{"id":4178,"date":"1999-09-25T12:37:00","date_gmt":"1999-09-25T10:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4178"},"modified":"2021-02-13T12:42:37","modified_gmt":"2021-02-13T10:42:37","slug":"heilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4178","title":{"rendered":"Heilung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">in diesem Augenblick predigen in zahlreichen Frankfurter Kirchen M\u00e4nner und Frauen, die ihren Dienst sonst nicht in der Gemeinde versehen. Es sind Menschen, die sogenannte Funktionsstellen begleiten. Es sind Menschen, die spezielle Aufgaben in der christlichen Gemeinschaft \u00fcbernommen, die eine einzelne Gemeinde so nicht \u00fcbernehmen kann. Aus der Einsicht, dass es neben der Gemeinde auch in der Kirche eine st\u00e4dtische Ebene geben mu\u00df, wurde mit der Aufteilung der einen Frankfurter Kirche sofort auch der Verband dieser Gemeinden gegr\u00fcndet. Fast auf den Tag genau vor einhundert Jahren begr\u00fcndeten sie den Verbund der evangelischen Kirche, der mal eigene Landeskirche, mal Gemeindeverband war und heute eben Evangelischer Regionalverband ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte dieses Verbandes ist &#8211; so eine Frankfurter Tageszeitung &#8211; eine Erfolgsstory. Vor einhundert Jahren war die Notwendigkeit der Aufteilung der Frankfurter Kirchengemeinden aufgrund des explosionsartigen Wachstums notwendig. Aus der einen Frankfurter Gemeinde wurden sechs: Tortenst\u00fcckartig wurden diese um die Innenstadtkirchen geplant. Es entstanden die Wei\u00dffrauengemeinde, die Paulsgemeinde, die Katharinengemeinde, die Petersgemeinde, die Nikolaigemeinde und in Sachsenhausen die Dreik\u00f6nigsgemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wachstum der Gemeinden ging unvermindert mit dem Bev\u00f6lkerungswachstum weiter. Und der Verband konnte aufgrund seiner Finanzst\u00e4rke diesen Gemeinden Kirchen bauen. Auch nach dem zweiten Weltkrieg war wieder Bauen und Bev\u00f6lkerungswachstum angesagt. Schlie\u00dflich wuchs der Evangelische Regionalverband auf 73 Kirchengemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Zeiten des Mitgliederwachstums sind vorbei. Und wieder leistet der Verband und seine Mitglieder, die Kirchengemeinden, eine ungeheure Anpassungsleistung. In den letzten drei Jahren sank &#8211; dank einiger Fusionen &#8211; die Zahl der Kirchengemeinden auf 62. Und sie alle erleben ja auch, wie schmerzlich solche Anpassungsprozesse sind. Die Reduzierung, die Beschr\u00e4nkung auf das Wesentliche, die Abgabe von R\u00e4umen, dies alles f\u00e4llt uns schwer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb kann man auch nicht vom Ende der Erfolgsstory &#8211; wie es eben jene Frankfurter Zeitung im gleichen Artikel tat &#8211; sprechen. Ich halte es im Gegenteil f\u00fcr eine wesentliche Leistung des Evangelischen Regionalverbandes solche Anpassung an ver\u00e4nderte Lebensbedingungen immer und immer wieder zu vollbringen. So werden wir etwa in der gesamten Evangelischen Kirche in Deutschland darum beneidet, da\u00df die Regionalversammlung, also unser Frankfurter Kirchenparlament in dem auch ihr Vertreter sitzt, eine Priorit\u00e4tenliste verabschiedet hat. Diese Liste legt eine Rangfolge der einzelnen Arbeitsbereiche fest. So wurde in den letzten Jahren eben nicht nach dem Rasenm\u00e4herprinzip gespart. Es wurde nicht \u00fcberall einfach etwas weg genommen. Vielmehr wurde dar\u00fcber nachgedacht, was uns wirklich wichtig ist, was unverzichtbar ist. Diese Arbeitsbereiche werden weiterhin ausreichend mit Mitteln ausgestattet. Eine solche Entscheidung erfordert Mut, Sachkenntnis und den Willen nach Eindeutigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie sehen, ich mu\u00df dem Eindruck, hier gehe eine Erfolgsstory zu Ende, heftig widersprechen. Die Anpassung an die Verh\u00e4ltnisse wird auch in Zeiten der Reduzierung und der Beschr\u00e4nkung in der Selbstverwaltung der Frankfurter Kirchengemeinden gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber eigentlich ist dieses ja nur ein kleiner Widerspruch gegen die Aussage der Zeitung, hier gehe eine Erfolgsstory zu Ende. Schlie\u00dflich ist dieser Verband ja nicht Selbstzweck, sondern er will dazu dienen, dass das Evangelium verbreitet wird. Verbreitet in Wort und Tat. Schlie\u00dflich sind wir ja nicht einfach ein humanit\u00e4rer Verein, sondern Kirche. Die eigentliche Erfolgsstory ist doch im Neuen Testament \u00fcberliefert. Seit 2.000 Jahren machen sich Menschen auf, um diesem Jesus von Nazareth zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind auch die Heilungs- und Wundergeschichten, die die Kraft des Glaubens bezeugen. Eine dieser \u00dcberlieferungen findet sich im Markusevangelium. Ich lese die Verse 17 bis 27:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Markus schildert hier die Heilung eines an Epilepsie erkrankten Jungen. Glaube erm\u00f6glicht Wunder und Heilung. Es sind eben dem alle Dinge m\u00f6glich, der da glaubt. Eine Erfahrung, die die moderne Medizin lange verdr\u00e4ngte. Inzwischen wissen viele Mediziner, dass Heilung immer auch die Heilung der Seele einschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Dinge sind m\u00f6glich, dem der glaubt! F\u00fcr uns ist eine solche Aussage ein Gegensatz zum Wissen, zur Wissenschaftlichkeit. Glauben hei\u00dft nicht Wissen, behauptet der Volksmund. Wissen, das ist nachpr\u00fcfbare Naturwissenschaft. Wir unterscheiden zwischen Glauben und Wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bibel setzt diesem Bild eine andere Erfahrung entgegen. Mit Glaube ist das Ver- und das Zutrauen zu Gott gemeint. Gottvertrauen ist immer bezogen auf alle Lebensbereiche des Menschen. Gottvertrauen auch in der Krankheit, eine wahrlich schwere Aufgabe. Und doch berichtet die Bibel immer wieder von Menschen, die mit dieser Glaubensgewi\u00dfheit leben. Wer glaubt, der schaut mit anderen Augen in die Welt. Gl\u00e4ubige akzeptieren, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht zu erkl\u00e4ren sind, die sich menschlichem Wissen entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wunder Jesu am besessenen Kind will uns die Augen f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe und die Kraft des Glaubens veranschaulichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Glaube kann Heil machen und &#8211; er kann gesund erhalten. Regelm\u00e4\u00dfige Kirchg\u00e4nger &#8211; so eine amerikanische Untersuchung &#8211; sind geistig frischer, deutlich ges\u00fcnder und weniger depressiv als ihre Altersgenossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch mit dieser Glaubenserfahrung wird auch viel Schindluder getrieben. Gott heilt nicht auf Bestellung. G\u00f6ttliche Heilung kann weder von einem Arzt noch von Gemeindeleitern verordnet werden. Sie gibt es nicht auf Rezept. Die \u00dcberlieferung aus dem Markusevangelium ist eben keine Anleitung zu einem Heilungsautomatismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies m\u00fcssen wir auch jenen Freundinnen und Freunden vom Christlichen Zentrum hier im Gewerbegebiet Richtung Fechenheim beheimatet, sagen. Dort wirkt ja quasi auf Bestellung und am Flie\u00dfband der Heilige Geist. Beim sogenannten Toronto-Segen fallen die Menschen regelrecht um. Sogenannte Gebetsf\u00e4nger fangen sie auf, um sie sanft zu Boden gleiten zu lassen. Dort liegen sie einige Minuten, zucken, lachen. Sie sind au\u00dfer sich. Es wird behauptet, sie w\u00fcrden im Geiste ruhen. Doch, so meine ich, der Heilige Geist kann dies nicht sein. Denn der Heilige Geist ist nicht verf\u00fcgbar. Er entzieht sich menschlicher Verf\u00fcgungsgewalt. Der Heilige Geist l\u00e4\u00dft sich eben sicht einfach einspannen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ph\u00e4nomen im christlichen Zentrum ist einfach zu deuten. Es ist eine Ekstase, die sich aufgrund der Erwartungshaltung einstellt. Das Ph\u00e4nomen ist alt und kann bei vielen Religionen beobachtet werden. Und nicht nur dort. Erinnern