{"id":4322,"date":"1997-05-26T01:19:00","date_gmt":"1997-05-25T23:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4322"},"modified":"2021-02-16T01:21:14","modified_gmt":"2021-02-15T23:21:14","slug":"seien-wir-mutig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4322","title":{"rendered":"Seien wir mutig"},"content":{"rendered":"\n<p>Andacht, 26. 5. 1997<\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrerin Marion Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p>Orgelvorspiel<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: 319, 1-4 Die beste Zeit im Jahr ist mein<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm: 145 Nr. 756<\/p>\n\n\n\n<p>Ansprache:<\/p>\n\n\n\n<p>Apg. 2, 1-13<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p>gestern war der Trinitatissonntag, das Fest der Dreifaltigkeit. Es ist die Dreiheit der g\u00f6ttlichen Personen: Vater &#8211; Sohn und Heiliger Geist. Und damit h\u00e4ngt eng das Pfingstfest, die Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes zuammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ein paar Wochen habe ich mit Erzieherinnen dar\u00fcber gearbeitet. Wir haben \u00fcberlegt, was der Heilige Geist f\u00fcr eine jede von uns ist, was darunter zu verstehen ist, welche Probleme das Pfingstfest macht und was davon an Kinder weitergegeben werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Erzieherinnen ging es wie vielen Menschen, zun\u00e4chst mal ist es ein Fest mit einem freien Tag. Sie freuen sich, mal wieder richtig ausspannen zu k\u00f6nnen. Und das ist sicher auch n\u00f6tig. An Feiertagen darf man sich ausruhen. Wir sind aber auch dazu eingeladen \u00fcber das, was es zu feiern gibt, nachzudenken. Anders als an Weihnachten oder an Ostern begleiten uns an Pfingsten wenig Br\u00e4uche.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfingsten scheint zweitklassig. Und dabei ist Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes! Der Heilige Geist ist die Kraft, die treibt, bewegt und ver\u00e4ndert. Das merken wir heute ebenso wie damals die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger Jesu es bemerkt und erlebt haben. Sie, die Gruppe, die Jesu folgte, hatten sich zur\u00fcckgezogen und lebten in gro\u00dfer Angst. Die kleine Christenschar hatte sich an diesem j\u00fcdischen Erntefest, sieben Wochen nach Ostern, in einem Haus in Jerusalem versammelt. Dabei wurden, wie wir eben h\u00f6rten, alle mit dem Heiligen Geist erf\u00fcllt. Und die Versammelten fingen an, in anderen Sprachen zu predigen. Sie hatten den Geist Gottes erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle, die sich zu Pfingsten versammelt haben, sind bewegt, sie erleben, was sie nicht fassen k\u00f6nnen. Die Sprache wird nicht zur Abgrenzung oder zu dialogischer Auseinandersetzung benutzt. Sprache dr\u00fcckt hier Zusammengeh\u00f6rigkeit aus. Jedem und jeder klingt die Sprache des anderen vertraut. Sogar ein Verstehen ohne Worte, wie es sich in der Liebe zwischen zwei Menschen ereignet, scheint im Pfingstgeschehen m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottes Geist befreit zum Leben. Genau dies hat an Pfingsten seinen Anfang genommen. Menschen, die an Jesus Christus glaubten, haben Atem und neue Luft gesch\u00f6pft, haben Mut gefunden, weiterzusagen, was sie bewegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfingsten ist nicht nur das alte j\u00fcdische Erntedankfest der ersten Fr\u00fcchte. Pfingsten ist mehr. Es ist das Fest des Heiligen Geistes. Das Fest, das neue Perspektiven er\u00f6ffnet. Der Geist von Pfingsten schafft Verbindungen, baut Br\u00fccken. Wie in der biblischen Pfingsterz\u00e4hlung auf einmal die Sprachbarrieren \u00fcberwunden werden, so wird es auch der Kraft dieses Geistes gelingen, neue M\u00f6glichkeiten zu entdecken. Der Heilige Geist l\u00e4dt ein neue Wege auszuprobieren. Dieser Geist will uns stark machen f\u00fcr den Kampf gegen jede Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserem Sprachgebrauch h\u00e4ngen Geist und Denken zusammen. Geistvolles und Geistreiches begeistert mehr als leeres Gerede. So wird auch der Heilige Geist uns immer wieder dazu auffordern, sich unseres Verstandes zu bedienen. Auch und gerade wenn es um die Verbindung zu unseren Mitmenschen geht. Aus der Kraft dieses Geistes kann es uns gelingen, unerm\u00fcdlich zu bleiben und Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geist