{"id":1722,"date":"2010-12-01T04:46:43","date_gmt":"2010-12-01T04:46:43","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=1722"},"modified":"2010-12-01T04:46:43","modified_gmt":"2010-12-01T04:46:43","slug":"weihnachten-feiern-gerne-auch-unchristlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=1722","title":{"rendered":"Weihnachten feiern \u2013 gerne auch unchristlich"},"content":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt Dezember 2010<\/p>\n<p>Ob deutscher Weihnachtsmarkt in Birmingham, Weihnachtsdeko in China oder Christmas Cake in Japan: Die Globalisierung hat das Weihnachtsfest erfasst. Und wom\u00f6glich seines Inhaltes beraubt? Denn Weihnachten ist zwar in allen Teilen der Erde pr\u00e4sent \u2013 doch die Botschaft von der Geburt Jesu fehlt.<\/p>\n<p>Der Frankfurter Weihnachtsmarkt lockt in der Adventszeit nicht nur Tausende in die Mainmetropole, auch in England erfreut er sich wachsender Beliebtheit. In mehrere St\u00e4dte exportiert die Frankfurter Tourismus und Congress GmbH original deutsches Weihnachtsgef\u00fchl: Leeds, Manchester und Edinburgh zum Beispiel. Die h\u00f6chsten Besucherzahlen verzeichnet der Markt in Frankfurts Partnerstadt Birmingham. Der dortige \u201eFrankfurt Christmas Market\u201c ist der gr\u00f6\u00dfte deutsche Weihnachtsmarkt au\u00dferhalb des deutschsprachigen Raumes. Mit fast neunzig St\u00e4nden konnte er im letzten Jahr rund eineinhalb Millionen G\u00e4ste anziehen.<\/p>\n<p>Der englische Ableger des Frankfurter Weihnachtsmarktes wird in gro\u00dfen Containern komplett aus Germany importiert: Aachener Printen, Christstollen, Nussknacker, Lammfellpantoffeln und Holzspielzeug gibt es da, selbst der Gl\u00fchwein wird in Originalbechern mit dem Aufdruck \u201eFrankfurter Weihnachtsmarkt\u201c serviert. Die Budenbeschriftungen sind weitgehend in Deutsch. F\u00fcr viele Engl\u00e4nder sind Worte wie \u201eBrot\u201c oder Waffeln\u201c eine besondere Herausforderung. Die Lebkuchenherzen tragen Aufschriften wie \u201eSchatzi\u201c, und auch die Preislisten sind auf Deutsch. Nur gezahlt wird in Pfund.<\/p>\n<p>Zum Erfolg tr\u00e4gt sicher auch der Alkoholausschank unter freiem Himmel bei \u2013 was sonst in England streng verboten ist. Doch der deutsche Weihnachtsmarkt l\u00e4sst eine Ausnahme zu. Am Ausgang machen gro\u00dfe Schilder darauf aufmerksam, dass man nun wieder die alkoholfreie Normalit\u00e4t betritt.<\/p>\n<p>Umfunktionierte Tannenb\u00e4ume, die geradezu Leuchtturmqualit\u00e4ten entwickeln, Bedienungen mit Nikolausm\u00fctzen und allenthalben schrille Lichterketten \u2013 das mag im eher atheistischen China verwundern. Vor dem ber\u00fchmten Vogelnest-Olympiastadion wird alle Jahre wieder ein riesiger Weihnachtsbaum aufgestellt.<\/p>\n<p>Berichte aus dem vorweihnachtlichen China entbehren nicht einer gewissen Skurrilit\u00e4t: \u201eIn diesen warmen Dezembertagen sind sie ungew\u00f6hnlich gekleidet: Die Kellnerinnen vom \u201aGoldenen Essst\u00e4bchen\u2019 tragen rotwei\u00dfe Weihnachtsm\u00fctzen, am Schaufenster ihres Lokals h\u00e4ngt ein k\u00fcnstlicher Kranz: \u201eFr\u00f6hliche Weihnachten!\u201c Und weiter berichtet das Magazin \u201eDer Spiegel\u201c: \u201eDie St\u00e4nde im Shin-Kong-Einkaufszentrum im Pekinger Central Business District sind ebenfalls mit Tannenb\u00e4umen und mit bunten Geschenkpaketen dekoriert. Aus den Lautsprechern dudelt Jingle Bells, Weihnachtskr\u00e4nze h\u00e4ngen an den W\u00e4nden, im Supermarkt gibt es Baumkugeln zu kaufen. Ein Weihnachtsbaum aus Plastik, rund einen halben Meter hoch, kostet 78 Yuan (rund acht Euro). In der Supermarktkette Jingkelong gibt es ihn schon f\u00fcr 48 Yuan.