{"id":3739,"date":"2015-05-28T08:40:00","date_gmt":"2015-05-28T06:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3739"},"modified":"2020-12-22T08:44:16","modified_gmt":"2020-12-22T06:44:16","slug":"die-harte-trennung-von-staat-und-kirche-gefaellt-mir-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3739","title":{"rendered":"\u201eDie harte Trennung von Staat und Kirche gef\u00e4llt mir nicht\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Von <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> \u2013 28. Mai 2015<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"article-headline\"><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Oberb\u00fcrgermeister Peter Feldmann will die Stadt sozialer gestalten. Dabei baut er auch auf die Kirchen. Ein Gespr\u00e4ch mit Kurt-Helmuth Eimuth.<\/strong><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/03-Feldmann-mit-Brille.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/03-Feldmann-mit-Brille.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/03-Feldmann-mit-Brille.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3740\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/03-Feldmann-mit-Brille.jpg 1000w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/03-Feldmann-mit-Brille-300x200.jpg 300w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/03-Feldmann-mit-Brille-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption>Frankfurt: Interview Eimuth mit Peter Feldmann, dem Frankfurter Oberb\u00fcrgermeister, in seinem Amtszimmer im R\u00f6mer\n\nFoto aufgenommen am: 22.04.2015\n\nFoto: Rolf Oeser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oberb\u00fcrgermeister Peter Feldmann im Gespr\u00e4ch mit Evangelisches Frankfurt. Foto: Rolf Oeser<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Oberb\u00fcrgermeister, Sie haben bei mancher Gelegenheit betont, dass Sie selbst einmal Mitarbeiter des Evangelischen Regionalverbandes waren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das ist wahr. Und das war eine sehr gute Zeit, in der ich viel gelernt habe, gerade im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Es ging nicht um Sozialstatistiken oder Organigramme, sondern es ging um Menschen. Ich habe gelernt, dass Sozialarbeit immer ein Wertefundament braucht. Das tr\u00e4gt meine Arbeit bis heute.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was erwarten Sie als Oberb\u00fcrgermeister von der evangelischen Kirche?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dass das Heimatgef\u00fchl, das ich damals als Mitarbeiter erlebt habe, nicht nur nach innen, sondern auch gesamtgesellschaftlich tr\u00e4gt. Das hei\u00dft, dass die Kirchen insgesamt zu ihrem Wertefundament stehen und es keinem allzu modernen Zeitgeist opfern sollten. Die Botschaft, die wir aus dem Weihnachtsfest mit der N\u00e4he von Mensch zu Mensch mitnehmen, ist eine Aufgabe f\u00fcr das ganze Jahr.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Viele nehmen heute Religion als etwas wahr, das Unfrieden stiftet.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Religionen stehen ja erst einmal f\u00fcr Frieden. Schwierig sind nur die, die glauben, sie wissen alleine, wie der Weg zum Frieden auszusehen hat, die keine anderen Ansichten neben der eigenen gelten lassen Das bringt die Konflikte. Sobald zumindest im Umfeld der drei Buch-Religionen, Judentum, Christentum und Islam die Ur-Botschaft der zehn Gebote ernst genommen wird, sind harte, aggressive, gewaltt\u00e4tige Konflikte undenkbar.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier in Frankfurt haben wir ja den Rat der Religionen. Wie nehmen Sie ihn wahr?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das ist eine wunderbare Plattform f\u00fcr den gemeinsamen Diskurs. Ich w\u00fcnsche mir allerdings mehr gemeinsame Auftritte der Konfessionen in den Kinderg\u00e4rten und Schulen. Damit die n\u00e4chste Generation wei\u00df, der Jude, der Muslim ist nicht der Feind, sondern auch einer der Guten. Das geht nur, wenn sich die zentralen Vertreter der Religionsgemeinschaften nicht scheuen, auch gemeinsam in Schulen zu gehen und sich gegenseitig unterst\u00fctzen. Das hat gro\u00dfe Symbolkraft. Da bin ich als Oberb\u00fcrgermeister immer dabei.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Viele rufen aber nach einer st\u00e4rkeren Trennung von Staat und Kirche.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Diese absolute S\u00e4kularit\u00e4t, diese harte Trennung, gef\u00e4llt mir nicht. Ich finde es sehr sch\u00f6n, wenn beispielsweise der RMV gemeinsam mit den Kirchen f\u00fcr ein Weihnachtsticket wirbt. Das ist eine Zeit der Besinnung, da sollte man seine Familien und Freunde besuchen, das sollte nicht am Geld scheitern. Ich w\u00fcnsche mir mehr Projekte dieser Art.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Soll der Sonntag als arbeitsfreier Tag weiter gesch\u00fctzt werden?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Absolut. Nicht nur als Sozialdemokrat und Gewerkschafter bin ich daf\u00fcr. Das Gebot des siebten Tages soll nicht an die Seite gelegt werden.