sie sich noch wie bei den Auftritten der Beatles die kreisschenden Fans in Ohnmacht fielen? Heute hei\u00dfen die Popgruppen anders, aber die M\u00e4dchen fallen ebenso in Ohnmacht wie ihre M\u00fctter und Gro\u00dfm\u00fctter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber zur\u00fcck zu unserem Wunder im Markusevangelium. Hier wird auch von einem ausfahrenden Geist erz\u00e4hlt. Dieser taube und sprachlose Geist solle ausfahren, gebietet Jesus. Krankheit wurde in jener Zeit immer als Zeichen f\u00fcr einen D\u00e4mon gesehen. Anders konnten sich die Menschen damals solche Krankheiten nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese und andere Stellen dienen fundamentalistischen Gruppen zur Legitimation von Teufelsaustreibungen. Keine Frage, der Mensch kann wahrhaft von einem Geist des B\u00f6sen besetzt sein. Doch halte ich es f\u00fcr anma\u00dfend, wenn Menschen solche Geister erkennen und austreiben wollen. Leichtfertig wird abweichendes Verhalten wie Passivit\u00e4t, Ha\u00df, Unsicherheit als Zeichen einer Besessenheit gewertet. Und alle anderen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus werden als Lehren der D\u00e4monen bezeichnet. Gerade in charismatisch-fundamentalistischen Kreisen wird unter dem Deckmantel der Seelsorge Menschen viel Leid angetan. Die beiden gro\u00dfen christlichen Konfessionen haben aus ihrer Geschichte gelernt, aber kleine Gruppen, auch hier in Frankfurt, dem\u00fctigen immer noch unter dem Vorwand der Austreibung von D\u00e4monen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn es uns manchmal schwer f\u00e4llt, so m\u00fcssen wir doch eingestehen: Wunder sind deshalb Wunder, weil sie sich menschlicher Erkl\u00e4rung und menschlicher Verf\u00fcgungsgewalt entziehen. Wer vorgibt, solche Wunder herbeif\u00fchren zu k\u00f6nnen, setzt sich selbst an die Stelle von Gott. Allein Gott ist es, der Wunder bewirken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gemeinde, die Bibel erz\u00e4hlt vom Handeln Gottes. Dieses ist die eigentliche Erfolgsstory. Der Evangelische Regionalverband hat die Aufgabe, zu helfen, diese Erfolgsstory in Wort und Tat unter die Menschen zu bringen. Dies geschieht in vielf\u00e4ltiger Weise. Durch Diakonie, durch das Bauen von Geb\u00e4uden, durch gesamtst\u00e4dtische Vernetzung von Arbeitsfeldern und eben auch durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit, f\u00fcr die ich seit zwei Jahren die Verantwortung trage, arbeiten wir alle an der Verbreitung des Evangeliums. So gesehen ist insbesondere eine gute \u00d6ffentlichkeitsarbeit Mission im besten Sinne des Wortes. Sie will \u00fcberzeugen, sie will die Botschaft r\u00fcberbringen, wie man so sagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den zweitausend Jahren des christlichen Glaubens waren es doch immer auch das Glaubenszeugnis, das Menschen anspornte sich mit dieser Botschaft zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte sie hier und heute ermutigen, von ihrem Glauben zu erz\u00e4hlen. Machen sie doch einfach nachher beim Mittagessen \u00d6ffentlichkeitsarbeit, machen sie ihren Glauben \u00f6ffentlich. Denn dieses ist in Wahrheit das Geheimnis der Erfolgsstory. Und sie wird, so unser Glaube, erst mit dem j\u00fcngsten Gericht einen Einschnitt erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verbreitung des Evangeliums dient auch der Verbund der Frankfurter Kirchengemeinden und ihrer Dekanate. Und die letzten einhundert Jahre zeigen, die Stadt ist eine vern\u00fcnftige und anpassungsf\u00e4hige Organisationsgr\u00f6\u00dfe. Lassen sie uns denn auch bei allem notwendigen Streit in den n\u00e4chsten Jahrzehnten gemeinsam nach Weg suchen, dem Evangelium zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, in diesem Augenblick predigen in zahlreichen Frankfurter Kirchen M\u00e4nner und Frauen, die ihren Dienst sonst nicht in der Gemeinde versehen. Es sind Menschen, die sogenannte Funktionsstellen begleiten. 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