{"id":3695,"date":"2016-07-14T01:17:00","date_gmt":"2016-07-13T23:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3695"},"modified":"2020-12-13T01:20:40","modified_gmt":"2020-12-12T23:20:40","slug":"die-enthemmte-mitte-und-ihr-populismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3695","title":{"rendered":"Die enthemmte Mitte und ihr Populismus"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Viele Menschen in Deutschland sind angesichts rascher Ver\u00e4nderungen verunsichert \u2013 das ist idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr Populismus. Deshalb m\u00fcssen alle gesellschaftlichen Gruppen daran arbeiten, eine positive Zukunftsperspektive zu entwickeln. Eine Debatte dar\u00fcber, wie unsere Gesellschaft in ein, zwei Generationen aussehen soll, ist \u00fcberf\u00e4llig.<\/strong><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blog_Eimuth06.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"article-headline\">Die enthemmte Mitte und ihr Populismus<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Viele Menschen in Deutschland sind angesichts rascher Ver\u00e4nderungen verunsichert \u2013 das ist idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr Populismus. Deshalb m\u00fcssen alle gesellschaftlichen Gruppen daran arbeiten, eine positive Zukunftsperspektive zu entwickeln. Eine Debatte dar\u00fcber, wie unsere Gesellschaft in ein, zwei Generationen aussehen soll, ist \u00fcberf\u00e4llig.<\/strong><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blog_Eimuth06.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blog_Eimuth06.jpg\" alt=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blog_Eimuth06.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von Evangelisches Frankfurt. Foto: Rolf Oeser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Zehnte in Deutschland w\u00fcnscht sich einen F\u00fchrer, der das Land zum Wohle aller mit starker Hand regiert. Elf Prozent glauben, dass \u201eJuden\u201c zu viel Einfluss haben. Zw\u00f6lf Prozent sind der Ansicht, Deutsche seien anderen V\u00f6lkern von Natur aus \u00fcberlegen. Und ein Drittel h\u00e4lt das Land f\u00fcr \u201egef\u00e4hrlich \u00fcberfremdet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zahlen aus der Studie \u201eDie enthemmte Mitte\u201c der Universit\u00e4t Leipzig zeigen: Extremistisches Gedankengut findet sich nicht nur am Rand der Gesellschaft, sondern ist l\u00e4ngst in ihrer Mitte angekommen. Der Hass auf bestimmte Menschengruppen wie Asylsuchende ist gestiegen und wird \u00f6fter und offener gezeigt. Dabei geht es nicht um rational nachzuvollziehende Argumente. Ausschlaggebend f\u00fcr extremistische Positionen sind Gef\u00fchle, und vor allem die gef\u00fchlte eigene Benachteiligung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen haben in den letzten zwei Jahrzehnten sehr wohl gesp\u00fcrt, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Die Reichen wurden immer reicher, w\u00e4hrend der Reallohn sank. Die Bildungschancen von Kindern sind wieder eng an den sozialen Status der Eltern gekoppelt. Alle Lebensbereiche werden nur noch unter \u00f6konomischen Aspekten betrachtet, vom Gesundheitswesen bis zur Alterssicherung. Es gibt keinen \u00f6ffentlichen Diskurs dar\u00fcber, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen soll. Wie viel Solidarit\u00e4t wollen wir uns als Wertegemeinschaft mit Kranken, Arbeitslosen, Rentnerinnen und Rentern oder Fl\u00fcchtlingen leisten?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Gef\u00fchl der Verunsicherung heraus greifen Menschen nach einfachen Antworten, seien sie auch rational betrachtet falsch und sinnlos. In anderen L\u00e4ndern ist dieser Prozess ebenfalls zu beobachten. Die Brexit-Bewegung in England lebte genau von diesem Gef\u00fchl, benachteiligt zu werden. Gegen Gef\u00fchle helfen keine Argumente. Vielmehr muss man versuchen, diesen Menschen zu vermitteln, dass sie dazugeh\u00f6ren. Man muss sie als Person annehmen und doch ihre Position ablehnen. Wer die AfD, wie k\u00fcrzlich beim Katholikentag geschehen, kategorisch ausl\u00e4dt, festigt nur ihr Weltbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle gesellschaftlichen Gruppen m\u00fcssen daran arbeiten, angesichts der Verunsicherung eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Eine Debatte dar\u00fcber, wie