{"id":4320,"date":"1997-11-14T01:17:00","date_gmt":"1997-11-13T23:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4320"},"modified":"2021-02-16T01:18:22","modified_gmt":"2021-02-15T23:18:22","slug":"hier-ist-ein-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4320","title":{"rendered":"Hier ist ein Mensch"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vorletzter Sonntag, Mt 25,31-46<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrerin Marion Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><strong>14.11.1997<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelvorspiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Eingangslied: EG 152,, 1-4<\/p>\n\n\n\n<p>Zum heutigen Sonntag, dem Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, begr\u00fc\u00dfe ich sie ganz herzlich. Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Psalm :50<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, der Herr, der M\u00e4chtige,<\/p>\n\n\n\n<p>redet und ruft der Welt zu<\/p>\n\n\n\n<p>vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Zion bricht an der sch\u00f6ne Glanz Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Gott kommt und schweiget nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ruft Himmel und Erde zu,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df er sein Volk richten wolle:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;H\u00f6re, mein Volk, la\u00df mich reden;<\/p>\n\n\n\n<p>Israel, ich will wider dich zeugen:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich, Gott, bin dein Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Opfere Gott Dank<\/p>\n\n\n\n<p>und erf\u00fclle dem H\u00f6chsten deine Gel\u00fcbde<\/p>\n\n\n\n<p>und rufe mich an in der Not,<\/p>\n\n\n\n<p>so will ich dich erretten,<\/p>\n\n\n\n<p>und du sollst mich preisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Begreift es doch, die ihr Gott vergesset,<\/p>\n\n\n\n<p>damit ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Dank opfert, der preiset mich,<\/p>\n\n\n\n<p>und da ist der Weg, da\u00df ich ihm zeige mein Heil.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt , la\u00dft uns anbeten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Ehr sei dem Vater und dem Sohn..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: S\u00fcndenbekenntnis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute &#8211; am Volkstrauertag &#8211; denken wir an die Toten vergangener und gegenw\u00e4rtiger Kriege, an die Opfer von Unrecht und Ausbeutung, an die Millionen, die vor Hunger sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie klagen uns an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo haben wir dem Frieden,<\/p>\n\n\n\n<p>wo haben wir der Gerechtigkeit,<\/p>\n\n\n\n<p>wo haben wir dem Leben gedient?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben das Elend nicht wahrgenommen<\/p>\n\n\n\n<p>und nicht wahrhaben wollen &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>damals nicht und heute nicht,<\/p>\n\n\n\n<p>haben uns beruhigt:<\/p>\n\n\n\n<p>Da kann man doch nichts machen,<\/p>\n\n\n\n<p>das Schicksal hat es so gewollt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr, erbarme dich!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Herre, Gott, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Christe, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Herre Gott, erbarme dich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gandenwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spie\u00dfe zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he:&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Allein Gott in der H\u00f6h sei Ehr<\/p>\n\n\n\n<p>und Dank f\u00fcr seine Gnade, darum da\u00df nun<\/p>\n\n\n\n<p>und nimmermehr uns r\u00fchren kann kein<\/p>\n\n\n\n<p>Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;<\/p>\n\n\n\n<p>nun ist gro\u00df Fried ohn Unterla\u00df, all Fehd<\/p>\n\n\n\n<p>hat nun ein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Du, guter Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>nimmst dir in deiner Barmherzigkeit Zeit f\u00fcr mich. Ich kann zu dir kommen mit meiner Not, meinem Kummer, meiner Angst, meinen Strapazen, meiner \u00dcberanstrengung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gib mir heute morgen Zeichen deiner N\u00e4he, gib mir ein Wort, das mir Kraft gibt zum Leben und an dem ich merke, da\u00df es Menschen gibt, mit denen ich teilen k\u00f6nnte meinen Kummer und meine Not. Gib mir Kraft, da\u00df sich meine Augen \u00f6ffnen f\u00fcr die gef\u00fcllten H\u00e4nde, die ich habe, gef\u00fcllt mit Zeit und G\u00fctern, und da\u00df ich selbst barmherzig sein kann mit den Menschen, die mir heute und in der kommenden Woche begegnen, f\u00fcr die Menschen mit ihrem Kummer, ihrer Angst, ihren Strapazen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gib mit ein offenes Ohr und einen aufmerksamen Geist f\u00fcr die Zeichen deiner N\u00e4he durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 1. