{"id":4261,"date":"2008-03-03T14:48:00","date_gmt":"2008-03-03T12:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4261"},"modified":"2021-02-14T14:52:58","modified_gmt":"2021-02-14T12:52:58","slug":"geiz-als-lebensmotto-macht-arm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4261","title":{"rendered":"Geiz als Lebensmotto macht arm"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Andacht Fasten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p>3. 3. 08<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 98, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Votum:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten des Wochspruchs aus dem Johannesevangelium, Kapitel 12, Vers 24 begr\u00fc\u00dfe ich Sie zur heutigen Andacht, die wir feiern im Namen Gottes des Vater, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm 84, Nr. 734<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 584, 1-4<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ansprache:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Geiz ist geil&#8220; war im vergangenen Jahr allerorts zu lesen. Ein Spruch, mit dem eine Elektronikhandelskette den Verkauf von Laptops, Fernsehern und DVD-Playern ankurbeln wollte. Ausgerechnet f\u00fcr die Fastenzeit ruft die evangelische Kirche nun zur Verschwendung auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 25 Jahren fordert die Aktion \u201e7 Wochen ohne\u201c Verzicht. Die alte Tradition des Fastens in der Passionszeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag soll so wiederbelebt werden. Inzwischen beteiligen sich Jahr f\u00fcr Jahr zwei Millionen Menschen. Sie verzichten auf Alkohol, auf S\u00fc\u00dfigkeiten, auf Fernsehen oder was immer f\u00fcr sie eine besondere Markierung diese sieben Wochen beinhaltet. Ziel ist es, zu pr\u00fcfen, was man wirklich f\u00fcr das eigene Leben braucht, was wirklich Lebensqualit\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Fasten ist Verzicht. Diese Gleichung ist so alt wie die Religion selbst. Alle Religionen kennen den Verzicht als spirituelle \u00dcbung. Durch das Verzichten wird eine besondere Konzentration auf die andere Dimension des Lebens m\u00f6glich. Alle gro\u00dfen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing und Jesus zog sich vor seinem \u00f6ffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die W\u00fcste zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Geiz und Schn\u00e4ppchenjagd sind alles andere als erstrebenswert &#8211; nicht Geiz, sondern &#8222;Geben macht gl\u00fccklich&#8220;. Das behauptet zumindest der Journalist Thomas Ramge in seinem neuen Buch &#8222;Nach der Ego-Gesellschaft. Die neue Kultur der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zahle sich aus und das lie\u00dfe sich wissenschaftlich belegen, hei\u00dft es in dem Buch. &#8222;Menschen, die gro\u00dfz\u00fcgig sind, sind im Durchschnitt gl\u00fccklicher. Sie sind ges\u00fcnder, haben ein positiveres Bild von sich und leben l\u00e4nger&#8220;, so Ramge. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit sei in unsere Gene eingeschrieben, auch wenn diese nicht immer dominant gewesen seien. Doch die steigende Zahl von ehrenamtlichem Engagement und B\u00fcrgerstiftungen spreche f\u00fcr eine klare Gegenbewegung zur reinen Ego-Mentalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine Erkenntnis, die in unserer Kultur tief verankert ist. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit hat seit jeher einen fabelhaften Ruf. Den Geiz dagegen bezeichnete schon Apostel Paulus als &#8222;Wurzel allen \u00dcbels&#8220;. Und f\u00fcr Augustinus war er der &#8222;Wahnsinn der Seele&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund genug f\u00fcr die Evangelische Kirche, den Begriff der Verschwendung zum Motto ihrer Fastenaktion zu machen. Traditionell steht die Passionszeit f\u00fcr Verzicht und Entsagung. Verzichtet werden soll in diesem Jahr aber auf den Geiz, mit dem Ziel, eine neue Kultur der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu entfalten, in der Geiz nicht geil ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich stelle es mir wunderbar vor, einmal sieben Wochen ohne Sparsamkeit, Schn\u00e4ppchenjagden und Zeitgeist durch eng gedr\u00e4ngte Terminkalender zu gehen und stattdessen so richtig verschwenderisch zu sein&#8220;, freut sich etwa die Autorin Amelie Fried. Sie ist eine von zahlreichen Prominenten, die die Aktion unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Teilnehmer der Aktion sind dazu aufgerufen, sich in Gastfreundschaft, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Hilfsbereitschaft zu \u00fcben. Gelegenheiten gibt es viele: etwa eine Einladung zum Essen f\u00fcr jemanden, der sonst nicht auf der G\u00e4steliste steht, ein Gespr\u00e4ch, ohne auf die Uhr zu schauen, eine freundliche Geste f\u00fcr eine Person, die einem nicht wohlgesonnen ist, oder ein Hilfsangebot, auch wenn dadurch das Wochenende noch k\u00fcrzer wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aktion