{"id":4198,"date":"2008-09-08T00:14:00","date_gmt":"2008-09-07T22:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4198"},"modified":"2021-02-14T00:19:36","modified_gmt":"2021-02-13T22:19:36","slug":"kita-als-bildungsinstitution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4198","title":{"rendered":"Kita als Bildungsinstitution"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Merkel besuchte evangelische Kita<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Andacht, Kita Bildung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8-9-2008 Heiliggeistkirche, Frankfurt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orgel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 447, 1-3, 7+8<\/p>\n\n\n\n<p>Votum:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen Gottes kommen wir zusammen<\/p>\n\n\n\n<p>Gott nimmt uns an, wie wir sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus gibt unserem Leben Richtung und Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottes Geist ruft uns auf den richtigen Weg. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Psalm: 145, Nr. 756<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 621, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ansprache:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor gut zwei Wochen besuchte Bundekanzlerin Angela Merkel eine Bildungsinstitution. Sie besuchte in Begleitung des Ministerpr\u00e4sidenten, der Sozialministerin und der Oberb\u00fcrgermeisterin den Kindergarten der Friedensgemeinde. Beim anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch mit den Erzieherinnen, den Eltern und dem Tr\u00e4ger zeigte sie sich tief beeindruckt von der Arbeit. Sie habe verstanden, was Sprachf\u00f6rderung schon mit eineinhalb Jahren bedeutete. Und sie zeigte sich als \u201eevangelische Christin\u201c wie sie hervorhob beeindruckt von der interreligi\u00f6sen Bildung im Kindergarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die christliche Kirche, insbesondere in ihrer evangelischen Gestalt, ist <strong>ihrem Wesen nach eine Bildungsinstitution.<\/strong> Dabei meint Bildung nicht einen auf das Kognitive begrenzten Prozess des Wissenserwerbs, sondern ein ganzheitliches Geschehen der Pers\u00f6nlichkeitsbildung, das sich an der Einsicht ausrichtet, dass der Mensch als Gottes Ebenbild geschaffen ist. Bildung hei\u00dft, um eine von der Mystik Meister Eckarts \u00fcber die Theologie Martin Luthers bis hin zu zeitgen\u00f6ssischen Autoren reichende Tradition aufzunehmen, die Ausrichtung des inneren Menschen an der Entsprechung zu Gott. Bildung in diesem Sinne ist zuerst und zuletzt <strong>\u201eHerzensbildung\u201c. <\/strong>Es ist spannend wahrzunehmen, dass ein solcher Hinweis heutzutage schon nicht mehr als so altv\u00e4terlich und \u00fcberholt angesehen wird wie noch vor wenigen Jahren. Der ganzheitliche Zugang zum Verst\u00e4ndnis von Bildung gewinnt vielmehr wieder an Resonanz. Ganzheitliche Bildung aber schlie\u00dft neben den kognitiven auch affektive Aspekte ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um welche Bildung geht es? Was ist mit Bildung gemeint, wenn im christlichen Verst\u00e4ndnis von ihr die Rede ist? Das christliche Verst\u00e4ndnis von Bildung ist nicht prim\u00e4r ein kognitives oder kumulatives, das auf die Anh\u00e4ufung und Addition von Bildungsg\u00fctern setzen w\u00fcrde. Vielmehr geht es um ein lebendiges Geschehen der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, genauer gesagt, um die Orientierung des Menschen an seiner Entsprechung zu Gott im Kernbereich seiner Existenz. Bildung hei\u00dft, dieser Entsprechung zu Gott zu folgen, also bestimmungsgem\u00e4\u00df zu Gottes Ebenbild zu werden. Martin Luther schreibt in seiner f\u00fcr diesen Zusammenhang in der zentralen Schrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c im Jahr 1520:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDarum soll das billig aller Christen einziges Werk und einzige \u00dcbung sein, dass sie das Wort und Christus wohl in sich bilden, um solchen Glauben stetig zu \u00fcben und zu st\u00e4rken. Und kein anderes Werk kann einen Christen machen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im nahezu zeitgleich entstandenen \u201eSermon von den Guten Werken\u201c hei\u00dft es bei Luther:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSieh, so musst Du Christus in Dich hineinbilden und sehen, wie in ihm Gott dir seine Barmherzigkeit vorh\u00e4lt und anbietet, ohne alle deine zuvor kommenden Verdienste. Und aus solchem Bild seiner Gnade musst du den Glauben sch\u00f6pfen und die Zuversicht der Vergebung all deiner S\u00fcnden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Christsein als einer durch Freiheit gekennzeichneten Existenzform kommen nach Martin Luther drei Faktoren zusammen: <strong>Die christliche Freiheit lebt aus Christus, bildet sich im Glauben und bef\u00e4higt zur Liebe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bildung bestimmt und pr\u00e4gt die menschliche Existenz von Anfang an. