{"id":4296,"date":"2000-09-17T13:14:00","date_gmt":"2000-09-17T11:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4296"},"modified":"2021-02-15T13:20:43","modified_gmt":"2021-02-15T11:20:43","slug":"staerker-als-die-maechte-der-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4296","title":{"rendered":"St\u00e4rker als die M\u00e4chte der Gewalt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>13. Sonntag nach Trinitatis, 1. Mos.4, 1-16a<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>17. 9. 00, Epiphaniskirche.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrerin Marion Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirchenvorsteher: Begr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Orgelvorspiel<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lied: 443, 1-4+6 &#8222;Aus meines Herzens&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin: Votum:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen Gottes kommen wir zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott nimmt uns an, wie wir sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus gibt unserem Leben Richtung und Sinn. Gottes Geist ruft uns auf den richtigen Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eingangspsalm 36, Nr. 719:<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, deine G\u00fcte reicht, so weit der Himmel ist,<\/p>\n\n\n\n<p>und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge<\/p>\n\n\n\n<p>Gottes und dein Recht wie die gro\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<p>Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, du hilfst Menschen und Tieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6stlich ist deine G\u00fcte, Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df Menschenkinder unter dem Schatten deiner Fl\u00fcgel Zuflucht haben!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden satt von den reichen G\u00fctern<\/p>\n\n\n\n<p>Deines Hauses,<\/p>\n\n\n\n<p>und du tr\u00e4nkst sie mit Wonne wie mit<\/p>\n\n\n\n<p>einem Strom.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,<\/p>\n\n\n\n<p>und in deinem Lichte sehen wir das Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt, la\u00dft uns anbeten<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong> Ehr sei dem Vater und dem Sohn<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin Schuldbekenntnis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du l\u00e4\u00dft uns deine G\u00fcte und Freundlichkeit erfahren &#8211; jeden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dir breiten wir aus, was unser Zusammenleben so schwer macht. Wir nehmen deine Gaben in Empfang, aber wir sind nur selten bereit, sie mit anderen zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umgang miteinander bringen wir die Geduld nicht auf, die du immer wieder mit uns hast.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir geben die Liebe nicht weiter, die du uns zuwendest. Wir m\u00f6chten gern anders leben, darum bitten wir dich: \u00d6ffne uns die R\u00e4ume des Denkens und Handelns,<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, erbarme dich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kantorin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>K: Kyrie eleison.<\/p>\n\n\n\n<p>G: Herr, erbarme dich.<\/p>\n\n\n\n<p>CH: Christe eleison.<\/p>\n\n\n\n<p>G: Christe erbarme dich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ch: Kyrie eleison.<\/p>\n\n\n\n<p>G: Herr, erbarm dich \u00fcber uns.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin Gnadenwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch, wenn wir am Ende zu sein scheinen meistens gibt es doch einen neuen Anfang.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch, wenn uns Dunkelheit umh\u00fcllt irgendwo leuchtet doch ein kleines Fl\u00e4mmchen. Auch, wenn wir uns einsam und verlassen f\u00fchlen irgendwo bist Du, Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Du gibst uns nicht auf,<\/p>\n\n\n\n<p>Du wendest zum Guten, was wir vers\u00e4umt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Deine Liebe ist gr\u00f6\u00dfer als unsere Schuld.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum k\u00f6nnen wir uns freuen und sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>Lobe den Herrn, meine Seele, und vergi\u00df nicht, was er dir Gutes getan hat!