{"id":4317,"date":"1997-01-20T01:11:00","date_gmt":"1997-01-19T23:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4317"},"modified":"2021-02-16T01:14:26","modified_gmt":"2021-02-15T23:14:26","slug":"4317","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4317","title":{"rendered":"Was bedeutet Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pfarrerin Marion Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andacht, 20. 1. 1997<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Orgelvorspiel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lied: EG 72, 1-6<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Psalm 92, Nr. 737<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ansprache:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Jahr findet der Kirchentag in Leipzig statt. Er steht unter dem Motto: &#8222;Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich selbst bin bei der Vorbereitung im Markt der M\u00f6glichkeiten mit der Bundesvereinigung Kindertagesst\u00e4tten. Wir haben gemerkt, da\u00df das Thema eine Herausforderung f\u00fcr uns ist. Was ist gerecht oder ungerecht? Ist es gerecht, da\u00df Menschen die einen Arbeitsplatz haben sich krank schuften oder andere krank werden, weil sie keinen Arbeitsplatz haben und sich \u00fcberfl\u00fcssig f\u00fchlen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist in dem Vorbereitungsheft zum Kirchentag zu lesen, da\u00df Leben nur gelingen und weitergehen kann, &#8222;wenn es gerecht zugeht in unseren Familien, in unserem Land, in Europa und in der Welt&#8230; Unsere kleine Gerechtigkeit ist der menschenm\u00f6gliche Versuch, Gottes Gerechtigkeit zu entsprechen&#8220;. Leben beh\u00e4lt seinen Sinn und Wert, wenn es sich auf die Gerechtigkeit Gottes verl\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierzu sind f\u00fcr jeden Tag Bibeltexte ausgesucht die dies unterstreichen sollen. Einen m\u00f6gchte ich mit Ihnen heute morgen lesen: Es sind die Arbeiter im Weinberg im Matth\u00e4usevangelium, im 20. Kapitel, die Verse 1-16:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus erz\u00e4hlt eine Geschichte aus dem Leben. Ein allt\u00e4glicher Vorgang wird beschrieben, n\u00e4mlich, da\u00df ein Weinbergbesitzer auf dem Markt Tagel\u00f6hner mietet. Die Arbeitssuchenden warten dort auf Auftr\u00e4ge. Der Weinbergbesitzer geht selbst auf die Suche nach Arbeitern. Daraus l\u00e4\u00dft sich schlie\u00dfen, da\u00df er keiner von den Gro\u00dfgrundbesitzern ist. Die lassen solche Arbeiten durch Verwaltungssklaven ausf\u00fchren und von der Weinernte selbst merken sie nicht viel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Marktplatz warten gen\u00fcgend Tagel\u00f6hner. Selbst in der Erntezeit scheint Arbeitslosigkeit bei Landarbeitern die Regel zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnf Gruppen von Arbeitern werden zu unterschiedlichen Stunden gemietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der ersten Gruppe wird ein Tagelohn vereinbart. &#8222;Sie stimmen dem Preis und der Arbeitszeit zu und werden dann an die Arbeit geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den vier weiteren Gruppen wird jedoch so keine vollst\u00e4ndige Vereinbarung getroffen. &#8211; Die Lohnh\u00f6he bleibt offen: &#8222;was recht ist will ich euch geben&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Position der Arbeitslosen ist offensichtlich so schwach, da\u00df sie ohne klare Lohnvereinbarung an die Arbeit gehen und in Kauf nehmen, von dem Weinbergbesitzer auch unter ihren Erwartungen entlohnt zu werden. Bei der letzten Gruppe, die um die 11. Stunde gemietet werden, ist \u00fcberhaupt nicht mehr von Lohn die Rede.