{"id":4206,"date":"2010-05-10T00:39:00","date_gmt":"2010-05-09T22:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4206"},"modified":"2021-02-14T00:43:20","modified_gmt":"2021-02-13T22:43:20","slug":"peterskirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4206","title":{"rendered":"Peterskirche"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00d6kumene<\/h2>\n\n\n\n<p>Peterskirche, 10. Mai 2010<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n\n\n\n<p>wir haben uns hier zusammengefunden in der Kapelle der Jugendkulturkirche Sankt Peter. Die letzte Woche hat einschneidende Ver\u00e4nderung gebracht. Der Umzug vom Dominikanerkloster in einen Verwaltungsbau in die Bleichstra\u00dfe liegt hinter uns. Wenn es auch nur auf Zeit ist, so ist es doch ein Abschied. Wir alle hoffen, dass der Umbau sch\u00f6n wird und wir das umgebaute Kloster wieder in Besitz nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind wir hier im Turm der Peterskirche. Biografisch bin ich mit dieser Gemeinde und ihrer Kirche vielf\u00e4ltig verwoben. In dieser Gemeinde wurde ich vor gut einem halben Jahrhundert getauft. Nein, nicht hier in der Kirche, sondern oben an der Eckenheimer landstra\u00dfe im Saal der heutigen Gethsemanekirche. Denn die Peterskirche wurde erst als letzte der Dotationskirchen 1965 wieder aufgebaut. Sp\u00e4ter wurde dann unsere Tochter hier getauft und konfirmiert und ich engagierte mich im Kirchenvorstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebaut wurde Sankt Peter als Kapelle vor den Toren der Stadt, damit die die auf dem Felde vor den Stadttoren arbeiteten einen kurzen Weg hatten, denn im Mittelalter begann der Tag und endete der Tag in der Kirche. Datiert wird der Bau der ersten Peterskapelle an der Sch\u00e4fergasse also dort wo heute die e-Kinos sind, auf das Jahr 1331. Stifter war wohl ein Peter Apotheker, der eben die Kirche nach seinem Namenspatron Petrus benannte. Die erste Peterskirche wurde nach dem Zerfall der Kapelle im Jahre 1417 an gleicher Stelle, etwa auf der H\u00f6he des Schulhofes der Liebfrauenschule, im Jahre 1417 errichtet. Sie war katholisch, denn die Reformation war noch in weiter Ferne und dem Erzbischof von Mainz zugeordnet. Erst 1531 erreichte die Reformation auch die Petersgemeinde. 480 Jahre diente die alte Peterskirche der christlichen Gemeinde bis sie zerfiel. Die B\u00fcrger beschwerten sich. Von F\u00e4ulnis, Gestank, Schmutz und Br\u00fcchigkeit war die Rede. Die alte Peterskirche wurde abgerissen und an anderer Stelle, auf dem Peterskirchhof, dem heutigen Standort, 1895 wieder aufgebaut. Es war eine gro\u00dfe und pr\u00e4chtige Kirche mit bis zu 1200 Sitzpl\u00e4tzen. Damit war die Peterskirche das gr\u00f6\u00dfte evangelische Gotteshaus. Am 20. M\u00e4rz 1944 brannte sie in den Bombenn\u00e4chten aus.<\/p>\n\n\n\n<p>1965 wurde die wiederaufgebaute Kirche der Gemeinde \u00fcbergeben. Sie wurde in die vorhandenen Grundmauern gebaut, jedoch radikal ver\u00e4ndert. Die Achse des Innenraums wurde um 90 Grad gedreht, damit die B\u00e4nke im Halbkreis angeordnet werden konnten. Denn die neue Peterskirche sollte eine Predigtkirche sein. 2007 erfolgt mit dem Umbau zur Jugendkulturkirche wieder eine radikale \u00c4nderung. Und die Gemeinde nutzt die beiden anderen Kirchen im Nordend. \u00dcbrigens keine so neue Idee: Bereits um 1890 diskutierte man, ob die Peterskirche nicht besser in den neu entstehenden Stadtteil an die Eckenheimer Landstra\u00dfe zu bauen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber all die Jahrhunderte war die Kirche ein Ort an dem die Menschen ihre Sorgen aussprechen aber hoffentlich auch wieder Hoffnung sch\u00f6pfen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDamit ihr Hoffnung habt.