{"id":2129,"date":"2012-07-10T17:49:34","date_gmt":"2012-07-10T15:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=2129"},"modified":"2020-12-30T16:40:52","modified_gmt":"2020-12-30T14:40:52","slug":"ein-stuck-zuhause-zwischen-gittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=2129","title":{"rendered":"Ein St\u00fcck Zuhause zwischen Gittern"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>FR 10. Juli 2012<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>Die evangelische Krabbelstube Moses will den Kindern eine Umgebung schaffen, in der sie sich geborgen f\u00fchlen &#8211; dabei spielen Transparenz und h\u00f6lzerne Abtrennungen eine wichtige Rolle<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\">Von Sabine Hamacher <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\">Wann f\u00fchlen sich Kinder, die maximal einen Meter gro\u00df sind, in einem Raum geborgen? Wie kriegt man Beheimatung hin? F\u00fcr <\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>Kurt-Helmuth Eimuth, Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesst\u00e4tten der Diakonie,<\/strong><\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"> sind das die entscheidenden Fragen. &#8222;Es muss R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten geben&#8220;, erg\u00e4nzt Melanie Neusitzer, Leiterin der Krabbelstube Moses, &#8222;die Kinder m\u00fcssen sich H\u00f6hlen bauen k\u00f6nnen&#8220;. Wie gro\u00df der Raum in Quadratmetern gemessen ist, finden beide nachrangig. 40 plus 20 lautet die Formel f\u00fcr die <\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>Kitas des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt,<\/strong><\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"> zu denen auch die der Diakonie geh\u00f6ren: ein Gruppenraum von 40 Quadratmetern und dazu ein 20 Quadratmeter gro\u00dfer sogenannter Intensivraum. In der Krabbelstube Moses in Bockenheim ist das ein Schlafraum mit lauter niedrigen Holzbettchen; dazu gibt es ein Bad mit winziger Toilette und zwei Waschbecken, die etwa in Knieh\u00f6he eines Erwachsenen an der Wand angebracht sind. Alles ist neu hier; die Kita, die drei Gruppen mit jeweils maximal elf Kleinkindern beherbergt, hat erst im November er\u00f6ffnet. Sie liegt in einem Hinterhof in der Gro\u00dfen Seestra\u00dfe. Das Geb\u00e4ude geh\u00f6rt einer Haustechnik-Firma und war fr\u00fcher eine Werkstatt. Die R\u00e4ume im Erdgeschoss samt Keller hat die Diakonie gemietet. Die B\u00f6den wurden mit Kautschuk ausgelegt (&#8222;weich und warm&#8220;, sagt Eimuth), die W\u00e4nde halbhoch mit Holz verkleidet. Wenn sich Eltern eine Kita anschauen, achten sie darauf, dass sie hell und freundlich wirkt, erz\u00e4hlt <\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>Leiterin Neusitzer<\/strong><\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\">. Nach den Quadratmetern werde nicht gefragt. Von denen h\u00e4tten die Kinder sowieso nicht so viel, glaubt Eimuth, &#8222;aber von gut ausgebildeten Erzieherinnen, die in sich ruhen und nicht so hoch arbeitsbelastet sind&#8220;. Immer zwei Betreuerinnen k\u00fcmmern sich um eine Gruppe, die Kinder sind vier Monate bis drei Jahre alt. Ab 7.30 Uhr werden die ersten gebracht, um 17 Uhr schlie\u00dft die Krabbelstube. Dazwischen haben die Kleinen viel Zeit, &#8222;sich die R\u00e4ume anzueignen&#8220;, wie Neusitzer es nennt. Im Bewegungsraum &#8211; in der Kita Moses ein Flur &#8211; lassen sich die schwungvollen Linien auf dem Boden mit dem Bobbycar wunderbar nachfahren. Dabei k\u00f6nnen die &#8222;Kollegen&#8220; aus den Gruppenr\u00e4umen zuschauen: Zum Flur hin haben alle R\u00e4ume ein schmales Fenster: &#8222;Die Kinder sollen durchblicken k\u00f6nnen&#8220;, sagt <\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\"><strong>Eimuth<\/strong><\/span><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\">. \u00dcberhaupt: Transparenz. Das ist ein ganz wichtiges Stichwort und geht auf Emmi Pikler zur\u00fcck. An der ungarischen \u00c4rztin, die sich vor etwa hundert Jahren daf\u00fcr einsetzte, die Bed\u00fcrfnisse der Kinder zu akzeptieren und ihnen mit Wertsch\u00e4tzung zu begegnen, orientiert sich die Einrichtung bis ins Detail. &#8222;Sie wollte, dass man den Kindern eine vorbereitete Umgebung schafft, die sie sich dann erschlie\u00dfen k\u00f6nnen&#8220;, sagt Neusitzer. Die Pikler-Ideen sind Standard in den Kitas der Diakonie; die Konzepthoheit wird allerdings den Gemeinden \u00fcberlassen. Pikler