{"id":3533,"date":"2019-09-10T08:54:00","date_gmt":"2019-09-10T06:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3533"},"modified":"2020-12-10T08:59:15","modified_gmt":"2020-12-10T06:59:15","slug":"von-empathie-durchdrungenes-kritisches-islambuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3533","title":{"rendered":"Von Empathie durchdrungenes, kritisches Islambuch"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 10. September 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Monika und Udo Tworuschka ist mit ihrem Buch \u201eDer Islam \u2013 Feind oder Freund?\u201c ein Werk zur Versachlichung und Relativierung der Debatte gelungen. Ein gut lesbares Buch, das die Argumente an vielen Stellen versachlicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/1909_Tworuschka-Islam-Mokcuh.width-900.jpg\" alt=\"Monika und Udo Tworuschka: Der Islam \u2013 Feind oder Freund? - 38 Thesen gegen eine Hysterie, Kreuz-Verlag, 142 Seiten, 15 Euro.\"\/><figcaption>Monika und Udo Tworuschka: Der Islam \u2013 Feind oder Freund? &#8211; 38 Thesen gegen eine Hysterie, Kreuz-Verlag, 142 Seiten, 15 Euro.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eNoch ein Buch \u00fcber den Islam\u201c war mein erster Impuls. Doch Autorin und Autor, seit Jahrzehnten bekannt f\u00fcr ihre religionswissenschaftlichen Arbeiten, machen neugierig. Keine Frage, die beiden haben einen Standpunkt. Gleich im ersten Satz verdeutlichen sie, dass sie kein islamkritisches Buch vorlegen, sondern ein kritisches Islambuch. Was keineswegs dasselbe ist. Sie wollen nicht \u201edie Fratze\u201c des Islam betrachten, sondern mit Empathie einer Religion begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst gehen sie auf die gegenw\u00e4rtige Wahrnehmung des Islam ein. An vielen Beispielen zeigen die Tworuschkas auf, dass die Diskussion Z\u00fcge einer Verschw\u00f6rungstheorie hat. So geh\u00f6ren in Deutschland nur knapp sechs Prozent der Bev\u00f6lkerung dem Islam an. Von einer \u00dcbernahme der Gesellschaft ist man also schon zahlenm\u00e4\u00dfig bei immer noch 48 Millionen Christinnen und Christen weit entfernt. Auch die Geburtenzahl bei Muslimen befindet sich im Sinkflug. Hatten aus der T\u00fcrkei nach Deutschland migrierte Familien 1970 noch 4,4 Kinder im Durchschnitt, sind es bei Angeh\u00f6rigen der zweiten und dritten Generation noch 1,56 Kinder. \u201eMigranten passen sich erfahrungsgem\u00e4\u00df in vielen Lebensbereichen an ihr Umfeld an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch l\u00e4sst sich nicht belegen, dass der Islam per se gewaltbereit sei. Selbst der Teil des Islam, der unter dem Begriff Islamismus zusammengefasst wird, muss unterteilt werden in die Str\u00f6mungen der Salafisten, Islamisten und Djihadisten. Doch gleich welche Begr\u00fcndungen sich gewaltbereite Muslime zusammenbasteln, welche Verse sie aus dem Koran herauspicken, es kann nicht gesagt werden, \u201edass der Koran zur Gewalt aufrufe und die Lizenz zum T\u00f6ten\u201c liefere. Das Autorenehepaar erinnert im Gegenteil an zahlreiche Gewaltvorstellungen in der Bibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Bezug auf die Stellung der Frauen im Islam war dessen Religionsstifter fortschrittlicher als viele meinen. So habe Mohammed verglichen mit dem vorislamischen Arabertum richtungsweisende Besserstellungen f\u00fcr Frauen eingef\u00fchrt. Zum Beispiel wurde das \u00fcbliche Aussetzen weiblicher Neugeborener untersagt. Der Koran fordert an keiner Stelle, dass sich Frauen verschleiern m\u00fcssten. Allerdings h\u00e4tten sich die vom Koran bek\u00e4mpften Gesellschaftsstrukturen im Laufe der Jahrhunderte wieder verfestigt. So gehe es bei der Genitalverst\u00fcmmelung eher um kulturelle Faktoren und um eine patriarchale Familienstruktur als um eine religi\u00f6se Lehre. \u201eDer Koran erw\u00e4hnt keine weibliche Genitalverst\u00fcmmelung, geschweige denn, dass er sie guthei\u00dft.\u201c Auch sexuelle Gewalt gegen\u00fcber Frauen rechtfertigen die islamischen Quellen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Empathie verschlie\u00dft das Buch aber nicht die Augen vor problematischen Tendenzen: \u201eBlau\u00e4ugig w\u00e4re es dagegen, Scharia-Auslegungen nicht zu beachten, die einen gewaltsamen Djihad gegen \u201aUngl\u00e4ubige\u2018 legitimieren, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung in Frage stellen, antij\u00fcdische Einstellungen und Handlungen rechtfertigen.\u201c Ferner sei die Sozialisation muslimischer Kinder offenbar st\u00e4rker an Macht und Gehorsam ausgerichtet und tue sich schwer mit Freiheit, Pluralismus und Ambiguit\u00e4tstoleranz. Dies ergebe sich aus erfahrener Ablehnung. Der Einzelnen fliehe dann nach Erich Fromm ins Autorit\u00e4re, Destruktive und Konformistische.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tworuschkas pl\u00e4dieren also f\u00fcr ein offenes, von Empathie gepr\u00e4gtes Miteinander. Wie dies aussehen kann, fassen sie am Beispiel in drei S\u00e4tzen zusammen: \u201eWir w\u00fcnschen uns, dass muslimische Frauen die islamische Kleiderordnung nur aus freien St\u00fccken befolgen. Die Realit\u00e4t sieht sicher oft anders aus. Aber Freiheit bedeutet, eine islamische Frau darin zu best\u00e4rken, ihrer Tradition folgen zu d\u00fcrfen \u2013 sie aber auch darin zu unterst\u00fctzen, wenn sie sich dagegen wehren will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gut lesbares Buch \u00fcber den Islam und \u00fcber die deutsche Diskussion. Es versachlicht an vielen Stellen die Argumente, reiht sie religionswissenschaftlich und politisch ein und ist somit im besten Sinne tats\u00e4chlich ein von Empathie durchdrungenes kritisches Islambuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 10. September 2019 Monika und Udo Tworuschka ist mit ihrem Buch \u201eDer Islam \u2013 Feind oder Freund?\u201c ein Werk zur Versachlichung und Relativierung der Debatte gelungen. 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