f\u00fcgt sich bestens in die kommende Jahreszeit ein: &#8222;Verschwendung ist ein Begriff, den wir im Fr\u00fchling positiv besetzen. Verschwenderische F\u00fclle, Knospen platzen. Wir m\u00f6chten, dass es auch in den Herzen so zugeht&#8220;, sagt Arnd Brummer, Leiter der Aktion &#8222;7 Wochen ohne&#8220;, die von einem zentralen Projektb\u00fcro im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik koordiniert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In der christlichen Tradition bedeutet die Fastenzeit vor allem eine Zeit der Besinnung. So belebte die Gruppe der Initiatoren einen alten Brauch mit neuer Kraft. Die Idee machte schnell die Runde. Rund 300 Menschen nahmen vor 25 Jahren an der ersten Aktion in Hamburg teil. Heute sind es bundesweit mehr als zwei Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Anf\u00e4nge nahm die Aktion in Hamburg: 1983 beschloss eine Gruppe von Journalisten und Theologen, nach einer fr\u00f6hlichen Kneipenrunde sieben Wochen lang, von Aschermittwoch bis Ostern, zu fasten. Es ging den Fastenden nicht nur darum, in dieser Zeit dem Konsum abzuschw\u00f6ren. Vielmehr wollten sie einen pers\u00f6nlichen, spirituellen Mehrwert erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Menschen in unserer Welt brauchen dringend einen Fr\u00fchling der Herzen\u201c, fordern die Initiatoren \u201eDie st\u00e4ndigen Fragen \u2013 was bringt es mir? was n\u00fctzt es? \u2013 die Erwartung, dass man f\u00fcr heute Investiertes schon morgen Ertr\u00e4ge bekommen m\u00fcsse, t\u00f6tet jede spontane Geste. Eine geizige Welt schliddert in eine zweite, in eine soziale Klimakatastrophe \u2013 au\u00dfen die Erderw\u00e4rmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Tag verschwenderisch verbringen kann bedeuten: Lange im Bett liegen, gut fr\u00fchst\u00fccken, ein Buch lesen, den M\u00fc\u00dfiggang \u00fcben; aber auch: einfach mit den Kindern auf dem Spielplatz sein, Freunde einladen oder jemanden unverhofft Blumen schenken. Aus keinem besonderem Anlass, sondern einfach so, als Geste.<\/p>\n\n\n\n<p>Geiz als Lebensmotto macht arm. Verschwendung von Zeit und Zuwendung macht nicht nur das Leben ertr\u00e4glicher sondern auch menschlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG: 420, 1-5<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteilungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p>Du kommst im Namen Gottes &#8211; gewaltlos<\/p>\n\n\n\n<p>Du lieferst dich Menschen aus und gibst dein Leben hin. So vollendest du Gottes Willen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vers\u00f6hnende Kraft geht von dir aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen nicht mehr auf Macht und Gewalt zu setzen, denn du machst uns Hoffnung, dass Sanftmut und Liebe die Welt bewahren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dir denken wir an Frauen und M\u00e4nner, die \u00f6ffentliche Verantwortung tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass sie den Versuchungen der Macht widerstehen und f\u00fcr das Recht und das Wohl anderer eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dir denken wir an alle, die Menschenh\u00e4nden ausgeliefert sind: rassisch Verfolgte, politische Gefangene, Menschen, die um ihres Glaubens willen mundtot gemacht werden. Wehre dem Unrecht und der Gewalttat.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dir denken wir an Not und Elend mitten unter uns: an die Menschen, die arbeitslos sind, an Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, an alle, die vergessen und abgeschrieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gib uns Augen, die sehen, und Ohren, die h\u00f6ren, einen Mund, der zur rechten Zeit redet und schweigt, und H\u00e4nde, die helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus Christus,<\/p>\n\n\n\n<p>du willst uns gewinnen und nicht beherrschen. Befreie uns, deine Kirche, von Macht- und Herrschaftsanspr\u00fcchen. Lass uns dir folgen im Einstehen f\u00fcr andere, in der Hingabe an die Welt und so deinem Namen Ehre machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gemeinsam beten wir<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel,<\/p>\n\n\n\n<p>geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht Fasten Kurt-Helmuth Eimuth 3. 3. 08 Orgel Lied: EG 98, 1-3 Votum: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Mit diesen Worten des Wochspruchs aus dem Johannesevangelium, Kapitel 12, Vers<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[382],"tags":[885,146,887,886,570],"class_list":["post-4261","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-andachten","tag-7-wochen-ohne","tag-fasten","tag-geiz","tag-klimakatastrophe","tag-spiritualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4261"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4261\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4262,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4261\/revisions\/4262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}