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kantorin und Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>K: Ehre sei Gott in der H\u00f6he<\/p>\n\n\n\n<p>G: und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir loben, preis&#8217;n anbeten dich,<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr deine Ehr&#8216; wir danken,<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df du Gott Vater, ewiglich<\/p>\n\n\n\n<p>regierst ohn&#8216; alles Wanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz ungemess&#8217;n ist deine Macht,<\/p>\n\n\n\n<p>fort g&#8217;schieht, was dein Will&#8216; hat bedacht:<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl uns des feinen Herren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrerin:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr sei mit euch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; und mit deinem Geist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebet (Kollektengebet):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du stellst unsere F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum. Wir sind frei, den Weg einzuschlagen, den wir gehen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange du das Ziel unserer Wege bist,<\/p>\n\n\n\n<p>d\u00fcrfen wir erhobenen Hauptes einhergehen<\/p>\n\n\n\n<p>und brauchen keine Angst zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefahr lauert nur da, wo wir andere Ziele verfolgen. Abgr\u00fcnde sind verlockend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen uns gerne in der Rolle des Opfers.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon, dann wollen wir selbst die N\u00e4chsten sein, denen auf wunderbare Weise geholfen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, es f\u00e4llt uns nicht leicht, uns zu unserer Mitt\u00e4terschaft am Totschlag des Lebens heute zu bekennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein guter Geist leite uns und zeige uns die Richtung, damit wir nicht umherirren und ohne Orientierung sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum sammle jetzt unsere Gedanken zu dir hin, da\u00df wir zur Stille finden aus der Unruhe unseres Alltags. Das bitten wir durch Jesus Christus. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirchenvorsteher Schriftlesung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lukas 10, 25-37<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Halleluja, Halleluja, Halleluja<\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrerin und Gemeinde:<\/p>\n\n\n\n<p>Glaubensbekenntnis:<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00dft uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an Gott, den Vater, den Allm\u00e4chtigen, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;<\/p>\n\n\n\n<p>Er sitzt zur Rechten Gottes, des allm\u00e4chtigen Vater; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lied:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>343, 1-5 &#8222;Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Predigt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Text: 1. Mose 4, 1-16a<\/p>\n\n\n\n<p>Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des Herrn. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Sch\u00e4fer, Kain aber ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, da\u00df Kain dem Herrn Opfer brachte von den Fr\u00fcchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gn\u00e4dig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gn\u00e4dig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist&#8217;s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die S\u00fcnde vor der T\u00fcr, und nach dir hat sie Verlangen: du aber herrsche \u00fcber sie. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: La\u00df uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich wei\u00df nicht; soll ich meines Bruders H\u00fcter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen H\u00e4nden empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und fl\u00fcchtig sollst du sein auf Erden. Kain aber sprach zu dem Herrn: Meine Strafe ist zu schwer, als da\u00df ich sie tragen k\u00f6nnte. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich mu\u00df mich vor deinem Angesicht verbergen und mu\u00df unstet und fl\u00fcchtig sein auf Erden. So wird mir&#8217;s gehen, da\u00df mich totschl\u00e4gt, wer mich findet. Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschl\u00e4gt, das soll siebenf\u00e4ltig ger\u00e4cht werden. Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, da\u00df ihn niemand erschl\u00fcge, der ihn f\u00e4nde. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist eine der biblischen Geschichten, die die Erschaffung der Welt und die Entwicklung der Menschheit erkl\u00e4ren will. In all diesen Geschichten vom Anfang &#8211; der Sch\u00f6pfung, dem sogenannten S\u00fcndenfall, dem Turm von Babel und hier der Brudermordgeschichte &#8211; geht es um die Frage: Warum ist unser menschliches Leben so, wie wir es erleben? Warum gibt es diese herrliche Vielfalt an Gesch\u00f6pfen &#8211; und doch ist die Freude immer wieder getr\u00fcbt? Warum m\u00fcssen wir uns plagen mit unserer Arbeit, Schmerzen haben bei der Geburt der Kinder; warum gibt es Gewalt und Tod; warum Feindschaft zwischen V\u00f6lkern und sogar zwischen Br\u00fcdern?