{"id":3440,"date":"2020-10-27T01:47:00","date_gmt":"2020-10-26T23:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3440"},"modified":"2020-12-10T01:56:39","modified_gmt":"2020-12-09T23:56:39","slug":"keine-kirchensteuer-ist-auch-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3440","title":{"rendered":"Keine Kirchensteuer ist auch keine L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Kirchensteuerdiskussion02_klein.width-900.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"552\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Kirchensteuerdiskussion02_klein.width-900.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3442\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Kirchensteuerdiskussion02_klein.width-900.jpg 900w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Kirchensteuerdiskussion02_klein.width-900-300x184.jpg 300w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Kirchensteuerdiskussion02_klein.width-900-768x471.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption>Torben Telder, Susanne Teichmanis, Moderatorin Andrea Seeger (von links nach rechts) und online zugeschaltet Erik Fl\u00fcgge diskutierten \u00fcber die Kirchensteuer. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besonders junge Menschen am Anfang ihrer Berufst\u00e4tigkeit wenden sich von der Kirche ab. Aus diesem Grund luden die Evangelische Sonntagszeitung und die Evangelische Akademie Frankfurt zu einer Diskussionsrunde ein. \u201eDie Kirchensteuer ist Austrittsgrund Nummer eins\u201c, so die Ausgangsthese. Aber stimmt das \u00fcberhaupt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kirche und Geld \u2013 kein einfaches Thema. Klar ist, dass mit dem anhaltenden Mitgliederschwund auch dieEinnahmen sinken werden. Voriges Jahr nahm die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 530 Millionen Euro Kirchensteuern ein. F\u00fcr dieses Jahr wird wegen Corona mit mindestens zehn Prozent weniger gerechnet. Doch der Hauptgrund f\u00fcr die schwieriger werdende Finanzsituation ist, dass vor allem junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren aus der Kirche austreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stimmt es \u00fcberhaupt, dass die Kirchensteuer f\u00fcr sie der Austrittsgrund Nummer eins ist? Susanne Teichmanis bezweifelt das. Sie ist Mitglied der \u201eZukunfts-Gruppe\u201c der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die k\u00fcrzlich vielbeachtete Leits\u00e4tze zur Zukunft der Kirche erarbeitet hat. Darin werden in der Tat Spielr\u00e4ume f\u00fcr die Entlastung junger Menschen gefordert, aber die Kirchensteuer selbst nicht in Frage gestellt. \u201eF\u00fcr die Kirchensteuer spricht, dass sie gerecht ist. Au\u00dferdem ist sie Grundlage innerkirchlicher Solidarit\u00e4t\u201c, stellte Teichmanis bei der Diskussion am R\u00f6merberg fest. Die Frage der Zugeh\u00f6rigkeit zur Kirche stelle sich nicht erst mit dem Eintritt ins Berufsleben, sondern schon viel fr\u00fcher. Deshalb werde eine Reduzierung der Kirchensteuer f\u00fcr bestimmte Altersgruppen das Problem nicht l\u00f6sen. Vielmehr \u201eben\u00f6tigen wir Verfahren, wo wir miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen\u201c, so Teichmanis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem stimmte auch der Publizist Erik Fl\u00fcgge zu, der online zur Diskussion zugeschaltet war. Eine Rabattierung macht seiner Ansicht nach keinen Sinn. Der Kirche d\u00fcrfe nicht l\u00e4nger fragen: \u201eWie kriege ich die jungen Leute dazu, das Alte zu akzeptieren\u201c? Stattdessen komme es darauf an, dass \u201edie Gottesfrage eine \u00f6ffentliche Relevanz\u201c bekommt. Wenn die H\u00e4lfte der evangelisch Getauften laut aktueller Shell-Jugendstudie antwortet, dass der Glaube f\u00fcr sie keine Rolle spielt, ist es kein Wunder, dass die H\u00fcrde zu einem Austritt f\u00fcr sie nicht hoch ist. Dabei leiste die Kirche enorm viel, zum Beispiel in der Seelsorge bei Trauer, Tod und Krise, so Fl\u00fcgge: \u201eDie beiden Kirchen sind der gro\u00dfe Anker der seelsorgerlichen Versorgung der \u00c4lteren.\u201c Dies m\u00fcsse man aber auch erkl\u00e4ren. \u201eWir brauchen mehr Kommunikation, mehr Direktansprache\u201c, so Fl\u00fcgge. Wenn Geld vom Gehalt abgebucht werde, m\u00fcsse man den Menschen auch erkl\u00e4ren, f\u00fcr was das Geld verwendet wird. Derzeit h\u00e4tten die Kirchen noch die Mittel f\u00fcr solche Kommunikations-Ma\u00dfnahmen. Fl\u00fcgge riet den Verantwortlichen also: \u201eSchaffen Sie nicht die Kirchensteuer ab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber kann man die Kirche nicht auch anders finanzieren? Torben Telder, Pfarrer der Wallonisch-niederl\u00e4ndischen Gemeinde mit Sitz in Hanau, erz\u00e4hlte davon, wie sie es machen. Die 1100 Mitglieder werden j\u00e4hrlich angeschrieben mit der Bitte um eine Spende in H\u00f6he der Kirchensteuer, also neun Prozent der Einkommenssteuer. Weil die Gemeinde diese Form der Finanzierung beibehalten will, sei sie nicht einer Gro\u00dfkirche beigetreten, obwohl es theologisch keine gro\u00dfen Differenzen gebe. Aber mit diesem Spendensystem k\u00f6nne man verl\u00e4sslich arbeiten. Die eigene Stiftung habe \u00fcber hundert Angestellte. Von gro\u00dfer Bedeutung sei die Beziehung der Menschen zu Pfarrerin und Pfarrer, die langen Perioden der Pfarrstellenbesetzung erm\u00f6glichen einen intensiven Kontakt zu den Familien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einigkeit herrschte auf dem Podium dar\u00fcber, dass der Austritt aus der Kirche nur das Ende eines Entfremdungsprozesses ist. Auch Gegenma\u00dfnahmen m\u00fcssten daher fr\u00fcher einsetzen und nicht erst ganz am Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt-Helmuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonders junge Menschen am Anfang ihrer Berufst\u00e4tigkeit wenden sich von der Kirche ab. Aus diesem Grund luden die Evangelische Sonntagszeitung und die Evangelische Akademie Frankfurt zu einer Diskussionsrunde ein. \u201eDie Kirchensteuer ist Austrittsgrund Nummer eins\u201c, so die Ausgangsthese. Aber stimmt das \u00fcberhaupt? 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