entwickelte auch den Ansatz der &#8222;beziehungsvollen Pflege&#8220;: Das Kind wird nur gewickelt, wenn es selbst will, und auch nur von der Erzieherin, die es sich dazu aussucht. Die Wickeltische f\u00fcr diesen Vorgang, der &#8222;sprachlich begleitet&#8220; werden soll, l\u00e4sst die Diakonie eigens anfertigen. Sie haben eine ausfahrbare Treppe, damit die Kinder ganz allein hochklettern k\u00f6nnen. Wie die Gruppenr\u00e4ume genutzt werden, geben die Spielgitter aus Holz vor, die an einer Wand befestigt sind und verschoben werden k\u00f6nnen. So wird der Raum strukturiert und ein Essbereich abgetrennt. &#8222;Im Alter von null bis drei kriegen die Kinder sonst Angst und sind \u00fcberfordert&#8220;, sagt Neusitzer. Schon um 11 Uhr wird Mittagessen verteilt, die Kleinen haben fr\u00fch Hunger. Sie sitzen auf B\u00e4nkchen, die fest mit dem Tisch davor verschraubt sind, essen von richtigen Tellern und trinken aus Gl\u00e4sern. Kunststoffbecher gibt es nicht, auch das geht auf Pikler zur\u00fcck: Das Getr\u00e4nk soll sichtbar sein. Ab 11.30 Uhr ist Zeit f\u00fcr den Mittagsschlaf. &#8222;Wenn ein Kind erst um zwei m\u00fcde wird, ist das auch in Ordnung&#8220;, sagt Neusitzer, und Eimuth erg\u00e4nzt: &#8222;Kleine Kinder haben einen eigenen Rhythmus, die k\u00f6nnen wir nicht in ein Gruppenschema zw\u00e4ngen.&#8220; Neben der Achtung vor der pers\u00f6nlichen Tagesstruktur ist f\u00fcr Neusitzer etwas anderes sehr wichtig: dass sich die sichere Bindung, die die Kinder zu ihren Eltern aufgebaut haben, auf eine Erzieherin \u00fcbertr\u00e4gt, &#8222;dass sie hier auch noch ein St\u00fcck Zuhause haben&#8220;. &#8222;Kinder haben ein unglaubliches Urvertrauen. Das wollen wir aufgreifen und nicht entt\u00e4uschen&#8220;, sagt Eimuth und nennt das &#8222;die evangelische Basis&#8220;: Vertrauen haben, dass man in der Welt besteht, von Gott angenommen ist. &#8222;Es kommt aufs Konzept an&#8220;, betont er. &#8222;Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass das in unseren Raumstandards gut m\u00f6glich ist.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: ITC Officina Sans Book,sans-serif;\">Spielgitter teilen in der Kita Moses einen gepolsterten Krabbelraum und einen Essbereich mit Holzb\u00e4nkchen ab. Ein zu gro\u00dfer Raum \u00fcberfordere die Kinder und mache ihnen Angst, sagt die Leiterin. Andreas Arnold (3) <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>DEBATTE \u00dcBER DIE RAUMGR\u00d6SSE <\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><strong>Knapp 100 Kitas<\/strong> betreibt der <strong>Evangelische Regionalverband Frankfurt: 80<\/strong> davon geh\u00f6ren zum Tr\u00e4gerverbund der evangelischen Kirche und 19 zur Diakonie, die ihrerseits eine Einrichtung des Regionalverbands ist.<\/p>\n<p><strong>Dessen Raumprogramm<\/strong> richtet sich nach der Formel 40 plus 20: ein Gruppenraum von 40 Quadratmetern und dazu ein 20 Quadratmeter gro\u00dfer sogenannter Intensivraum.<\/p>\n<p><strong>Der Intensivraum <\/strong>kann bei kleineren Kindern ein Schlafraum sein, bei gr\u00f6\u00dferen zum Beispiel auch ein Atelier. Hinzu kommt in jedem Fall ein kleines Bad mit Toilette und Waschbecken.<\/p>\n<p><strong>Diese Mindestgr\u00f6\u00dfe<\/strong> der R\u00e4ume bezieht sich auf jeweils eine Gruppe. Bei Kindern unter drei Jahren d\u00fcrfen maximal elf Kinder in einer Gruppe sein, bei \u00e4lteren Kindern sind es 20 bis 21. Die Raumgr\u00f6\u00dfe bleibt immer gleich.<\/p>\n<p><strong>Der Evangelische Regionalverband<\/strong> orientiert sich mit seinem Raumprogramm an der oberen Marge der Richtlinien des hessischen Landesjugendamts von 1992. Daran h\u00e4lt er sich aber nicht sklavisch, sondern orientiert sich an den Gegebenheiten.<\/p>\n<p><strong>So hat nicht jeder Gruppenraum<\/strong> tats\u00e4chlich 40 Quadratmeter. Der Raum der Gruppe 1 in der Krabbelstube Moses etwa liegt mit 38 knapp darunter.<\/p>\n<p><strong>Die Stadt Frankfurt<\/strong> sieht mit ihrem seit 2009 g\u00fcltigen Raumprogramm f\u00fcr Kindertagesst\u00e4tten insgesamt 75 Quadratmeter pro Gruppe vor &#8211; das ist auch im deutschlandweiten St\u00e4dtevergleich viel.<\/p>\n<p><strong>Nach Kritik<\/strong> des Revisionsamtes an teuren Kita-Bauten soll das Raumprogramm nun aber \u00fcberpr\u00fcft werden. Nach den Ferien wollen Planungs- und Bildungsdezernat eine entsprechende Vorlage pr\u00e4sentieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FR 10. 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