{"id":3568,"date":"2019-02-11T00:42:00","date_gmt":"2019-02-10T22:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3568"},"modified":"2020-12-11T00:44:46","modified_gmt":"2020-12-10T22:44:46","slug":"zwischen-glauben-und-gymnastik-wie-viel-religion-steckt-im-yoga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3568","title":{"rendered":"Zwischen Glauben und Gymnastik: Wie viel Religion steckt im Yoga?"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 11. Februar 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Yoga geh\u00f6rt zum Programm jeder Volkshochschule und wird inzwischen sogar auch von Kirchengemeinden angeboten. Der Markt boomt also. Dabei ist Yoga nicht einfach nur Gymnastik. Urspr\u00fcnglich ist es eine religi\u00f6se Praxis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/06_COLOURBOX1011323_klein.width-900.jpg\" alt=\"Yoga hilft gegen Schmerzen und zur Vorbeugung. Wie viel Spiritualit\u00e4t man damit verbindet, ist Glaubenssache. | Foto: Colourbox\"\/><figcaption>Yoga hilft gegen Schmerzen und zur Vorbeugung. Wie viel Spiritualit\u00e4t man damit verbindet, ist Glaubenssache. | Foto: Colourbox<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Werbung verspricht viel: \u201eFinden Sie Harmonie und Ausgeglichenheit! K\u00f6rperliche und emotionale Anspannungen l\u00f6sen sich, der Geist kann zur Ruhe kommen!\u201c So oder so \u00e4hnlich werben viele Veranstalter, darunter auch christliche, f\u00fcr ihre Yoga-Angebote. Mal sind es ein paar Tage im Erholungsheim, mal der w\u00f6chentliche Kurs im Gemeindehaus, die \u201eVertrauen, Ruhe und Zuversicht\u201c in Aussicht stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland praktizieren mehrere Millionen Menschen regelm\u00e4\u00dfig Yoga. Am beliebtesten sind die \u00dcbungen bei Frauen mit h\u00f6herer Bildung. Yogakurse werden unter bestimmten Voraussetzungen sogar von den Krankenkassen bezahlt. Doch es geht beim Yoga nicht nur um Entspannung und Fitness. Seine Urspr\u00fcnge liegen im Hinduismus und Buddhismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der indische Begriff \u201eYoga\u201c (Sanskrit: yuj) und das deutsche Wort \u201eJoch\u201c (Lateinisch: iugum) sind sprachlich verwandt. \u201eDas Bild des Anschirrens von Zugtieren vermittelt anschaulich Aspekte des Yoga: Kr\u00e4fte werden vereinigt, geb\u00fcndelt und zugleich beherrscht\u201c, schreibt die Evangelische Zentralstelle f\u00fcr Weltanschauungsfragen. Es geht darum, die F\u00e4higkeiten des Menschen zu f\u00f6rdern, wobei eine Reihe verschiedener Methoden und Techniken helfen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Yoga wird bereits in jahrtausendealten philosophisch-religi\u00f6sen Texten Indiens, den Upanishaden und der Bhagavad Gita, erw\u00e4hnt. Die Grundlage der meisten Yoga-Systeme findet sich jedoch in den Yoga-Sutren des Gelehrten Pata\u00f1jali. Diese 195 aphoristischen Merkverse begr\u00fcnden den hierzulande besonders beliebten achtgliedrigen Yogaweg zur Beherrschung der inneren Welt. Dies bedeutet, dass man einen Zustand erreichen kann, in dem die seelisch-geistigen Vorg\u00e4nge zur Ruhe kommen. Die acht \u201eStufen\u201c werden dabei nicht nacheinander abgearbeitet, sondern etwa als \u201eBl\u00fctenbl\u00e4tter\u201c einer sich entfaltenden Knospe betrachtet \u2013 daher auch das oft verwendete Bild der Lotusbl\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stufen beginnen bei der \u00e4u\u00dferen Disziplin, dann kommen die innere Disziplin, die K\u00f6rperhaltung, die Atemlenkung, das Ausschalten der \u00e4u\u00dferen Wahrnehmung, die Konzentration auf einen Punkt, die Meditation als vertiefte Konzentration und schlie\u00dflich das Einswerden des menschlichen mit dem g\u00f6ttlichen Bewusstsein. Neben diesem klassischen Yogaweg haben sich sp\u00e4ter weitere herausgebildet, und es kommt auch zu zahlreichen Mischformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach klassischer Lehre ben\u00f6tigt man f\u00fcr diesen spirituellen Weg einen Wissenden, einen Meister, einen Guru. \u00c4hnlich wie in der Psychotherapie ist dieses Verh\u00e4ltnis zwischen Sch\u00fcler und Meister ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis. Es gibt einen Initiationsritus, bei dem der Sch\u00fcler vom Guru ein individuelles \u201eMantra\u201c zur Meditation bekommt, es ist oftmals der Name einer hinduistischen Gottheit. Unter den Yogalehrenden findet schon seit l\u00e4ngerem eine Diskussion zum Verh\u00e4ltnis von Yoga und Guru statt. Die Frage ist: Kann Yoga auch ohne das Guru-J\u00fcnger-Verh\u00e4ltnis in s\u00e4kularisierter Form authentisch vermittelt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Weltanschaulich betrachtet passen Yoga und Christentum nicht gut zusammen. So muss im Hinduismus und Buddhismus der Mensch daran arbeiten, den Kreislauf von Geburt und Tod zu durchbrechen, um selbst g\u00f6ttlich zu werden. Im Christentum hingegen sind die Menschen von Gott ohne jede Vorbedingung angenommen. Das Heil ist nach christlicher \u00dcberzeugung eine Sache des Glaubens, man muss daf\u00fcr keine spirituelle Technik erlernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen, die hierzulande Yoga machen, tun das allerdings auch nicht, um die Einheit mit dem G\u00f6ttlichen zu finden, sondern um ihre R\u00fcckenschmerzen loszuwerden. Sie wollen fit bleiben, aber nicht die Religion wechseln. Der Yoga-Markt folgt diesem Bedarf und h\u00e4lt vielf\u00e4ltige Yoga-light-Angebote vor, bei denen die spirituellen Aspekte gar nicht oder kaum erkennbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Es entstehen eigene spirituelle Profile, die Yoga mit einem mehr oder weniger kommerzialisiertem Esoterikmarkt verbinden. \u201eYoga\u201c ist zum Sammelbegriff f\u00fcr alle m\u00f6glichen patchworkreligi\u00f6sen Inhalte geworden. Es gibt Kundalini-Yoga, Kriya-Yoga, Sahaja-Yoga, Tanz-Yoga oder Lach-Yoga. Auf den ersten Blick l\u00e4sst sich kaum entscheiden, was dahintersteckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dogmatischen und religi\u00f6sen Hintergr\u00fcnde des Yoga sind bei diesen Angeboten in aller Regel nicht oder kaum erkennbar. In der westlichen Praxis geht es einfach um Gesundheits\u00fcbungen und Entspannung, weshalb es auch f\u00fcr viele Christinnen und Christen kein Problem ist, Yoga zu praktizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in den Light-Varianten versteht sich Yoga jedoch als ganzheitliche Praxis und sieht K\u00f6rper und Seele als Einheit. Dagegen ist auch aus christlicher Perspektive nichts einzuwenden. Und die gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung der \u00dcbungen, auch als Prophylaxe, ist unstrittig. Wenn Yoga lediglich als K\u00f6rper\u00fcbung zur Steigerung des Wohlbefindens praktiziert wird, ist damit sicher keine Grenz\u00fcberschreitung zum Hinduismus oder zum Buddhismus verbunden. Genau genommen ist es dann aber auch kein Yoga mehr, sondern eher eine Art \u201eGesundheits\u00fcbungen im Stil des Yoga\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche versuchen, diese \u00dcbungen auch mit christlichem Inhalt aufzuladen. Aber Yoga ist mehr als ein blo\u00dfes Beh\u00e4ltnis, das mit jedem x-beliebigen Inhalt gef\u00fcllt werden kann. Es hat zum Beispiel auch in den \u00dcbungen den Anspruch, auf Energiezentren zu wirken. Diese Energiezentren, Chakren genannt, sind wissenschaftlich nicht zu belegen \u2013 sondern schlicht Glaubenssache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 11. Februar 2019 Yoga geh\u00f6rt zum Programm jeder Volkshochschule und wird inzwischen sogar auch von Kirchengemeinden angeboten. Der Markt boomt also. Dabei ist Yoga nicht einfach nur Gymnastik. Urspr\u00fcnglich ist es eine religi\u00f6se Praxis. 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