{"id":3677,"date":"2017-08-11T00:27:00","date_gmt":"2017-08-10T22:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3677"},"modified":"2020-12-13T00:33:45","modified_gmt":"2020-12-12T22:33:45","slug":"weltausstellung-reformation-schoene-ideen-aber-etwas-unuebersichtlich-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3677","title":{"rendered":"Weltausstellung Reformation: Sch\u00f6ne Ideen, aber etwas un\u00fcbersichtlich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Weltausstellung Reformation in Wittenberg zieht zwar weniger Publikum an als erwartet. Eine Reise wert ist sie aber trotzdem, meint unser Redakteur Kurt-Helmuth Eimuth.<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9355-480x320.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9355-480x320.jpg 480w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9355-200x133.jpg 200w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9355-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9355-1024x683.jpg 1024w\" width=\"480\" height=\"320\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Besuch der Welterbestadt Wittenberg lohnt nicht nur zu Zeiten des Reformationjubil\u00e4ums. Auf dem Marktplatz die Reformatoren Melanchthon und Luther. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim medialen Konsum des Kirchentags wuchs die Lust auf das Abenteuer Wittenberg. Wenn schon nicht Kirchentag, dann doch wenigstens \u201eWeltausstellung Reformation\u201c. Gesagt, getan. Mitstreiterinnen und Mitstreiter waren schnell gefunden. Jetzt musste nur noch eine Unterkunft gebucht werden. Im Luther-Hotel, die zum Verband Christlicher Hotels geh\u00f6rende Herberge, war es kein Problem, gleich mehrere Doppelzimmer zu buchen. Die Zeitspanne konnten wir uns sogar aussuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst sp\u00e4ter lasen wir von den weit hinter den Erwartungen zur\u00fcckbleibenden Besucherzahlen. Uns sollte es recht sein, wenn das Gedr\u00e4nge nicht allzu dicht ist. Also auf zur Lutherstadt Wittenberg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anreisetag Sonntag, da ist wom\u00f6glich der Verkehr geringer, dachten wir und noch viele mit uns. Die Staus waren unvermeidlich, die Ankunft erst am sp\u00e4ten Nachmittag. Der erste Rundgang durch Wittenberg erst zur Teatime. Gerade noch rechtzeitig, um einige Buden auf dem Marktplatz zu sehen, deren Betreiber sich schon mit dem Abbau besch\u00e4ftigten. \u201eUm 18 Uhr schlie\u00dft hier alles, auch die Weltausstellung.\u201c Wir waren erstaunt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Erstaunen wechselte in Unverst\u00e4ndnis, als die Dame am Ticketschalter freundlich darauf hinwies, dass die Weltausstellung am Dienstag geschlossen sei: Alle Buden, alle Veranstaltungen zu. Nur die \u00f6ffentlichen Museen, die Kirchen und das 360-Grad-Panorama seien ge\u00f6ffnet. Das stehe auch \u00fcberall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugegeben, einen Ruhetag hatten wir h\u00f6chstens der Eckkneipe von nebenan zugetraut, aber nicht einer Weltausstellung. Nachgeschaut auf der Homepage findet sich auf der Startseite auch kein diesbez\u00fcglicher Hinweis. Die Suche findet unter \u201e\u00d6ffnungszeiten\u201c nichts. Erst unter dem Stichwort Tickets findet sich dann der gesuchte Hinweis, dass \u201emittwochs bis montags\u201c ge\u00f6ffnet ist. Von Ruhetag steht da nix. Eine wahrhafte Leistung der Verschleierung der Kommunikationsabteilung.&nbsp;Nun gut. Werden eben die Attraktionen in der Wallanlage am Montag abgegangen und der Besuch im Lutherhaus, Melanchthonhaus und in den Kirchen auf Dienstag verschoben.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9330-480x320.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9330-480x320.jpg 480w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9330-200x133.jpg 200w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9330-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9330-1024x683.jpg 1024w\" width=\"480\" height=\"320\"><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Steg und Spiegel ver\u00e4ndern die Perspektive. Ein Geschenk der Evangelischen Kirche in Deutschland an die Stadt Wittenberg. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Torraum Spiritualit\u00e4t beeindruckt mit der Installation von Spiegeln und Stegen. In der Tat wechseln die Perspektiven. Ob die von den Veranstaltern beschriebene Erwartung sich erf\u00fcllt, ist sicher individuell verschieden: \u201eIn dieser Stadtoase ist Spiritualit\u00e4t unmittelbar erlebbar: Spiritualit\u00e4t als eine Erfahrung mit Gott, die auch eine eigene, innere und individuelle Erkenntnis und ein gemeinschaftliches Erlebnis ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Installation des Torraums Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch\u00f6pfung ist sicher einer der H\u00f6hepunkte. Die Boote auf dem Teich sollen an die Fl\u00fcchtlingsboote erinnern. Die Texttafeln rund um den See thematisieren Fragen zur weltweiten Gerechtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gl\u00e4sernen Anh\u00e4nger mit ihren Installationen erschlie\u00dfen sich nicht auf den ersten Blick. Sind aber Teil des Torraums Globalisierung und weisen auf m\u00f6gliche L\u00f6sungen vor allem im Umweltbereich hin. Gleich nebenan ist die Lichtkirche als Beitrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) aufgebaut. In der Werbung als \u201esakrales Kleinod\u201c gepriesen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9379-480x320.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9379-480x320.jpg 480w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9379-200x133.jpg 200w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9379-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9379-1024x683.jpg 1024w\" width=\"480\" height=\"320\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Segensroboter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sorgt f\u00fcr kontroverse Diskussion. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund um die Lichtkirche der Segensparkour mit dem Segensroboter. Das mediale Interesse an diesem Automat war gro\u00df. Selbst ein chinesisches Fernsehteam interessierte sich f\u00fcr diese Kuriosit\u00e4t. Und auch bei unserem Besuch ert\u00f6nt lautes Gel\u00e4chter. Spuckt doch das Ger\u00e4t auf Wunsch den Segen auch in Hessisch aus. Ist es ein spielerischer Umgang mit christlichen Riten oder eher die Banalisierung eines gottesdienstlichen Geschehens, das Gef\u00fchle von Gl\u00e4ubigen verletzen kann? Theologisch gefragt: Kann der Segen Gottes auch durch Automaten zugesprochen werden? Oder ist alles so nicht gemeint?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9452-480x320.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9452-480x320.jpg 480w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9452-200x133.jpg 200w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9452-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.evangelischesfrankfurtarchiv.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_9452-1024x683.jpg 1024w\" width=\"480\" height=\"320\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Lichtkirche der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beeindruckt auch in Wittenberg. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Stand ist man nicht unzufrieden. Fabian Voigt, Pfarrer und Reformationsbeauftragter der EKHN, bedauert im Gespr\u00e4ch auf der einen Seite, dass die Resonanz nicht gr\u00f6\u00dfer ist, betont aber auf der anderen Seite die Qualit\u00e4t der Gespr\u00e4che und Begegnungen. Im Massenbetrieb seien solche intensiven Begegnungen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voigt schnappt sich die Gitarre und schmettert einen Gospel. Einige stimmen ein in \u201eSwing Low, sweet Chariot\u2026,\u201c Da ist so etwas wie Kirchentagsstimmung sp\u00fcrbar. Doch nach wenigen Strophen ist es vorbei. War nur Soundcheck. Wenig sp\u00e4ter haben sich die Reihen gef\u00fcllt. F\u00fcnfzig Personen beim Abendsegen um 18 Uhr. Immerhin. Und zudem noch Nachdenkenswertes \u00fcber N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch eine sch\u00f6ne Idee sind die knapp 300 B\u00e4ume, die Kirchen aus aller Welt als \u201eZeichen der Verbundenheit\u201c gepflanzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Besuch von Lutherhaus, Melanchthonhaus, Schlosskirche sind ein Muss. Das&nbsp; Asisi-Panorama zeigt Wittenberg zu Luthers Zeiten. Die Lichtshow taucht das Gem\u00e4lde in unterschiedliche Tageszeiten. Es gibt Einzelheiten zu entdecken. Der Alltag im ausgehenden Mittelalter war sicher keine gute alte Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neu renovierte Schlosskirche mit der wieder angebrachten Wandbemalung ist nat\u00fcrlich ein Zuschauermagnet. Das neu angebaute Besucherzentrum mit der Ausstellung von Exponaten von Ernst Barlach und K\u00e4the Kollwitz erg\u00e4nzt diesen historischen protestantischen Ort. Beim Orgel-Kurz-Konzert zur Mittagszeit war die Kirche bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Es sind die Andachten, die Gottesdienste, die F\u00fchrungen, die Menschen anziehen. Die Exponate mit langen textlichen Erl\u00e4uterungen sind dagegen sperrig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u201eWeltausstellung Reformation\u201c ist eher ein nationales Zwischending aus ausged\u00fcnntem \u201eMarkt der M\u00f6glichkeiten\u201c und Freiluft-Museumsp\u00e4dagogik, leider etwas textlastig. Die Begleitveranstaltungen und Konzerte sind fast fast so un\u00fcbersichtlich (oder sagen wir protestantisch korrekt: vielf\u00e4ltig) wie der Kirchentag. Es fehlt ein klares Konzept und eine klare Kommunikationsstruktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Lutherbotschafterin Margot K\u00e4\u00dfmann im MDR eine positive Entwicklung sieht. \u201eAm Anfang ist es etwas schleppend angelaufen, aber jetzt sind wir zufrieden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welterbestadt Wittenberg ist immer eine Reise wert. Da braucht es nicht einmal ein Jubil\u00e4um.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltausstellung Reformation in Wittenberg zieht zwar weniger Publikum an als erwartet. Eine Reise wert ist sie aber trotzdem, meint unser Redakteur Kurt-Helmuth Eimuth. Der Besuch der Welterbestadt Wittenberg lohnt nicht nur zu Zeiten des Reformationjubil\u00e4ums. Auf dem Marktplatz die Reformatoren Melanchthon und Luther. 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