{"id":4265,"date":"2005-03-14T16:49:00","date_gmt":"2005-03-14T14:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4265"},"modified":"2021-02-14T16:53:10","modified_gmt":"2021-02-14T14:53:10","slug":"autoritaere-und-humanistische-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4265","title":{"rendered":"Autorit\u00e4re und humanistische Religion"},"content":{"rendered":"\n<p>Erich Fromm,<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andacht,<\/strong> Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>14.3.2005<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lied EG: 593, 1+5<\/p>\n\n\n\n<p>Votum:<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Morgen<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind hier in der Heiliggeistkirche<\/p>\n\n\n\n<p>In deinem Namen<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du Schutz allen Lebens,<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus, du Hoffnung aller Geopferten,<\/p>\n\n\n\n<p>Heiliger Geist, du \u00dcberwindung des Todes.<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm: 43 Nr. 724<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 584, 1-4<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,<\/p>\n\n\n\n<p>Es j\u00e4hrt sich in diesen Tagen der Todestag eines ber\u00fchmten Frankfurters, eines Denkers, der viel \u00fcber das Wesen der Religion nachdachte: Erich Fromm<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Erich Fromm sich ganz bewusst von jeglicher Religion losgesagt hat, ist er bis zu seinem Tod dem Glauben treu geblieben. Die Religion, in die er hineingeboren wurde, ersetzte er mit einer eigenen durch und durch von Erkenntnis und Vernunft gepr\u00e4gten Ethik, die nicht nur dem ureigensten Wesen des Menschen, sondern auch der Gesellschaft gerecht werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Erfolg der 68er-Bewegung resultierte letzten Endes der Erfolg von Fromms B\u00fcchern. Die mehr als 50 Titel seiner Gesamtauflage wurden in alle wichtigen Sprachen \u00fcbersetzt und bis heute weltweit mehr als 50 Millionen mal verkauft. Nicht nur sein Bestseller \u201eDie Kunst des Liebens\u201c von 1956, sondern auch sein Alterswerk \u201eHaben oder Sein\u201c von 1976 wurden Kultb\u00fccher.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Der am 23. M\u00e4rz 1900 in Frankfurt als Sohn des j\u00fcdischen Weinh\u00e4ndlers Naphtali geborene Erich Fromm, besch\u00e4ftigt sich bereits mit 13 intensiv mit dem Talmud. Nach der Schule studiert er zwei Semester Jura in Frankfurt und wechselt nach Heidelberg, wo er mit Soziologie, Psychologie und Philosophie weiter macht. W\u00e4hrend seine Promotion 1922 noch den Titel tr\u00e4gt: \u201eDas j\u00fcdische Gesetz. Ein Beitrag zur Soziologie des Diaspora-Judentums\u201c, wendet er sich schon vier Jahre sp\u00e4ter vom orthodoxen Judentum ab.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Karl Landauer in M\u00fcnchen studiert er weiter und beendet sein Psychologiestudium 1929 am Psychoanalytischen Institut in Berlin. Gleichzeitig engagiert er sich in Frankfurt und hilft bei der Gr\u00fcndung des S\u00fcddeutschen Instituts f\u00fcr Psychoanalyse in Frankfurt. Zusammen mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, und Herbert Marcuse geh\u00f6rt er zu jenem Kreis um Max Horkheimer am fortan genannten \u201eFrankfurter Institut f\u00fcr Sozialforschung\u201c, der nach der Machtergreifung der Nazis seine T\u00e4tigkeit an der Columbia-University von New York fortsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Vom orthodoxen Juden zum dogmatischen Freudianer zum \u00fcberzeugten Marxisten entwickelt sich Erich Fromm zum \u201eradikalen Moralisten\u201c. Vom Judentum wendet er sich ab, \u201eweil er nicht an irgendeiner Spaltung der Menschheit \u2013 ob religi\u00f6s oder politisch \u2013 beteiligt sein wollte,\u201c wie er einmal sagte. Von Freud entfernt er sich und stellt dazu fest: \u201eWir Psychoanalytiker der zweiten Generation stehen auf Freuds Schultern \u2013 und darum sehen wir weiter.\u201c Freud lasse soziale und wirtschaftliche Faktoren weitgehend au\u00dfer acht. Erich Fromm l\u00f6st die Psychoanalyse aus ihrem rein therapeutischen Kontext und f\u00fchrt sie in eine umfassende Sozialanthropologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Herzinfarkt 1968 zieht sich Erich Fromm aus dem \u00f6ffentlichen Leben zur\u00fcck, siedelt ins Tessin \u00fcber und stirbt bei einem Herzinfarkt am 18. M\u00e4rz 1980.