{"id":3605,"date":"2018-06-27T00:33:00","date_gmt":"2018-06-26T22:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3605"},"modified":"2020-12-12T00:36:19","modified_gmt":"2020-12-11T22:36:19","slug":"evangelische-kirche-arbeitet-misshandlung-von-heimkindern-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3605","title":{"rendered":"Evangelische Kirche arbeitet Misshandlung von Heimkindern auf"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 27. Juni 2018<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heimerziehung im Nachkriegdeutschland bedeutete oftmals Schl\u00e4ge, Isolierung, Falschmedikation und Dem\u00fctigung. Die evangelische Kirche hat Betroffenen zugeh\u00f6rt, Dokumente zusammengetragen und Fachleute befragt. Eine Wanderausstellung und ein Film fassen die Ergebnisse zusammen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/1806_hephata_29801392603_b413b0cb5b_o_ncXpMnn.width-900.jpg\" alt=\"Kinderheim der Diakonie in Hephata, Treysa: Aufnahme aus den 1960er Jahren. | Foto: Dietmar Wegewitz\/Flickr.com (cc by-sa)\"\/><figcaption>Kinderheim der Diakonie in Hephata, Treysa: Aufnahme aus den 1960er Jahren. | Foto: Dietmar Wegewitz\/Flickr.com (cc by-sa)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Situation in den Kinderheimen der 1950er und 1960er Jahren war vielerorts gepr\u00e4gt von Brutalit\u00e4t und Dem\u00fctigung, auch in den Heimen der evangelischen Kirche. \u201eEs gab Heime, die waren nicht schlimm und es gab Heime, die waren schlimm\u201c, so die Historikerin Anette Neff von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landeskirche hat vor sechs Jahren begonnen, die Geschichte der Heimkinder in der Nachkriegszeit aufzuarbeiten. Daraus sind jetzt eine Wanderausstellung und ein 80-min\u00fctiger Dokumentarfilm entstanden. Doch besteht auch weiterhin die M\u00f6glichkeit, sich als Betroffener oder Betroffene an die Kirche zu wenden. Film und Ausstellung sollen ermutigen, das Gespr\u00e4ch zu suchen. Denn dass Betroffene zu Wort kommen, ist der Schl\u00fcssel der Aufarbeitung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Gespr\u00e4ch und die Anerkennung waren wichtig\u201c, konstatiert Petra Kn\u00f6tzele, die Leiterin des Aufarbeitungsprojektes. Und genau so ist der Film \u201eKopf Herz Tisch\u00b3&#8220; von Filmemacherin Sonja Toepfer konzipiert. Interviews&nbsp; mit Betroffenen, mit ehemaligen Heimkindern,&nbsp; werden Aussagen von Verantwortlichen und Fachleuten gegen\u00fcbergestellt. Auf erkl\u00e4rende Kommentare verzichtet der Film ganz.&nbsp;Die Schilderungen der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen werden allenfalls mit eingeblendeten Originaltexten erg\u00e4nzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So entsteht ein facettenreiches Bild einer dunklen Zeit, in der Machtaus\u00fcbung gegen\u00fcber Kindern gang und g\u00e4be waren. Dem\u00fctigung, Schl\u00e4ge, Medikamente, Isolierung und all jene schrecklichen Dinge, die man eher in einem Folterzentrum vermutet als in einem Kinderheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Film dokumentiert auf erschreckende Weise, dass Handlungsmuster der Vorkriegszeit wie etwa die Einteilung in \u201egesund und krank\u201c oder \u201enormal und abweichend\u201c auch noch in den 1960er Jahren g\u00e4ngig waren. Diese Denkmuster reichten weit in der Geschichte zur\u00fcck, wurden dann aber im Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben. \u201eDie Nazis haben dann das T\u00f6ten hinzugef\u00fcgt\u201c, erl\u00e4utert Neff. Die Historikerin weist aber auch darauf hin, dass solche Unterscheidungen in Bezug auf den Wert des menschlichen Lebens im Grundsatz auch bis heute gemacht werden, zum Beispiel bei Abtreibungen wegen einer Behinderung des Kindes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Medizin hat in zahlreichen F\u00e4llen, die der Film dokumentiert, eine unr\u00fchmliche Rolle gespielt. Einer der Zeitzeugen, der Kinderarzt und Psychiater Hans von L\u00fcpke, bescheinigt der Medizin ein veraltetes Denkmodell. \u201eErst kommt die Organmedizin, dann das Psychische\u201c, kritisiert er. Dabei h\u00e4nge beides wechselseitig miteinander zusammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute setze sich die Kirche daf\u00fcr ein, dass \u00fcberall dort, wo Menschen in Abh\u00e4ngigkeit untergebracht sind, ob im Kinder- oder im Altenheim, eine respektvolle und menschliche Haltung eingenommen werde, sagt Petra Kn\u00f6tzele. Deshalb sollen die Ausstellung und der Film auch in der p\u00e4dagigischen und pflegerischen Aus- und Fortbildung eingesetzt werden. Der Film kann demn\u00e4chst auch als DVD gerkauft werden, der Erl\u00f6s soll dann ehemaligen Heimkindern zugute kommen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-kunst-impulse-filme wp-block-embed-kunst-impulse-filme\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"MhjiKKJ2g5\"><a href=\"https:\/\/sonjatoepfer.com\/filme\/kopfherztisch\">KOPF HERZ TISCH<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;KOPF HERZ TISCH&#8220; &#8212; KUNST IMPULSE FILME\" src=\"https:\/\/sonjatoepfer.com\/filme\/kopfherztisch\/embed#?secret=aHECdHYCCS#?secret=MhjiKKJ2g5\" data-secret=\"MhjiKKJ2g5\" width=\"495\" height=\"279\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 27. 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