{"id":4251,"date":"1997-06-30T08:52:00","date_gmt":"1997-06-30T06:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4251"},"modified":"2021-02-14T08:55:34","modified_gmt":"2021-02-14T06:55:34","slug":"gerechtigkeit-ist-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4251","title":{"rendered":"Gerechtigkeit ist Leben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Andacht, Kirchentag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>30. 6. 1997<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 445, 1, 2, 5<\/p>\n\n\n\n<p>Votum:<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Wochenspruch aus dem Epheserbrief, Kapitel 2, Vers 8 begr\u00fc\u00dfe ich Sie herzlich zur heutigen Andacht, die wir feiern im Namen Gottes des Vater, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm 73, Nr. 733<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 632, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ansprache:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p>Der 27. Deutsche Evangelische Kirchentag ging vor gut einer Woche zu Ende. Leipzig war gepr\u00e4gt, trotz Regens, von den vielen fr\u00f6hlichen Besuchern und Besucherinnen. Das Bild kennen wir ja. Und doch war dieses Mal das Kirchentagsthema etwas sperriger. Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben, so das Motto des viert\u00e4gigen Treffens ist angesichts der deutlichen Widerspr\u00fcche die der Besucher und die Besucherin selbst bei der Stra\u00dfenbahnfahrt wahrnimmt augenf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stehen postmoderne B\u00fcrogeb\u00e4ude neben H\u00e4usern, die an das Nachkriegsdeutschland erinnern. Soziale Gegens\u00e4tze prallen hier aufeinander in einer Sch\u00e4rfe, wie wir sie uns kaum vorstellen. Und dann dieses programmatische und prophetische Wort: Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben. Ungerechtigkeit ist Tod. Ungerechtigkeit vernichtet. Ungerechtigkeit macht perspektivlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch so sehr wir alle uns Gerechtigkeit w\u00fcnschen, so schwierig ist es immer klar zu sagen was gerecht ist. Im heutigen Lehrtext hei\u00dft es im 1. Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 8: Wenn wir sagen, wir haben keine S\u00fcnde, so betr\u00fcgen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Menschen m\u00fcssen um diese Wahrheit ringen, immer wissend, da\u00df wir auch irren k\u00f6nnen. Doch wir sind aufgefordert eben sie zu suchen, uns f\u00fcr sie einzusetzen und Position zu beziehen. Darum mu\u00df sich auch unsere Kirche f\u00fcr die Wahrheit engagieren. Wahr ist: Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben. Wenn wir diese Wahrheit teilen, m\u00fcssen wir uns f\u00fcr eine gerechte Welt einsetzen. Keine leichte Aufgabe, weder f\u00fcr den Einzelnen noch f\u00fcr unsere Kirche. Dorothee S\u00f6lle hat es in der ihr eigenen Weise in einer Bibelarbeit in Leipzig auf den Punkt gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Einer der vielen Gr\u00fcnde, warum es die Kirche heute nicht gerade leicht hat, ist ein sehr ehrenvoller: die unaufgebbare Perspektive der Verlierer, der Loser. Der biblische Gott hat eine merkw\u00fcrdige Vorliebe f\u00fcr die, die zu kurz kommen, f\u00fcr die kein Platz da ist, die Unterlegenen. Wo gesiegt wird, da wird auch unterworfen; wo heute Waffen exportiert werden, da werden morgen Frauchen vergewaltigt; wo gewonnen wird, da gibt es Verlierer; wo Globalisierung Platz greift, da wird die Subsistenzwirtschaft zerst\u00f6rt; wo Arbeit abgeschafft wird, um schneller und problemloser zu den Winnern zu geh\u00f6ren, da sollten wir diese andere Perspektive mitsehen. &#8218;Wer verliert dabei?&#8216; sollten wir bei jeder wirtschaftspolitischen Neuerung, wie zum Beispiel der Abschaffung der Verm\u00f6genssteuer, laut und deutlich fragen. Wer sind die Verlierer bei der globalen Weltaneignung?<\/p>\n\n\n\n<p>Und wer gewinnt, wenn Tausende von Arbeitspl\u00e4tzen vernichtet werden? Die Aktien steigen, wenn mehr Menschen ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich manchmal, was ich der Kirche, meiner Kirche, w\u00fcnsche, wie sie ohne Selbstbesch\u00e4digung und Selbster\u00fcbrigung durch diese Zeiten k\u00e4me. Ich m\u00f6chte, da\u00df sie nicht nur z\u00e4hlt und sich selber im Z\u00e4hlen erstickt. Es gibt Loser, die haben nichts anderes im Kopf als die Winner. So sollte es bei uns nicht sein. Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df diese Erz\u00e4hlgemeinschaft namens Kirche mit st\u00f6rrischer Geduld Jesaja und Christus weitererz\u00e4hlt, Geschichten, die nicht von Winnern handeln. Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df sich die Kirche nicht der Sprache der Gerechtigkeit sch\u00e4mt. Da\u00df sie dieses \u00fcberfl\u00fcssige Globalisierungshemmnis namens Gerechtigkeit noch erinnert. Da\u00df sie es analysiert und einklagt, betet und singt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG: 632, 4 + 5<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteilungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p>Du Sch\u00f6pfer dieser Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben von deiner G\u00fcte und Weisheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns Menschen ist viel Macht gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was deine Weisheit geschaffen hat,<\/p>\n\n\n\n<p>ist uns unweisen Menschen anvertraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Was du gegeben hast, damit wir leben k\u00f6nnen,<\/p>\n\n\n\n<p>ist Gefahr geworden f\u00fcr unser aller Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten dir danken f\u00fcr deine Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten einander sch\u00fctzen<\/p>\n\n\n\n<p>vor Gewalt und Ha\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten deine Gaben beh\u00fcten:<\/p>\n\n\n\n<p>die Menschen und ihr Gl\u00fcck<\/p>\n\n\n\n<p>und das Leben der ganzen Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich, bewahre uns den Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>und bewahre uns davor,<\/p>\n\n\n\n<p>den Frieden anderer zu gef\u00e4hrden:<\/p>\n\n\n\n<p>den Frieden unserer Kinder, Freunde und Nachbarn<\/p>\n\n\n\n<p>und aller, denen wir begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich, Sch\u00f6pfer dieser Welt,<\/p>\n\n\n\n<p>hilf uns und gib Gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel,<\/p>\n\n\n\n<p>geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir<\/p>\n\n\n\n<p>und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 421 (1)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht, Kirchentag 30. 6. 1997 Lied: EG 445, 1, 2, 5 Votum: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. 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