\u201c Dieser Satz aus dem 1. Petrusbrief ist die Losung f\u00fcr den 2. \u00d6kumenischen Kirchentag, der am Mittwoch in M\u00fcnchen er\u00f6ffnet werden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit, die von einer Vertrauenskrise gepr\u00e4gt ist \u2013wirtschaftlich, politisch und sozial, bei uns und in der Welt ist dieser Satz ein starker Kontrapunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wissen, dass wir dieses Zeugnis nur dann glaubw\u00fcrdig geben k\u00f6nnen, wenn wir auf der Suche nach der sichtbaren Einheit aller Christinnen und Christen bleiben\u201c, hei\u00dft es in der Einladung nach M\u00fcnchen. Der erste \u00d6kumenische Kirchentag in Berlin 2003 war hierzu ein wichtiger Schritt. \u201eWeil das Gemeinsame st\u00e4rker wiegt<\/p>\n\n\n\n<p>als das Trennende, verstehen wir den 2. \u00d6kumenischen Kirchentag als Baustelle der \u00d6kumene. Wir wissen uns verbunden mit der weltweiten \u00f6kumenischen Bewegung. Die christliche Einheit ist Gottes Gabe und unsere Aufgabe.\u201c, so der Text weiter<\/p>\n\n\n\n<p>Christsein heute hei\u00dft: \u00d6kumene vorantreiben<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6kumenische Landschaft in Deutschland hat sich seit 2003 ver\u00e4ndert. Vieles, was in Berlin geschehen ist, hat zu neuen Entdeckungen der \u00f6kumenischen Vielfalt gef\u00fchrt, zu gegenseitiger Ann\u00e4herung beigetragen und Abgrenzungen \u00fcberwunden. Anderes hat Spannungen hervorgerufen und gezeigt, dass es des offenen theologischen Gespr\u00e4ches weiterhin bedarf. Doch der Weg auf die sichtbare Einheit der Kirche hin ist unumkehrbar eingeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>So soll auch der 2. \u00d6kumenische Kirchentag einen Raum schaffen, in dem sich Christinnen und Christen aus den vielf\u00e4ltigen Traditionen der \u00d6kumene begegnen und die Kenntnis voneinander vertiefen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Charta Oecumenica, auf dem 1. \u00d6kumenischen Kirchentag von den Kirchen katholischer, evangelischer, freikirchlicher, orthodoxer und anglikanischer Tradition feierlich unterzeichnet, bleibt dabei Grundlage und Verpflichtung. Was bereits an gemeinsamen Gottesdiensten und liturgischen Feiern m\u00f6glich ist, soll auch in M\u00fcnchen zum Ausdruck kommen, ohne dabei die \u00f6kumenischen Partner zu<\/p>\n\n\n\n<p>vereinnahmen oder auszugrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christsein hei\u00dft: die Vielfalt achten<\/p>\n\n\n\n<p>Der 2. \u00d6kumenische Kirchentag fragt, was Christsein in der Welt und f\u00fcr die Welt heute bedeutet. Christinnen und Christen stehen vor neuen Herausforderungen: Die deutsche Gesellschaft ist religi\u00f6s pluraler geworden. Prozesse der S\u00e4kularisierung und ein neues Interesse an den Religionen \u00fcberlagern sich. Zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung verstehen sich als Christen, doch verfl\u00fcchtigen sich Selbstverst\u00e4ndlichkeiten einer christlich gepr\u00e4gten Gesellschaft. Wir Christinnen und Christen sind aufgefordert, uns den Herausforderungen des Pluralismus zu stellen und seine Chancen zu nutzen. Die wachsende religi\u00f6se Vielfalt erlaubt, Profil durch die Klarheit im Glauben und durch Wahrhaftigkeit in unserem Handeln zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtige Voraussetzung ist die vorbehaltlose Begegnung und das offene Gespr\u00e4ch mit anderen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen. \u201eWir wollen miteinander reden, lernen, streiten \u2013 \u00fcber Gottesbilder und Glaubensvollz\u00fcge, \u00fcber unsere Berufung in der Welt und \u00fcber die Grundlagen des Zusammenlebens in<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit, Mitmenschlichkeit und Solidarit\u00e4t. Je vielf\u00e4ltiger unsere Gesellschaft ist, umso dringlicher wird es, dass alle Religionen und Weltanschauungen zu den kulturellen Voraussetzungen beitragen, auf denen die freiheitliche Demokratie beruht. Einen solchen Beitrag will der 2. \u00d6kumenische