{"id":4307,"date":"1999-12-05T00:48:00","date_gmt":"1999-12-04T22:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4307"},"modified":"2021-02-16T00:51:37","modified_gmt":"2021-02-15T22:51:37","slug":"es-kommt-ein-schiff-geladen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4307","title":{"rendered":"Es kommt ein Schiff geladen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>2. Advent, 5. 12. 99<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin Marion Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>gelesen von Kurt-Helmuth Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelvorspiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Eingangslied: EG 12, 1 + 2<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Votum:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu diesem Adventsgottesdienst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stehe hier in Vertretung f\u00fcr meine Frau. Der Arzt riet hier dringend dazu diesen Gottesdienst nicht zu halten. Sie leidet an einer Kelhkopfentz\u00fcndung. So darf ich hier das vollenden, was sie vorbereitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind mitten drin in einer Zeit der Vorbereitung und der Erwartung: Weihnachten steht vor der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir warten darauf, die frohe Botschaft wieder zu h\u00f6ren vom Kommen Gottes zu den Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vielleicht erwarten wir noch mehr, &#8211; n\u00e4mlich da\u00df etwas sp\u00fcrbar wird von seinem Dasein mitten unter uns. Da\u00df etwas sp\u00fcrbar wird von seiner Liebe, von seiner heilsamen Zuwendung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir feiern unseren Gottesdienst, wie alle unsere Gottesdienste im Namen Gottes, im Namen Jesu Christi und im Namen des Heiligen Geistes. Amen<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Psalm 80:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Herr, Gott Zebaoth, tr\u00f6ste uns wieder;<\/p>\n\n\n\n<p>lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Du Hirte Israels, h\u00f6re, der du Josef h\u00fctest wie Schafe!<\/p>\n\n\n\n<p>Erscheine, der du thronst \u00fcber den Cherubin,<\/p>\n\n\n\n<p>vor Ephraim, Benjamin und Manasse!<\/p>\n\n\n\n<p>Erwecke deine Kraft und komm uns zur Hilfe!<\/p>\n\n\n\n<p>Gott Zebaoth, tr\u00f6ste uns wieder;<\/p>\n\n\n\n<p>lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du z\u00fcrnen,<\/p>\n\n\n\n<p>w\u00e4hrend dein Volk zu dir betet?<\/p>\n\n\n\n<p>Du speisest sie mit Tr\u00e4nenbrot<\/p>\n\n\n\n<p>und tr\u00e4nkest sie mit einem gro\u00dfen Krug voll Tr\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du l\u00e4sst unsere Nachbarn sich um uns streiten,<\/p>\n\n\n\n<p>und unsere Feinde verspotten uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, Gott Zebaoth, wende dich doch!<\/p>\n\n\n\n<p>Schaue vom Himmel und sieh darein,<\/p>\n\n\n\n<p>nimm dich dieses Weinstocks an!<\/p>\n\n\n\n<p>So wollen wir nicht von dir weichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, Gott Zebaoth, tr\u00f6ste uns wieder;<\/p>\n\n\n\n<p>lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt, la\u00dft uns anbeten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Ehr sei dem Vater und dem Sohn..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: S\u00fcndenbekenntnis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Warten f\u00e4llt uns schwer, Gott<\/p>\n\n\n\n<p>wir sind ungeduldig,<\/p>\n\n\n\n<p>haben zu wenig Zeit,<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr andere und f\u00fcr uns selbst,<\/p>\n\n\n\n<p>auch f\u00fcr dich haben wir zu wenig Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber lenken wir uns ab,<\/p>\n\n\n\n<p>st\u00fcrzen uns in Arbeit oder Zerstreuung,<\/p>\n\n\n\n<p>machen uns etwas vor<\/p>\n\n\n\n<p>und k\u00f6nnen es nur schwer aushalten,<\/p>\n\n\n\n<p>wenn etwas Zeit braucht<\/p>\n\n\n\n<p>oder nicht nach unserem Kopf geht.