{"id":3541,"date":"2019-07-30T09:16:00","date_gmt":"2019-07-30T07:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3541"},"modified":"2020-12-10T09:18:22","modified_gmt":"2020-12-10T07:18:22","slug":"notfallseelsorge-damit-sich-auch-jemand-um-die-angehoerigen-kuemmert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3541","title":{"rendered":"Notfallseelsorge: Damit sich auch jemand um die Angeh\u00f6rigen k\u00fcmmert"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 31. Juli 2019<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei grausamen Ereignissen wie diese Woche am Frankfurter Hauptbahnhof, als ein achtj\u00e4hriger Junge und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gesto\u00dfen wurden und das Kind starb, wird auch die Notfallseelsorge gerufen. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen den Angeh\u00f6rigen und Betroffenen zur Seite. 278 Mal war die Frankfurter Notfallseelsorge im Jahr 2018 im Einsatz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/Trauerandacht08_blog.width-900.jpg\" alt=\"Blumen an Gleis 7 erinnern an den get\u00f6teten Jungen. Die Notfallseelsorge war auch diesmal im Einsatz, um den Menschen beizustehen, die die Tat miterlebt hatten. | Foto: Rolf Oeser\"\/><figcaption>Blumen an Gleis 7 erinnern an den get\u00f6teten Jungen. Die Notfallseelsorge war auch diesmal im Einsatz, um den Menschen beizustehen, die die Tat miterlebt hatten. | Foto: Rolf Oeser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Polizei und Not\u00e4rzte k\u00fcmmern sich in Notf\u00e4llen um die direkt Betroffenen, aber auch andere brauchen Hilfe. Am 29. Juli, als im Frankfurter Hauptbahnhof ein achtj\u00e4hriger Junge starb, erlitten auch viele Umstehende einen Schock oder brauchten Unterst\u00fctzung und ein offenes Ohr: Die Reisenden auf dem Gleis, aber auch diejenigen, die in dem Zug sa\u00dfen. Die Haupt- und Ehrenamtlichen der Frankfurter Notfallseelsorge k\u00fcmmerten sich in den R\u00e4umen der Bahnhofsmission um alle, die Beistand brauchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es in Frankfurt eine Notfallseelsorge gibt, daf\u00fcr war ein anderes grausames Ereignis der Ausl\u00f6ser: An Weihnachten 1996 wurde in der Kirche in Sindlingen ein Handgranatenanschlag ver\u00fcbt, bei dem drei Menschen starben und zahlreiche Gottesdienstbesucherinnen und -besucher verletzt wurden. Polizei und Not\u00e4rzte kamen, aber niemand war da, um die Zur\u00fcckgebliebenen, die Angeh\u00f6rigen, die nicht verletzten Menschen zu betreuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Schl\u00fcsselereignis f\u00fchrte in der Folge zur Gr\u00fcndung der Notfallseelsorge vor zwanzig Jahren. In Kooperation mit den Einsatzkr\u00e4ften vor Ort k\u00fcmmert sie sich um die Angeh\u00f6rigen eines Unfalles, eines pl\u00f6tzlichen Todesfalles oder auch eines Suizids. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger \u00fcberbringen auch Todesnachrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerufen werden die heute 38 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter \u00fcber die Feuerwehrleitstelle. \u201eVon Anfang an war Bedingung, dass wir an 365 Tagen im Jahr immer zwei Personen in Bereitschaft haben\u201c, sagt Irene Derwein. Die Pfarrerin ist von Anfang an dabei, zuerst als Ehrenamtliche, dann zehn Jahre lang als Leiterin der Notfallseelsorge. Heute ist sie die zust\u00e4ndige Arbeitsbereichsleiterin im Diakonischen Werk f\u00fcr Frankfurt und Offenbach.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Ehrenamtlichen sind Pfarrerinnen und Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, aber auch Journalistinnen und Bankangestellte. Sie alle haben Erfahrung mit Menschen in Krisensituationen und eine 14-t\u00e4gige Zusatzqualifikation absolviert. Zun\u00e4chst ist ihre Aufgabe eine reine Krisenintervention, das hei\u00dft: bei den Menschen sein, mit ihnen sprechen, Hilfe durch Angeh\u00f6rige organisieren, wenn die Rettungskr\u00e4fte abgezogen sind. Falls gew\u00fcnscht, wird ein Gebet gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte der Leichnam noch im Haus sein, kann eine Aussegnung mit Kerzen und Gebet gemacht werden. Es geht um eine w\u00fcrdige Verabschiedung. Alle Ehrenamtlichen, ob Theologen oder Laien, sind darin geschult. Dies sei eine Besonderheit der Ausbildung, sagt Irene Derwein. Sie bedauert allerdings, dass es nicht gelungen ist, von Anfang an die katholische Kirche mit ins Boot zu bekommen. Unter den Ehrenamtlichen sind aber katholische Christinnen und Christen und auch Priester. Bei Bedarf vermittelt die Notfallseelsorge auch an muslimische Seelsorgerinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hat die Notfallseelsorge eine hohe Akzeptanz. Im Jahr 2018 wurde sie 278 Mal gerufen und hat \u00fcber 700 Menschen begleitet. Die Akzeptanz bei den Rettungskr\u00e4ften kommt nicht von ungef\u00e4hr. So unterrichtet der neue Leiter der Notfallseelsorge, Conny von Schumann, die Feuerwehr in Krisenintervention und Stressbew\u00e4ltigung. Auch die Feuerwehrkr\u00e4fte m\u00fcssen mit den belastenden Ereignissen umgehen. Auch f\u00fcr sie ist die Notfallseelsorge Ansprechpartnerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger auch bei einigen Gro\u00dfveranstaltungen oder bei Bombenevakuierungen direkt vor Ort. \u201eDa gibt es immer was zu tun, und zahlreiche \u00e4ltere Leute erinnern sich noch an die Bombenn\u00e4chte von Frankfurt\u201c, berichtet von Schumann von der letzten Entsch\u00e4rfung im Ostend. \u201eDa braucht es einfach Zuh\u00f6rer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg zur Notfallseelsorge geht immer \u00fcber die Rettungs- und Einsatzkr\u00e4fte, Privatleute k\u00f6nnen sich im Fall von Krisen oder Hilfsbedarf an die Telefonseelsorge wenden, die rund um die Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800\/111 0 111 erreichbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 31. 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