Kirchentag leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>I<\/p>\n\n\n\n<p>Christsein hei\u00dft: Verantwortung \u00fcbernehmen<\/p>\n\n\n\n<p>Die moderne Gesellschaft braucht Ma\u00dfst\u00e4be, die Orientierung f\u00fcr das individuelle wie f\u00fcr das kollektive Handeln bieten. In die Auseinandersetzung um solche Ma\u00dfst\u00e4be gilt es, das christliche Erbe einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der gemeinsamen Verpflichtung, Zeugnis von der bedingungslosen Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes und von der Gottesebenbildlichkeit eines jeden Menschen zu geben, setzen wir uns ein f\u00fcr die Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde. Wo wir sie uneingeschr\u00e4nkt achten und sch\u00fctzen, wird freies und<\/p>\n\n\n\n<p>selbst verantwortetes Handeln m\u00f6glich. Armut und Benachteiligung begrenzen die pers\u00f6nliche Entfaltung und die Teilhabe am sozialen Leben in besonderer Weise. Deshalb wird der Ruf nach Gerechtigkeit &#8211; regional, national wie global &#8211; ein Schwerpunkt des 2. \u00d6kumenischen Kirchentages sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In Teilen unserer Gesellschaft herrscht Unfrieden, in vielen Regionen unserer Welt ist Krieg. In der Nachfolge des Friedensstifters Jesus Christus treten wir f\u00fcr jene ein, die unter Gewalt leiden. Wir engagieren uns f\u00fcr Frieden, f\u00fcr Menschenrechte und Gerechtigkeit in der globalen Welt. Auf dem 2. \u00d6kumenischen Kirchentag bekennen wir uns \u00f6ffentlich zu dieser, die ganze Christenheit einenden Verpflichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDamit ihr Hoffnung habt\u201c, ein wirklich hoher Anspruch der Initiatoren des \u00d6kumenischen Kirchentages.<\/p>\n\n\n\n<p>Christen und Christinnen hatten zu allen Zeiten die Vision von einer besseren Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen\u201c Diese Vision aus der Offenbarung hat der Maler Charles Crodel zur Vorlage seines Fensters an der Nordseite, heute \u00fcberd er B\u00fchne, gemacht. Das himmlische Jeruasalem ist eine Vision des Glaubens. Sie weist in ein neues Leben, weit \u00fcber den Tod hinaus. Sie lebt von der Gewissheit der ewigen Gemeinschaft Gottes mit den Menschen. Dass ist die Verhei\u00dfung, die \u00fcber Abschied und Trauer hinweg Hoffnung und Gwi\u00dfheit schenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Charles Crodel, der nicht nur die Fenster hier in der Peterskirche sondern auch die der jakobskirche, der Katharinenkirche und der Dreik\u00f6nigskirche gestaltete, hat das k\u00fcnftge Jerusalem inmitten eines Blaus gefasst. \u201eDie Gassen der Stadt waren lauteres Gold wie durchscheindendes Glas\u2026Die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie.\u201c Der ehemalige Pfarrer der Katharinenkirche Joachim Proescholdt schw\u00e4rmt geradezu von diesem Fenster wenn er feststellt: In dem gro\u00dfartigen vision\u00e4ren Bild kommt Crodel der Malkunst eines Paul Klee nah und \u00fcbertrifft ihn gar. In diese Glasmalerei kann sich der Betrachter hineindenken und hineinglauben. Er erkennt das himmlische Jerusalem mit seinen zw\u00f6lf perlengeschm\u00fcckten Toren und Mauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher haben Sie Gelegenheit sich dieses und die anderen Fenster Crodels einmal anzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ihr Hoffnung habt. Dieser Satz aus dem Petrusbrief war f\u00fcr die Menschen in biblischer Zeit sehr konkret. \u201eSiehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle brauchen diese Hoffnung, die uns Gott zusagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6kumene Peterskirche, 10. Mai 2010 Kurt-Helmuth Eimuth Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns hier zusammengefunden in der Kapelle der Jugendkulturkirche Sankt Peter. 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