{"id":3691,"date":"2016-09-09T01:06:00","date_gmt":"2016-09-08T23:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3691"},"modified":"2020-12-13T01:08:33","modified_gmt":"2020-12-12T23:08:33","slug":"die-armut-wird-sichtbarer-damit-muessen-wir-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3691","title":{"rendered":"Die Armut wird sichtbarer \u2013 damit m\u00fcssen wir leben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der heutige Raubtierkapitalismus f\u00fchrt dazu, dass blanke Armut in Europa immer sichtbarer wird. Damit m\u00fcssen wir leben, auch in Frankfurt. Obdachlose Menschen einfach zu vertreiben ist jedenfalls keine L\u00f6sung.<\/strong><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/eimuth_klein.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/eimuth_klein.jpg\" alt=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/eimuth_klein.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth. Foto: Rui Camilo<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation ist f\u00fcr die Anwohner und Anwohnerinnen unertr\u00e4glich. Jeden Abend kommen zwei bis drei Dutzend Menschen mit Sack und Pack und lagern auf dem neu gestalteten Platz <a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/2016\/09\/wohin-mit-obdachlosen-vor-der-diakoniekirche\/\">vor der Diakoniekirche Wei\u00dffrauen<\/a>. Morgens ziehen sie wieder ab und hinterlassen M\u00fcll, und die Notdurft musste ja auch irgendwo verrichtet werden. Die Diakonie Frankfurt hat zu einem runden Tisch geladen, sie m\u00f6chte k\u00fcnftig ihren Tagestreff f\u00fcr Obdachlose auch nachts \u00f6ffnen. Dort gibt es Waschgelegenheiten, Toiletten und auch Waschmaschinen. Dies k\u00f6nnte den Konflikt entsch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch an anderen Stellen dieser reichen Stadt poppt europ\u00e4ische Armut auf. Die Wanderarbeiter auf der Gutleutbrache etwa oder die Familien aus Osteuropa, die in Erdh\u00f6hlen im Fechenheimer Wald leben. Sie sind Teil einer neuen Armutswanderung: W\u00e4hrend das Durchschnittseinkommen in Deutschland 47.600 Euro im Jahr betr\u00e4gt, sind es in Bulgarien gerade mal 7400 und in Rum\u00e4nien 9300 Euro. Hinzu kommen Diskriminierungen gegen Roma. Es wundert also nicht, wenn sich einige auf den Weg machen und ihr Dasein hier auf der Stra\u00dfe fristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Armut ist aber hier wie dort die Folge eines enthemmten Kapitalismus. Die Idee einer sozialen Marktwirtschaft, die die Teilhabe aller Menschen am wirtschaftlichen Reichtum im Blick hatte, ist heute einem internationalen Raubtierkapitalismus gewichen. Solange sich daran nichts \u00e4ndert, werden wir in Deutschland mit einer wachsenden Zahl von Menschen leben m\u00fcssen, die von ihrer Arbeit keine Wohnung bezahlen k\u00f6nnen, die am Rande der Gesellschaft stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen eine menschenw\u00fcrdige Existenz zu erm\u00f6glichen und gleichzeitig keine Anreize zur Nachahmung zu bieten, ist die Aufgabe nicht nur der Diakonie, sondern der ganzen Stadtgesellschaft. Auch denen, die auf der Stra\u00dfe leben, Toiletten und Waschr\u00e4ume zur Verf\u00fcgung zu stellen, zeigt die Richtung an. Aber solange wir an den Grundstrukturen nichts \u00e4ndern, werden wir mit sichtbarer Armut in dieser so reichen Stadt leben m\u00fcssen. Eine gerechte Gesellschaft sieht anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/people\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/strong>, ver\u00f6ffentlicht am 20. September 2016 in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/category\/meinungen\/\">Meinungen<\/a>, erschienen in der Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/2016-5-september\/\">2016\/5 \u2013 September<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/issue\/web\/\">Web<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heutige Raubtierkapitalismus f\u00fchrt dazu, dass blanke Armut in Europa immer sichtbarer wird. Damit m\u00fcssen wir leben, auch in Frankfurt. Obdachlose Menschen einfach zu vertreiben ist jedenfalls keine L\u00f6sung. Kurt-Helmuth Eimuth. Foto: Rui Camilo Die Situation ist f\u00fcr die Anwohner und Anwohnerinnen unertr\u00e4glich. 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