{"id":416,"date":"2009-11-01T15:50:34","date_gmt":"2009-11-01T13:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=416"},"modified":"2020-12-30T18:50:39","modified_gmt":"2020-12-30T16:50:39","slug":"schenken-jede-religion-hat-ihren-anlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=416","title":{"rendered":"Schenken: Jede Religion hat ihren Anlass"},"content":{"rendered":"<h6>Evangelisches Frankfurt November 2009<\/h6>\n<h2>Schenken: Jede Religion hat ihren Anlass<\/h2>\n<p>Vielleicht ist es das Leuchten in den Augen  des Gegen\u00fcbers oder die Vorfreude auf die Freude des Beschenkten. Gleich  in welcher Kultur: Das Ritual des Schenkens findet sich \u00fcberall. Aber  auch die Kehrseite lauert in allen Kulturen: Die Freude am Schenken kann  zum Zwang, zumindest zur unangenehmen Verpflichtung werden.<\/p>\n<p>Das Schenken und das Beschenktwerden geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich zu  Weihnachten dazu: Die Weisen aus dem Morgenland brachten dem Kind in der  Krippe wertvolle Gaben mit. Allerdings: Gerade in der an sich  beschaulichen Adventszeit beginnt damit der Weihnachtsstress, weil alle  Lieben bedacht werden sollen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur im Christentum, auch in anderen Religionen wird gerne  und viel geschenkt. Sogar in der atheistischen DDR haben die Geschenke  einfach zum Weihnachtsfest dazu geh\u00f6rt. Zwar war der Weihnachtsbaum dort  offiziell mit \u201eJahresendfl\u00fcgelfiguren\u201c und nicht mit Engeln geschm\u00fcckt.  Aber P\u00e4ckchen lagen doch unterm Baum.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2009\/12\/seite03_oben.jpg\" alt=\"Geschenke machen Freude. In allen Religionen und Weltanschauungen gibt es Rituale des Schenkens und Beschenktwerdens. | Foto: Maria Brzostowska \/ Fotolia.com\"><\/p>\n<div>\n<div>Geschenke machen Freude. In allen Religionen und Weltanschauungen gibt es Rituale des Schenkens und Beschenktwerdens.<\/div>\n<div>Foto: Maria Brzostowska \/ Fotolia.com<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Eines der bekanntesten islamischen Feste, bei denen es Geschenke  gibt, ist das Zuckerfest, das Fest des Fastenbrechens am Ende des  Fastenmonats Ramadan. Nach dem Moscheebesuch werden Freunde und Bekannte  besucht, und es werden Geschenke ausgetauscht. Vor allem die Kinder  werden mit Spielzeug beschenkt. Auch wird gem\u00e4\u00df den Gesetzen des Islams  an Bed\u00fcrftige gedacht.<\/p>\n<p>Das j\u00fcdische Lichterfest Chanukka, das in der Regel in die Monate  November oder Dezember f\u00e4llt, ist nicht nur zeitlich in der N\u00e4he von  Weihnachten. Es erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten j\u00fcdischen  Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus. Zur Feier sollten Lichter  angez\u00fcndet werden. Doch der Krug \u00d6l reichte nur f\u00fcr einen Tag. Durch  ein Wunder brannten die Lichter jedoch acht Tage. Zum Fest wird jeden  Tag eine Kerze auf dem achtarmigen Chanukkaleuchter angez\u00fcndet, bis am  letzten Tag alle acht Kerzen brennen. Auch Geschenke geh\u00f6ren zu  Chanukka, traditionell handelt es sich dabei um Geldgeschenke.<\/p>\n<p>Bekannt, da zur j\u00fcdisch-christlichen Tradition geh\u00f6rend, ist auch  das Pessach oder Passah-Fest. Es erinnert an den Auszug der Hebr\u00e4er aus  \u00c4gypten. Pessach wird am ersten Vollmond nach Fr\u00fchlingsbeginn gefeiert,  also im M\u00e4rz oder April. Das Fest dauert sieben Tage, au\u00dferhalb Israels  wird es acht Tage lang gefeiert. Das Fest beginnt mit dem Sederabend,  dem Vorabend zu Pessach. Dieser Abend wird im Kreis der Familie oder der  Gemeinde gefeiert. Er ist rituell klar gegliedert. Die Speisen, wie  unges\u00e4uerte Brote, Matzen genannt, erinnern symbolisch an den Aufbruch.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Sederabends wird ein St\u00fcck Matze versteckt, das  gesucht werden muss. Wird es nicht gefunden, muss das Familienoberhaupt  den Kindern ein Geschenk machen. Inzwischen hat es sich in vielen  Familien eingeb\u00fcrgert, dass die Kinder selbst das Brot suchen und bei  Erfolg ein Geschenk erhalten.