{"id":3365,"date":"2017-02-21T23:51:50","date_gmt":"2017-02-21T21:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=3365"},"modified":"2018-06-22T00:04:08","modified_gmt":"2018-06-21T22:04:08","slug":"digitalisierung-beschleunigt-die-ausdifferenzierung-des-glaubens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=3365","title":{"rendered":"Digitalisierung beschleunigt die Ausdifferenzierung des Glaubens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der emeritierte M\u00fcnchner evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf stellt einen wachsenden Einfluss des Internets auf die Glaubenswirklichkeit der Menschen fest: \u201eJeder kann sich seinen eigenen Glauben zurechtbasteln.\u201c<\/strong><br \/>\n<div id=\"attachment_3364\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-002-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3364\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-002-1.jpg\" alt=\"\" width=\"477\" height=\"267\" class=\"size-full wp-image-3364\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-002-1.jpg 477w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-002-1-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3364\" class=\"wp-caption-text\">Symposium der EKHN-Stfitung zu Algorithmen und Digitalisierung. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/p><\/div><br \/>\nDieser Differenzierungsprozess in Glaubensdingen sei zwar schon l\u00e4nger zu beobachten, sagte Graf bei einem Symposium der Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zu gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in Frankfurt. Das Internet habe ihn jedoch massiv beschleunigt und den Kommunikationsraum von Religion \u201eins Unendliche erweitert\u201c.<\/p>\n<p>Um 1900 habe es weltweit rund 3.000 verschiedene Kirchen und Glaubensgemeinschaften gegeben, 100 Jahre sp\u00e4ter seien es bereits 35.000. \u201eJeder kann sich seinen eigenen Glauben zurechtbasteln\u201c, res\u00fcmierte Graf. In der Schweiz glaubten mittlerweile 30 Prozent der konservativen katholischen Kirchg\u00e4ngerinnen an die im Buddhismus verankerte Wiedergeburt, sagte Graf unter Berufung auf die religionssoziologische Studie \u201eJeder ist ein Sonderfall\u201c.<\/p>\n<p>Das Internet gebe religi\u00f6sen Akteuren nie dagewesene M\u00f6glichkeiten, immer mehr \u00fcber andere religi\u00f6se Akteure zu erfahren. Diese \u201ewechselseitige Beobachtung\u201c erlaube und bef\u00f6rdere die \u00dcbernahme von Inhalten und Denkmustern anderer. So erschienen im \u201eOsservatore Romano\u201c, der Tagesszeitung des Vatikans, vermehrt Beitr\u00e4ge \u00fcber islamische Banken, in denen diskutiert werde, ob der Wall Street nicht ein Scharia-konformes Finanzgebaren gutt\u00e4te. Umgekehrt werde in muslimischen Gemeinschaften \u00fcber einen \u201eunbefleckten Koran\u201c r\u00e4soniert, also ein Denkmuster der Marienverehrung \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Sorge bereiten dem Theologen religi\u00f6se Riten und Symbole in Computerspielen. Sie bef\u00f6rderten Denkmuster von einem allm\u00e4chtigen Gott, die im Gegensatz zur christlichen Vorstellung eines \u201ebeobachtenden Gottes\u201c st\u00fcnden. Das Symposium der EKHN-Stiftung hatte das Thema \u201eAllmacht der Algorithmen? Die digitale Revolution und wie wir sie gestalten\u201c.<\/p>\n<p><strong>Informatikerin Katharina Zweig: \u201eWir brauchen einen Algorithmen-T\u00dcV\u201c<\/strong><br \/>\nDie Kaiserslauterer Professorin f\u00fcr Sozio-Informatik, Katharina Zweig, fordert eine \u201edemokratisch legitimierte Kontrolle\u201c von Algorithmen im Internet und in sozialen Medien. \u201eWir brauchen einen Algorithmen-T\u00dcV\u201c, erkl\u00e4rte sie bei einem Symposium der EKHN-Stiftung in der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Computerprogramme, mit denen das Verhalten von Personen vorhergesagt werden solle, k\u00f6nnten die menschliche Urteilskraft entbehrlich machen und dazu f\u00fchren, dass die Gesellschaft sich zu sehr auf sie verlasse. Dies gehe weit \u00fcber den individuellen Zuschnitt von Werbebotschaften im Internet hinaus.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fchrte Zweig die Justiz des US-Bundesstaats Oregon an, deren Rechtsprechung in Strafsachen sie mit ihren Studenten analysiert habe. Dort errechneten Computerprogramme die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Straft\u00e4ter erneut straff\u00e4llig werde. Die H\u00f6he der Wahrscheinlichkeit beeinflusse wiederum die H\u00f6he des Strafma\u00dfes. \u201eIn Algorithmen sind Menschenbilder eingefroren \u2013 aber nicht immer die richtigen\u201c, klagte Zweig.<\/p>\n<p>Algorithmen entschieden aber \u00fcber die Zukunft der Menschen. \u201eAlgorithmen k\u00f6nnen jemandem einen Flug verweigern, einen Kredit, ein Visum oder ein bestimmtes Bildungsangebot.\u201c Die Wissenschaftlerin kritisierte, es gebe keine Partei, die sich ernsthaft mit dem Thema befasse. Sie forderte die Kirchen auf, bei der Diskussion \u00fcber Algorithmen eine aktive Rolle zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>Digitale Konterrevolution: EU-Datenschutz gef\u00e4hrdet Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Was gedacht war zum Schutz des Individuums gegen Google, Facebook und Co wendet sich nun gegen jeden einzelnen, kritisiert Christoph Kucklick vom Magazin Geo bei einem Symposium der EKHN-Stiftung zu den Folgen der Digitalisierung.<br \/>\n<div id=\"attachment_3371\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-001-480x320.