{"id":2084,"date":"2012-05-22T15:59:59","date_gmt":"2012-05-22T13:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=2084"},"modified":"2020-12-30T16:51:05","modified_gmt":"2020-12-30T14:51:05","slug":"die-kirche-unterstutzt-occupy-und-das-ist-gut-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=2084","title":{"rendered":"Die Kirche unterst\u00fctzt Occupy \u2013 und das ist gut so"},"content":{"rendered":"<h2 id=\"article-headline\">Die Kirche unterst\u00fctzt Occupy \u2013 und das ist gut so<\/h2>\n<p>Evangelisches Frankfurt via facebook, 22. Mai 2012<\/p>\n<div id=\"article-content\">\n<p><strong>Geld und Verm\u00f6gen sind extrem ungleich verteilt \u2013 und das  hat nichts mit der Arbeitsleistung zu tun. Wir&nbsp;m\u00fcssen dringend nach  Wegen suchen, den Reichtum gerecht zu verteilen. Deshalb ist es auch  gut, dass die evangelische Kirche am Wochenende ihre Stimme erhoben und  die Occupy-Proteste unterst\u00fctzt hat. <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7603\"><a rel=\"attachment wp-att-7603\" href=\"https:\/\/eimuth.de\/?attachment_id=7603\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Kurt-Helmuth Eimuth\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Blog-oes-Eimuth-152x200.jpg\" alt=\"\" width=\"152\" height=\"200\"><\/a>Kurt-Helmuth Eimuth ist Leiter der Redaktion von &#8222;Evangelisches Frankfurt&#8220;. Foto: Rolf Oeser&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>Solche Worte spricht in der evangelischen Kirche sonst nur noch Margot K\u00e4\u00dfmann:<\/p>\n<p>\u201eDie evangelische Kirche in Frankfurt tritt ein f\u00fcr die offene  Auseinandersetzung \u00fcber die politischen, wirtschaftlichen und sozialen  Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. \u2026 Als Christen und  Christinnen solidarisieren wir uns mit den Menschen, die unter den  massiven sozialen Verwerfungen der Krise, wie z.B. der massiv  zunehmenden Armut und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in S\u00fcdeuropa zu  leiden haben. Vor dem Hintergrund der nach wie vor ungel\u00f6sten  Folgeprobleme auf nationaler wie internationaler Ebene unterst\u00fctzen wir  die Kritik an der ungerechten Lastenverteilung der Krise und fordern  eine breite Diskussion um die Zukunft Europas.\u201c<\/p>\n<p>Seit den 1980er Jahren hat sich die Kirche nicht mehr so klar  positioniert. Doch es d\u00e4mmert langsam, dass der Kapitalismus nicht  einfach das \u00fcberlegene Gesellschaftssystem ist. Schon vor Jahren hat  Alt-Kanzler Helmut Schmidt vom \u201eHaifischkapitalismus\u201c gesprochen. Die  einst die junge Bonner Republik pr\u00e4gende soziale Verantwortung hat  weltweit keine Chance. Die soziale Marktwirtschaft deutscher Pr\u00e4gung  kann und konnte sich nicht durchsetzen.<\/p>\n<p>Es ist doch zu fragen, was gerecht ist. In Talkshows wird gerne  dar\u00fcber diskutiert, ob die H\u00f6he der Managergeh\u00e4lter gerecht, zumindest  gerechtfertigt ist. Sicher ist das Jahresgehalt von BMW-Chef Norbert  Reithofer mit gut sechs Millionen Euro schwer nachzuvollziehen. Doch  Reithofer geh\u00f6rt zu jenen, die f\u00fcr ihr Geld noch arbeiten m\u00fcssen. Die  Eigent\u00fcmerin der Firma BMW, die Familie Quandt hat im gleichen Zeitraum  mit ihrem Erbe 650 Millionen verdient. Nicht die Arbeitsleistung hat den  Reichtum der Besitzenden in neuen Dimensionen katapultiert, nein, es  sind die Profite aus den Kapitalgesellschaften.<\/p>\n<p>In nackten Zahlen ausgedr\u00fcckt: Dem reichsten einen Prozent der  Deutschen geh\u00f6ren 35,8 Prozent des Verm\u00f6gens \u2013 oder andersherum  betrachtet: Den \u00e4rmeren 90 Prozent geh\u00f6ren gerade einmal 33,4 Prozent.  Reichtum wird nur selten erarbeitet, aber oft ererbt. 80 Prozent der  Reichen in Deutschland sind Erben.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt bei all dieser Diskussion um ein gerechtes  Wirtschaftssystem immer das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ein:  Der Gutsbesitzer schlie\u00dft zun\u00e4chst einen \u00fcblichen Arbeitsvertrag mit  Handschlag ab, nennt dabei auch die Lohnsumme. Der eine Denar, so setzt  der Text stillschweigend voraus, ist so etwas wie das Existenzminimum.<\/p>\n<p>Der Arbeitgeber stellt dann im Laufe des Tages weitere Tagel\u00f6hner  ein, um 9, 12, 15 und 17 Uhr. Die zuletzt Angeheuerten d\u00fcrften nur noch  gut eine Stunde bis zum Sonnenuntergang gearbeitet haben. Der  Arbeitgeber zahlt trotzdem allen den vollen Tagelohn, unabh\u00e4ngig wie  lange sie gearbeitet haben. Er sieht, dass auch die Arbeitslosen, die  nur noch eine Stunde gearbeitet haben, den einen Denar zum \u00dcberleben  brauchen. Der Gutsbesitzer richtet sich bei der Auszahlung des Lohnes  nicht nach der Leistung sondern nach den Bed\u00fcrfnissen der Menschen. Die  Langarbeiter protestieren. Sie haben kein Verst\u00e4ndnis. Das Gleichnis  endet offen mit der wortlosen Einladung des Arbeitsherrn an die  Langarbeiter, ihr Herz zu \u00f6ffnen und den Arbeitslosen den  \u00dcberlebensdenar zu g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da springt die Analogie mit Griechenland geradezu ins Auge. \u00d6ffnen  wir unser Herz und g\u00f6nnen den Menschen in Griechenland den  \u00dcberlebenseuro, m\u00f6chte man sagen. Nur leider sind wir nicht mehr bei der  Feldarbeit. Die Finanzm\u00e4rkte funktionieren anders als der Ackerbau. Und  doch hat uns das Gleichnis auch heute noch etwas zu sagen.<\/p>\n<p>Luise Schottroff formuliert es so: \u201eDas Gleichnis \u00f6ffnet Raum f\u00fcr den  Gedanken, dass Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist. Der Arbeitsherr ver\u00e4ndert seine  Orientierung am Profit, und die Langarbeiter werden zur Solidarit\u00e4t  eingeladen.\u201c<\/p>\n<p>Wir alle m\u00fcssen uns einmischen, m\u00fcssen nach Wegen suchen, den  Reichtum gerecht zu verteilen. Gut, dass die evangelische Kirche sich  wieder einmischen will. Deshalb ist es auch gut, dass die evangelische  Kirche am Wochenende ihre Stimme erhoben hat.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kirche unterst\u00fctzt Occupy \u2013 und das ist gut so Evangelisches Frankfurt via facebook, 22. Mai 2012 Geld und Verm\u00f6gen sind extrem ungleich verteilt \u2013 und das hat nichts mit der Arbeitsleistung zu tun. 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