{"id":3580,"date":"2018-12-05T01:02:00","date_gmt":"2018-12-04T23:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3580"},"modified":"2020-12-11T01:04:39","modified_gmt":"2020-12-10T23:04:39","slug":"rechtsextremismus-in-der-kita","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3580","title":{"rendered":"Rechtsextremismus in der Kita"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 5. Dezember 2018<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurt-Helmuth Eimuth, Publizist und Erziehungswissenschaftler, kommentiert die aktuelle Debatte \u00fcber eine Brosch\u00fcre der Amadeu-Antonio-Stiftung zum Umgang mit rechtsextremen Einfl\u00fcssen, die sich im Kita-Bereich bemerkbar machen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/eimuth.width-900.jpg\" alt=\"Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins.  |  Foto: Tamara Jung\"\/><figcaption>Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Brosch\u00fcre \u201eEne, mene, muh \u2013 und raus bist du. Ungleichwertigkeit und fr\u00fchkindliche P\u00e4dagogik\u201c der Amadeu-Antonio-Stiftung sorgt f\u00fcr Aufregung. Die Stiftung will mit der 60-seitigen Druckschrift f\u00fcr Kindertagesst\u00e4tten \u201esensibilisieren f\u00fcr einen kritischen Umgang mit Diskriminierung im fr\u00fchkindlichen Bildungsbereich\u201c. Anhand konkreter Fallbesprechungen werden Fachkr\u00e4fte und Erzieherinnen auf Strategien rechter Akteure aufmerksam gemacht und unterst\u00fctzt, eine Normalisierung rechtsextremer und menschenfeindlicher Einstellungen im fr\u00fchkindlichen Bildungsbereich entgegen zu wirken. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat ein Gru\u00dfwort beigesteuert und unterstreicht die Notwendigkeit: \u201eDie Kinder von heute werden morgen unsere demokratische Gesellschaft tragen. Deshalb ist es wichtig, die fr\u00fchkindliche Bildung demokratisch zu gestalten und an Kinderrechten zu orientieren\u201c. Dagegen kann man nichts sagen. Und sicher ist auch richtig, dass die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und der Anstieg rechtspopulistischer Bewegungen nicht vor der Kita-T\u00fcr Halt macht. \u201eKinder schnappen rassistische Bemerkungen oder antisemitische Einstellungen auf und geben sie weiter\u201c, so die Familienministerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie diese Empfehlungen im Einzelnen ausgestaltet sind, sorgt jetzt allerdings f\u00fcr gewaltigen Unmut. So enth\u00e4lt die Brosch\u00fcre angeblich konkrete Hinweise, wie Erzieher Kinder aus angeblich rechtslastigen Familien identifizieren k\u00f6nnen. Unter der \u00dcberschrift \u201eKinder aus v\u00f6lkischen Familien\u201c wird das Fallbeispiel eines Geschwisterpaars geschildert, das besonders zur\u00fcckhaltend ist und wenig von zu Hause oder vom Wochenende erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGleichzeitig gibt es keine sogenannten Disziplinprobleme, diese Kinder scheinen besonders \u201agut zu spuren\u2018. Au\u00dferdem sind traditionelle Geschlechterrollen in den Erziehungsstilen erkennbar: Das M\u00e4dchen tr\u00e4gt Kleider und Z\u00f6pfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark k\u00f6rperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen h\u00e4ufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-km-Lauf absolviert haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, man kann sicher dar\u00fcber diskutieren, ob in dem einen oder anderen Fall nicht zu sehr Stereotypen verwandt werden. Doch insgesamt sind die Ratschl\u00e4ge praxisnah, stellen das Kind in den Mittelpunkt und beziehen schnell die Eltern mit ein. Auch fordert man die Erzieherinnen auf, bei F\u00e4llen von Diskriminierung selbst Position zu beziehen. Von einer \u201estaatlichen Handlungsanweisung zur Elternspionage\u201c, so die CDU-Bundestagsfraktion, kann keine Rede sein. Vielmehr geht es den Autoren um eine Form der Erziehungspartnerschaft. Die Kinder d\u00fcrfen nicht zwischen zwei Erziehungsstilen hin und her gerissen werden. \u201eAufgabe demokratischer p\u00e4dagogischer Institutionen sollte es sein, Kinder zu st\u00e4rken und ihnen in diesem Fall einen alternativen Erfahrungsraum zu ihrem Elternhaus zu er\u00f6ffnen. Eine Ausgrenzung der betroffenen Kinder ist keine L\u00f6sung und ist keinesfalls anzustreben. Vielmehr sollte versucht werden, den Zugang zu den Kindern zu erhalten.\u201c Und man mag erg\u00e4nzen: Auch der Zugang zu den Eltern ist deshalb zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kontroverse um die Brosch\u00fcre zeigt nur eines: Die Vielf\u00e4ltigkeit der Lebensstile, aber auch die gesellschaftliche Polarisierung hat das Arbeiten in einer Kindertagesst\u00e4tte nicht einfacher gemacht. Und doch ist die Kita der Ort, in dem tagt\u00e4glich das Miteinander unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen vermittelt und einge\u00fcbt wird. Eine gro\u00dfartige Leistung des Personals und eine gute Basis f\u00fcr unsere Demokratie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 5. Dezember 2018 Kurt-Helmuth Eimuth, Publizist und Erziehungswissenschaftler, kommentiert die aktuelle Debatte \u00fcber eine Brosch\u00fcre der Amadeu-Antonio-Stiftung zum Umgang mit rechtsextremen Einfl\u00fcssen, die sich im Kita-Bereich bemerkbar machen. Die Brosch\u00fcre \u201eEne, mene, muh \u2013 und raus bist du. 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