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3371\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-001-480x320.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"320\" class=\"size-full wp-image-3371\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-001-480x320.jpg 480w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/klein-001-480x320-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3371\" class=\"wp-caption-text\">Der Chefredakteur des Magazins GEO Christoph Kucklick warnt vor der Datenschutzgesetzgebung der EU. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/p><\/div><\/p>\n<p>Sie ist kaum bekannt, wird im kommenden Jahr Recht in 26 europ\u00e4ischen Staaten und ist nach Auffassung von Christoph Kucklick eine \u201edigitale Konterrevolution\u201c. Die Rede ist von der Europ\u00e4ischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO). Der Chefredakteur des Magazins GEO warnte am 18. Februar auf dem Symposium \u201eAllmacht der Algorithmen?\u201c der EKHN-Stiftung in der Frankfurter Universit\u00e4t: \u201eEuropa sch\u00fctzt sich zu Tode und bedroht damit b\u00fcrgerliche Freiheiten.\u201c<\/p>\n<p>Was gedacht war zum Schutz des Individuums gegen Google, Facebook und Co wendet sich nun gegen jeden einzelnen. So sei etwa die Benutzung eines fremden Namens in einer Nachricht, etwa einem Tweet, an die Einwilligung des Betroffenen gebunden. Wer beispielsweise eine kritische Bemerkung zu einem Konzert von Helene Fischer machen m\u00f6chte, muss zuvor die K\u00fcnstlerin fragen. Weitere Forderungen, die sich aus dem Gesetz ergeben, seien etwa die Pflicht zur Unterrichtung der betroffenen Person oder auch die Pflicht zur Dokumentation und die Pflicht zur Datenportabilit\u00e4t. Pflichten, die von Privatpersonen kaum zu leisten seien.<\/p>\n<p>Kucklick erinnerte an die Macht der Datenschutzbeh\u00f6rde. Sie sei die einzige Beh\u00f6rde, die ohne richterliche Genehmigung in Privatwohnungen eindringen und durchsuchen d\u00fcrfe. Man stelle sich dieses m\u00e4chtige Werkzeug einer staatlichen Beh\u00f6rde nur in den H\u00e4nden heutiger Populisten vor.<\/p>\n<p>\u201eWir haben nicht zuviel, sondern den falschen Datenschutz\u201c, stellte Kucklick fest. Der Hamburger Journalist kritisierte die EU-Verordnung als zu undifferenziert. Sie gehe von der<\/p>\n<p>Voraussetzung aus, dass alle Daten gef\u00e4hrlich seien. Der Grundsatz der informationellen Selbstbestimmung f\u00fchre in dieser Form zur informationellen Fremdbestimmung. \u201eDie berechtigte Sorge um die Macht der Algorithmen wird genutzt um unsere b\u00fcrgerlichen Freiheiten einzuschr\u00e4nken\u201c, bilanzierte Kucklick und formulierte weiter: \u201eWir brauchen nicht ein Zur\u00fcck, sondern ein kluges Nachvorn, einen freiheitlichen Datenschutz.\u201c<\/p>\n<p><strong>Dossier \u201eAlgorithmen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Algorithmen sind Chance und Gefahr zugleich: Algorithmen, also automatisierte Handlungsabfolgen, gewinnen immer mehr Einfluss auf unser Leben. Das ist aber kein Grund f\u00fcr Panik und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Regulierungen.<\/p>\n<p>Ein neuer Star am heimischen G\u00f6tterhimmel: der Algorithmus: Algorithmen haben etwas G\u00f6ttliches: Sie sind allgegenw\u00e4rtig, es gibt kein Entkommen, und wir sind von ihnen abh\u00e4ngig, ob wir wollen oder nicht. Aber wir m\u00fcssen uns ihnen nicht ergeben.<\/p>\n<p>Digitale Konterrevolution: EU-Datenschutz gef\u00e4hrdet Demokratie: Was gedacht war zum Schutz des Individuums gegen Google, Facebook und Co wendet sich nun gegen jeden einzelnen, kritisiert Christoph Kucklick vom Magazin Geo bei einem Symposium der EKHN-Stiftung zu den Folgen der Digitalisierung.<\/p>\n<p>Informatikerin Katharina Zweig: \u201eWir brauchen einen Algorithmen-T\u00dcV\u201c: Die Kaiserslauterer Professorin f\u00fcr Sozio-Informatik, Katharina Zweig, fordert eine \u201edemokratisch legitimierte Kontrolle\u201c von Algorithmen im Internet und in sozialen Medien. \u201eWir brauchen einen Algorithmen-T\u00dcV\u201c, erkl\u00e4rte sie bei einem Symposium der EKHN-Stiftung in der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Digitalisierung beschleunigt die Ausdifferenzierung des Glaubens: Der emeritierte M\u00fcnchner evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf stellt einen wachsenden Einfluss des Internets auf die Glaubenswirklichkeit der Menschen fest: \u201eJeder kann sich seinen eigenen Glauben zurechtbasteln.\u201c<br \/>\nKurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der emeritierte M\u00fcnchner evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf stellt einen wachsenden Einfluss des Internets auf die Glaubenswirklichkeit der Menschen fest: \u201eJeder kann sich seinen eigenen Glauben zurechtbasteln.\u201c Dieser Differenzierungsprozess in Glaubensdingen sei zwar schon l\u00e4nger zu beobachten, sagte Graf bei einem Symposium der Stiftung der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[428,429,427],"class_list":["post-3365","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-algorithmen","tag-datenschutz-demokratie","tag-digitalisierung-glauben-spiritualitaet-zukunftz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3365"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3372,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3365\/revisions\/3372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}