\u201c<\/p>\n<p>Gerade in L\u00e4ndern, in denen zunehmender Wohlstand einen gro\u00dfen Nachholbedarf in Sachen Internationalisierung und Anerkennung hervorruft, ist Weihnachten immer beliebter. F\u00fcr die junge, sich westlich gebende Generation geh\u00f6rt das mit zum neuen Lebensstil. Ein Grund, wa-<br \/>\nrum gerade der Weihnachtsmann in China so schnell aufgenommen wurde, liegt sicher auch in der Symbolik der Farbe Rot, die im traditionellen chinesischen Kontext als Gl\u00fccksfarbe gilt.<\/p>\n<p>Die religi\u00f6se Bedeutung des Festes bleibt dabei weitgehend unbekannt. Zwar d\u00fcrfen die wenigen Christinnen und Christen auch in China Gottesdienste feiern. Doch ganz einfach haben es die Kirchengemeinden dort nicht. Die Regierung genehmigt nur die Aktivit\u00e4ten einer einzigen christlichen Kirche, an deren Spitze ein vom Staat akzeptierter Bischof steht. F\u00fcr alle, die sich dem nicht unterwerfen wollen, bleibt nur die gef\u00e4hrliche Hinwendung zur so genannten Untergrundkirche.<\/p>\n<p>In Japan geh\u00f6ren weniger als zwei Prozent der Bev\u00f6lkerung dem christlichen Glauben an. Trotzdem steigt auch hier die Popularit\u00e4t des Weihnachtsfestes. Wieder sind es die Jungen, die den neuen Brauch gerne aufgreifen. Ihnen kommt entgegen, dass es \u00fcblich ist, sich an Weihnachten zu beschenken \u2013 auf h\u00f6fliche Gesten legt man im Land der Mitte besonderen Wert. Das Beschenken wird deshalb gerne und h\u00e4ufig zelebriert.<\/p>\n<p>In Japan sind vor allem die Illuminationen in der dunklen Jahreszeit sehr beliebt. Ganze Stra\u00dfenz\u00fcge werden beim so genannten \u201eLight up\u201c in buntes Licht getaucht. Der japanische Fremdenverkehrsverein wirbt mit diesem besonderen Erlebnis: \u201eZur Winterzeit werden in verschiedenen Orten im ganzen Land Stra\u00dfenz\u00fcge mit ausgefallenen Lichterdekorationen in ein abendliches Lichtreich verwandelt. In der dunkelsten Jahreszeit wird ein Spaziergang im Lichterschein zu einer fr\u00f6hlichen, aber auch besinnlichen Erfahrung.\u201c In der Stadt Sendai findet im Rahmen der Beleuchtungen auch eine Parade von als \u201eSanta Claus\u201c verkleideten Menschen statt.<\/p>\n<p>Schon im Jahr 1549 hat mit dem Jesuitenpater Franziskus Xaverius der erste christliche Missionar das Land betreten. Mit ihm kam auch das Weihnachtsfest in das japanische Inselreich. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Fest zunehmend amerikanisiert. Genau wie in Amerika bringt seither Santa Claus am 25. Dezember Geschenke.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist in Japan der Christmas Cake, den es um die Weihnachtszeit zu kaufen gibt, und der von Fremdenverkehrsvereinen als Besonderheit vermarktet wird: Es handelt sich um eine kleine Sahnetorte mit Erdbeeren, die als typisches Weihnachtsessen gilt. Sie sorgte daf\u00fcr, dass das Wort \u201eWeihnachten\u201c hier in aller Munde ist: Als \u201eliegengebliebenen Weihnachtskuchen\u201c bezeichnet man in Japan n\u00e4mlich etwas despektierlich \u00e4ltere unverheiratete Frauen.<\/p>\n<p>Doch wer \u00fcber diese Sinnentleerung und Metamorphose des Weihnachtsfestes die Nase r\u00fcmpft, bedenke, dass erst seit gut einem Jahrzehnt Halloween in Deutschland als Partyfest Einzug gehalten hat. Wen interessiert es da, dass es keltischen Ursprungs ist \u2013 und zwischenzeitlich auch christlich aufgeladen wurde.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt Dezember 2010 Ob deutscher Weihnachtsmarkt in Birmingham, Weihnachtsdeko in China oder Christmas Cake in Japan: Die Globalisierung hat das Weihnachtsfest erfasst. Und wom\u00f6glich seines Inhaltes beraubt? 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