<\/p>\n\n\n\n<p>So bitten wir:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr, erbarme dich!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Herre, Gott, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Christe, erbarme dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Herre Gott, erbarme dich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gandenwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in unserem Leben willst du neues Leben stiften.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in dieser Welt schenkst du uns Zeichen deiner neuen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerechtigkeit und Frieden sind deine Spuren,<\/p>\n\n\n\n<p>an denen wir erkennen k\u00f6nnen, wie du es mit uns meinst.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Geist will uns befl\u00fcgeln, wenn wir mutlos sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, dir sei\u2019s gedankt. Dich loben wir und rufen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Allein Gott in der H\u00f6h sei Ehr<\/p>\n\n\n\n<p>und Dank f\u00fcr seine Gnade, darum da\u00df nun<\/p>\n\n\n\n<p>und nimmermehr uns r\u00fchren kann kein<\/p>\n\n\n\n<p>Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;<\/p>\n\n\n\n<p>nun ist gro\u00df Fried ohn Unterla\u00df, all Fehd<\/p>\n\n\n\n<p>hat nun ein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Gebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte den Mut zur Freude haben, Gott<\/p>\n\n\n\n<p>in dieser Zeit der Vorbereitungen,<\/p>\n\n\n\n<p>den Mut zur Freundlichkeit inmitten von Hetze und Ersch\u00f6pfung,<\/p>\n\n\n\n<p>den Mut zum L\u00e4cheln angesichts von Sorgen und Entt\u00e4uschung,<\/p>\n\n\n\n<p>ja, den Mut, der oftmals bedr\u00fcckende Realit\u00e4t<\/p>\n\n\n\n<p>befreit und hoffnungsfroh ins Gesicht zu lachen!<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ich wei\u00df:<\/p>\n\n\n\n<p>Du kommst, Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>und deine Verhei\u00dfung erf\u00fcllst du gewi\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine tiefe Freude erf\u00fcllt mein Herz<\/p>\n\n\n\n<p>und beseelt meinen Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Komm, Gott, und gib mir den Mut,<\/p>\n\n\n\n<p>diese Freude gro\u00df werden zu lassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 1. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesaja 63, 15-19 und 64, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine gro\u00dfe, herzliche Barmherzigkeit h\u00e4lt sich hart gegen mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bist du doch unser Vater; denn Abraham wei\u00df von uns nichts, und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater; \u201eUnser Erl\u00f6ser\u201c, das ist von alters her dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum l\u00e4\u00dft du uns, Herr, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, da\u00df wir dich nicht f\u00fcrchten? Kehr zur\u00fcck um deiner Knechte willen, um der St\u00e4mme willen, die dein Erbe sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind geworden wie solche, \u00fcber die du niemals herrschtest, wie Leute, \u00fcber die dein Name nie genannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach da\u00df du den Himmel zerrissest und f\u00fchrest herab, da\u00df die Berge vor dir zerfl\u00f6ssen,<\/p>\n\n\n\n<p>wie Feuer Reisig entz\u00fcndet und wie Feuer Wasser sieden macht, da\u00df dein Name kundw\u00fcrde unter deinen Feinden und die V\u00f6lker vor dir zittern m\u00fc\u00dften, wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten &#8211; und f\u00fchrest herab, da\u00df die Berge vor dir erfl\u00f6ssen! &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>und das man von alters her nicht vernommen hat. Kein Ohr hat geh\u00f6rt, kein Auge hat gesehen einen Gott au\u00dfer dir, der so wohl tut denen, die auf ihn harren.<\/p>\n\n\n\n<p>Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde: <\/strong>Halleluja, Halleluja, Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied, 6, 1-5<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: 2. Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lukas 21, 25-33<\/p>\n\n\n\n<p>Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den V\u00f6lkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,<\/p>\n\n\n\n<p>und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen \u00fcber die ganze Erde; denn die Kr\u00e4fte der Himmel werden ins Wanken kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit gro\u00dfer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anf\u00e4ngt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle B\u00e4ume an:<\/p>\n\n\n\n<p>wenn sie jetzt ausschlagen und ihre seht es, so wi\u00dft ihr selber, da\u00df jetzt der Sommer nahe ist.<\/p>\n\n\n\n<p>So auch ihr: wenn ihr seht, da\u00df dies alles geschieht, so wi\u00dft, da\u00df das Reich Gottes nahe ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ehre sei dir Herr!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lob sei dir o Christe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>La\u00dft uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unsers Glaubens:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an Gott, den Vater,<\/p>\n\n\n\n<p>den Allm\u00e4chtigen,<\/p>\n\n\n\n<p>den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde;<\/p>\n\n\n\n<p>und an Jesus Christus,<\/p>\n\n\n\n<p>seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,<\/p>\n\n\n\n<p>empfangen durch den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>geboren von der Jungfrau Maria,<\/p>\n\n\n\n<p>gelitten unter Pontius Pilatus,<\/p>\n\n\n\n<p>gekreuzigt, gestorben und begraben,<\/p>\n\n\n\n<p>hinabgestiegen in das Reich des Todes,<\/p>\n\n\n\n<p>am dritten Tage auferstanden von den Toten,<\/p>\n\n\n\n<p>aufgefahren in den Himmel;<\/p>\n\n\n\n<p>er sitzt zur Rechten Gottes,<\/p>\n\n\n\n<p>des allm\u00e4chtigen Vaters;<\/p>\n\n\n\n<p>von dort wird er kommen,<\/p>\n\n\n\n<p>zu richten die Lebenden und die Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an den Heiligen Geist,<\/p>\n\n\n\n<p>die heilige, christliche Kirche,<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinschaft der Heiligen,<\/p>\n\n\n\n<p>Vergebung der S\u00fcnden<\/p>\n\n\n\n<p>Auferstehung der Toten<\/p>\n\n\n\n<p>und das ewige Leben. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 7, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Preidigt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n\n\n\n<p>Unser heutiger Predigttext steht im Gesangbuch. Er ist ein Lied. Bevor wir selbst dieses Lied singen, wollen wir auf seine Melodie h\u00f6ren &#8211; auf jene jahrhundertealte Weise, die uns allen so vertraut ist &#8211; die sich so wunderbar entfaltet aus der Tiefe zur H\u00f6he &#8211; und die dann wieder zur\u00fcckschwingt zum Grund &#8211; wie eine Bl\u00fcte, die sich \u00f6ffnet und wieder schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>(Melodie wird gespielt)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe gesagt, da\u00df diese Weise uns vertraut ist &#8211; vielleicht von Kind an. Aber ist sie uns nicht zugleich auch fremd? Fremd in unserer Welt, die ja nach Meinung unserer Werbefachleute und unserer Medien eine stets dynamische, aktive, leistungsbezogene, stets jugendliche und immer moderne Welt ist oder sein sollte? Vertraut und doch fremd ist diese Weise;<\/p>\n\n\n\n<p>denn es geht von ihr eine gro\u00dfe Ruhe aus &#8211; obwohl sie ganz bewegt ist und obwohl eine gro\u00dfe Spannung in ihr wirkt. In diesen T\u00f6nen verbindet sich eine Art von Erwartung, die sich in weiterem Bogen nach oben ausrichtet, mit einer Gelassenheit, die Frieden und Stille ausstr\u00f6mt.