{"id":3630,"date":"2018-02-02T01:18:00","date_gmt":"2018-02-01T23:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3630"},"modified":"2020-12-12T01:21:41","modified_gmt":"2020-12-11T23:21:41","slug":"luminale-diesmal-auch-in-der-gustav-adolf-kirche-in-niederursel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3630","title":{"rendered":"Luminale diesmal auch in der Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 2. Februar 2018<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Gustav-Adolf-Kirche wird dieses Jahr zum ersten Mal bei der Luminale (18.-23. M\u00e4rz) dabei sein. Was geplant ist und welches Konzept dahinter steckt, erkl\u00e4rt Pfarrer Michael Stichling im Interview.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/blog_10_oes_stichling.width-900.jpg\" alt=\"Pfarrer Michael Stichling aus Niederursel. |  Foto: Rolf Oeser\"\/><figcaption>Pfarrer Michael Stichling aus Niederursel. | Foto: Rolf Oeser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Herr Stichling: Wie kam es zur Teilnahme der Gustav-Adolf-Kirche an der Luminale?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich sa\u00df mit dem Lichtk\u00fcnstler Ralf Tjabben bei einem Wein zusammen, im Blick die nach der Renovierung neu er\u00f6ffnete Kirche in Niederursel. Wir sprachen \u00fcber Aufbruch, Mut und Vertrauen, etwa den Mut des damaligen Kirchenvorstands in den 1920er Jahren, in das Fachwerk von Niederursel eine Betonkirche im Stil des progressiven Martin Els\u00e4sser hineinzubauen. Die alten Ordnungen waren damals nicht mehr tragf\u00e4hig, es gab aber noch keine neuen verbindenden Werte und Normen. Eine Stadt, ein Land, ein Kontinent war auf der Suche nach neuen tragf\u00e4higen Strukturen. In dieser Zeit wurde Aufbruch und Mut deutlich. Das dr\u00fcckte sich auch in den architektonischen Entw\u00fcrfen aus, besonders hier in Frankfurt mit dem Stil des \u201eNeuen Frankfurt\u201c. Der Neubau der Kirche markierte auch einen Aufbruch f\u00fcr das Dorf Niederursel, hinein in die Zugeh\u00f6rigkeit zur Stadt Frankfurt mit ihren st\u00e4dtebaulich modernen und urbanen Entwicklungen, an denen das Dorf teilhaben wollte. Damals brauchte es durchaus Mut und Vertrauen, so ein Vorhaben zu realisieren. In diesem Zusammenhang fiel Ralf Tjabben ein Wort von Hilde Domin ein: \u201eIch setzte den Fu\u00df in die Luft, und sie trug.\u201c So entstand die Idee zu einer Installation, bald kamen dann auch die Historikerin Nora Hilgert und J\u00f6rg Hartema aus unserem Kirchenvorstand zu dem Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie wird sich die Kirche zur Luminale verwandeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fcllen den achteckigen Kirchenraum mit Licht, Bildern, Kl\u00e4ngen und Worten. Hilde Domins Grabspruch \u201eWir setzten den Fu\u00df in die Luft und sie trug\u201c ist ein transzendentaler Spruch, der den Mittelpunkt des Luminale-Konzeptes bildet. Die zweite Person in der Installation ist der polnische Arzt, P\u00e4dagoge und Kinderbuchautor Janusz Korczak, der sein Leben in den Dienst von Waisenkindern im Warschauer Ghetto stellte. Er fand den Tod, als er 1942 die Kinder beim Abtransport in das SS-Vernichtungslanger Treblinka begleitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden herausragenden historischen Pers\u00f6nlichkeiten bilden einen Teil der Installation, die auf die W\u00e4nde des Kirchenbaus projiziert wird. Das wird verbunden mit Personen aus der Frankfurter Gegenwart, die aus ihrem lokalen Bezug zur Stadt heraus aufzeigen, wie sie Vertrauen leben. Auch Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde kommen mit ihren Gedanken zu Mut und Vertrauen zu Wort. Die Installation verbindet somit eine pers\u00f6nliche, sozusagen weltliche Ebene und eine religi\u00f6se Ebene. Das Lichtkonzept holt zu Beginn der Installation den Zelthimmel, auch im \u00fcbertragenen Sinne, in den Zuschauerraum. Es startet interaktiv. Musik leitet \u00fcber in die Vorstellung der Personen, die alle f\u00fcr sich mit einem eigenen