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass es auch schon vorgeburtliche Bildungsprozesse gibt. Wenn ein ungeborenes Kind im Bauch seiner Mutter daran teilnimmt, wie sie Musik h\u00f6rt, darf man vermuten, dass hier ein pr\u00e4natales Bildungserlebnis im Spiel ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In jedem Fall steht deshalb fest, dass <strong>ein Mensch sp\u00e4testens mit seiner Geburt in den Raum der Bildung eintritt.<\/strong> Von daher hat die <strong>Taufe von Neugeborenen <\/strong>ihre anthropologische Begr\u00fcndung. Weil die christliche Kirche die Praxis der Kindertaufe kontinuierlich seit zwei Jahrtausenden praktiziert, <strong>versteht sie Kinder als bildungsf\u00e4hige, aber auch bildungsbed\u00fcrftige Menschen.<\/strong> Sie pl\u00e4diert von daher f\u00fcr eine Bildung von Anfang an, f\u00fcr Bildung im Elementarbereich, f\u00fcr Elementarbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund antiker Philosophien und Weltanschauungen stellte das christliche Verst\u00e4ndnis vom Wert jedes Kindes als Geschenk Gottes eine geistige und kulturelle Revolution dar. Jesus, so erz\u00e4hlt die Bibel, segnete die Kinder, legte ihnen die H\u00e4nde auf und k\u00fcsste sie. Er empfahl den Erwachsenen, zu werden wie die Kinder, denn nur so, mit dem Eingest\u00e4ndnis ihrer Bed\u00fcrftigkeit und ohne den Aufweis eigener Verdienste, k\u00f6nnten sie das Reich Gottes erlangen. In diesem Zusammenhang ist auch der Taufauftrag wichtig, der am Ende des Matth\u00e4us-Evangeliums \u00fcberliefert ist (Matth\u00e4us 28,19f). Dieser Auftrag verkn\u00fcpft das sakramentale Zeichen der Taufe eng mit Erziehung und Bildung; das Lehren und das Taufen geh\u00f6ren zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reformatoren, allen voran Martin Luther und Philipp Melanchthon, haben den <strong>engen, unaufl\u00f6slichen Zusammenhang von Glaube und Bildung<\/strong> betont, der vom Anfang des Lebens bis zu seinem Ende besteht. Was damals noch nicht in einer gesonderten Weise in den Blick kam, war der Bereich der Elementarbildung; denn sie geh\u00f6rte in den Bereich des Hauses und war an den Zusammenhang der Familie gebunden. Dass Familien auch in dieser Phase auf Unterst\u00fctzung angewiesen sind, ist eine vergleichsweise neue Einsicht. Christliche Kindertagesst\u00e4tten, in denen 3 bis 6 Jahre alte Kinder erzogen, betreut und gebildet werden, gibt es der Idee nach erst seit knapp zwei Jahrhunderten und in gr\u00f6\u00dferer, nennenswerter Anzahl erst seit dem 19. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christliche Kindertagesst\u00e4tten als Orte der Bildung von Anfang an<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erste Anf\u00e4nge der Kindergartenidee findet man bei den so genannten &#8222;M\u00e4hrischen Br\u00fcdern&#8220;, bei Johann Friedrich Oberlin (1740-1826) im Elsass, bei Theodor Fliedner (1800-1864) in Kaiserswerth sowie bei Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) und Friedrich Wilhelm August Fr\u00f6bel (1782-1852). Fr\u00f6bel formulierte als erster eine ausf\u00fchrliche p\u00e4dagogische Grundlegung f\u00fcr die Arbeit in Kinderg\u00e4rten, die diese nicht als blo\u00dfe Bewahr- oder Betreuungsanstalten definierte, sondern sie als Orte der individuellen altersgem\u00e4\u00dfen Bildung f\u00fcr Kinder verstand. In Verbindung mit dem missionarischen Diakoniekonzept von Johann Hinrich Wichern (1808-1881) breiteten die Kinderg\u00e4rten sich in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in allen evangelischen Landeskirchen aus. Schon der damals h\u00e4ufig verwandte Begriff <strong>&#8222;Kleinkinderschule&#8220;<\/strong> deutet an, dass der Bildungsgedanke mindestens von ebenso gro\u00dfer Wichtigkeit war wie der soziale Aspekt der Betreuung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade aus der Sicht des christlichen