{"id":4126,"date":"2020-12-29T08:37:00","date_gmt":"2020-12-29T06:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4126"},"modified":"2021-01-13T08:40:15","modified_gmt":"2021-01-13T06:40:15","slug":"so-wirkt-sich-corona-auf-das-leben-im-frauengefaengnis-aus-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4126","title":{"rendered":"So wirkt sich Corona auf das Leben im Frauengef\u00e4ngnis aus"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 29. Dezember 2020<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Corona ist nicht nur f\u00fcr Altenheime eine gro\u00dfe Herausforderung. Auch H\u00e4ftlinge in den Gef\u00e4ngnissen leiden besonders unter den Einschr\u00e4nkungen. Ein Gespr\u00e4ch mit Pfarrerin Susanne Kahlbaum, Gef\u00e4ngnisseelsorgerin im Preungesheimer Frauengef\u00e4ngnis.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/07_sur_Kahlbaum_0017-1.width-900.jpg\" alt=\"Susanne Kahlbaum ist Gef\u00e4ngnisseelsorgerin in der Frauen-JVA Preungesheim. |Foto: Ilona Surrey\"\/><figcaption>Susanne Kahlbaum ist Gef\u00e4ngnisseelsorgerin in der Frauen-JVA Preungesheim. |Foto: Ilona Surrey<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Corona-Pandemie hat auch die Routinen in den Gef\u00e4ngnissen ver\u00e4ndert. Im Frauengef\u00e4ngnis Frankfurt-Preungesheim zum Beispiel m\u00fcssen alle Neuzug\u00e4nge zun\u00e4chst eine vierzehnt\u00e4gige Quarant\u00e4ne \u00fcberstehen. In dieser Zeit haben sie keinen Kontakt zu Mith\u00e4ftlingen, es bleibt einzig der t\u00e4gliche Hofgang, sagt Susanne Kahlbaum, Gef\u00e4ngnisseelsorgerin in der Frauenvollzugsanstalt Preungesheim. Die Sonntags-Gottesdienste, f\u00fcr viele Inhaftierte sonst eine willkommene Abwechslung, k\u00f6nnen nur noch in kleinen Gruppen in der Turnhalle stattfinden \u2013 alle 230 Frauen haben da keinen Platz, eine Teilnahme ist f\u00fcr die Einzelnen nur noch alle drei Wochen m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Gef\u00e4ngnis spielen Medien eine entscheidende Rolle, um ein Leben unter Corona zu erm\u00f6glichen. Um die Verbindung zur Familie zu halten, wurden zwei Skype-Pl\u00e4tze eingerichtet, damit die Frauen ihre Familien mit Kindern im heimischen Wohnzimmer sehen k\u00f6nnen. \u201eDie einen sagen, das ist viel besser als Besuch, da es lockerer ist\u201c, berichtet Kahlbaum. \u201eAndere sagen, es ist schwer auszuhalten, die eigenen Kinder nicht in den Arm nehmen zu k\u00f6nnen.\u201c Besuche sind wegen der Pandemie derzeit nur getrennt durch eine gro\u00dfe Glasscheibe erlaubt, jede Ber\u00fchrung ist verboten. \u201eDieses Getrenntsein sp\u00fcren die Kinder sehr\u201c, erz\u00e4hlt die Pfarrerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem erinnerte man sich an die M\u00f6glichkeit, ein eigenes TV-Programm in die Zellen zu schicken. Vor vielen Jahren war daf\u00fcr eine Anlage angeschafft worden, auf der eigens ausgew\u00e4hlte Filme gezeigt wurden. Das war dann aber aus rechtlichen Gr\u00fcnden nicht mehr m\u00f6glich, und die Anlage geriet in Vergessenheit. Aber sie funktioniert noch. Jetzt werden zwar keine Filme gesendet, aber es wurde etwa der \u00f6kumenische Weihnachtsgottesdienst \u00fcbertragen, den die Seelsorgerinnen und Seelsorger daf\u00fcr eigens in der Basilika des Schlosses Johannisberg aufgenommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem nagt aber die Ungewissheit: Wie wird es weitergehen, was wird noch kommen? In dieser Hinsicht geht es den Frauen im Gef\u00e4ngnis nicht anders als dem Rest der Bev\u00f6lkerung. Die Anstalt und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmen gro\u00dfe Anstrengungen, um flexibel auf die belastende Situation zu reagieren. So wurden 100 Fernseher angeschafft, die Geb\u00fchren f\u00fcr die Nutzung ausgesetzt und die Begrenzung der Telefonzeit auf 120 Minuten wurde aufgehoben. Die Hofg\u00e4nge mussten in Gruppen organisiert werden, es gab bis zu 12 Gruppen am Tag. Ein enormer Personaleinsatz war hierf\u00fcr notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr konnte einige Wochen nicht mehr gearbeitet werden, es fehlte Besch\u00e4ftigung, da Arbeitsbetriebe schlossen. Allerdings entwickelte sich bald ein neuer Arbeitszweig: das N\u00e4hen von Masken. Alle hessischen Anstalten wurden auf diese Weise versorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Anstrengungen stellt Kahlbaum fest: \u201eDie Frauen sind viel mehr im Einschluss.\u201c Das Leben im Strafvollzug, auch im offenen Vollzug, ist wesentlich eingeschr\u00e4nkter. Doch die meisten Frauen k\u00f6nnen sich besch\u00e4ftigen. Vor allem N\u00e4hen und Stricken sind beliebt. Deshalb sucht die Gef\u00e4ngnisseelsorge Spenden an Wolle, Bastelmaterialien und Spiele. Besonders begehrt sind funktionst\u00fcchtige N\u00e4hmaschinen, die aber nicht schwerer als acht Kilogramm sein d\u00fcrfen. F\u00fcr manche Inhaftierte ist das erworbene N\u00e4hzertifikat und eine N\u00e4hmaschine nach der Entlassung der Start f\u00fcr eine berufliche Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Geldspenden k\u00f6nnen an die Evangelische Seelsorge, IBAN DE 29 5005 0201 0000 4044 97 bei der Frankfurter Sparkasse \u00fcberwiesen werden. F\u00fcr andere Zuwendungen nehmen Sie bitte Kontakt auf mit <a href=\"mailto:Susanne.Kahlbaum@jva-frankfurt3.justiz.hessen.de\">Susanne.Kahlbaum@jva-frankfurt3.justiz.hessen.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 29. Dezember 2020 Corona ist nicht nur f\u00fcr Altenheime eine gro\u00dfe Herausforderung. Auch H\u00e4ftlinge in den Gef\u00e4ngnissen leiden besonders unter den Einschr\u00e4nkungen. Ein Gespr\u00e4ch mit Pfarrerin Susanne Kahlbaum, Gef\u00e4ngnisseelsorgerin im Preungesheimer Frauengef\u00e4ngnis. 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