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er als Moralist sich von der Religion entfernte, so gab er doch aus sozialpsychologischer Sicht entscheidende Hinweise zur Bewertung von Religion:<\/p>\n\n\n\n<p>Erich Fromm unterscheidet zwischen autorit\u00e4rer und humanistischer Religion. Die autorit\u00e4re Religion sei gekennzeichnet durch die Vorstellung, dass eine h\u00f6here Macht Anspruch auf Verehrung und Anbetung aber auch auf Gehorsam habe. Die Macht \u00fcber Menschen begr\u00fcnde sich eben nicht mit einer besonderen sittlichen Eigenschaft der Gottheit, sondern alleine dadurch,, dass die Herrschaft und damit die Macht ihr zu stehe. Wesentliches Element der autorit\u00e4ren Religion sei die Unterwerfung unter eine Macht jenseits des Menschen. Allerdings k\u00f6nne diese Macht auch von einem F\u00fchrer direkt ausge\u00fcbt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die humanistische Religion beschreibt Fromm so: \u201eDas religi\u00f6se Erlebnis innerhalb dieser Art der Religion besteht in der Empfindung des Einsseins mit dem All , gegr\u00fcndet auf die Beziehung zur Welt.\u201c Selbstverwirklichung, nicht Unterwerfung wolle der Mensch in dieser Art von Religion erreichen. \u201eGlaube ist Sicherheit der \u00dcberzeugung, erworben durch eigene Erfahrung mittels Denkens und F\u00fchlens, nicht Annahme einer Satzung auf Grund des Ansehens dessen, der sie gesetzt hat.\u201c Und Fromm f\u00fcgt dieser Beschreibung noch hinzu: \u201eDie vorwiegende Stimmung ist Freude, w\u00e4hrend sie in autorit\u00e4ren Religionen in Kummer und Schuldgef\u00fchl besteht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die derzeitige Diskussion um die Ursachen des religi\u00f6sen Fundamentalismus und um religi\u00f6s motivierten Terrorismus ist die weitere Analyse Fromms aktueller denn je: Die Unterscheidung zwischen autorit\u00e4rer und humanistischer Religion ziehe sich quer durch alle Religionen. Demnach sind autorit\u00e4re oder gar totalit\u00e4re Z\u00fcge von Religionen nicht einer bestimmten Religion zuzuordnen. Da unterscheiden sich die militanten Christen in Nordirland eben nicht von den islamistischen Attent\u00e4tern des 11. M\u00e4rz in Madrid.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Analyse kann ich Fromm folgen. Doch so wie ich Christentum verstehe, so wie Luther von der Freiheit eines Christenmenschen spricht, passt die autorit\u00e4re Form des Glaubens nicht zur Botschaft des Neuen Testaments. Es pervertiert sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn der christliche Glaube ist keine Gesetzesreligion. Er schreibt uns nicht vor, wie wir zu leben haben. Er versetzt uns in einen weiten Raum gro\u00dfer Freiheit. In Dankbarkeit gegen\u00fcber Gott und ausgerichtet auf unseren Mitmenschen k\u00f6nnen wir unser Leben gestalten. Wie das heute konkret aussieht, m\u00fcssen wir selbst herausfinden. Das ist allerdings nicht immer einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 546, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteilungen<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet<\/p>\n\n\n\n<p>Verschone uns, Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>vor allen Dingen, die zu nichts f\u00fchren,<\/p>\n\n\n\n<p>aus denen in deinem Reich nichts wird<\/p>\n\n\n\n<p>und die auf Erden nichts<\/p>\n\n\n\n<p>und wieder nichts bedeuten \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>davor verschon uns Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor unfruchtbarem Gr\u00fcbeln,<\/p>\n\n\n\n<p>vor leeren Gedanken,<\/p>\n\n\n\n<p>vor unbedachten Zugest\u00e4ndnis an das b\u00f6se,<\/p>\n\n\n\n<p>vor Wahnideen und Phantastereien<\/p>\n\n\n\n<p>vor aller Niedertr\u00e4chtigkeit \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>verschon uns Gott<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Tr\u00e4gheit und vor unduldsamer Gesinnung,<\/p>\n\n\n\n<p>vor aller Wichtigtuerei,<\/p>\n\n\n\n<p>vor Selbstgef\u00e4lligkeit<\/p>\n\n\n\n<p>verschon uns Gott<\/p>\n\n\n\n<p>Lass unseren Ehrgeiz<\/p>\n\n\n\n<p>Und unseren Frieden darin finden:<\/p>\n\n\n\n<p>In deinem Licht wandeln,<\/p>\n\n\n\n<p>dass wir Kinder des Lichts werden<\/p>\n\n\n\n<p>dass wir deinem Bilde \u00e4hnlich werden<\/p>\n\n\n\n<p>und in deiner Liebe bleiben,<\/p>\n\n\n\n<p>der du uns zuerst geliebt hast<\/p>\n\n\n\n<p>und bis zum Ende liebst<\/p>\n\n\n\n<p>ohne Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel<\/p>\n\n\n\n<p>geheiligt werde dein Name,<\/p>\n\n\n\n<p>dein Reich komme,<\/p>\n\n\n\n<p>dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Segen:<\/p>\n\n\n\n<p>Gott segne uns und beh\u00fcte uns<\/p>\n\n\n\n<p>Gott gebe uns Liebe wo Hass ist,<\/p>\n\n\n\n<p>Kraft wo Schw\u00e4che l\u00e4hmt,<\/p>\n\n\n\n<p>Toleranz wo Ungeduld herrscht,<\/p>\n\n\n\n<p>Offenheit wo alles festgefahren scheint<\/p>\n\n\n\n<p>So sei Gottes Segen mit uns allen, befl\u00fcgle unsere Hoffnung und begleite uns wie ein Licht in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 546 4+5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich Fromm, Andacht, Kurt-Helmuth Eimuth 14.3.2005 Lied EG: 593, 1+5 Votum: Guten Morgen Wir sind hier in der Heiliggeistkirche In deinem Namen Gott, du Schutz allen Lebens, Jesus, du Hoffnung aller Geopferten, Heiliger Geist, du \u00dcberwindung des Todes. 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