinen Beitrag zu leisten und in diesem Bem\u00fchen beharrlich zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Paulus weist uns auch an, wie wir uns gegen\u00fcber dem \u00fcbelwollenden Menschen verhalten sollen: &#8222;Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; d\u00fcrstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln (Spr 25,2f). Wer seinem Feind Gutes tut, wird feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln, d.h. der wird ihn so besch\u00e4men, da\u00df es in ihm wie ein Feuer brennt. Und diese Freundlichkeit kann unter Umst\u00e4nden sein verh\u00e4rtetes Herz erweichen und so das \u00fcble Wollen in ihm \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn das so leicht w\u00e4re mit dem, was Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom empfiehlt: nicht B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergelten, sondern Gutes tun; sich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden lassen, sondern das B\u00f6se mit Gutem \u00fcberwinden. Es klingt so, als w\u00e4re es das Einfachste auf der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich, seine Welt damals war anders als unsere heute. Vieles war undenkbar, was f\u00fcr uns heute selbstverst\u00e4ndlich ist. Aber es gab mindestens genausoviel B\u00f6ses, das bedrohlich f\u00fcr die Menschen war. Ich kann mir nicht vorstellen, da\u00df es der Gemeinde in Rom leichter fiel als uns heute, B\u00f6ses mit Gutem zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Paulus wei\u00df, wovon er schreibt. Er kennt die Welt und die Menschen &#8211; und er kennt sich. Er wei\u00df &#8211; nicht zuletzt aus seiner eigenen Lebensgeschichte &#8211; um diesen Gegensatz von Gut und B\u00f6se: Aus dem Christenverfolger Saulus wurde der Christenanwalt Paulus. So verschlie\u00dft er vor dem B\u00f6sen nicht seine Augen, sondern best\u00e4tigt, da\u00df es B\u00f6ses gibt: Strukturen und Situationen, an denen Menschen leiden. Und &#8211; er verteufelt nicht das B\u00f6se an sich und damit die Menschen, die B\u00f6ses tun, sondern nimmt es als gegeben an und setzt sich mit ihm auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst betont Paulus, wie wichtig es ist, gegen\u00fcber dem \u00dcbel eine bestimmte Grundhaltung einzunehmen: Es ist \u00fcberhaupt nicht unsere Aufgabe, Vergeltung zu \u00fcben. Daf\u00fcr sind wir sozusagen gar nicht zust\u00e4ndig: &#8222;R\u00e4cht euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: &#8218;Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr&#8220;, zitiert Paulus das Alte Testament.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Zorn Gottes Raum geben bedeutet, da\u00df Z\u00fcrnen Gottes Sache ist. Es ist weder unsere Aufgabe noch unser Recht Vergeltung zu \u00fcben; dies steht Gott zu und zwar ihm allein! Auf B\u00f6ses mit B\u00f6sem zu antworten, greift in das Recht Gottes ein, der sich &#8211; und zwar sich allein &#8211; den &#8222;Zorn&#8220; des Gerichts und der gerechten Strafe vorbehalten hat. Und wir k\u00f6nnen dies auch ruhig Gott \u00fcberlassen. Aus dem Bibelwort spricht, da\u00df Gott das Unrecht nicht \u00fcbersieht und Recht schaffen wird, und er allein wei\u00df wirklich, was in unserem gegen\u00fcber vorgeht. Wir k\u00f6nnen und sollen ihm diese Dinge \u00fcberlassen, bei ihm sind sie in guten H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber sollen wir mit unserem \u00c4rger, ja Zorn, und dem daraus erwachsenden Vergeltungsbedr\u00fcfnis umgehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Den Schl\u00fcssel zu dieser Frage finden wir in den Psalmen. Wenn man sich dort den Klagepsalmen zuwendet, so verbl\u00fcfft doch die Art und Weise, wie die Betenden hier sprechen: Ebenso heftig wie die Klage wird hier an Gott der Wunsch herangetragen, die Feinde m\u00f6gen umkommen, ja Gott solle sie geradezu zerschmettern und vom Erdboden austilgen, von Zorn und Vergeltungsdrang durchzogene Gebete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klagepsalmen haben ihren Festen Platz in der Bibel. Zu keiner Zeit sind sie ausgeschlossen gewesen. Dies l\u00e4\u00dft den Schlu\u00df zu: Gott erlaubt uns, so heftig, von Wut und Zorn bestimmt und dabei auch ungerecht werdend zu beten. Und im Bibeltext steht ja auch keineswegs geschrieben: Denke niemals b\u00f6se \u00fcber deine Feind, lobe sie im Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>Solch unausgewogenes und ungerecht werdendes Gebet erlaubt Gott uns auch um unseretwillen, damit uns \u00c4rger, Wut und Ha\u00dfgef\u00fchle nicht zerfressen, damit sie