{"id":4269,"date":"2006-09-04T17:54:00","date_gmt":"2006-09-04T15:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4269"},"modified":"2021-02-14T17:58:45","modified_gmt":"2021-02-14T15:58:45","slug":"albert-schweitzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4269","title":{"rendered":"Albert Schweitzer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Andacht,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.9.2006<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lied EG: 452, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Votum:<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Morgen<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind hier in der Heiliggeistkirche<\/p>\n\n\n\n<p>In deinem Namen<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du Schutz allen Lebens,<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus, du Hoffnung aller Geopferten,<\/p>\n\n\n\n<p>Heiliger Geist, du \u00dcberwindung des Todes.<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm: 146 Nr. 757<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 295, 1-4<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p>Frankfurt ist auch die Stadt Albert Schweitzers<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist schon etwas in Vergessenheit geraten, dabei ist er einer der heute so wenigen Universalgelehrten gewesen: der Theologe, Mediziner, K\u00fcnstler und Musikwissenschaftler Albert Schweitzer. Heute vor 41 Jahren verstarb er.<\/p>\n\n\n\n<p>Albert Schweitzers Beziehungen zu Frankfurt waren intensiv und vielf\u00e4ltig. \u201eDie erste Bekanntschaft mit Frankfurt machte ich, als liebe Freunde von mir nach dem ersten Kriege Stra\u00dfburg verlie\u00dfen und sich hier niederlie\u00dfen\u201c, berichtet Schweitzer 1959 anl\u00e4\u00dflich der Verleihung der Ehrenb\u00fcrgerrechte. Dadurch sei er regelm\u00e4\u00dfig nach Frankfurt gekommen und diese Stadt habe auf ihn \u201egleich einen besonderen Zauber\u201c auf ihn ausge\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar hat auch er diese Stadt verzaubert. So hat er 1955 unangemeldet \u201eseine\u201c Schule, die Albert Schweitzer-Schule am Berkersheimer Weg besucht. Zwei Zeitungsberichten zufolge hat sich der hohe Gast nicht lange mit den Offiziellen aufgehalten, sondern sich sogleich den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern zugewandt. \u201eIch will nur die Sch\u00fcler besuchen\u201c, so wird er in der Zeitung zitiert und der Bericht f\u00e4hrt fort. \u201eDie Herren und Damen des Lehrerkollegiums verstanden ihn wohl, sie kennen seine Abneigung gegen jedes Aufhebens, das mit seiner Person gemacht wird, gegen den Trubel offizieller Reden und Empf\u00e4nge. Schweitzer habe von seiner Klinik erz\u00e4hlt. Als sp\u00e4ter der Schulleiter dem Gast die neu erbauten R\u00e4ume und die nagelneuen M\u00f6bel zeigte, soll dieser einem Lehrer ins Ohr gefl\u00fcstert haben: \u201eWo sollen aber die Buben denn da ihre Namen einritzen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt hat den am 14. Januar 1875 in Kaysersberg (Oberelsa\u00df) geborenen Schweitzer mehfach geehrt und als Festredner eingeladen. So erhielt er 1928 den Goethepreis der Stadt verliehen und sprach 1932 im Opernhaus anl\u00e4\u00dflich des 100. Todestages Goethes. Ebenso hielt er die Laudatio auf Thomas Mann am 28. August 1949 in der Paulskirche als dieser den Goethepreis in Empfang nehmen durfte. Zwei Jahre sp\u00e4ter war Albert Schweitzer nochmals der Geehrte. Er bekam am 16. September 1951 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in jungen Jahren war der bekannte Bach-Interpret in Frankfurt zu h\u00f6ren. Er spielte die Orgeln der Matth\u00e4uskirche, der Lukaskirche und gab 1928 Konzerte im Funkhaus und in der Katharinenkirche. Mit Frankfurts Oberb\u00fcrgermeistern korrespondierte Schweitzer h\u00e4ufig. Schweitzer f\u00fchlte sich in Frankfurt beheimatet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt hat mit dem Gothepreis f\u00fcr Schweitzer schon fr\u00fch das umfangreiche Werk des Gelehrten gew\u00fcrdigt. Mit diesem Preis w\u00fcrdige man, so die Urkunde, \u201eden von allen Konfessionen ger\u00fchmten Theologen und Religionsforscher, dem durch seine Kunst als Orgelspieler und seine Verk\u00fcndigung weit \u00fcber das deutsche Sprachgebiet hinaus wirkenden Musiker und Schriftsteller, der