<\/p>\n\n\n\n<p>Stille. Das Erste, was unser Predigttext uns sagt, zun\u00e4chst ohne Worte, nur mit Hilfe dieser alten Melodie, ist dies: Stille tut wohl. Wir brauchen Stille, wenn wir Menschen bleiben wollen. Wir brauchen sie so n\u00f6tig wie das t\u00e4gliche Brot. Zun\u00e4chst hat das noch gar nichts mit Glauben oder mit Kirche zu tun, sondern \u201enur\u201c mit Mensch-Sein. Mensch-Sein hei\u00dft: h\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt heute eine Umweltverschmutzung der Seele durch L\u00e4rm. Vor lauter Worten, Kl\u00e4ngen, Slogans und Spr\u00fcchen h\u00f6ren wir nichts mehr. Vor lauter Unterhaltung und Betrieb vergessen wir, wie das ist, wenn das Herz aufatmet. In unserem Gemeindehaus suchen ja auch jeden Mittwoch ein Dutzend Menschen in der Meditation Stille. K\u00e4mpfen um Stille &#8211; das scheint mir heute eine Aufgabe zu sein f\u00fcr uns. Jesus hat sie gesucht &#8211; immer wieder. Jeder braucht das Atemholen der Seele: der Einzelne, die Gemeinde, die Kirche &#8211; jeder, der Mensch bleiben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist das Erste.<\/p>\n\n\n\n<p>(Die Gemeinde singt die ersten drei Strophen. Ansagen!) Lied-Nr. 8, 1-3:<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiff. Ein uraltes Bild &#8211; schon bei den \u00c4gyptern als Symbol verwendet: im Allerheiligsten des Tempels zu Heliopolis stand die Barke des Sonnengottes. Im 14. Jahrhundert verwendet ein Dichter &#8211; es sprechen gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, da\u00df es der Mystiker Johannes Tauler war &#8211; dieses Bild f\u00fcr Maria. Sie ist \u201edas Schiff\u201c, sie ist es, die \u201edes Vaters ewigs Wort\u201c tr\u00e4gt. Zun\u00e4chst ist dieser Vergleich f\u00fcr uns vielleicht \u00fcberraschend. Wir wollen ein wenig bei dem Bild vom Schiff verweilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer schon einmal gesehen hat, wie ein Schiff ankommt &#8211; ein Segelschiff &#8211; der wei\u00df: am Horizont taucht es auf, es n\u00e4hert sich, langsam, lautlos, faszinierend. Freude kommt auf, Erwartung. Spannend der Augenblick der Ankunft: ein Ruck &#8211; ein Sto\u00df &#8211; der Anker wird ausgeworfen. Es ist da. Es ist \u201eam Land\u201c &#8211; es ber\u00fchrt eine andere Dimension: Boden &#8211; Erde &#8211; Land. Das Schiff ber\u00fchrt das Land- und doch geh\u00f6rt es in die Dimension von Wasser, Weite, fernem Horizont. Getrieben ans Land wird das Schiff von einer unsichtbaren Kraft, deren Wirkung deutlich sp\u00fcrbar ist: vom Wind. Und es tr\u00e4gt eine Last, deren Ursprung woanders liegt als auf dem Land, das das Schiff nun ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es mit dem Wort Gottes: auf dieser Welt erklingt es &#8211; aber es ist nicht von dieser Welt. Wir nehmen es in den Mund &#8211; auch wenn wir dieses Lied singen &#8211; aber es ist nicht unser Wort &#8211; kein Mensch hat es erfunden. Luther konnte sagen, da\u00df es Lieder gebe, die der Heilige Geist gemacht habe. Es war nicht Hochmut, der ihn so reden lie\u00df. Es war Demut &#8211; Staunen dar\u00fcber, da\u00df es das gibt: Worte, die Menschen sagen und singen und aufschreiben und die doch zugleich gr\u00f6\u00dfer sind als eines Menschen Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie mit dem Wort Gottes, so ist es auch mit dem Sohn. Er geht \u00fcber diese Erde. Er kennt Hunger und Durst, Einsamkeit und Tr\u00e4nen, Angst und Verratenwerden &#8211; wie wir alle auch &#8211; ein Mensch wie wir, die wir hier in der Kirche sitzen, und doch ganz anders als wir &#8211; fremd.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist er uns nicht sehr fremd?