unsere Gesellschaft in ein, zwei Generationen aussehen soll, ist \u00fcberf\u00e4llig. Das ist Aufgabe von Parteien, aber auch von Gewerkschaften, Kirchen und Medien. Visionen sind dabei ebenso notwendig wie pragmatische Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/strong>, ver\u00f6ffentlicht am 14. Juli 2016 in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/category\/meinungen\/\">Meinungen<\/a>, erschienen in der Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/2016-4-juli\/\">2016\/4 \u2013 Juli<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/web\/\">Web<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von Evangelisches Frankfurt. Foto: Rolf Oeser<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Zehnte in Deutschland w\u00fcnscht sich einen F\u00fchrer, der das Land zum Wohle aller mit starker Hand regiert. Elf Prozent glauben, dass \u201eJuden\u201c zu viel Einfluss haben. Zw\u00f6lf Prozent sind der Ansicht, Deutsche seien anderen V\u00f6lkern von Natur aus \u00fcberlegen. Und ein Drittel h\u00e4lt das Land f\u00fcr \u201egef\u00e4hrlich \u00fcberfremdet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zahlen aus der Studie \u201eDie enthemmte Mitte\u201c der Universit\u00e4t Leipzig zeigen: Extremistisches Gedankengut findet sich nicht nur am Rand der Gesellschaft, sondern ist l\u00e4ngst in ihrer Mitte angekommen. Der Hass auf bestimmte Menschengruppen wie Asylsuchende ist gestiegen und wird \u00f6fter und offener gezeigt. Dabei geht es nicht um rational nachzuvollziehende Argumente. Ausschlaggebend f\u00fcr extremistische Positionen sind Gef\u00fchle, und vor allem die gef\u00fchlte eigene Benachteiligung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen haben in den letzten zwei Jahrzehnten sehr wohl gesp\u00fcrt, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Die Reichen wurden immer reicher, w\u00e4hrend der Reallohn sank. Die Bildungschancen von Kindern sind wieder eng an den sozialen Status der Eltern gekoppelt. Alle Lebensbereiche werden nur noch unter \u00f6konomischen Aspekten betrachtet, vom Gesundheitswesen bis zur Alterssicherung. Es gibt keinen \u00f6ffentlichen Diskurs dar\u00fcber, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen soll. Wie viel Solidarit\u00e4t wollen wir uns als Wertegemeinschaft mit Kranken, Arbeitslosen, Rentnerinnen und Rentern oder Fl\u00fcchtlingen leisten?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Gef\u00fchl der Verunsicherung heraus greifen Menschen nach einfachen Antworten, seien sie auch rational betrachtet falsch und sinnlos. In anderen L\u00e4ndern ist dieser Prozess ebenfalls zu beobachten. Die Brexit-Bewegung in England lebte genau von diesem Gef\u00fchl, benachteiligt zu werden. Gegen Gef\u00fchle helfen keine Argumente. Vielmehr muss man versuchen, diesen Menschen zu vermitteln, dass sie dazugeh\u00f6ren. Man muss sie als Person annehmen und doch ihre Position ablehnen. Wer die AfD, wie k\u00fcrzlich beim Katholikentag geschehen, kategorisch ausl\u00e4dt, festigt nur ihr Weltbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle gesellschaftlichen Gruppen m\u00fcssen daran arbeiten, angesichts der Verunsicherung eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Eine Debatte dar\u00fcber, wie unsere Gesellschaft in ein, zwei Generationen aussehen soll, ist \u00fcberf\u00e4llig. Das ist Aufgabe von Parteien, aber auch von Gewerkschaften, Kirchen und Medien. Visionen sind dabei ebenso notwendig wie pragmatische Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/strong>, ver\u00f6ffentlicht am 14. Juli 2016 in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/category\/meinungen\/\">Meinungen<\/a>, erschienen in der Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/2016-4-juli\/\">2016\/4 \u2013 Juli<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/web\/\">Web<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen in Deutschland sind angesichts rascher Ver\u00e4nderungen verunsichert \u2013 das ist idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr Populismus. Deshalb m\u00fcssen alle gesellschaftlichen Gruppen daran arbeiten, eine positive Zukunftsperspektive zu entwickeln. Eine Debatte dar\u00fcber, wie unsere Gesellschaft in ein, zwei Generationen aussehen soll, ist \u00fcberf\u00e4llig. 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