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jer 8, 4-7<\/p>\n\n\n\n<p>Sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, wenn er f\u00e4llt, der nicht gern wieder aufst\u00fcnde: Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me? Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen f\u00fcr und f\u00fcr? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, da\u00df sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und h\u00f6re, da\u00df sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid w\u00e4re und der spr\u00e4che: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinst\u00fcrmt. Der Storch unter dem Himmel wei\u00df seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen: aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Halleluja, Halleluja, Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied, 149, 1-3,5<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 2. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>R\u00f6m 8 18-23<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegen\u00fcber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das \u00e4ngstliche Harren der Kreatur wartet darauf, da\u00df die Kinder Gottes offenbar werden. Die Sch\u00f6pfung ist ja unterworfen der Verg\u00e4nglichkeit &#8211; ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat &#8211; , doch auf Hoffnung; denn auch die Sch\u00f6pfung wird frei werden von der Knechtschaft der Verg\u00e4nglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, da\u00df die ganze Sch\u00f6pfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich \u00e4ngstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erl\u00f6sung unseres Leibes.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei dir Herr!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lob sei dir o Christe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>La\u00dft uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unsers Glaubens:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an Gott, den Vater,<\/p>\n\n\n\n<p>den Allm\u00e4chtigen,<\/p>\n\n\n\n<p>den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde;<\/p>\n\n\n\n<p>und an Jesus Christus,<\/p>\n\n\n\n<p>seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,<\/p>\n\n\n\n<p>empfangen durch den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>geboren von der Jungfrau Maria,<\/p>\n\n\n\n<p>gelitten unter Pontius Pilatus,<\/p>\n\n\n\n<p>gekreuzigt, gestorben und begraben,<\/p>\n\n\n\n<p>hinabgestiegen in das Reich des Todes,<\/p>\n\n\n\n<p>am dritten Tage auferstanden von den Toten,<\/p>\n\n\n\n<p>aufgefahren in den Himmel;<\/p>\n\n\n\n<p>er sitzt zur Rechten Gottes,<\/p>\n\n\n\n<p>des allm\u00e4chtigen Vaters;<\/p>\n\n\n\n<p>von dort wird er kommen,<\/p>\n\n\n\n<p>zu richten die Lebenden und die Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>die heilige, christliche Kirche,<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinschaft der Heiligen,<\/p>\n\n\n\n<p>Vergebung der S\u00fcnden<\/p>\n\n\n\n<p>Auferstehung der Toten<\/p>\n\n\n\n<p>und das ewige Leben. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied , 432, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Predigt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Text, Mt 25, 31-46<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den B\u00f6cken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die B\u00f6cke zur Linken. Da wird dann der K\u00f6nig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gef\u00e4ngnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gef\u00e4ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gef\u00e4ngnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gef\u00e4ngnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Fenster der Turmhalle des Stra\u00dfburger M\u00fcnsters aus dem Jahr 1350 werden die Werke der Barmherzigkeit gezeigt. Da ist Christus zu sehen als Bed\u00fcrftiger und Notleidender, als einer, dem selbst Bamrherzigkeit verweigert wird. Eine Darstellung aus einer Zeit, in der die Pest die Menschen Europas so schrecklich heimsuchte. Eine der Inschriften sagt: &#8222;Do ich hungrik was, ir spiset mich nit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder und Worte am Eingang, die anr\u00fchren k\u00f6nnen. Es geht um dich und darum, wie du Gott begegnen kannst. So k\u00f6nnen wir in die Worte Jesu hineinh\u00f6ren, heute, am vorletzten Sonntag im Jahr der Kirche, der auch Volkstrauertag genannt wird. Es ist ja der Tag, an dem wir alle an die schrecklichen Folgen des Weltkrieges und des unvorstellbaren Mordens an Mitmenschen denken und Gott draum bitten wollen, da\u00df er unsere Gedanken auf den Weg des Friedens lenke.