mit dem Entschlu\u00df unmittelbaren Dienens die akademische Lehrt\u00e4tigkeit verlie\u00df, um praktischer Arzt zu werden auf entlegenem Posten den Kampf gegen Aussatz und Schlafkrankheit unter den Bewohnern des innerafrikanischen Urwalds aufzunehmen, dem Menschenfreunde Schweitzer aus Stra\u00dfburg&#8230;\u201c Schweitzer, aufgewachsen im Pfarrhaus in G\u00fcnsbach studierte an den Universit\u00e4ten Stra\u00dfburg, Paris und Berlin Theologie, Philosophie und Musikwissenschaften. In allen Bereichen war der junge Vikar aus Stra\u00dfburg, wo er habilitierte und Direktor des Studienstiftes zu St. Thomas wurde, ein gefragter Experte. Seine \u201eGeschichte der Leben-Jesu-Forschung\u201c als auch seine \u201eGeschichte der Paulinischen Forschung\u201c sowie weitere theologische Werke haben an Aktualit\u00e4t ebenso wenig verloren wie seine mehrb\u00e4ndigen kulturphilosophischen Werke. Als Musikwissenschaftler ist er vor allem durch sein gro\u00dfes Bachwerk bekannt geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in jungen Jahren nahm sich Schweitzer vor, den eingeschlagenen Weg nicht zu Ende zu gehen, sondern bald die Richtung zu \u00e4ndern. Schweitzer selbst berichtet: \u201eEine Entscheidung fiel, als ich einundzwanzig Jahre alt war. Damals, als Student in den Pfingstferien, beschlo\u00df ich, bis zum drei\u00dfigsten Jahre dem Predigeramt, der Wissenschaft und der Musik zu leben. Dann, wenn ich in Wissenschaft und Kunst geleistet h\u00e4tte, was ich darin vorhatte, wollte ich einen Weg des unmittelbaren Dienens als Mensch betreten. Welches dieser Weg sein sollte, gedachte ich in der Zwischenzeit aus Umst\u00e4nden zu erfahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung fiel ann\u00e4hrend zehn Jahre sp\u00e4ter. \u201eEines Morgens\u201c, so Schweitzer, \u201eim Herbst 1904, fand ich auf meinem Schreibtisch &#8230;eines der gr\u00fcnen Hefte, in denen die Pariser Missionsgesellschaft allmonatlich \u00fcber ihre T\u00e4tigkeit berichtete&#8230;Da fiel mein Blick auf einen Artikel mit der \u00dcberschrift \u2018Was der Kongomission not tut\u2019. Er&#8230; enthielt die Klage, da\u00df es der Mission an Leuten fehle, um ihr Werk in Gabun, der n\u00f6rdlichen Provinz der Kongokolonie, zu betreiben&#8230;Als ich mit dem Lesen fertig war, nahm ich ruhig meine Arbeit vor. Das Suchen hatte ein Ende.\u201c Der junge, aufstrebende Gelehrte wollte die akademische Karriere beenden und in die Mission gehen. Doch er wollte nicht als Missionar nach Afrika kommen, sondern als Arzt. So wurde er 1905 nochmals Student. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter machte er sein medizinisches Staatsexamen. Er bereitete sich durch die Besch\u00e4ftigung mit der Tropenmedizin gr\u00fcndlich auf seinen Einsatz vor. Seine alte Stra\u00dfburger Gemeinde, Freunde aber auch durch Konzertreisen sammelte er Geld f\u00fcr sein Vorhaben in Afrika.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die weltpolitische Lage machte Schweitzer einen Strich durch die Rechnung. Nach erfolgreichem Wirken (1913 &#8211; 1917) wurden er und seine Frau nach Europa in ein Gefangenenlager gebracht. Erst langsam erholte er sich von den Strapazen der Haft. In Stra\u00dfburg bekam er eine Anstellung als Assistent im B\u00fcrgerhospital und auch seine Kirchengemeinde war froh wieder ihren Vikar zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Schweitzer wollte sein Werk in Afrika fortsetzen. Schon bald k\u00fcndigte er seine Anstellungen. \u201eIm April 1921 gab ich meine beiden Stellungen in Stra\u00dfburg auf, f\u00fcr den Unterhalt meines Lebens hinfort auf die Feder und die Orgel z\u00e4hlend.\u201c Schweitzer bereitete eine weitere Reise nach Lambarene vor, wo er am Ostersamstag 1927 eintraf. Insgesamt wirkte Schweitzer vierzehn mal in Lambarene. Er hat dort eine Klinik aufgebaut, die sich nicht nur durch ihren medizinischen Standard, sondern auch durch die Art des Zusammenlebens der Mitarbeiterschaft auszeichnetet. Schweitzer starb dort am 4. September 1965.