{"id":4313,"date":"1996-11-25T01:05:00","date_gmt":"1996-11-24T23:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4313"},"modified":"2021-02-16T01:07:44","modified_gmt":"2021-02-15T23:07:44","slug":"die-gewissheit-genuegt-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4313","title":{"rendered":"Die Gewi\u00dfheit gen\u00fcgt uns"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Andacht, Lk 12, 35<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>25. 11. 1996<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pfarrerin Marion Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psalm: 126 Nr. 750<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lied: EG 147, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wochenspruch steht im Lukasevangelium, im 12. Kapitel. &#8222;La\u00dft eure Lenden umg\u00fcrtet sein und eure Lichter brennen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Vers, es ist der 35., ist uns zun\u00e4chst unverst\u00e4ndlich. Unser heutiger Alltag ist so grundverschieden, da\u00df wir die Symbolik erst \u00fcbersetzen m\u00fcssen. Das lange Gewand des Orientalen soll mit einem G\u00fcrtel hochgebunden sein, soda\u00df er jederzeit zur Wanderung oder auch zur Arbeit aufbrechen kann. Auch die Lampen sollen brennen, denn die Nacht steht kurz bevor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Vers beschreibt damit eine Alltagssituation. Doch f\u00fcr die damalige Christenheit am Ende des ersten Jahrhunderts beschrieb diese Szene noch eine andere Erwartung. Das Gewand soll mit einer Sch\u00fcrze hochgebunden sein um den heimkommenden Herrn sofort bedienen zu k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich sollen bei der Wiederkunft Christi auch in der Nacht die Lampen brennen, damit er erkannt wird und Eingang findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gemeinde, f\u00fcr die Lukas schreibt, lebt nicht mehr in der Erwartung, da\u00df die Wiederkunft Christi noch zu ihren Lebzeiten stattfindet. Vielmehr hat sie die Erfahrung gemacht, da\u00df ihre V\u00e4ter- und M\u00fcttergeneration vergeblich auf die Wiederkunft gewartet hat. Deshalb f\u00e4hrt Lukas in den Versen 39 und 40 fort: &#8222;Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr w\u00fc\u00dfte, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so lie\u00dfe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr&#8217;s nicht meint.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage was unser Glaube bewirkt und wann er zum Erfolg f\u00fchrt ist damals wie heute aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da hat etwas begonnen, z.B. die Arbeit f\u00fcr das Reich Gottes, aber das Reich Gottes ist unendlich fern. Wir leben und arbeiten f\u00fcr Ziele, aus unserem Glauben heraus, auf Gottes Wort hin, aber die Erf\u00fcllung, der &#8222;Erfolg&#8220; bleibt aus. Unsere Fragen k\u00f6nnten vielleicht so lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann endlich ver\u00e4ndert sich denn etwas hin zu Friede und Gerechtigkeit? Wann fruchtet unsere Arbeit mit den Kindern- und Jugendlichen. Wann gelingt es uns, die Ohren f\u00fcr die Probleme der Obdachlosen zu \u00f6ffnen &#8211; anstatt wie hier in Frankfurt eine &#8222;Gefahrenabwehrverordnung&#8220; zu erlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann kommt Gottes Reich? Wie kann es gelingen, daraufhin zu leben angesichts ausbleibender &#8222;Erfolge&#8220;, ausbleibender Ver\u00e4nderungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reich Gottes ist kaum wahrnehmbar, leben wir Christinnen und Christen wirklich in einer begr\u00fcndeten Hoffnung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade zur Jahrtausendwende macht sich wieder eine Angst vor dem Weltuntergang breit. Da kommen eine Vielzahl von neuen religi\u00f6sen Gruppen auf, die sich dieser Entzeitstimmung bem\u00e4chtigen. Versprechen das Heil und \u00dcberleben nur in ihrer jeweiligen Gruppe und nutzten die \u00c4ngste der Menschen schamlos aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch bereits Tausend Jahre zuvor gab es das auch schon einmal. Damals hat man Zeichen des nahen Endes gesammelt und das eigene Leben im Licht dieser Endzeichen gedeutet. In der damaligen Fr\u00f6mmigkeit dr\u00fcckte