<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fcr all diese Situationen, die in jeder Menschengeneration wieder vorkommen und die uns das Leben oft schwer machen, da gibt es so eine Geschichte am Anfang der Bibel, die sagt: So war es mit den Menschen von Anfang an. Schon die ersten Menschen waren nicht zufrieden, selbst im Paradies nicht, sondern wollten sein wie Gott. Und schon das erste Br\u00fcderpaar zerstritt sich und wurde einer des andern Opfer. So ist der Mensch von Anfang an. Das sagen diese Geschichten. Dies geschieht immer und immer wieder. Weil da etwas schief l\u00e4uft zwischen den Menschen und Gott und weil es oftmals auch nicht stimmt in der Beziehung von Mensch zu Mensch.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind also keine Geschichten, wie es vielleicht mal gewesen sein k\u00f6nnte, sondern Geschichten vom Menschen, wie er von Anfang an und bis heute ist, ob er nun Adam hei\u00dft oder Esau oder Wilhelm, ob Eva oder Lisa. Es sind Geschichten zu der Frage: Was l\u00e4uft hier eigentlich ab unter uns, immer neu und anders, aber im Grunde doch immer wieder dasselbe? Anders ausgedr\u00fcckt: Welche Verhaltens- und Kommunikationsmuster bestimmen unseren Alltag?<\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser Frage her wollen wir also auch die Geschichte der zwei Br\u00fcder h\u00f6ren. Als Geschichte von zwei Menschen, die eigentlich zusammengeh\u00f6ren, aber so verschieden sind, dass sie aneinandergeraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kain ist der \u00c4ltere und sicher auch der St\u00e4rkere. Vielleicht ist er auch von der Mutter besonders verw\u00f6hnt worden. Denn wie stolz ist ihr Ausruf bei seiner Geburt: Ich habe einen Mann geschaffen mit Gottes Hilfe!<\/p>\n\n\n\n<p>In den zwei Br\u00fcdern sind zwei verschiedene Lebensarten wiedergegeben. Der eine, der mit viel M\u00fche und Anstrengung dem Boden Fr\u00fcchte abgewinnen will, &#8211; und der andere, der eher beschaulich Schafe h\u00fctet, nur dann und wann zum mutigen Verteidigen vor wilden Tieren herausgefordert wird. Jeder tut seine Arbeit, aber der eine versteht nicht viel von der Arbeit des andern. Und so denkt jeder vom andern, dass der es doch viel besser hat. Der mu\u00df sich nicht so viel k\u00f6rperliche anstrengen, der andere lebt nicht in so gro\u00dfer Gefahr. Der eine kann immer zum Ausruhn und Essen nach Hause kommen, der andere bekommt besonders gute Sachen in seine Tasche gepackt.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund f\u00fcr solches vergleichendes Hin- und Herschauen gibt es immer. Unter Geschwistern genauso wie unter Arbeitskollegen, unter Nachbarn wie unter V\u00f6lkern. Es ist die Angst, zu kurz zu kommen, es ist das heimliche Aufpassen, ob der andere es nicht viel besser, viel leichter, viel sch\u00f6ner hat. Aber wir \u00fcbersehen dabei leicht, dass wir ja gar nicht so viel wissen von dem Leben des andern. Hat nicht jeder Vorteil auf der einen Seite einen Preis auf der andern, den wir nicht zahlen wollten?<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses misstrauische Be\u00e4ugen findet erst mal nur im Stillen statt. Ausbrechen in hellen Zorn tut es erst, wenn etwas offensichtlich Ungerechtes geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Anlass bei Kain ist, dass ihrer beider Opfer verschieden angesehen wird. Beide haben, wie es der religi\u00f6sen Vorstellung fr\u00fcherer Zeiten entsprach, ein Opfer gebracht als Dank und als Bitte an Gott, sie weiter gut zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine bringt Fr\u00fcchte des Feldes, der andere Jungschafe. Und Gott macht Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Kinderbibel ist ein Bild, das zeigt wie Abels Rauch sch\u00f6n und hell nach oben steigt, Kains Rauch aber in einer dunklen Wolke nach unten gedr\u00fcckt bleibt. Diese Vorstellung zeigt vielleicht einfach den Unterschied im Erfolg: im Jahr darauf war schlechtes Wetter und die Ernte fiel f\u00fcr Kain schlecht aus, Abels Schafe aber fanden immer gr\u00fcne Wiesen und gedeihten pr\u00e4chtig. Und darum wird Kain w\u00fctend, dass sein Opfer wohl nichts z\u00e4hlt und all seine schwere Arbeit umsonst war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine Lebenserfahrung, die wir auch immer wieder machen: dem einen geht es gut, obwohl er egoistisch ist, sein Leben nur an seinem eigenen Vorteil orientiert. Der andere ist krank und elend, obwohl er immer ein freundlicher und bescheidener Mensch war. Diese Ungerechtigkeit &#8211; wie wir das empfinden &#8211; geschieht immer und immer wieder. Dann sehen wir uns leicht auch von Gott ungerecht behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die \u00c4rzte mir nach einer schweren Operation mitteilten, ich d\u00fcrfte keine Kinder bekommen, sah ich nur noch junge M\u00fctter und schwangere Frauen, voller Neid betrachtete ich die Kinder. Warum durfte ich keine Kinder bekommen und es gab doch einige die hatten Kinder und wollten keine, warum diese Ungerechtigkeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, jeder kennt solche Gedanken bei sich &#8211; vielleicht selten, vielleicht h\u00e4ufiger. Auch die Frage, warum muss mir das zusto\u00dfen? ist so eine vergleichende, ungl\u00fcckliche Frage. Man w\u00fcnscht das Ungl\u00fcck ja nicht unbedingt jemand anderem. Aber man beneidet den, dem es besser geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ausdruck der Traurigkeit und der Hilflosigkeit ist das auch ein ganz nat\u00fcrliches Gef\u00fchl. Aber wir m\u00fcssen doch wissen, dass sie der Anfang sein k\u00f6nnen f\u00fcr ein verdorbenes Lebensverh\u00e4ltnis, f\u00fcr ein verdorbenes Verh\u00e4ltnis zu den Menschen um mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott warnt vor dieser Blickweise. Es ist ein geducktes, ein unfreies, ein unzufriedenes Be\u00e4ugen der anderen. Und schon in diesem Umsichschauen ist die Gefahr angelegt, dass ich dem andern gegen\u00fcber grob werde. Grob mit Worten oder mit Gesten oder gar mit direkter gewaltsamer Tat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott aber traut uns Menschen zu, sich dieser Macht in uns entgegenzustellen. Er traut uns Menschen zu, st\u00e4rker zu sein als das Gef\u00fchl der Benachteiligung und der Wut und der Drang nach einem Ausleben der Aggression.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Kain reagiert nicht darauf. Als h\u00e4tte er es nicht geh\u00f6rt, fordert er Abel auf, mit ihm aufs Feld zu gehen. Denn dort will er&#8217;s ihm zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist das meist mit der Wut. Wenn sie erst mal da ist, hilft kaum noch ein gutes Wort. Dann ist die Kraft so stark, dass sie kaum zu b\u00e4ndigen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum sind auch die gewaltbereiten Jugendlichen auf die Dauer eine Gefahr. Sie haben offenbar ein solches Potential an Wut in sich gestaut, dass sie keinen andern Weg der Entladung finden als die Gewalt. Die Gewalt selber erscheint als das einzige Mittel, all die angesammelten Entt\u00e4uschungen und Benachteilgungen und Drucksituationen wieder loszuwerden, wenigstens f\u00fcr kurze Zeit. Wie schwer ist es dann, wieder sprachf\u00e4ig zu werden und ein Gef\u00fchl der Geborgenheit zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Mord ert\u00f6nt in Kain noch einmal die Stimme. Die Stimme, die nach dem Bruder fragt. Aber Kain versucht sich herauszureden durch die freche Frage: Soll ich meines Bruders H\u00fcter sein? Also etwa: Braucht der Hirte denn selber einen Hirten?<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Frage ist \u00fcber die Menschheit hin Ausrede geblieben, um die Augen verschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen vor dem Leid anderer, vor Hilferufen, die uns belasten, und sogar vor dem Unrecht, dass wir an anderen begehen. Soll ich meines Bruders H\u00fcter sein? Mir hilft ja auch keiner, hei\u00dft es dann; oder: die sind ja selber dran schuld; oder: der hat mich schlie\u00dflich provoziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder der Versuch, sich aus der Verantwortung zu ziehen, mit sich selber genug zu tun zu haben. In unserm Land etwa macht sich dieses Denken breit. Jeder versucht, m\u00f6glichst auf seine Art erfolgreich zu sein, auch auf Kosten anderer. Die sich h\u00e4ufenden Bedrohungen und Verletzungen Behinderter oder ausl\u00e4ndischer Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger durch rechtsradikale Jugendliche sind nur der zugespitzte Ausdruck des sich immer mehr ausbreitenden Denkens.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott aber schaut auf die Schwachen. Von Anfang an ist Gott mehr auf der Seite der Schwachen. &#8222;Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.&#8220; Gott achtet sehr wohl darauf. Keines der Opfer von Gewalt ist bei Gott vergessen und vergraben. Die Stimme all derer, die von St\u00e4rkeren R\u00fccksichtslosen und gottvergessenen Menschen gequ\u00e4lt werden, kommt bei Gott an und Gott wird das Unrecht verfolgen, auch wenn kein menschliches Gericht dahinter kommen oder sich daf\u00fcr interessieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott straft Kain. Und pl\u00f6tzlich f\u00fcrchtet sich der starke und gewaltt\u00e4tige Kain vor der Einsamkeit und vor der Gewalt. Seine Gewalttat hat auch in ihm selber alles Vertrauen in das Leben zerst\u00f6rt. Er bittet Gott um Milde.