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sie sind angetreten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wie sieht Ihre Bilanz aus?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das Thema ist endlich in unserer Stadt zum zentralen Thema geworden. Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich nicht alleine von mir ab. Aber ich bin schon sehr stolz, dass wir die Budgets der Stadt um hundert Prozent gesteigert haben. Geld baut noch keine Wohnungen, ist aber eine Grundlage daf\u00fcr. Jetzt m\u00fcssen wir alles tun, um die leidige Diskussion \u00fcber leer stehenden B\u00fcroraum in konkrete Projekte einflie\u00dfen zu lassen. In der Adickesallee im Februar dieses Jahres oder in der Hahnstra\u00dfe in der B\u00fcrostadt Niederrad im M\u00e4rz durfte ich jeweils einen \u201eBaggerbiss\u201c machen. Baggerbiss bedeutet: Wir rei\u00dfen Gewerberaum ab, um daraus Wohnraum zu machen!<\/p><p>Es gibt die ersten Projekte im Umland, wo wir auch gemarkungs\u00fcbergreifend bauen und beispielsweise Studenten Wohnraum au\u00dferhalb Frankfurts anbieten. Aber auch mit unserer Nachbarstadt Offenbach sind wir einen Schritt nach vorne gekommen: Die Hafeninsel ist ein tolles Projekt unserer beider St\u00e4dte.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Welche Pl\u00e4ne verfolgen Sie au\u00dferdem noch?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ein Weg ist eine vorsichtige, sensible Verdichtung. Aber ich m\u00f6chte auch nicht, dass jeder Hinterhof zugebaut wird. Deshalb trete ich f\u00fcr ein Wohngebiet im Frankfurter Norden ein. Unsere Gr\u00fcnfl\u00e4chen wollen wir nicht aufgeben, doch bei f\u00fcnfundzwanzig Prozent agrarischen Fl\u00e4chen in der Stadt bestehen M\u00f6glichkeiten.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Stadt wird immer reicher, aber die Spaltung zwischen arm und reich wird immer gr\u00f6\u00dfer. Sie haben die Kinderarmut als Skandal bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ja, da bin ich sehr gepr\u00e4gt von meiner Jugendhauszeit beim Evangelischen Regionalverband. Wenn man erlebt, wie Kinder es empfinden, wenn Gleichaltrige mit besseren Berufs- oder Bildungschancen an ihnen vorbeiziehen, welches Erniedrigungsgef\u00fchl, manchmal auch Wut oder Hass daraus entsteht, wei\u00df man, wovon ich spreche.<\/p><p>Bei f\u00fcnfundzwanzig Prozent armen Kindern bleibt es eine zentrale Aufgabe der Stadt, daran etwas zu \u00e4ndern. Kinderarmut ist aber auch Elternarmut. Eltern m\u00fcssen Arbeit bekommen. Hier m\u00fcsste die Arbeitsmarktpolitik eindeutigere Priorit\u00e4ten setzen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es kommen 1600 Fl\u00fcchtlinge im Jahr nach Frankfurt. Wie wollen Sie ihnen helfen?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Erst einmal ein gro\u00dfes Kompliment an die Kirchen, die uns beispielsweise mit der Unterbringung in der Gutleutkirche geholfen haben. Das beweist, welch wichtige Rolle die Kirchen in solchen konfliktreichen Situationen haben. Die Menschen, die herkommen, wollen auch Arbeit haben. Hier m\u00fcssen wir b\u00fcrokratische H\u00fcrden abbauen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dann m\u00fcsste das Arbeitsverbot f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge doch aufgehoben werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Absolut. Da bin ich radikal. Wer arbeiten will, soll die M\u00f6glichkeit dazu bekommen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ihr Thema in diesem Jahr ist die \u00e4lter werdende Gesellschaft. Warum?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Alles, was die \u00c4lteren heute erk\u00e4mpfen, wird auch in j\u00fcngeren Generationen wirksam. Ich habe ein sch\u00f6nes Beispiel. Unsere Wohnungsbaugesellschaften wollen Haltegriffe oder automatisches Licht bei Neu- und Umbauten mit einplanen. Die erste Reaktion kam von Studenten, die das auch f\u00fcr sich ganz praktisch fanden.<\/p><p>Wir werden mit dem Deutschen Seniorentag Anfang Juli ein klares Zeichen setzen: Diese Stadt ist f\u00fcr Senioren nicht nur offen, sondern geh\u00f6rt ihnen auch.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Herr Oberb\u00fcrgermeister, herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/strong>, ver\u00f6ffentlicht am 28. Mai 2015 in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/category\/menschen\/\">Menschen<\/a>, erschienen in der Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/2015-3-mai\/\">2015\/3 &#8211; Mai<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/web\/\">Web<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kurt-Helmuth Eimuth \u2013 28. Mai 2015 Oberb\u00fcrgermeister Peter Feldmann will die Stadt sozialer gestalten. Dabei baut er auch auf die Kirchen. Ein Gespr\u00e4ch mit Kurt-Helmuth Eimuth. Oberb\u00fcrgermeister Peter Feldmann im Gespr\u00e4ch mit Evangelisches Frankfurt. 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