auf diese Weise abgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der empfohlenen Grundhaltung gegen\u00fcber der Vergeltung und den Klagepsalmen ist etwas wichtiges gemeinsam: Ihr Gegen\u00fcber ist Gott; sie rechnen mit Gott, er ist und bleibt der ma\u00dfgeblich Handelnde, ihm bleibt die angemessene Antwort auf das Unrecht vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Psalmgebete sind ja nicht Ank\u00fcndigungen, da\u00df man demn\u00e4chst seine Feinde zerschmettern wird, sondern sind W\u00fcnsche an Gott, Aufforderungen an ihn, er m\u00f6ge solches tun. In den Psalmen wie auch bei Paulus wird Gott als der gesehen, in dessen H\u00e4nden das Geschehen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf eines mu\u00df noch hingewiesen werden: Christus hat in seiner Begegnung mit dem B\u00f6sen den Sieg davongetragen. Den Weg, wie man B\u00f6ses mit Gutem \u00fcberwinden kann hat Jesus in seiner Bergpredigt beschrieben: Liebe ver\u00e4ndert die Menschen und damit die Welt. Jesus hat diese ver\u00e4ndernde Liebe verk\u00f6rpert. Wer sich in Gottes Liebe hineinnehmen l\u00e4\u00dft, wird bef\u00e4higt, aus der Liebe zu leben. Die Liebe ist der Ma\u00dfstab f\u00fcr Gut und B\u00f6se. Kein Mensch soll von der Liebe ausgenommen sein, so ist es Gottes Willen, und das soll auch bei den Glaubenden so sein. Gottes Ma\u00dfstab ist die Liebe, die allen Menschen gilt. Er wird es gut machen. Keiner und keine kommt bei ihm zu kurz, keine und keinen vergi\u00dft er.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich brauche mich nicht selbst zu r\u00e4chen, brauche nicht selbst f\u00fcr meine Gerechtigkeit zu sorgen, wodurch ich sicherlich die Spirale des B\u00f6sen weiter fortf\u00fchren w\u00fcrde. Das kann ich Gott \u00fcberlassen. Ich kann meine Energie und Phantasie verwenden, um dem B\u00f6sen Gutes entgegenzusetzen, in mir und f\u00fcr die anderen; ich kann meine Energie und Phantasie verwenden, um aus meinen Feinden meine Freunde zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein langer, schwerer Weg, zu dem Paulus die Gemeinde in Rom und uns heute ermutigt, aber es ist der einzige Weg, den Teufelskreis des B\u00f6sen zu unterbrechen. Friede und Liebe werden m\u00f6glich. Friede und Liebe werden die Menschen und die Welt ver\u00e4ndern. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 420, 1-5<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Abk\u00fcndigungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 171 und Kollekte<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: F\u00fcrbittengebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Freundlicher Gott, schenke uns beh\u00fctetes Leben,<\/p>\n\n\n\n<p>gib gute Zeit und Tage mit klaren Zielen. Wir bitten dich<\/p>\n\n\n\n<p>darum f\u00fcr uns und alle, die du uns zu unseren N\u00e4chsten<\/p>\n\n\n\n<p>gemacht hast.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich um Augen, die hellsichtig sind f\u00fcr<\/p>\n\n\n\n<p>die Zeichen der Not, f\u00fcr Winke zum Helfen;<\/p>\n\n\n\n<p>um offene Ohren, die uns auch die halblauten Bitten<\/p>\n\n\n\n<p>anderer h\u00f6ren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich um Fingerspitzengef\u00fchl im Umgang<\/p>\n\n\n\n<p>mit schwierigen Menschen; um ein gutes Ged\u00e4chtnis<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr die Sorgen, die jemand uns anvertraut hat, und f\u00fcr die<\/p>\n\n\n\n<p>Dinge, die wir zu tun versprochen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich um gute Nerven, damit wir uns nicht an<\/p>\n\n\n\n<p>Kleinigkeiten gegenseitig zerreiben, denn<\/p>\n\n\n\n<p>du willst keine ver\u00e4rgerten Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich um ein fr\u00f6hliches Gesicht und um<\/p>\n\n\n\n<p>ein L\u00e4cheln, das aus dem Herzen kommt,<\/p>\n\n\n\n<p>denn andere sollen sich an uns freuen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist uns zugetan wie ein Freund; la\u00df uns in<\/p>\n\n\n\n<p>allem so gesinnt sein, wie Jesus Christus gesinnt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was uns noch bedr\u00e4ngt bringen wir vor dich<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir<\/p>\n\n\n\n<p>und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelnachspiel<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrerin Marion Eimuth 4. Sonntag nach Trinitatis 30.6.96 R\u00f6m. 12, 17 &#8211; 21 Orgelvorspiel Gemeinde: Eingangslied: EG 452, 1, 2, 4+5 Pfarrerin: Psalm 42: Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. 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