Glaubens geht es darum, durch die Arbeit der christlichen Kindertagesst\u00e4tten einen <strong>Beitrag zur Chancengerechtigkeit zu leisten<\/strong>. Ausgehend von dem Gedanken, dass jedem Menschenleben der gleiche Wert und die gleiche W\u00fcrde vor Gott zukommen, engagiert sich die Kirche in ihrem Bildungshandeln daf\u00fcr, dass Menschen im Alltag ihres Lebens auch tats\u00e4chlich gleiche Chancen erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Chancengerechtigkeit muss sich weiterhin konkretisieren an der Qualit\u00e4t der <strong>Begegnung zwischen unterschiedlichen Nationen, Religionen und Kulturen,<\/strong> die sich in der allt\u00e4glichen Praxis vieler Kindertagesst\u00e4tten auf vielf\u00e4ltige Weise vollzieht. Ein evangelisches Bildungsverst\u00e4ndnis schlie\u00dft den Respekt vor anderen Religionen ein. F\u00fcr evangelische Kindertagesst\u00e4tten k\u00f6nnen Kinder, die in ihrem Leben pr\u00e4gende Erfahrungen mit Migration gemacht haben, eine Herausforderung, aber auch eine Bereicherung sein. Oft ist die Sicht leider durch Defizitzuschreibungen bestimmt. Dem sollte der Blick auf die von diesen Kindern erworbenen F\u00e4higkeiten im Umgang mit kulturellen Herausforderungen gegen\u00fcber gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die allt\u00e4gliche Praxis des Umgangs mit solchen Herausforderungen im Frankfurter Gallus beeindruckte. Sie ist christliche Bildung im besten Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG: 577, 1-3<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteilungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, du bist die Quelle unseres Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Du hast uns unsere W\u00fcrde gegeben,<\/p>\n\n\n\n<p>du liebst und wie ein Vater,<\/p>\n\n\n\n<p>du k\u00fcmmerst dich um uns wie eine Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal sp\u00fcren wir, dass wir dein Ebenbild sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Du willst, dass wir Leben in F\u00fclle haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten dich um deineKraft,<\/p>\n\n\n\n<p>die uns ermutigt zum Leben,<\/p>\n\n\n\n<p>die uns verbindet in Gemeinschaft untereinander<\/p>\n\n\n\n<p>und uns freimacht f\u00fcr eigene Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Du Gott ohne Grenzen,<\/p>\n\n\n\n<p>vor dir wollen wir unsere Gedanken und Tr\u00e4ume ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dir sehnen wir uns nach Gerechtigkeit und Frieden f\u00fcr unsere Welt und f\u00fcr unser Zusammenleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit aus Anklagen neues Leben wachsen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du, Gott, uns hilfst,<\/p>\n\n\n\n<p>dann werden wir uns nicht zerstreiten,<\/p>\n\n\n\n<p>dann k\u00f6nnen wir als deine T\u00f6chter und S\u00f6hne auf dieser Erde den Himmel s\u00e4en.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wird aus unserer W\u00fcste ein Garten des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott, lass in unserem Tun und Reden,<\/p>\n\n\n\n<p>in unseren Tr\u00e4umen und in unserem allt\u00e4glichen Leben<\/p>\n\n\n\n<p>deine Kraft wirksam sein,<\/p>\n\n\n\n<p>darum bitten wir dich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gemeinsam beten wir<\/p>\n\n\n\n<p>mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser im Himmel,<\/p>\n\n\n\n<p>geheiligt werde dein Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n\n\n\n<p>wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n\n\n\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n\n\n\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n\n\n\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Segen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden<\/p>\n\n\n\n<p>unseres Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr segne dich und beh\u00fcte dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir<\/p>\n\n\n\n<p>und sei dir gn\u00e4dig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und<\/p>\n\n\n\n<p>gebe dir Frieden. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied: EG 590<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Merkel besuchte evangelische Kita Andacht, Kita Bildung Kurt-Helmuth Eimuth 8-9-2008 Heiliggeistkirche, Frankfurt Orgel Lied: EG 447, 1-3, 7+8 Votum: Im Namen Gottes kommen wir zusammen Gott nimmt uns an, wie wir sind. Jesus gibt unserem Leben Richtung und Sinn. 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