und Denken geh\u00f6ren zusammen. Doch lassen sich gerade die Kirchen die den Geist betonen, vom Gef\u00fchl leiten. Gef\u00fchle sind wichtig und f\u00fcr Christinnen und Christen in ihrer Beziehung zu Gott unabdingbar notwendig. Doch wir Menschen verf\u00fcgen \u00fcber Gef\u00fchl und Verstand. Beides geh\u00f6rt zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit verbreiten sich Gruppen, die Wert auf spektakul\u00e4re Geistgaben legen. In Lateinamerika haben die Pfingstkirchen gro\u00dfen Zulauf, in Nordamerika betonen Fernsehprediger mit oft zweifelhaften Gesch\u00e4ftsgebaren die scheinbar neuentdeckten Charismen und auch hier in Frankfurt haben sich in den letzten Jahren Gemeinden gegr\u00fcndet, die einer neuen Erweckungsbewegung zuzurechnen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist das Reden in Zungen eine m\u00f6gliche Gabe. Das Zungenreden, Glossolalie genannt, geh\u00f6rt allgemein zu den wichtigsten Erscheinungsformen religi\u00f6ser Ekstase: in einem Zustand der Begeisterung werden zusammenh\u00e4ngende, keiner menschlichen Sprache verwandte Laute hervorgesto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zungenreden ist f\u00fcr Lukas Anzeichen h\u00f6chster religi\u00f6ser Zuwendung, es ist f\u00fcr ihn die Sprache der Engel im Menschenmund. Paulus dagegen beurteilt das ganz anders. Er tritt diesem Ph\u00e4nomen unverhohlen kritisch gegen\u00fcber. Er warnt vor der \u00dcberbetonung des Gef\u00fchls. Auch heute gilt diese Einsch\u00e4tzung noch. Es gibt in diesen pfingstlerisch-orientierten Gemeinden so etwas wie eine Sucht nach dem Au\u00dfergew\u00f6hnlichen, nach dem Spektakul\u00e4ren. Das Unscheinbare, das Allt\u00e4gliche mu\u00df in den Hintergrund treten. Dabei ist doch gerade die Botschaft von Pfingsten, da\u00df der Heilige Geist Christinnen und Christen im Alltag begegnet. Diese Kraft wirkt vielf\u00e4ltig. Sie hebt Sprachlosigkeit und Sprachverwirrung auf. Ein L\u00e4cheln, ein freundliches Wort kann ein solcher Neuanfang sein. In diesem Geist sp\u00fcren wir die Zuwendung, die uns andere entgegenbringen. In diesem Geist w\u00e4chst die Kraft, andere zu tr\u00f6sten und zu st\u00e4rken. Und das k\u00f6nnen auch Kinder verstehen und erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>So gesehen, ist das Pfingstfest auch in der Kindertagesst\u00e4ttenarbeit ebenso pr\u00e4sent wie Weihnachten und Ostern. Es geh\u00f6rt zu uns wie eben jener Geist, den wir den Heiligen Geist nennen. Pfingsten ist ein Teil unserer Tradition. Die Erzieherinnen, von denen ich eingangs sprach, haben sich auf den Weg gemacht, ihn zu entdecken. Seien wir nur ebenso mutig und machen uns auf den Weg, diese geheimnisvolle Kraft wirken zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir suchen dich in der Ferne,<\/p>\n\n\n\n<p>doch du bist uns<\/p>\n\n\n\n<p>durch deinen Geist ganz nah.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch ihn gibst du den Schwachen Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch ihn tr\u00f6stet du die Traurigen<\/p>\n\n\n\n<p>und ermutigst die Verzagenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mach uns zu geistesgegenw\u00e4rtigen Menschen,<\/p>\n\n\n\n<p>die mit offenen Augen durch diese Welt gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Geist schafft Verst\u00e4ndigung<\/p>\n\n\n\n<p>und Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich f\u00fcr alle Menschen,<\/p>\n\n\n\n<p>die sich nicht mehr verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schenke uns mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Geist will uns zu freien Menschen machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Befreie uns von der Sorge um uns selbst<\/p>\n\n\n\n<p>und schenke uns das Vertrauen,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df du f\u00fcr uns sorgst. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: 126, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Segen: Und der Friede Gottes bewahre unsere Herzen und Sinne im Geist Jesu Christi. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht, 26. 5. 1997 Pfarrerin Marion Eimuth Orgelvorspiel Lied: 319, 1-4 Die beste Zeit im Jahr ist mein Psalm: 145 Nr. 756 Ansprache: Apg. 2, 1-13 Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestern war der Trinitatissonntag, das Fest der Dreifaltigkeit. 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