{"id":3574,"date":"2019-01-10T00:52:00","date_gmt":"2019-01-09T22:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3574"},"modified":"2020-12-11T00:54:58","modified_gmt":"2020-12-10T22:54:58","slug":"wir-haben-einen-breiten-konsens-dem-rechtspopulismus-entgegenzutreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3574","title":{"rendered":"\u201eWir haben einen breiten Konsens, dem Rechtspopulismus entgegenzutreten&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 10. Januar 2019<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen L\u00e4ndern sind konservative christliche Gruppen einer der Pfeiler rechtspopulistischer Bewegungen. Wie sieht das in Hessen aus? Ganz anders, sagt Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, im Gespr\u00e4ch mit dem EFO-Magazin. Eine solche Stimmungslage sei hier \u201eabsolut nicht sp\u00fcrbar \u201c .<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/1901_Bongard_rahn.width-900.jpg\" alt=\"Volker Rahn ist Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. | Foto: EKHN\/Bongart\"\/><figcaption>Volker Rahn ist Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. | Foto: EKHN\/Bongart<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>EFO-Magazin: Herr Rahn, nimmt die Akzeptanz von rechtspopulistischen Gedankengut in christlichen Freikirchen, konservativen evangelischen Kreisen oder Gemeinden zu?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Volker Rahn:<\/strong> Die evangelische Kirche liegt ja nicht auf dem Mars und ist mit ihren Mitgliedern ein Spiegelbild der Gesellschaft. Insofern sind in Kirchengemeinden eben auch alle politischen Spielarten vertreten. Zu sp\u00fcren waren kritische Stimmen etwa zur Fl\u00fcchtlingshilfe der hessen-nassauischen Kirche eher 2016 auf dem H\u00f6hepunkt der Zuwanderung und im Vorfeld des Bundestagswahlkampfs 2017 mit seinen starken populistischen Tendenzen. Inzwischen ist es hier wieder sehr ruhig. Im Gegenteil: Es ist derzeit ein breiter Konsens zu sp\u00fcren, rechtspopulistischen Tendenzen oder fremdenfeindlichen \u00c4u\u00dferungen entschieden entgegenzutreten. Was die Freikirchen angeht, denen eine besondere, teilweise auch personelle N\u00e4he zu rechtspopulistischen Parteiungen nachgesagt wird: Da m\u00fcsste man die betreffenden Kirchen direkt fragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gingen aber auch schon F\u00e4lle von EKHN-Verantwortlichen mit einer N\u00e4he zur AfD durch die Presse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher: Es mag vereinzelt F\u00e4lle geben. Schlagzeilen machte zum Beispiel eine Kirchenvorsteherin, die unter gro\u00dfem \u00f6ffentlichem Get\u00f6se in die verantwortliche Position einer populistischen Partei wechselte. Das bleibt aber ein absoluter Ausnahmefall. Ein Kippen der Stimmungslage ist in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) absolut nicht sp\u00fcrbar, wie gesagt, ganz im Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben zum Beispiel in den Gemeinden und Dekanaten ein anhaltend starkes Interesse nach Hilfen im Umgang mit Rechtspopulismus vor Ort. Oft stehen Dekanate im Verbund mit anderen Gruppierungen an der Spitze von Bewegungen, die die Demokratie st\u00e4rken wollen und dagegen k\u00e4mpfen, dass D\u00f6rfer oder Regionen braun werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Unterst\u00fctzung bekommen sie dabei von der Landeskirche?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die EKHN hat eine eigene Stelle zur St\u00e4rkung der Demokratie im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung eingerichtet. Unser Experte Matthias Bl\u00f6ser ber\u00e4t Gemeinden, die besonders betroffen sind, zum Beispiel, weil sie unter parteipolitischen Schm\u00e4hungen leiden oder von rechten Kampagnen wegen ihres Eintretens f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit Hass \u00fcberzogen werden. Mitte Januar will die Kirchenleitung zudem eine brandneue Handreichung f\u00fcr Kirchengemeinden herausgeben, wie man vor Ort mit rechtspopulistischen Positionen umgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Kirche will aber auch Forum f\u00fcr den Dialog sein. Gelingt das? Oder haben diejenigen Recht, die sagen, dass Menschen mit einem eher traditionelleren Verst\u00e4ndnis von Gesellschaft inzwischen an den Rand der Volkskirche gedr\u00e4ngt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einer der Kernpunkte der neuen Handreichung ist genau diese Frage: Wie gelingt es, klar Position f\u00fcr eine offene, menschliche Gesellschaft zu beziehen, ohne andere Meinungen an den Rand zu dr\u00e4ngen oder Menschen auszugrenzen? Ein Schl\u00fcssel dazu ist eine doppelte Grundhaltung. Es geht darum, antidemokratische Positionen oder menschenverachtende \u00c4u\u00dferungen klar zu benennen und aufzudecken. Gleichzeitig ist es eine christliche Herausforderung, die betreffende Person trotz ihrer Aussagen zu achten. Und schlie\u00dflich ist es nicht so, dass in der liberalen EKHN alles geht. Unsere Grundordnung etwa beschreibt ganz klar die Leitplanken. Darin hei\u00dft es zum Beispiel, frei formuliert, dass die Kirche aus den niederschmetternden Erfahrungen des Nationalsozialismus heraus heute f\u00fcr eine offene Gesellschaft eintritt, die sich an Vielfalt, Verschiedenheit und Toleranz orientiert. Was das konkret hei\u00dft, dar\u00fcber ist zu diskutieren. Das ist eine Herausforderung f\u00fcr alle Seiten, der man sich stellen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 10. Januar 2019 In vielen L\u00e4ndern sind konservative christliche Gruppen einer der Pfeiler rechtspopulistischer Bewegungen. Wie sieht das in Hessen aus? Ganz anders, sagt Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, im Gespr\u00e4ch mit dem EFO-Magazin. 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