<\/p>\n\n\n\n<p>Pa\u00dfte er hier zu uns? Wenn er sich hier in der Stadt, im Nordend ansiedelte &#8211; w\u00fcrde er vielleicht ein wenig st\u00f6ren? Wenn wir unser Geld aufs Sparbuch bringen? Oder wenn wir dem Nachbarn begegnen, mit dem wir kein Wort mehr sprechen? &#8211; Was k\u00f6nnten wir mit ihm anfangen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist das Zweite:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sohn ist nicht von dieser Welt. Er pa\u00dft nicht in diese Welt. Aber er kommt in sie hinein. F\u00fcr uns. Und Maria ist es, die ihn \u201eauf die Welt\u201c gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>(Melodie noch einmal spielen. Danach spricht eine Einzelstimme die Verse 4-6)<\/p>\n\n\n\n<p>Bethlehem: der Ber\u00fchrungspunkt von Wasser und Land &#8211; von Himmel und Erde &#8211; von H\u00f6he und Tiefe &#8211; von Gotteslob und menschlicher Verlorenheit. In diesem Lied sind Advent und Weihnachten ganz nah beieinander &#8211; ja, ineinander: der Sohn \u201ekommt\u201c. Und er kommt immer heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses alte Lied l\u00e4dt uns ein, \u00fcber die Schwelle des Stalls von Bethlehem zu treten und ganz nah an die Krippe zum Kind zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann die Krippe auch von einem angenehmen Ort au\u00dferhalb des Stalls betrachten: sozusagen in seinem Wohnzimmer oder in einer sch\u00f6nen Kirche sitzen und durch das Fenster \u00fcber den Hinterhof zum Stall schauen. Die T\u00fcr steht offen, und man sieht Engel, Kripp, Stern, Hirten, Weise, Ochs und Esel und das ganze Weihnachtszubeh\u00f6r. Und man singt sch\u00f6ne Lieder und freut sich am s\u00fc\u00dfen Kind und seiner sch\u00f6nen Mutter. Ein Idyll. Eine ganze Weihnachtsindustrie lebt von diesem Idyll und von der Anf\u00e4lligkeit unserer Seele f\u00fcr das Idyll.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn man sich aufmacht, hinaus aus dem Wohnzimmer oder der Kirche \u00fcber den Hinterhof zum Stall geht und \u00fcber die Schwelle tritt: da ist kein Idyll. Da ist es eiskalt. Weil keiner dieses Kind will. Es ist kein Wunschkind. Es kommt uns nicht gelegen. Es ist nicht geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Kind liegt auf Stroh &#8211; und die Strohhalme sind, wie es ein altes Weihnachtsbild von Hieronymus Bosch zeigt, kreuzf\u00f6rmig angeordnet. Drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter folgt Golgatha. &#8230; \u201eGibt sich f\u00fcr uns verloren&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Kind, dieser Mensch Jesus von Nazareth, der den Weg aus der H\u00f6he in die Tiefe gegangen ist, wartet auf Menschen, die seinen Weg mitgehen. Es ist der Weg des Leidens, des Schmerzes, des Todes: ..\u201cmit ihm\u201c&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Kind fragt, ob wir nicht bereit sind, \u201emit ihm\u201c zu gehen: aus der H\u00f6he in die Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist kein glatter Weg &#8211; und er ist auch nicht f\u00fcr jedermann gedacht. Die meisten lieben breite und wohlbekannte Wege, auf denen sie mit vielen anderen gehen. Wir haben dar\u00fcber nicht zu urteilen. Es wird wohl auch so bleiben bis ans Ende der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das Kind, das f\u00fcr alle Menschen gekommen ist &#8211; und das darauf achten wird, da\u00df kein einziger f\u00fcr ewig verloren geht &#8211; sucht ein paar Leute, die \u201emit ihm\u201c auf einem schmalen, m\u00fchseligen Weg gehen, auf dem Weg der Hingabe und des Opfers.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sucht Leute, die nicht zuerst fragen: was bringt das mir? &#8211; sondern: was bringt es dem Menschen neben mir? Es sucht Leute, die nicht zuerst darauf achten, da\u00df sie bekommen, was ihnen zusteht, sondern darauf, ob der Mensch neben ihnen sein Recht bekommt. Solche Leute sind keine Asketen und keine Moralisten. Sie haben das Kind lieb: Unser Lied spricht ja von \u201eumfange\u201c und \u201ek\u00fcssen\u201c, und das ist die Sprache der Liebe. Menschen, die das Kind liebhaben, haben ein weites Herz, einen freien Blick und einen leichten Sinn. Es sind Menschen, die \u201eSalz\u201c f\u00fcr diese Welt sind. Salz konserviert, und Salz gibt der Speise die W\u00fcrze. Jesus sucht Menschen, die dieser Welt den Geschmack der Hoffnung geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne solche Menschen w\u00e4re diese Welt schon l\u00e4ngst zerfallen. Und ohne solche Menschen wird sie untergehen. