{"id":1671,"date":"2010-10-22T10:05:22","date_gmt":"2010-10-22T10:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=1671"},"modified":"2010-10-22T10:05:22","modified_gmt":"2010-10-22T10:05:22","slug":"johannes-zu-eltz-es-gibt-interesse-an-authentischem-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=1671","title":{"rendered":"\u201eJohannes zu Eltz. &quot;Es gibt Interesse an authentischem Glauben\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"eintrag-2708\">\n<h5>Evangelisches Frankfurt Oktober 2010<\/h5>\n<h3>Johannes zu Eltz ist der neue katholische  Stadtdekan f\u00fcr Frankfurt. Der 53 Jahre alte Theologe war bisher  Stadtdekan in Wiesbaden. Mit \u201eEvangelisches Frankfurt\u201c sprach er \u00fcber  die Bedeutung von Christentum und Religion in der Gro\u00dfstadt.<\/h3>\n<p>Herr Stadtdekan, was haben Sie sich in Ihrem neuen Amt vorgenommen?<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe mir keine fertigen Programme vorgenommen, dazu bin ich  schon zu lange im Gesch\u00e4ft. Man sagt mir immer mit einem L\u00e4cheln, aber  auch als Mahnung, dass in Frankfurt alles anders ist. Deshalb hei\u00dft f\u00fcr  mich der Anfang einfach \u201eFrankfurt kennen lernen\u201c. Bevor ich mich nicht  einigerma\u00dfen sensibel in all den Unterschiedlichkeiten und  Ungleichzeitigkeiten, die es hier gibt, bewegen kann, werde ich das Wort  \u201eProgramm\u201c nicht mal in den Mund nehmen.<\/p><\/blockquote>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2010\/10\/seite05_oben.jpg\" alt=\"Johannes zu Eltz im Gespr\u00e4ch mit \u201eEvangelisches Frankfurt\u201c. Am 22. August ist der geb\u00fcrtige Eltviller vom Limburger Bischof in sein Amt als katholischer Stadtdekan eingef\u00fchrt worden. Frankfurt ist ihm nicht ganz fremd: In der Hochschule St. Georgen in Oberrad hat zu Eltz Philosophie und Theologie studiert. | Foto: Rolf Oeser\" \/><\/p>\n<div>\n<div>Johannes  zu Eltz im Gespr\u00e4ch mit \u201eEvangelisches Frankfurt\u201c. Am 22. August ist  der geb\u00fcrtige Eltviller vom Limburger Bischof in sein Amt als  katholischer Stadtdekan eingef\u00fchrt worden. Frankfurt ist ihm nicht ganz  fremd: In der Hochschule St. Georgen in Oberrad hat zu Eltz Philosophie  und Theologie studiert.<\/div>\n<div>Foto: Rolf Oeser<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche hat in  Frankfurt eine lange Tradition. Ist die \u00d6kumene eine Sache, die Ihnen am  Herzen liegt?<\/p>\n<blockquote><p>Ich glaube, dass eine intensive, vertrauensvolle, geistlich  grundierte \u00f6kumenische Zusammenarbeit v\u00f6llig alternativlos ist. Es gibt  gar keine M\u00f6glichkeit mehr, sich anders aufzustellen. Das h\u00e4ngt damit  zusammen, dass wir uns \u2013 beide \u2013 aus einer Mitgliederbest\u00e4nde  verwaltenden Gro\u00dfinstitution in eine missionarisch agile Veranstaltung  verwandeln m\u00fcssen, die den Leuten hinterher geht. Die Leute k\u00f6nnen es  nicht mehr h\u00f6ren und akzeptieren es auch nicht, wenn wir uns so gr\u00e4mlich  und mit uralten Streitigkeiten, deren Gr\u00fcnde wenig verst\u00e4ndlich sind,  voneinander abgrenzen oder gegeneinander profilieren. Ich kann es gut  haben, wenn Evangelische richtig evangelisch sind, ich nehme dasselbe  f\u00fcr mich in Anspruch. Aber das Eigene gut kennen, es lieben und da tief  drinstehen, ist ja die Bedingung der M\u00f6glichkeit daf\u00fcr, dass man sich  dann auch weit aus dem Fenster lehnt und die Ber\u00fchrung mit dem anderen  sucht. In einer so gro\u00dfen Stadt kann sich das auch nicht auf die beiden  Gro\u00dfkirchen beschr\u00e4nken, sondern wir m\u00fcssen auch mit anderen, kleineren  Kirchen zusammenwirken. Die \u201eArbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen\u201c  ist daf\u00fcr eine gute Basis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Beide gro\u00dfen Kirchen haben ja Probleme mit ihren Finanzen, etwa mit  dem Unterhalt ihrer Kirchengeb\u00e4ude, aber da geht nichts zusammen. Man  \u00fcberlegt nicht einmal, ob man Geb\u00e4ude auch gemeinsam nutzen k\u00f6nnte.  Immerhin wurde der Frankfurter Dom ja auch mal drei\u00dfig Jahre lang  simultan genutzt.<\/p>\n<blockquote><p>Die Mentalit\u00e4t \u201eBei Geld h\u00f6rt der Spa\u00df auf\u201c haben wir auch  inner-katholisch, da geht es manchmal von einer Gemeinde zur n\u00e4chsten  nicht mehr weiter. Das ist ein dickes Brett, das gebohrt werden muss.  Von Verarmung zu sprechen, w\u00e4re aber unangemessen. Wir sinken ja auf  einem schwindelerregend hohen Niveau. Richtig ist, wir haben weniger  Mittel, und sie werden noch weniger werden, und das wird uns zu  praktischer Zusammenarbeit zwingen. Auch in der Nutzung von Ressourcen  und Geb\u00e4uden. Da bin ich sehr sicher, und das ist mir sehr recht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Frankfurt ist eine multikulturelle Stadt, und viele Menschen bewegt  das Verh\u00e4ltnis zum Islam, aber auch zu anderen Religionen. Wie w\u00e4re da  aus Ihrer Sicht die angemessene christliche Position?<\/p>\n<blockquote><p>Christlich werden, das ist die angemessene Position. Wir stehen  unter Druck von religi\u00f6sen Performances, die sehr geb\u00e4rdenstark sind,  sehr selbstbewusst, auch sehr widerst\u00e4ndig, und die f\u00fcr liberale  Schrumpfformen von Religion wenig Verst\u00e4ndnis haben und vor allem auch  keine Achtung. Das ist f\u00fcr mich ein Impuls zur \u2013 ein problematisches  Wort, aber ein guter Begriff \u2013 \u201eFundamentalisierung\u201c unserer eigenen  Vollz\u00fcge. \u201eFundamentalisierung\u201c bedeutet Grundlegung, und wir k\u00f6nnen  keinen anderen Grund legen als den, der gelegt ist. Das hat einen  Absolutheitsanspruch, der nicht von uns kommt, sondern von dem, der uns  zusammengerufen hat, und den k\u00f6nnen wir nicht zeitgeistkonform  abknicken. Das w\u00e4re das typische Verhalten von Monopolisten, die es sich  leisten k\u00f6nnen, gro\u00dfz\u00fcgig zu sein. