{"id":3673,"date":"2008-02-01T09:51:00","date_gmt":"2008-02-01T07:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3673"},"modified":"2020-12-12T09:53:20","modified_gmt":"2020-12-12T07:53:20","slug":"oskar-schindlers-letzte-jahre-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3673","title":{"rendered":"Oskar Schindlers letzte Jahre in Frankfurt"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 1. Februar 2008<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oskar Schindler rettet im Nationalsozialismus \u00fcber 1200 Menschen das Leben. Ber\u00fchmt wurde er erst nach seinem Tod 1974.&nbsp;<\/strong><strong>Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler in Frankfurt, als eher&nbsp; unbekannter Mann, der in einfachen Verh\u00e4ltnissen lebt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/5344945882_f78efa7493_o.width-900.jpg\" alt=\"Oskar Schindler im Jahr 1947. Foto: seetheholyland.net\/Flickr.com (cc by-sa)\"\/><figcaption>Oskar Schindler im Jahr 1947. Foto: seetheholyland.net\/Flickr.com (cc by-sa)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit einigem Herzklopfen, so erinnerte sich sp\u00e4ter der inzwischen verstorbene Frankfurter Propst Dieter Trautwein, stieg er damals die Treppen im Haus Am Hauptbahnhof 4 hinauf. Trautwein hatte den Namen Oskar Schindler 1966 in Israel entdeckt. In Yad Vashem, der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die sechs Millionen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus ermordeten J\u00fcdinnen und Juden, standen dieser Name und der L\u00e4nderhinweis \u201eAllemagne\u201c an einem Baum in der \u201eAllee f\u00fcr die andersgl\u00e4ubigen gerechten Helfer\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter bekam Trautwein f\u00fcr eine \u201eWerkmappe zur Reformation\u201c die Geschichte jenes Mannes, der \u00fcber 1200 Menschen vor dem Tode bewahrt hatte, als literarisches Beispiel geliefert. Als Trautwein, der damals Jugendpfarrer in Frankfurt war, schlie\u00dflich noch den Hinweis bekam, dass Oskar Schindler keineswegs eine literarische Erfindung, sondern eine h\u00f6chst reale Person sei, die zudem noch in Frankfurt wohne, machte er sich kurzentschlossen auf den Weg. \u201eOben im letzten Stock an der letzten T\u00fcr rechts war tats\u00e4chlich ein kleines handgeschriebenes Schild \u201eOskar Schindler\u201c, so Trautwein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch klingelte. Ein Mann \u00f6ffnete. Ich fragte: \u201aHei\u00dfen Sie\u2026sind Sie\u2026?\u2019 \u201aJa\u2019, antwortete mein Gegen\u00fcber. Ich stellte mich vor, und er lie\u00df mich eintreten. Sofort hielt ich ihm die Druckfahnen hin und fragte: \u201aSagen Sie mir bitte, ob das, was hier steht, mit Ihnen zu tun hat?\u2019 Bald schon gab er mir das Papier zur\u00fcck und sagte: Ja, das ist meine Geschichte, es stimmt nicht im Einzelnen so genau, aber das Wesentliche ist schon wiedergegeben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter sa\u00df Oskar Schindler beim Evangelischen Jugendtag 1967 im Dominikanerkloster auf dem Podium, um dort nicht nur die \u2013 m\u00f6glicherweise erste \u2013 literarische Verarbeitung seiner Rettungstat zu sehen, sondern auch, um aus seinem Leben zu berichten. Auf dem Podium war damals auch Leopold Pfefferberg, einer jener geretteten \u201eSchindler-Juden\u201c. Es war dieser Leopold Page, wie er sich in seiner neuen Heimat Los Angeles nannte, der die Geschichte von Oskar Schindler dem australischen Schriftsteller Thomas Keneally erz\u00e4hlte. Keneally schrieb daraufhin den biografischen Roman \u201eSchindlers Liste\u201c, den Steven Spielberg sp\u00e4ter verfilmte und durch den der Name von Oskar Schindler und seine Rettungstat, die \u00fcber 1200 J\u00fcdinnen und Juden vor dem Tod im Konzentrationslager bewahrte, in aller Welt bekannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch diese Ber\u00fchmtheit kam erst zwanzig Jahre nach Schindlers Tod im Jahr 1974. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler als eher unbekannter Mann, der in einfachen Verh\u00e4ltnissen lebte, in Frankfurt. Hier versuchte er auch einen wirtschaftlichen Neubeginn, musste aber mit seiner Zementfabrik Konkurs anmelden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 28. April 2008 w\u00e4re Oskar Schindler hundert Jahre alt geworden. Heute erinnert an ihn in Frankfurt nicht nur eine Ausstellung im J\u00fcdischen Museum, sondern auch eine Bronzetafel an seinem letzten Wohnhaus im Bahnhofsviertel sowie seit 1976 die Oskar Schindler-Stra\u00dfe in Bonames: kein gro\u00dfes Denkmal, wie Dieter Trautwein seinerzeit, kritisierte, sondern \u201elediglich eine Kleinstra\u00dfe am Ortsrand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Weiterlesen: Dieter Trautwein: Oskar Schindler \u2013 immer neue Geschichten, Societ\u00e4ts-Verlag.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 1. Februar 2008 Oskar Schindler rettet im Nationalsozialismus \u00fcber 1200 Menschen das Leben. Ber\u00fchmt wurde er erst nach seinem Tod 1974.&nbsp;Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler in Frankfurt, als eher&nbsp; unbekannter Mann, der in einfachen Verh\u00e4ltnissen lebt. 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