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so erstaunlich es ist: auch wenn nun Kain ohne Gottes N\u00e4he leben wird, &#8222;jenseits von Eden&#8220; (so der eindrucksvolle Roman John Steinbecks zu dieser Problematik), so hat Gott doch auch da wieder f\u00fcr seinen Schutz gesorgt und ihn nicht v\u00f6llig aus seiner Hand gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns in Abel hineinversetzen, mag uns das vielleicht zu gro\u00dfz\u00fcgig erscheinen. Wenn wir aber begreifen, dass auch wir in dieser und jener Situation eher dem neiderf\u00fcllten oder w\u00fctenden Kain \u00e4hneln, &#8211; dann kann das unser Trost sein: Gott sucht immer wieder das Gespr\u00e4ch mit uns. Er ruft uns immer neu zur\u00fcck und l\u00e4sst uns auch in der Gottesferne nicht ganz allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter dann hat Gott einen andern unsern Bruder werden lassen. Auch er wurde Opfer der Gewalt. Aber Gott machte deutlich, dass in seiner Art zu leben die Zukunft und das Leben steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von daher k\u00f6nnen wir neue Hoffnung gewinnen: wir sind nicht einfach Kinder Kains. Wir sind Geschwister Jesu. Und von daher k\u00f6nnen wir die Kraft finden, st\u00e4rker zu sein als die M\u00e4chte der Gewalt, die uns umgeben. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lied:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>316,1-5 &#8222;Lobe den Herren, den m\u00e4chtigen&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcrbittengebet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du bist die G\u00fcte, aus der wir leben<\/p>\n\n\n\n<p>Du glaubst an uns, la\u00df uns darauf zugehen an diesem Tag und alle Tage unseres Lebens. Nimm die Kleinlichkeit und die \u00c4ngstlichkeit aus unserem Glauben, nimm die Zweifel aus unseren Niederlagen und die Verachtung aus unseren vertanen M\u00f6glichkeiten. Und la\u00df uns leben, damit wir uns finden in dir, uns und die Menschen neben uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du glaubst an uns, an Jesus damals und an unser menschliches Angesicht heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir denken jetzt an die Frauen und M\u00e4nner, an die Jugendlichen und alten Menschen, denen die Freude an sich und anderen genommen ist, die sich nicht ausstehen k\u00f6nnen, weil niemand zu ihnen h\u00e4lt, die sich abgeschrieben haben, weil niemand in ihren Augen liest, die es sich nicht recht machen k\u00f6nnen, weil niemand sie braucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du glaubst an sie.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df die Unmenschlichkeit ein Ende haben und zeige ihnen neuen Sinn in ihrem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns aber hilf, ihnen zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir denken an die Frauen und M\u00e4nner unter uns, die Freude und Hoffnung ausstrahlen an den Orten, an denen sie leben,<\/p>\n\n\n\n<p>die manchmal ausgelaugt und m\u00fcde sind von der Last der Pflege anderer, denen manchmal zum Weinen zumute ist, weil sie sich \u00fcberfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du glaubst an sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem M\u00f6glichen, das wir tun k\u00f6nnen,<\/p>\n\n\n\n<p>aber auch aus unseren Grenzen willst du das Unm\u00f6gliche schaffen:<\/p>\n\n\n\n<p>da\u00df wir gern auf dieser Erde und mit diesen Menschen leben wie Jesus uns ermutigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, der du H\u00fcter \u00fcber Leben und Tod bist,<\/p>\n\n\n\n<p>wir bitten dich, sei du bei denen, die um Helmut Mackel aus der Nordendstra\u00dfe 32 a der im Alter von 83 Jahren verstorben ist, trauern. Tr\u00f6ste die Hinterbliebenen. La\u00df sie Kraft gewinnen aus dem Glauben, da\u00df auch der Tod uns durch deine Liebe nicht trennen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gemeinsam beten wir:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel!<\/p>\n\n\n\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Gott lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig,<\/p>\n\n\n\n<p>Gott hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>G:<\/strong> Amen, Amen, Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlu\u00dflied:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>171, 1-4 &#8222;Bewahre uns Gott&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Musik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>22<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. Sonntag nach Trinitatis, 1. Mos.4, 1-16a 17. 9. 00, Epiphaniskirche. Pfarrerin Marion Eimuth Kirchenvorsteher: Begr\u00fc\u00dfung Orgelvorspiel Lied: 443, 1-4+6 &#8222;Aus meines Herzens&#8220; Pfarrerin: Votum: Im Namen Gottes kommen wir zusammen. Gott nimmt uns an, wie wir sind. 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