sich die Endzeitfurcht auch dadurch aus, da\u00df man m\u00f6glichst viele gute Werke tun wollte: H\u00f6chste Aktivit\u00e4t und baldige Erwartung des J\u00fcngsten Tages schlie\u00dfen sich nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;\u00dcber Zeit und Stunde brauche ich euch nicht zu schreiben&#8220;, so Paulus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist manchmal ganz sch\u00f6n schwer, so v\u00f6llig auf sein Gottvertrauen und auf die Hoffnung verwiesen zu sein, eine Hoffnung, die nicht sieht, die unabh\u00e4ngig ist von &#8222;Erfolg&#8220;, von sichtbarer Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr&#8217;s nicht meint&#8220;. V\u00f6llig \u00fcberraschend, unberechenbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal ist der Tag Gottes heute. Heute, wenn Mauern fallen. Heute, wenn Vers\u00f6hnung gelingt. Heute, wenn ein Mensch endlich aus seiner Trauer heraustritt. Heute, wenn ein Durchbruch gelingt, politisch, seelisch, gesundheitlich&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist Gottes Tag, wo wir hier zusammengekommen sind, sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes in dieser Welt. Und wie gering auch immer unser Christsein gegen\u00fcber der Finsternis dieser Welt sein mag: es ist doch Gottes Anwesenheit in dieser Welt. Durch uns hindurch. Gott kommt, wann und wie er will. In kleinen Ereignissen, in gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen. In kleinen Leuten, seltener in gro\u00dfen Leuten. Wann Gottes Reich ganz und gar verwirklicht sein wird &#8211; da m\u00fcssen wir uns dieselbe Antwort gefallen lassen wie sie einst Lukas gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir Christinnen und Christen k\u00f6nnen eben ganz im Gottvertrauen mit dieser Ungewi\u00dfheit leben. Wir brauchen kein konkretes Endzeitdatum wie die Zeugen Jehovas, wir m\u00fcssen uns nicht vor dem Ende der Welt \u00e4ngstigen, wie die W\u00fcrzburger Sekte Universelles Leben, die eine neue Sintflut erwartet und wir brauchen auch nicht die Jahrtausendwende als magisches Datum anzusehen wie weltweit zahlreiche Gruppen und Gr\u00fcppchen. Nein, wir wissen nicht, ob es ein, zehn oder zehntausend Jahre bis zur Wiederkunft Christi dauert. Doch als Christin und Christ k\u00f6nnen wir all denen die auf ein bestimmtes Datum fixiert sind nur l\u00e4chelnd entgegnen: Wir brauchen kein Datum, die Gewi\u00dfheit gen\u00fcgt uns und ansonsten gibt es genug hier und jetzt im Sinne Jesu zu tun. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lied: EG 152, 1+4<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dankbar nehmen wir dein Wort auf, Gott. Dankbar sind wir f\u00fcr deine St\u00e4rkung. Hilf uns, da\u00df wir es uns auch gegenseitig in der richtigen, best\u00e4rkenden Weise zusprechen k\u00f6nnen. St\u00e4rke unseren Glauben und unsere Hoffnung. Komm uns nahe, sp\u00fcrbar! Hilf uns, lieber Gott, da\u00df aus unserer St\u00e4rkung neue Schritte folgen, wachsame, kluge Schritte, die anderen Menschen dienen. Hilf uns zu einer liebenden Aufmerksamkeit f\u00fcr alles, was uns umgibt und la\u00df segen f\u00fcr uns und andere daraus flie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vater unser im Himmel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">geheiligt werde dein Name,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">dein Reich komme,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lied: 590<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Segen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott, der Ursprung und Vollender aller Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">segne dich, gebe dir Gedeihen und Wachstum,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erf\u00fcllung deinen Hoffnungen, Frucht deiner M\u00fche,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und am Ende das Ziel deiner Wege. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht, Lk 12, 35 25. 11. 1996 Pfarrerin Marion Eimuth Psalm: 126 Nr. 750 Lied: EG 147, 1-3 Liebe Kolleginnen und Kollegen, Der Wochenspruch steht im Lukasevangelium, im 12. Kapitel. &#8222;La\u00dft eure Lenden umg\u00fcrtet sein und eure Lichter brennen&#8220;. 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