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen nicht umhin, heute morgen aus unserem Evangelium herauszuh\u00f6ren, da\u00df das Worte sind, die von einem Gericht sprechen und davon, da\u00df Jesus wiederkommen wird und zu Gericht sitzen. Und es wird uns das Bild aus dem Alltag der Hirten in Pal\u00e4stina vor Augen gef\u00fchrt: Tags\u00fcber weiden sie die Schafe und Ziegen. F\u00fcr die Nacht aber werden sie getrennt, die Ziegen kommen in einen Stall, weil sie die K\u00fchle der Nacht nicht vertragen, w\u00e4hrend sich die Schafe auch in der Nacht lieber im Freien aufhalten. Schafe sind wertvoller als Ziegen, deshalb wird ihnen der Platz zur Rechten zugewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein idyllisches Bild f\u00fcr einen ernsten Vorgang: Am Ende der Tage werden Gerechte und Ungerechte getrennt, und es wird deutlich werden, wer sich in seinem Leben bei dem, was er tat, hat leiten lassen von dem, was Jesus erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Niem\u00f6ller, der nach seinen Lebensmaximen befragt wurde, hat gesagt: &#8222;Ich stelle mir immer die Frage: &#8218;Was w\u00fcrde Jesus dazu sagen'&#8220;? Dann, am Ende der Tage, so unser Evangelium, werden wir erfahren, was Jesus wirklich zu allem sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher k\u00f6nnen wir uns fragen: Bewegt der Gedanke an ein zuk\u00fcnftiges Gericht \u00fcber unsere Taten und Unterlassungen heute noch die Menschen? Auch f\u00fcr viele Christen ist das Bild vom Gericht in den Hintergrund ger\u00fcckt, wenn nicht gar unertr\u00e4glich geworden, und sie sagen: Ein richtender, w\u00fctender Gott entspricht nicht dem, was wir von Gott aus der Bibel h\u00f6ren, der die Liebe ist. Gericht ist mittelalterlich. Und ehrlicherweise werden wir das auch heute morgen bekennen m\u00fcssen: Wir gehen nachher ruhig auseinander und rechnen in unserem Verhalten nicht damit, da\u00df das eintritt, was wir geh\u00f6rt haben und worum wir beim Abendmahl bitten: &#8222;Ja, komm, Herr Jesus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch werden wir bedenken m\u00fcssen, wenn wir die Worte Jesu aufmerksam h\u00f6ren wollen: K\u00f6nnen wir zuversichtliche, fr\u00f6hliche, mutige Christen sein, ohne auf ein Ziel zuzugehen? K\u00f6nnen wir uns einsetzen f\u00fcr Wahrheit, Liebe, Frieden, wenn wir sagen, da\u00df L\u00fcge, Selbstgef\u00e4lligkeit, Hunger und Krieg das letzte Wort behalten werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Ob man sich diesen Vorgang am Ende vorstellt verbunden mit katastrophenartigen Bildern, wie sie auch in der Bibel stehen, oder mehr als eine innere Bewegung, das ist nicht wesentlich. Wichtig daran allein bleibt, da\u00df unser Geschick nicht im Sande verl\u00e4uft. Sondern Christus wird mir als Richter erscheinen und von Angesicht zu Angesicht das \u00dcberraschende sagen: &#8222;Ich bin dir schon l\u00e4ngst begegnet. Was du getan hast den Geringsten meiner Br\u00fcder und Schwestern, das hast du mir getan.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er erwartet von uns unbemerkte, kleine, schlichte Zeichen. Zeichen der Aufmerksamkeit daf\u00fcr: Hier ist ein Mensch. Ist er nicht wichtiger als alles andere? Das ist Barmherzigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Jesus vom Hungrigen spricht, der Nahrung braucht, dann gehen uns ja die schrecklichen Bilder nicht aus dem Sinn aus dem Innern Afrikas, wenn sterbende Menschen noch einmal ihre Hand flehend aufhalten und bitten: ein paar K\u00f6rner Reis, ein Schluck sauberes Wasser! Und wir h\u00f6ren, da\u00df die Zahl der Kinder, die an Hunger sterben m\u00fcssen, weltweit nicht geringer wird: alle zwei Sekunden stirbt eines.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder und jede von uns wird wissen, wie man mit Spenden Not lindern kann. Es geht aber auch noch um einen tieferen Vorgang: nicht nur das, was wir geben, kann f\u00fcr andere Nahrung sein, sondern wir selbst. Die Zeit, die ich gebe, mein Zuh\u00f6ren, mein Teilnehmen kann schon satt machen. Auch mich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Durstigen zu trinken geben k\u00f6nnte hei\u00dfen: aufmerksam h\u00f6ren auf die Not, die sich verborgen hat, die sich gar nicht mehr aussprechen kann, weil sie mit so vielem zugedeckt wird. Es k\u00f6nnte hei\u00dfen: Nicht ausweichen, sondern zuh\u00f6ren und ohne Belehrungen sagen: Du bist nicht allein. Durst wird gestillt, und Hoffnung keimt auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rchen von des Kaisers neuen Kleidern wird von einem kleinen Jungen nicht nur ein Betrug aufgedeckt, als er unbefangen \u00fcber den Kaiser sagt: &#8222;Der ist ja nackt.&#8220; Sondern es wird auch aufgedeckt Eitelkeit und Duckm\u00e4usertum. Durch eine einzige Feststellung ist der Kaiser entlarvt und die, die ihn betrogen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schlimm, pl\u00f6tzlich nackt dazustehen, blo\u00dfgestellt. Kann es etwas Entw\u00fcrdegenderes geben als dies, wenn das, was einer schamhaft verbergen m\u00f6chte in seinem Innern, ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gezerrt wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne Menschen, in deren N\u00e4he ich mich deshalb wohlf\u00fchle, weil ich wei\u00df, sie kennen mich genau, manchmal besser, als ich mich selbst kenne. Und ich kann doch das Vertrauen haben, da\u00df ihre Zur\u00fcckhaltung mich sch\u00fctzend und tr\u00f6stlich umgibt wie ein w\u00e4rmender Mantel im Winter. Und ich begreife in ihrer N\u00e4he viel von Gottes Barmherzigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei M\u00f6glichkeit haben wir geh\u00f6rt, wie Barmherzigkeit werden kann. Und immer geht es um Menschen, die einander n\u00f6tig haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag merkw\u00fcrdig erscheinen, da\u00df mittelalterliche Fr\u00f6mmigkeit den sechs Werken der Barmherzigkeit ein siebtes hinzugef\u00fcgt hat: Tote begraben. Doch zeichenhaft ergibt auch das Sinn: Ich kann etwas tun f\u00fcr den, der gerade nichts mehr tun kann. Ich kann mich vor dem Guten und Sch\u00f6nen, das einer in seinem Leben getan hat, verneigen, denken an die M\u00f6glichkeiten, die vielleicht noch vor ihm standen, und ich gebe alles zur\u00fcck in Gottes H\u00e4nde, wei\u00df ihn in Gottes Barmherzigkeit geborgen, von der alles einmal seinen Ausgang nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kreis schlie\u00dft sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts Au\u00dferordentliches nennt Christus in Mt 25, nur dies: Hier ist ein Mensch. Nicht hundert, nicht zehn Menschen. Ein Mensch, einer, der dich n\u00f6tig hat, der dich braucht. Deshalb ist es trotz aller Not keine traurige, deprimierende Welt. Denn wo Menschen einander brauchen, da ist Gelegenheit, die Tage sinnvoll zu sehen, da ist Leben, da ist Entdeckung, da ist ein weiter Horizont f\u00fcr Begegnung, und es sp\u00fcrt eine pl\u00f6tzlich, was sie kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott schenke uns, da\u00df wir begreifen, wie aus seiner Barmherzigkeit unsere H\u00e4nde schon l\u00e4ngst gef\u00fcllt sind und wir sie nur aufzumachen brauchen, nicht krampfhaft festhalten m\u00fcssen. Und wenn wir unsere H\u00e4nde auftun, steht er pl\u00f6tzlich vor uns mit Schwestern und Br\u00fcdern und sagt: Komm her zu mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 413, 1-5<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Abk\u00fcndigungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 632, 1-5 und Kollekte<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: F\u00fcrbittengebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fctiger Gott, du gibst uns Menschen an die Seite, mit denen wir ein St\u00fcck unseres Lebens gemeinsam gehen, Menschen, die uns l\u00e4nger begleiten oder die uns nur kurz begegnen. Manchmal ist es uns eine Freude und Erleichterung, manchmal beschwerlich, weil sie uns zu tragen geben. F\u00fcr sie alle bitten wir heute:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr die, die sich nicht zurechtfinden in der Gestaltung ihres Lebens, die kein Ziel haben, auf das sie zugehen k\u00f6nnen, da\u00df sie eine Aufgabe finden, f\u00fcr die sie sich einsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr die versch\u00e4mt Armen, die ihre Not nicht an die gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen m\u00f6gen, da\u00df ihnen M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet werden, ihr Leben in W\u00fcrde zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr unsere Politikerinnen und Politiker, da\u00df sie nicht allein ihre Arbeit tun in der Sorge, wie die leeren Kassen gef\u00fcllt werden k\u00f6nnen, sondern da\u00df sie stets die Menschen im Blick haben, die sich um ihr Auskommen sehr m\u00fchen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr die, die heute an die Opfer der Kriege denken und an das schreckliche Morden, f\u00fcr die, die an Leid und Schuld sich erinnern, das so viele Wunden zugef\u00fcgt hat, die kaum zu heilen sind auch nach so langer Zeit nicht, da\u00df ihr Schmerz, ihr Mahnen nicht im Gedenken stecken bleiben, sondern zu einem friedvollen Miteinander in unserem Land und weltweit Mut machen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr uns selbst, da\u00df wir nicht erschrecken und mutlos werden vor den vielen Aufgaben, die wir zu bew\u00e4ltigen haben, sondern da\u00df wir sorglos und gelassen einem Bruder und einer Schwester gerade jetzt das geben k\u00f6nnen, was er und sie brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gib offene Augen, Ohren und H\u00e4nde, die sp\u00fcren, was fehlt und was wir geben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was uns noch bedr\u00e4ngt bringen wir vor dich<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir<\/p>\n\n\n\n<p>und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelnachspiel<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorletzter Sonntag, Mt 25,31-46 Pfarrerin Marion Eimuth 14.11.1997 Orgelvorspiel Gemeinde: Eingangslied: EG 152,, 1-4 Zum heutigen Sonntag, dem Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, begr\u00fc\u00dfe ich sie ganz herzlich. Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Pfarrerin:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[382],"tags":[],"class_list":["post-4320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-andachten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4320"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4321,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4320\/revisions\/4321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}