{"id":3663,"date":"2012-05-24T09:33:00","date_gmt":"2012-05-24T07:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3663"},"modified":"2020-12-12T09:35:53","modified_gmt":"2020-12-12T07:35:53","slug":"organspende-gott-braucht-alte-organe-nicht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3663","title":{"rendered":"Organspende: \u201eGott braucht alte Organe nicht\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 24. Mai 2012<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Laut Umfragen sind 74 Prozent der Deutschen zur Organspende bereit. Aber nur 25 Prozent haben einen Organspendeausweis. Die L\u00fccke zwischen Denken und Handeln soll nun durch die regelm\u00e4\u00dfige Post von der Krankenkasse geschlossen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/ef_fotolia_organspende_gott_braucht_alte_organ.width-900.jpg\" alt=\"Nierentransplantationen ersparen den Betroffenen mehrere langwierige Dialysesitzungen pro Woche. \bFoto: horizong 21\/Fotolia\"\/><figcaption>Nierentransplantationen ersparen den Betroffenen mehrere langwierige Dialysesitzungen pro Woche. \bFoto: horizong 21\/Fotolia<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Deutschland warten derzeit 12000 Menschen auf ein Spenderorgan. Dies ist oftmals ein Wettlauf mit dem Tod. Ein neues Gesetz soll nun Abhilfe schaffen. Alle Bundestagsfraktionen einigten sich auf die so genannte \u201eEntscheidungsl\u00f6sung\u201c. Danach werden alle Bundesb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrger \u00fcber 16 Jahren aufgefordert, ihre Spendenbereitschaft zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige Briefe \u2013 schon ab diesem Jahr \u2013 informieren dann \u00fcber die Organspende und fordern zur Abgabe der Erkl\u00e4rung auf. Dokumentiert wird das auf den mitgeschickten Organspendeausweisen, sp\u00e4ter wohl auch auf der Gesundheitskarte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einen Organspendeausweis ausf\u00fcllt, kann das Einverst\u00e4ndnis zur Organ- und Gewebespende entweder generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschr\u00e4nken oder einer Organ- und Gewebespende widersprechen. Es kann in der Zeile \u201eAnmerkungen?\/?Besondere Hinweise\u201c auch eine bestimmte Person benannt werden, die im Todesfall benachrichtigt werden soll. Wichtig: Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei muss niemand f\u00fcrchten, sich endg\u00fcltig festzulegen. Wer die Einstellung zur Organ- und Gewebespende \u00e4ndert, muss lediglich die alte Erkl\u00e4rung vernichten. Auf einem neuen Ausweis kann dann die ge\u00e4nderte Einstellung festgehalten werden. Der Organspendeausweis sollte immer mitgef\u00fchrt werden, am besten zusammen mit den Ausweispapieren. Allerdings \u00e4ndert sich eines nicht: Wer sich zu Lebzeiten nicht erkl\u00e4rt, \u00fcberl\u00e4sst im Ernstfall die Entscheidung den Trauernden. Das ist f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen oft eine extreme Belastung.<\/p>\n\n\n\n<p>Theologisch gibt es gegen die Organspende keine Vorbehalte. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider, ruft die Christinnen und Christen sogar dazu auf, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. \u201eIch glaube, dass Gott meine alten Organe nicht braucht, wenn er mir nach dem Tod ein neues Leben schenkt\u201c, sagte der 62-J\u00e4hrige gegen\u00fcber evangelisch.de. \u201eIch kann nur sehr ermutigen, sich die Frage, ob Sie spenden w\u00fcrden oder nicht, ernsthaft zu stellen und zu beantworten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Organspende \u2013 sind Sie daf\u00fcr?