Licht- und Klangkonzept charakterisiert werden. Im Zusammenspiel von Bild, Licht und Ton werden die Personen und ihr Wirken fassbar. Die Besucherinnen und Besucher werden Bekanntes neu sehen, erleben, denken und bekommen am Ende Impulse f\u00fcr den eigenen Alltag. Zur Vernissage am Sonntag und zur Finissage am Freitag sind Live-Performances geplant. K\u00fcnstlerische Verst\u00e4rkung bekommen wir vom Opern-Kammerchor, vom Orfeochor, dem Pianisten und Organisten Bernd-Hans G\u00f6rich, sowie einer Performance-K\u00fcnstlerin. In den Tagen dazwischen wird die Kirche t\u00e4glich von 20 Uhr bis 24 Uhr offen sein, dann ist die Installation automatisch, also ohne anwesende K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen, erlebbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum ist die Gustav-Adolf-Kirche etwas Besonderes?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war immer schon sehr ber\u00fchrt von dem Mut des damaligen Kirchenvorstandes der Jahre 1926 bis 1928, in das wundervolle Fachwerk von Alt-Niederursel eine innen so farbig anmutende, moderne Kirche zu bauen. Damals war Niederursel noch ein kleines Dorf, die moderne Nordweststadt der Architekten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann gab es ja noch nicht. Niederursel war umgeben von Feldern und Landstra\u00dfen. Der Entwurf von Martin Els\u00e4sser war mutig, aber passte sich wundervoll in das zur urbanen Verbindung mit der Gro\u00dfstadt Frankfurt am Main aufstrebende Dorf Niederursel, ein. Die Gemeinde bekam mitten zwischen den Fachwerkh\u00e4usern einen f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse sehr modernen Kirchenbau im Stil des \u201eNeuen Frankfurt\u201c. In dem oktogonalen System im Aufriss der Kirche steht die feiernde Gemeinde in der Mitte. Sie ist gemeinsam ausgerichtet zur religi\u00f6sen Achse des Altarraumes hin. Gemeinsamkeit und Gemeinschaft im kommunikativen Rund treten in Verbindung zur theologischen religi\u00f6sen Achse. Alle diese Argumente werden die damaligen Verantwortlichen wohl dazu gebracht haben, sich f\u00fcr diesen modernen Kirchenbau zu entscheiden. Die Kirche ist ein wahres \u201eKleinod des Bauhaus, des Neuen Frankfurt, wie es sonst nirgendwo zu sehen ist\u201c, wie der Frankfurter Denkmalsch\u00fctzer Stefan Timpe, einmal gesagt hat. Die oktagonale Form und das Dach vermitteln den Charakter eines Zeltes, das die \u201emitgehende\u201c Begleitung Gottes symbolisiert. Dazu die kr\u00e4ftigen Farben die f\u00fcr Zeit des \u201eNeuen Frankfurt\u201c charakteristisch sind. Diesen architektonischen Charakter haben wir mit der Restaurierung wieder herausgearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen seit der Renovierung mehr Menschen, die die Architektur interessiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja! Zu den Gottesdiensten am Sonntag kommen nun oft Menschen, die \u201eeinfach einmal gucken\u201c wollen. Am Tag des offenen Denkmals waren die F\u00fchrungen sehr gut besucht, und auch zu den anderen Veranstaltungen der Gemeinde kommen immer wieder \u201eNeue\u201c, die unsere Kirche anschauen und mit uns ins Gespr\u00e4ch kommen wollen. Auch Bildungsinteressierte aus unterschiedlichen Institutionen und Gruppen besuchen unsere Kirche. Die historische Gesellschaft der Deutschen Bank hat ihre Jahrestagung bei uns abgehalten. Auch Architektengruppen aus der ganzen Welt reisen an. Unsere Kirche ist eben unter den besonderen Kirchen dieser Zeit noch einmal eine ganz besondere Kirche. F\u00fcr uns als Gemeinde ist mit der Renovierung wirklich eine neue Zeit angebrochen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/frankfurt-lokal\/alles-wieder-wie-fr%C3%BCher\/\">Weiterlesen: Die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel sieht wieder aus wie 1927<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 2. Februar 2018 Die Gustav-Adolf-Kirche wird dieses Jahr zum ersten Mal bei der Luminale (18.-23. M\u00e4rz) dabei sein. 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