{"id":4049,"date":"2014-03-06T09:58:00","date_gmt":"2014-03-06T07:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=4049"},"modified":"2021-01-03T10:01:54","modified_gmt":"2021-01-03T08:01:54","slug":"fussball-als-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4049","title":{"rendered":"Fu\u00dfball als Religion"},"content":{"rendered":"\n<p>Von <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> \u2013 6. M\u00e4rz 2014<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"article-headline\"><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEintracht Frankfurt ist Religion\u201c \u2013 das ist keine Aussage einer soziologischen Studie, sondern der Text eines Aufn\u00e4hers f\u00fcr Fans. Die Verehrung von Fu\u00dfballclubs tr\u00e4gt nicht zu \u00fcbersehende religi\u00f6se Z\u00fcge, meint der Weltanschauungsexperte Lutz Lemh\u00f6fer.<\/strong><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Freigestellt-klein-00.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Freigestellt-klein-00.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Freigestellt-klein-00.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4050\" width=\"309\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Freigestellt-klein-00.jpg 309w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Freigestellt-klein-00-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/a><figcaption>Der Weltanschauungsexperte und bekennende Fu\u00dfballfan Lutz Lemh\u00f6fer verglich die Art der Verehrung des Spiels und der Spieler mit religi\u00f6sen Riten. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Weltanschauungsexperte und bekennende Fu\u00dfballfan Lutz Lemh\u00f6fer verglich die Art der Verehrung des Spiels und der Spieler mit religi\u00f6sen Riten. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/p>\n\n\n\n<p>Vor den Mitgliedern von Sinus, der Sekteninformation und Selbsthilfe Hessen gestern in Frankfurt, f\u00fchrte Lemh\u00f6fer weitere Beispiele an.&nbsp;So wird die Vereinshymne von Borussia Dortmund auf die Melodie des alten Spirituals \u201eAmazing Grace\u201c gesungen und beerbt auch inhaltlich das Genre des religi\u00f6sen Hymnus mit dem Text: \u201eLeuchte auf, mein Stern Borussia! Leuchte auf, zeig mir den Weg! Ganz egal, wohin er uns auch f\u00fchrt, ich will immer bei dir sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Fu\u00dfballfan Gl\u00fcck hat, ergattert er eine Reliquie, etwa eines der in triumphaler Geste in die Zuschauermenge geworfenen Spielertrikots. \u201eDie Fanshops, in denen man die entsprechenden Devotionalien k\u00e4uflich erwerben kann, etwa Schals, M\u00fctzen und Trikots mit Spielernamen, tragen wesentlich zur Finanzierung des Sportbetriebs bei und d\u00fcrften den vergleichbaren Umsatz an katholischen Wallfahrtsorten mittlerweile \u00fcbertreffen, so die Einsch\u00e4tzung des Theologen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wortspiele wie das \u201eSchalke unser\u201c mit der Textzeile \u201eDein ist der Sieg und die Macht und die Meisterschaft in Ewigkeit\u201c oder die Zehn Gebote des K\u00f6lner Fanclubs \u201eTora et labora\u201c mit dem Gebot \u201eDu sollst nicht begehren Deines N\u00e4chsten Spieler, Stadion, Trainer\u201c w\u00fcrden heutzutage kaum noch als blasphemisch wahrgenommen, sondern sie seien Teil der lustvoll spielerischen Inszenierung einer Pop-Religion.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor sechzig Jahren, zur Zeit des \u201eWunders von Bern\u201c, war das noch anders. \u201eDie fr\u00f6hliche Schamlosigkeit, mit der die heutige Popkultur die religi\u00f6s-symbolische Asservatenkammer pl\u00fcndert, war damals noch in weiter Ferne\u201c, so Lemh\u00f6fer. Zum Beispiel kritisierten die Kirchen die als blasphemisch empfundene Ernennung des Torwarts Toni Turek zum \u201eFu\u00dfballgott\u201c.<br>Auch Bundespr\u00e4sident Heuss bezog bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts an die Spieler auf dies religi\u00f6se \u00dcberh\u00f6hung und sagte: \u201eIch glaube, er ist ein guter, zuverl\u00e4ssiger Torwart und soll das auch bleiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie \u00f6ffentliche Biederkeit der F\u00fcnfziger Jahre lie\u00df das Zelebrieren einer Popreligion noch nicht zu\u201c, glaubt Lemh\u00f6fer. Erst seit der Fu\u00dfball immer markanter zum Teil einer Unterhaltungsindustrie mit explodierenden Ums\u00e4tzen und Spielergeh\u00e4ltern geworden sei, nehme er bruchlos an der \u201eTheatralisierung des Alltags\u201c teil. Wie beim Konsum generell gehe es auch hier nicht mehr um den Gebrauchswert, sondern um den Inszenierungswert. Gefragt seien Themenwelten, Lebensstile, Weltbilder, die kultisch inszeniert werden m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Lemh\u00f6fer besteht kein Zweifel, dass sich gerade Fu\u00dfball gut f\u00fcr diese Art der Inszenierung eignet. Er erinnerte an die nahezu liturgischen Rituale beim Einlaufen, dem Introitus, der Mannschaften, bei dem das eigene Team in elffachem Responsorium begr\u00fc\u00dft werde. Der Vorbeter sage: \u201eMit der Nummer eins unser Kevin\u201c. Die Gemeinde antworte: \u201eTrapp!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch so neu sei die \u201eHeimholung des Sports in die N\u00e4he des Sakralen\u201c&nbsp;dann auch wieder nicht. Schon in der Antike standen Tempel und Stadion dicht beieinander, \u201ewobei die Statuen der Sieger bald gr\u00f6\u00dfer wurden als die der G\u00f6tter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/strong>, ver\u00f6ffentlicht am 6. M\u00e4rz 2014 in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/category\/gott-und-glauben\/\">Gott &amp; Glauben<\/a>, erschienen in der Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/2014-2-april\/\">2014\/2 &#8211; April<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/web\/\">Web<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kurt-Helmuth Eimuth \u2013 6. M\u00e4rz 2014 \u201eEintracht Frankfurt ist Religion\u201c \u2013 das ist keine Aussage einer soziologischen Studie, sondern der Text eines Aufn\u00e4hers f\u00fcr Fans. Die Verehrung von Fu\u00dfballclubs tr\u00e4gt nicht zu \u00fcbersehende religi\u00f6se Z\u00fcge, meint der Weltanschauungsexperte Lutz Lemh\u00f6fer. 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