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute hat die Klinik in Lambarene zahlreiche Abteilungen, von der Chirurgie bis zu Poli- und Kinderklinik. Sie kann 350 Patientinnen und Patienten aufnehmen. Neben 120 einheimischen Angestellten arbeiten dort 134 medizinische Kr\u00e4fte aus neun Nationen. Gro\u00dfes Gewicht wird auf die Ausbildung einheimischer Pflegekr\u00e4fte gelegt. Auch heute ist die Klinik &#8211; trotz staatlicher F\u00f6rderung &#8211; auf Spenden aus Europa angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweitzer entwickelte dort seine Ethik, die unter dem Begriff \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c bekannt wurde. Wohl aus dieser Grund\u00fcberzeugung heraus k\u00e4mpfte er, der 1952 den Friedensnobelpreis zuerkannt bekam, gegen die atomare Bewaffnung. Im Jahre 1958 schreibt er: \u201eNun gilt es, den Kampf f\u00fcr die Abschaffung der Atom- und Kernwaffen aufzunehmen. Um dieses zu erreichen, mu\u00df man in der ganzen Welt eine dahingehende Meinung schaffen&#8230;.Keine Regierung kann leugnen, da\u00df diese Waffen gegen das V\u00f6lkerrecht versto\u00dfen..\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Leider hat er Recht behalten. Wir sehen heute die Bedrohung im Iran, aber auch in Korea. Deshalb braucht diese Welt weiter Menschen wie Albert Schweitzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 265, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteilungen<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet<\/p>\n\n\n\n<p>Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist bei uns zu allen Zeiten unseres Lebens<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn wir das manchmal nicht sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Du genie\u00dft mit uns Tage, prall und lebenssatt<\/p>\n\n\n\n<p>wie der Sommer<\/p>\n\n\n\n<p>Und du tr\u00e4gst mit uns Tage, karg und kalt<\/p>\n\n\n\n<p>wie der Winter.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb bitten wir Dich f\u00fcr alle, die von sich selbst<\/p>\n\n\n\n<p>Und ihren Gef\u00fchlen abgeschnitten sind \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Lass sie neu entdecken, was sie \u00e4ngstigt<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ihnen Spa\u00df macht,<\/p>\n\n\n\n<p>damit sie ihr Leben erf\u00fcllend gestalten k\u00f6nnen;<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr alle, die nur noch an sich selbst denken und<\/p>\n\n\n\n<p>nicht mehr sehen, was um sie herum geschieht \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>lass sie erfahren, dass auch sie andere Menschen brauchen,<\/p>\n\n\n\n<p>um gl\u00fccklich zu sein<\/p>\n\n\n\n<p>und dass sie selbst f\u00fcr andere<\/p>\n\n\n\n<p>wichtige Wegbegleiterinnen und \u2013begleiter werden k\u00f6nnen;<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr uns alle, die wir oft so tun, als k\u00f6nnten wir ewig leben \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>lass uns erkennen, wie wenig selbstverst\u00e4ndlich und kostbar jeder einzelne Lebenstag ist,<\/p>\n\n\n\n<p>damit wir uns nicht immer wieder auf morgen vertr\u00f6sten lassen,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern sensibel werden f\u00fcr das,<\/p>\n\n\n\n<p>was uns heute schon Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung schenken kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel<\/p>\n\n\n\n<p>geheiligt werde dein Name,<\/p>\n\n\n\n<p>dein Reich komme,<\/p>\n\n\n\n<p>dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Segen:<\/p>\n\n\n\n<p>Gott segne uns und beh\u00fcte uns<\/p>\n\n\n\n<p>Gott gebe uns Liebe wo Hass ist,<\/p>\n\n\n\n<p>Kraft wo Schw\u00e4che l\u00e4hmt,<\/p>\n\n\n\n<p>Toleranz wo Ungeduld herrscht,<\/p>\n\n\n\n<p>Offenheit wo alles festgefahren scheint<\/p>\n\n\n\n<p>So sei Gottes Segen mit uns allen, befl\u00fcgle unsere Hoffnung und begleite uns wie ein Licht in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht, 4.9.2006 Lied EG: 452, 1-3 Votum: Guten Morgen Wir sind hier in der Heiliggeistkirche In deinem Namen Gott, du Schutz allen Lebens, Jesus, du Hoffnung aller Geopferten, Heiliger Geist, du \u00dcberwindung des Todes. Psalm: 146 Nr. 757 Lied: EG 295, 1-4 Liebe Kolleginnen und<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[382],"tags":[893,894,218,229],"class_list":["post-4269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-andachten","tag-albert-schweitzer","tag-atom","tag-krieg","tag-schweitzer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4269"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4270,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4269\/revisions\/4270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}