{"id":3552,"date":"2019-04-16T09:38:00","date_gmt":"2019-04-16T07:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3552"},"modified":"2020-12-10T09:39:45","modified_gmt":"2020-12-10T07:39:45","slug":"pflegekrise-das-eine-patentrezept-zu-ihrer-loesung-gibt-es-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3552","title":{"rendered":"Pflegekrise: Das eine Patentrezept zu ihrer L\u00f6sung gibt es nicht"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 16. April 2019<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon einer Gesellschaft in Sorge zu einer sorgenden Gemeinschaft\u201c war der Titel eines Studientags zum Thema Pflege in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Dabei wollte man vor allem Perspektiven f\u00fcr die Pflege aufzeigen, sagte Martin Niederauer von der Diakonie Hessen. Der derzeitige Diskurs, der sich vor allem auf Personal und Geld konzentriere, zeige die qualitativen und ethischen Folgen der Krise in der Pflege auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/1904_khe_pflegetag.width-900.jpg\" alt=\"Die stellvertretende Kirchenpr\u00e4sidentin Ulrike Scherf (links) beim &quot;Pflegetag&quot; in der Evangelischen Akademie neben der Fernsehjournalistin Constanze Angermann, die die Diakonie als Pflegebotschafterin unterst\u00fctzt. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth\"\/><figcaption>Die stellvertretende Kirchenpr\u00e4sidentin Ulrike Scherf (links) beim &#8222;Pflegetag&#8220; in der Evangelischen Akademie neben der Fernsehjournalistin Constanze Angermann, die die Diakonie als Pflegebotschafterin unterst\u00fctzt. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eVon einer Gesellschaft in Sorge zu einer sorgenden Gemeinschaft\u201c war der Titel eines Studientags zum Thema Pflege in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Dabei wollte man vor allem Perspektiven f\u00fcr die Pflege aufzeigen, sagte Martin Niederauer von der Diakonie Hessen. Der derzeitige Diskurs, der sich vor allem auf Personal und Geld konzentriere, zeige die qualitativen und ethischen Folgen der Krise in der Pflege auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Gudrun Born pflegte ihren Mann 17 Jahre lang. \u201eDie Situation ist pl\u00f6tzlich da, man \u00fcbernimmt die Pflege ohne zu wissen, was auf einen zukommt.\u201c Pflegende Angeh\u00f6rige h\u00e4tten keine Zeit zur Trauer, denn sie m\u00fcssen funktionieren und der Erkrankte soll ja schlie\u00dflich ermuntert werden. \u201eSie d\u00fcrfen als Angeh\u00f6riger nicht weinen\u201c, berichtet Born. Die Pflegenden w\u00fcrden \u201egnadenlos ausgenutzt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die stellvertretende Kirchenpr\u00e4sidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Ulrike Scherf betonte, dass die Gewinnung von Fachkr\u00e4ften das Problem nicht l\u00f6sen w\u00fcrde. Die Sorge-Arbeit h\u00e4tte eine eher geringe Anerkennung. Doch leisteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Kirche und Diakonie sowie pflegende Angeh\u00f6rige hier Gro\u00dfartiges. Scherf pl\u00e4dierte f\u00fcr eine Ethik der Achtsamkeit. Dabei gelte es auch achtsam gegen\u00fcber sich selbst zu sein. Das biblische Gebot der N\u00e4chstenliebe beinhalte auch diese beiden Aspekte: achtsam gegen\u00fcber dem N\u00e4chsten und gegen\u00fcber sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch um Perspektiven entwickeln zu k\u00f6nnen, muss es eine Bestandsaufnahme geben. F\u00fcr Jens-Peter Kruse, Vorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Altenarbeit in der Evangelischen Kirche Deutschlands, steht fest: \u201eEin Weiter-So wird nicht m\u00f6glich sein.\u201c In Zukunft werde jeder und jede vom Thema Pflege ber\u00fchrt werden, denn es wachse nicht nur der Anteil der Pflegebed\u00fcrftigen aufgrund der demographischen Entwicklung. Gleichzeitig steige die Zahl der Berufst\u00e4tigen. 76 Prozent w\u00fcrden in der Familie versorgt, davon f\u00fcnfzig Prozent ohne professionelle Unterst\u00fctzung durch einen Pflegedienst. \u201eDamit ist die Familie der gr\u00f6\u00dfte Pflegedienst in Deutschland\u201c, so die Soziologin Tine Haubner von der Universit\u00e4t Jena.<\/p>\n\n\n\n<p>Kruse pl\u00e4dierte f\u00fcr eine St\u00e4rkung lokaler Strukturen und nachbarschaftlichen Engagements, weil einheitliche, zentrale L\u00f6sungen den jeweiligen Verh\u00e4ltnissen vor Ort nicht gerecht w\u00fcrden. \u201eSoziale Netzwerke in den Kommunen sind gefragt.\u201c Diese Hilfesysteme m\u00fcssten gut auf einander abgestimmt sein. \u201eWir brauchen einen Wohlfahrtsmix\u201c, forderte Kruse. Allerdings sah auch Kruse, dass weder Staat noch Politik Mitmenschlichkeit verordnen k\u00f6nnen. Der Staat lebe von der moralischen Instanz der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung der Pflege seit Einf\u00fchrung der Pflegeversicherung 1995 beleuchtete Tine Haubner wesentlich kritischer. Schon in ihrer Konzeption reflektiere sie auf den Beitrag pflegender Angeh\u00f6riger, hier vor allem der Partner und T\u00f6chter. Solche familienbasierte Systeme m\u00fcssten als r\u00fcckst\u00e4ndig bezeichnet werden. Sie basierten auf einer prek\u00e4r bezahlten Sorge-Arbeit, so die Soziologin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation der pflegenden Angeh\u00f6rigen ist gekennzeichnet von \u00dcberlastung und gleichzeitig finanziellen Einbu\u00dfen. Jede zweite Pflegeperson ist zwischen 40 und 64 Jahren und 68 Prozent versuchen Beruf und Pflege zu vereinbaren. Die Mehrheit ist bis zu 40 Stunden in der Woche in die Pflege eingebunden. Die durchschnittliche Pflegedauer betr\u00e4gt zwischen f\u00fcnf und acht Jahren. Die Folge sind oftmals Depression, Beziehungsprobleme aber auch k\u00f6rperliche Auswirkungen wie Bluthochdruck oder die Schw\u00e4chung des Immunsystems sind nachgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Patentrezept aus der Pflegekrise wurde auch bei diesem Studientag nicht gefunden. Es zeichnete sich nur klar ab, so Stefan Heuser in seinem Tagungsres\u00fcmee, dass \u201eNachbarschaft keine Alternative zur professionellen Hilfe ist.\u201c Sie ist allenfalls eine Erg\u00e4nzung. Angeh\u00f6rige pl\u00e4dierten vor allem f\u00fcr eine Vereinfachung der B\u00fcrokratie und der Zust\u00e4ndigkeiten. Durch gr\u00f6\u00dfere Transparenz der F\u00f6rderungen k\u00f6nnten auch mehr Menschen diese in Anspruch nehmen. Aber das kostet Geld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 16. April 2019 \u201eVon einer Gesellschaft in Sorge zu einer sorgenden Gemeinschaft\u201c war der Titel eines Studientags zum Thema Pflege in der Evangelischen Akademie Frankfurt. 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