<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sabine Mousset (38), \u00c4rztin<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich bin f\u00fcr die Organspende und habe auch selbst einen Organspendeausweis, weil ich sehe, wie Menschen unter chronischen Erkrankungen leiden. Ein gespendetes Organ kann die Lebensqualit\u00e4t sehr verbessern. Eine Niere zum Beispiel bedeutet, dass man nicht mehr dreimal in der Woche drei bis vier Stunden zur Dialyse muss. Als Naturwissenschaftlerin bin ich auch vom Hirntod \u00fcberzeugt, der ja eingetreten sein muss, damit Organe entnommen werden k\u00f6nnen. Hirntot ist man, wenn man keine Hirnstr\u00f6me mehr messen kann. Das ist unumkehrbar, der Mensch existiert als Pers\u00f6nlichkeit nicht mehr, aber seine Organe k\u00f6nnen noch sinnvoll gespendet werden. Da der Bedarf an Organen immer h\u00f6her ist als die, die zur Verf\u00fcgung stehen, finde ich den Vorsto\u00df der Bundesregierung, die Menschen jetzt direkt anzuschreiben, sehr positiv.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Thomas Leistner (49), Theologe und Lehrer<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Prinzip schon. Der Hirntod ist aber durchaus auch problematisch. Studien belegen, dass das emotionale Empfinden nach dem Hirntod noch nicht ausgeschaltet ist. Manche \u00c4rzte geben Bet\u00e4ubungsmittel vor der Organentnahme, weil der K\u00f6rper sich verkrampft. Das macht mich schon sehr nachdenklich. Andererseits wei\u00df ich auch, dass viele Menschen auf ein Spenderorgan warten. Ich habe mit meiner Frau gesprochen, die das letztlich in der Situation entscheiden soll \u2013 ich kann nicht alles voraussehen. Organspende ist ein Akt der N\u00e4chstenliebe, aber ich finde auch, dass niemand unter Druck gesetzt werden sollte. Man selbst und die n\u00e4chsten Angeh\u00f6rigen m\u00fcssen genau wissen, worauf sie sich einlassen. Ethisch ist ja auch die Frage interessant, ob man ein Organ zwar annehmen w\u00fcrde, aber nicht bereit ist, selber eins zu spenden?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Shlomo Raskin (40), Kantor und Seelsorger<\/h3>\n\n\n\n<p>Alles, was Menschen retten kann, durch direkte Hilfe oder mit Hilfe der Forschung, ist nat\u00fcrlich positiv. Das gr\u00f6\u00dfte Gebot in der Tora ist, Leben zu retten. Wir haben nur dieses Leben hier, kein Leben in der Ewigkeit. Und der K\u00f6rper ist ein Pfand, der uns vom Ewigen geschenkt wurde. So wie eine Mutter einem Kind das Leben schenkt, es geh\u00f6rt ihr aber deshalb nicht. Wenn also einer ein Organ spenden will und der andere das annehmen m\u00f6chte, finde ich das super. Im Einzelfall sollte man sich aber immer mit dem Rabbi und dem Arzt beraten, denn es muss ja alles zusammenpassen und stimmen. Was nat\u00fcrlich nicht geht, ist, ein Gesch\u00e4ft mit Organen zu betreiben, wie es ja leider manchmal geschieht. Ich selbst spende einmal im Jahr Blut. Das ist ein sehr gutes Gef\u00fchl. Vielleicht lege ich mir dann auch einen Organspendeausweis zu.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gabriella Reff (52), Redaktionsassistentin<\/h3>\n\n\n\n<p>Allgemein kann ich das nicht sagen, das muss jeder selbst entscheiden. Ich pers\u00f6nlich habe mich gegen einen Organspendeausweis entschieden. Wenn Organe nach dem so genannten Hirntod entnommen werden, wird der Sterbeprozess unterbrochen. Man hat die Definition des Hirntodes ja eingef\u00fchrt, um \u00fcberhaupt Organe transplantieren zu d\u00fcrfen. Ich denke zwar auch, dass jemand nach unserem heutigen Wissensstand dann wirklich tot ist, auch wenn er sich vielleicht noch bewegt. Aber vielleicht finden sp\u00e4tere Generationen etwas anderes heraus. Wir wissen es nicht. Jedenfalls wird der Sterbeprozess unterbrochen, und das gef\u00e4llt mir nicht. Neulich habe ich eine Mutter kennengelernt, die es bereut hat, dass sie die Organe ihres Kindes zur Spende freigegeben hat. Jetzt noch, Jahre sp\u00e4ter. Wir wissen einfach nicht, wie das wirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 24. Mai 2012 Laut Umfragen sind 74 Prozent der Deutschen zur Organspende bereit. Aber nur 25 Prozent haben einen Organspendeausweis. 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