<\/p>\n<p>Wenn Menschentrauben vor dem buddhistischen Tempel in der Hanauer  Landstra\u00dfe stehen, dann ist Losar. Der Ursprung des buddhistischen  Neujahrsfestes Losar geht auf die Zeit vor der Ausbreitung des  Buddhismus zur\u00fcck. Zu dieser Zeit wurde ein Winterfest gefeiert, bei dem  regionale Gottheiten verehrt wurden. Das Losar-Fest konnte diese  Tradition aufgreifen und im Sinne der eigenen Religion entwickeln. Es  ist der bedeutendste Feiertag in Tibet und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr alle im  Exil lebenden Tibeterinnen und Tibeter. Der Termin des Losar-Festes  richtet sich nach dem Mondkalender und f\u00e4llt immer auf den ersten Tag  des ersten Monats des buddhistischen Kalenders, zwischen Ende Januar und  Anfang M\u00e4rz.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2009\/12\/seite03_unten.jpg\" alt=\"Auch in diesem Jahr gibt es in Praunheim einen \u201elebendigen Adventskalender\u201c: Jeden Nachmittag um 17 Uhr \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr zu einem Privathaus, und es gibt Musik, Geschichten, Pl\u00e4tzchen und mehr. Eingeladen sind Schulkinder. Mehr Infos und Anmeldung unter Telefon 069\u2009765620. | Foto: Rolf Oeser\"><\/p>\n<div>\n<div>Auch  in diesem Jahr gibt es in Praunheim einen \u201elebendigen Adventskalender\u201c:  Jeden Nachmittag um 17 Uhr \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr zu einem Privathaus,  und es gibt Musik, Geschichten, Pl\u00e4tzchen und mehr. Eingeladen sind  Schulkinder. Mehr Infos und Anmeldung unter Telefon 069\u2009765620.<\/div>\n<div>Foto: Rolf Oeser<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Losar wird drei Tage lang gefeiert. Der erste Tag steht im Zeichen  der Familie. Mit ihr wird gefeiert, und es werden Geschenke  ausgetauscht. Nach alter Tradition bitten die Kinder um den Segen des  Vaters und reichen ihm dazu eine Schale mit Buttertee. Rituelle  Neujahrsgebete und eine Rauchopferzeremonie geh\u00f6ren zum spirituellen  Kern des Festes. Der zweite Tag der Neujahrsfeierlichkeiten steht ganz  im Zeichen der religi\u00f6sen Tradition. Tempel und Kl\u00f6ster werden besucht.  In den Kl\u00f6stern f\u00fchren die M\u00f6nche traditionelle T\u00e4nze auf, die vom Sieg  des Bud\u00addhismus \u00fcber die zuvor verbreiteten Naturreligionen erz\u00e4hlen. Am  dritten Tag besuchen sich die Familien. Nat\u00fcrlich hat man sich  gr\u00fcndlich vorbereitet. Zahlreiche Gerichte wurden gekocht, neue Kleider  gekauft, Schulden bezahlt und idealtypischer Weise Streitigkeiten  beigelegt. Selbst das Haus sollte neu gestrichen sein.<\/p>\n<p>Diwali oder auch Dipavali ist das so genannte Lichterfest im  Hinduismus, das \u00fcber mehrere Tage hinweg gefeiert wird. Der Termin von  Diwali richtet sich nach dem Mondkalender, er liegt Ende Oktober oder  Anfang November. Es handelt sich um eines der \u00e4ltesten Feste des  Hinduismus und war urspr\u00fcnglich ein Erntefest. Heute wird an Diwali der  Sieg des Guten \u00fcber das B\u00f6se sowie des Wissens \u00fcber die Unwissenheit  gefeiert. Auch zu diesem Fest geh\u00f6ren Lichter und gro\u00dfe Geschenke.  Diwali wird f\u00fcnf Tage lang gefeiert, die Festlichkeiten werden je nach  regionalem Brauchtum gestaltet. Zum gemeinsamen Ritual geh\u00f6rt das  fr\u00fchmorgendliche Baden. Es ist auch \u00fcblich, zu diesem Anlass neue  Kleider zu tragen und Familienangeh\u00f6rige, Freunde und Nachbarinnen zu  besuchen und sich gegenseitig zu beschenken. Wurden fr\u00fcher nur  S\u00fc\u00dfigkeiten und getrocknete Fr\u00fcchte verschenkt, sind es inzwischen  gr\u00f6\u00dfere Geschenke wie Elektroger\u00e4te und nat\u00fcrlich Spielzeug.<\/p>\n<p>Schenken und Beschenktwerden geh\u00f6ren also in allen Religionen selbstverst\u00e4ndlich dazu. Nur die Anl\u00e4sse sind unterschiedlich.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt November 2009 Schenken: Jede Religion hat ihren Anlass Vielleicht ist es das Leuchten in den Augen des Gegen\u00fcbers oder die Vorfreude auf die Freude des Beschenkten. Gleich in welcher Kultur: Das Ritual des Schenkens findet sich \u00fcberall. 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