{"id":2203,"date":"2012-12-15T06:08:00","date_gmt":"2012-12-15T06:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=2203"},"modified":"2020-12-30T16:33:21","modified_gmt":"2020-12-30T14:33:21","slug":"danke-gutleutkirche-du-wirst-mir-fehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=2203","title":{"rendered":"\u201eDanke Gutleutkirche, du wirst mir fehlen!\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"article-content\">\n<p><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/121201-Gutleut-40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Taufbecken in der Gutleutkirche\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/121201-Gutleut-40.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><\/a><\/p>\n<p>Frankfurt, Gutleutstra\u00dfe, unweit des Baseler Platzes. Nebenan der Hauptbahnhof, gegen\u00fcber die alte Gutleutkaserne. Kein Wohlf\u00fchlort. Obwohl hier im Hofgut einst die guten Leute wohnten. Dieser \u201ehoff der gouden louden\u201d war ein Auss\u00e4tzigen-Hospiz, das 1283 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt wurde. Die guten Leute waren einer mittelalterlichen Tradition folgend, jedoch nicht die Menschen, die sich um die Lepr\u00f6sen k\u00fcmmerten, sondern die Lepr\u00f6sen selber, da sie ihren Helfern den Weg in den Himmel ebneten.<\/p>\n<p>An diesem voradventlichen Samstagnachmittag waren \u00fcber 70 Personen gekommen, um sich von ihrer Gutleutkirche zu verabschieden. Sie soll in einem letzten Gottesdient \u201eentwidmet\u201c werden.<\/p>\n<p>1958 wurde die Kirche in die H\u00e4userzeile eingepasst. Und doch \u00fcberragt ein Kirchturm die D\u00e4cher der umliegenden H\u00e4user. Erst auf den zweiten Blick f\u00e4llt sie daher auf und der Eingangsbereich ist sicher mit heutigen Mitteln freundlicher zu getsalten.<\/p>\n<p>Hochmodern ihr Raumangebot, aus heutiger Sicht. Denn der Gemeindesaal wurde gleich \u00fcber den Gottesdienstraum gelegt und auch das Gemeindeb\u00fcro fand in der neu gegr\u00fcndeten Gemeinde seinen Platz. Zudem fanden noch Wohnungen im Geb\u00e4ude Platz.<\/p>\n<p>So schlicht wie der Bauk\u00f6rper auch der Innenraum. Drei Stufen zum Altarraum, Holzkreuz, links Lesepult, rechts Kanzel, beide gleich, aus hellem Holz gestaltet. Die Altarwand bilden kleine graue Steinriegel, aus denen auch das Taufbecken gefertigt ist. Wie viele Kinder wurden hier getauft, wie viel Ehen geschlossen, wie viele Trauergottesdienste gehalten? Es m\u00fcssen etwa 7000 Gottesdiensten in diesen fast sechs Jahrzehnten gewesen sein, rechnet Dekan Horst Peter Pohl in seiner Predigt vor.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/121201-Gutleut-06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Neues Gemeindezentrum in der Hafenstra\u00dfe\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/121201-Gutleut-06.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\"><\/a><\/p>\n<p>Zwei Pfarrer, die hier gewirkt haben erw\u00e4hnt er. Martin J\u00fcrges, der mit seiner Familie durch den Absturz eines Starfighters am Pfingstmontag 1983 ums Leben kam. Die Erinnerung und das Entsetzen ist in der Gemeinde immer noch wach, obwohl J\u00fcrges nur wenige Jahre hier Dienst tat. Nebenan, vor dem Beh\u00f6rdenzentrum, haben sie den Platz nach Familie J\u00fcrges benannt. Und da ist Johannes Herrmann, \u201eder Helfer aus vollstem Herzen\u201c, wie die Frankfurter Rundschau einst titelte. \u00dcber ein Jahrzehnt hat er hier gewirkt, hat den Gemeindesaal zur Kaffeestube Gutleut umgebaut. Hier k\u00f6nnen alle Esssen \u2013 wer bezahlen kann, zahlt drei Euro. Achtzig Essen, so wird mir sp\u00e4ter mein Tischnachbar erz\u00e4hlen, waren es an diesem Samstagmittag. Drau\u00dfen ist es kalt und hier wird frisch gekocht. Die F\u00fcrsorge f\u00fcr die Armen wurde der Schwerpunkt der Gemeindearbeit.<\/p>\n<p>Eine Entwidmung ist ein Abschiedsgottesdienst. Die Trauer ist zu sp\u00fcren, auch wenn Pfarrerin Jutta Jekel betont, dass es doch ein Neuanfang sei. Immerhin wird nebenan in der Hafenstra\u00dfe 34 Stunden sp\u00e4ter ein nagelneues Gemeindezentrum in Betrieb genommen. \u201eAber das ist keine Kirche\u201c, erschallt es halblaut aber doch deutlich vernehmbar als auch Dekan Pohl auf diesen Umstand hinwies. Theologisch unmissverst\u00e4ndlich und doch einf\u00fchlsam formuliert er, der hier zum ersten und zum letzten Mal predigt: \u201eGott braucht keine H\u00e4user, aber wir brauchen sie.\u201c Und f\u00fcgt an: \u201eWir k\u00f6nnen doch froh sein, wenn Menschen ihre Kirche lieben!\u201c<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst werden die Dinge benanntund gesammelt, die mitgenommen werden: Der Kelch, die Bibel, das Gesangbuch und auch die Maria aus der Weihnachtskrippe. Und dann werden nacheinander Altar, Kanzel, Lesepult und Taufbecken mit wei\u00dfen T\u00fcchern verh\u00fcllt. Nein, hier sollen keine M\u00f6bel w\u00e4hrend der Sommerfrische vor dem Staub gesch\u00fctzt werden. Es ist unumkehrbar. Die Gutleutkirche gibt es nicht mehr. An gleicher Stelle wird die Stadt Frankfurt ein Jugendhaus bauen. Das braucht das Viertel dringend.<\/p>\n<p>Es wird noch lange dauern, bis alle gelernt haben, mit ihrer Wehmut zu leben. Doch es hat sich viel ver\u00e4ndert. Die Gemeinden Wei\u00dffrauen, Gutleut und Matth\u00e4us haben zur Hoffnungsgemeinde fusioniert. Am Westhafen ist ein neues, schickes und nicht billiges Viertel entstanden, das Europaviertel, teils zur Gemeinde geh\u00f6rend wird gerade gebaut und das Westend wird wieder st\u00e4rker Wohnquartier. K\u00fcnftig wird der Gottesdienst immer um 11 Uhr in der Matth\u00e4uskirche sein und alle 14 Tage um 9.45 Uhr in den neuen R\u00e4umen in der Hafenstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Das vorherrschende Gef\u00fchl dr\u00fcckte eine Kirchenvorsteherin so aus: \u201eDanke Gutleutkirche, du wirst mir fehlen!\u201c<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth, Evangelisches Frankfurt Dezember 2012<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt, Gutleutstra\u00dfe, unweit des Baseler Platzes. Nebenan der Hauptbahnhof, gegen\u00fcber die alte Gutleutkaserne. Kein Wohlf\u00fchlort. Obwohl hier im Hofgut einst die guten Leute wohnten. 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