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Arbeitstag dauert von Sonnenaufgang bis vor Sonnenuntergang. Es sind z.Zt. der Traubenernte im August\/September etwa 12-13 Stunden. Die Arbeiter der 11. Stunde haben vermutlich nur noch eine gute Stunde gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wesentliche in dieser Erz\u00e4hlung ist die Auseinandersetzung um den Lohn, die an den beiden extremen Gruppen demonstriert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lohnauszahlung ist am Abend. Sie d\u00fcrfte bei Tagel\u00f6hnern die Regel gewesen sein, es sei denn, der Arbeitgeber versucht, die Tagel\u00f6hner um ihren Lohn zu betr\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lohnh\u00f6he f\u00fcr die letzte Gruppe ist absolut ungew\u00f6hnlich. Deshalb erwartet die erste Gruppe bei einem so g\u00fcten Arbeitsherrn einen wesentlich h\u00f6heren Lohn als den vereinbarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Geschichte wird erz\u00e4hlt, die in allen Einzelheiten so h\u00e4tte passieren k\u00f6nne, nur die G\u00fcte des Arbeitgebers ist ungew\u00f6hnlich. Die Auseinandersetzung dar\u00fcber ist der Punkt, auf den das Gleichnis hinaus will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verhalten des Arbeitgebers bei der L\u00f6hnung steht in scharfem Kontrast zur Realit\u00e4t. Das Gegenteil h\u00e4tte man erwartet. Normale Arbeitgeber nehmen gerade jede Gelegenheit wahr, den Lohn zu dr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gleichnis will von der G\u00fcte Gottes reden und vom Verhalten von Menschen untereinander, das im Zusammenhang mit der G\u00fcte Gottes steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die murrende Gruppe der ersten haben mehr als die letzten geleistet. Nicht ihr Wunsch nach Lohngerechtigkeit als solcher setzt sie ins Unrecht, sondern die Art, wie sie mit diesem Wunsch umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie machen ihren Wunsch nach Lohngerechtigkeit zur Waffe gegen andere. Sie sind neidisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritisiert werden hier nicht abstrakt Lohndenken oder Lohngerechtigkeitsforderungen, sondern unbarmherziges, unsolidarisches Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verhandelt wird in diesem Gleichnis nicht das Lohndenken, sondern die Benutzung des Gerechtigkeitsempfindens, als Waffe gegen andere Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gleichnis hat kein negatives, sondern ein positives Ziel: Es will Solidarit\u00e4t lehren. Es wirbt um die Solidarit\u00e4t von Menschen, die die gemeinsame Gottesvorstellung vom barmherzigen Gott haben. Bei all den derzeitigen Verteilungsk\u00e4mpfen in unserem Land will uns dieses Gleichnis die Augen f\u00fcr diesen Ma\u00dfstab \u00f6ffnen. Was kann Solidarit\u00e4t mit vier Millionen Arbeitslosen hei\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bedeutet Solidarit\u00e4t der jungen mit der \u00e4lteren Generation angesichts leerer Rentenkassen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hei\u00dft Solidarit\u00e4t mit der sogenannten 3. Welt angesichts der Globalisierungsdebatte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Liste kann t\u00e4glich erweitert werden. Antworten auf diese Fragen habe auch ich nicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen: Aber es lohnt sich sicher bei mancher Narichtensendung innezuhalten und den Ma\u00dfstab des Gleichnisses vom Weinberg anzulegen. Amen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Gott, es f\u00e4llt uns nicht leicht, heute wieder anzufangen. Es war sch\u00f6n, das Wochenende \u00fcber frei zu haben. Daf\u00fcr danken wir. Jetzt aber beginnt wieder der Alltag. Wir bitten dich, Gott, f\u00fcr unser gemeinsames Leben und Arbeiten: Gib uns Kraft und Ruhe. Hilf uns zu unterscheiden zwischen dem, was wichtig und dem, was unwichtig ist. Im Vertrauen auf dich wollen wir die Woche beginnen. Bleibe bei uns. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lied: 171 1-4<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Segen: Herr, wir bitten dich: Segne uns. Halte deine sch\u00fctzenden H\u00e4nde \u00fcber uns und gib uns deinen Frieden. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrerin Marion Eimuth Andacht, 20. 1. 1997 Orgelvorspiel Lied: EG 72, 1-6 Psalm 92, Nr. 737 Ansprache: Liebe Kolleginnen und Kollegen, Dieses Jahr findet der Kirchentag in Leipzig statt. Er steht unter dem Motto: &#8222;Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben&#8220;. 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