{"id":3523,"date":"2019-11-01T08:41:00","date_gmt":"2019-11-01T06:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3523"},"modified":"2020-12-10T08:43:36","modified_gmt":"2020-12-10T06:43:36","slug":"dreissig-jahre-martin-buber-stiftungsprofessur-aktuell-wie-eh-und-je","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3523","title":{"rendered":"Drei\u00dfig Jahre Martin-Buber-Stiftungsprofessur: Aktuell wie eh und je"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 1. November 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der j\u00fcdische Theologe und Philosoph Martin Buber lehrte von 1924 bis 1933 an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t. 1989 wurde dort eine nach ihm benannte Professur f\u00fcr J\u00fcdische Religionsphilosophie ins Leben gerufen, gestiftet von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie wird von wechselnden Gelehrten ausgef\u00fcllt und soll Studierenden und der interessierten \u00d6ffentlichkeit Zug\u00e4nge zu Geschichte und Gegenwart des Judentums er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/1911_Buber.width-900.jpg\" alt=\"Martin Buber im Jahr 1963. | Foto: Joop van Bilsen \/ Anefo - wikimedia.org (cc)\"\/><figcaption>Martin Buber im Jahr 1963. | Foto: Joop van Bilsen \/ Anefo &#8211; wikimedia.org (cc)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWenn sie nicht schon da w\u00e4re, m\u00fcsste man sie erfinden\u201c sagte die gastgebende Dekanin des Fachbereichs Evangelische Theologie der Goethe-Universit\u00e4t, Catherina Wenzel, bei der akademischen Feier zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Martin-Buber-Stiftungsprofessur. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland sei ihre Errichtung 1989 geradezu \u201eprophetisch\u201c gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Frankfurter B\u00fcrgermeister Uwe Becker erinnerte an den antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge und ein D\u00f6nerrestaurant in Halle und an die Wahlerfolge der AfD zuletzt in Th\u00fcringen. \u201eWir stehen vor gesellschaftlichen Weichenstellungen\u201c, sagte Becker, der auch Beauftragter der Hessischen Landesregierung f\u00fcr J\u00fcdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin Buber (1878\u20131965) war ein \u201edialogischer Denker, Theologe und Erzieher\u201c, so die Urkunde zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1953. Von 1916 bis 1938 lebte er in Heppenheim an der Bergstra\u00dfe, ab 1924 war er Professor in Frankfurt, trat aber direkt nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten in Deutschland aus Protest zur\u00fcck. 1938 fl\u00fcchtete er aus Deutschland und \u00fcbersiedelte nach Israel, wo er den Rest seines Lebens verbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die Frankfurter Periode seines Denkens und Schreibens fallen wesentliche Teile seines Werks, darunter die dialogische Philosophie des \u201eIch und Du\u201c, seine politischen \u00dcberlegungen zum Zionismus und zu Pal\u00e4stina, Forschungen zur Hebr\u00e4ischen Bibel im Kontext der gemeinsam mit Franz Rosenzweig begonnenen \u201eVerdeutschung\u201c der Schrift, sowie \u00dcberlegungen zur Gestaltung j\u00fcdischer Bildung. Buber lehrte au\u00dferdem ab 1919 am Freien J\u00fcdischen Lehrhaus in Frankfurt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1989 stiftete die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau die Martin-Buber-Professur f\u00fcr J\u00fcdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universit\u00e4t, 2005 \u00fcbernahm das Land Hessen die Finanzierung. Professor Doron Kiesel vom Zentralrat der Juden in Deutschland betonte bei der Jubil\u00e4umsfeier die Bedeutung der Begegnung mit dem Judentum. In Gespr\u00e4chen mit Pfarrerinnen und Pfarrern habe er zuweilen den Eindruck gewonnen, dass man offensichtlich christliche Theologie studieren k\u00f6nne \u201eohne etwas mit dem Judentum anfangen zu k\u00f6nnen\u201c. Das Thema sei wohl kein integraler Bestandteil des Theologiestudiums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Festvortrag hob der derzeitige Inhaber der Professur Christian Wiese das dialogische Prinzip Bubers hervor. Dies habe er auch auf den interreligi\u00f6sen Dialog angewandt und etwa 1953 geschrieben: \u201eEin echtes Gespr\u00e4ch ist eins, in dem jeder der Partner den anderen, auch wo er in einem Gegensatz zu ihm steht, als diesen wahrnimmt, bejaht und best\u00e4tigt; nur so kann der Gegensatz zwar gewiss nicht aus der Welt geschafft, aber menschlich ausgetragen und der \u00dcberwindung zugef\u00fchrt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inhaberinnen und Inhaber der Martin-Buber-Professur waren bisher Moshe Goshen-Gottstein (Jerusalem), Ithamar Gruenwald (Tel Aviv), Jacob Neusner (Tampa), Stefan Schreiner (Berlin), Susannah Heschel (Cleveland), Abraham Malamat (Jerusalem), Michael Graetz (Jerusalem), Gedaliahu G. Stroumsa (Jerusalem), Fritz A. Rothschild (New York), Eric M. Meyers (Durham), Chana Safrai (Utrecht), Albert H. Friedlander (London), Rita Thalmann (Paris), Konrad Kwiet (Sydney), Tal Ilan (Jerusalem), Michael Zank (Boston), Almut Sh. Bruckstein (Jerusalem), Yossef Schwartz (Jerusalem\/Tel Aviv) und Myriam Bienenstock (Tours\/Paris).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 1. November 2019 Der j\u00fcdische Theologe und Philosoph Martin Buber lehrte von 1924 bis 1933 an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t. 1989 wurde dort eine nach ihm benannte Professur f\u00fcr J\u00fcdische Religionsphilosophie ins Leben gerufen, gestiftet von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[534,532,533,535],"class_list":["post-3523","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","tag-bibel","tag-buber","tag-philosophie","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3523"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3524,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3523\/revisions\/3524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}