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Das war das Dritte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch ein Letztes: Wer jetzt etwas betroffen fragt, ob das alles wirklich so ernsthaft sein mu\u00df und ob man das nicht f\u00fcr die Passionszeit aufheben k\u00f6nnte &#8211; der sei auf den Schlu\u00df des Liedes verwiesen: da ist vom \u201eewigen Leben\u201c die Rede. Das ist erf\u00fclltes Leben. Leuchtendes Leben. Leben f\u00fcr hier und heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Leben, das wirklich \u201elebendig\u201c ist, ist immer Leben, das sich verstr\u00f6mt und verschenkt. Es wird dabei nicht \u00e4rmer. Es wird reich und weit. Es hat etwas von jenem Schiff an sich, das zwar \u00fcber Untiefen f\u00e4hrt, das aber bewegt wird von einer unsichtbaren und doch sp\u00fcrbaren Kraft. Der Horizont, von dem es herkommt, ist hell. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 8, 4-6<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Abk\u00fcndigungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Lied 13, 1-3 und Kollekte<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: F\u00fcrbittengebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Du, Gott des Lebens,<\/p>\n\n\n\n<p>nach deinem Willen bringen wir Dank und F\u00fcrbitte vor dich<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr die Menschen, die uns am Herzen liegen<\/p>\n\n\n\n<p>ebenso wie f\u00fcr die Menschen, die uns das Leben schwer machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beten f\u00fcr die vielen Menschen,<\/p>\n\n\n\n<p>die sich einsam und verlassen f\u00fchlen,<\/p>\n\n\n\n<p>denen ein offenes Ohr fehlt,<\/p>\n\n\n\n<p>die Menschen suchen, die sie verstehen und lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilf du, da\u00df wir nicht achtlos aneinander vor\u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich f\u00fcr alle Menschen,<\/p>\n\n\n\n<p>die auf der Suche sind nach dir.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass sie neue Hoffnung sch\u00f6pfen<\/p>\n\n\n\n<p>und Worte der Zuversicht f\u00fcr ihr Leben entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir verbinden uns mit allen,<\/p>\n\n\n\n<p>die an ihrer Ohnmacht leiden,<\/p>\n\n\n\n<p>mit den schwerkranken Menschen,<\/p>\n\n\n\n<p>und denen, die ihnen nicht helfen k\u00f6nnen,<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Menschen, die gegen Ha\u00df und Ungerechtigkeit k\u00e4mpfen und die nichts ausrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich f\u00fcr die m\u00e4chtigen, die gef\u00fcrchteten und die geha\u00dften Menschen unserer Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilf ihnen zu erkennen, wenn sie auf dem falschen Weg sind, und stelle ihnen andere gegen\u00fcber,<\/p>\n\n\n\n<p>die Ha\u00df in Liebe verwandeln,<\/p>\n\n\n\n<p>Gewalt in gegenseitige Achtung<\/p>\n\n\n\n<p>und Angst in Zuversicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich, der du H\u00fcter \u00fcber Leben und Tod bist, sei du bei denen, die um die Verstorbene Frieda He\u00df trauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00f6ste die Hinterbliebenen.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df sie Kraft gewinnen aus dem Glauben,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df auch der Tod uns durch deine Liebe<\/p>\n\n\n\n<p>nicht trennen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was uns noch bedr\u00e4ngt bringen wir vor dich<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir<\/p>\n\n\n\n<p>und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgelnachspiel<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Advent, 5. 12. 99 Pfarrerin Marion Eimuth gelesen von Kurt-Helmuth Eimuth Orgelvorspiel Gemeinde: Eingangslied: EG 12, 1 + 2 Votum: Liebe Gemeinde, ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu diesem Adventsgottesdienst. Ich stehe hier in Vertretung f\u00fcr meine Frau. 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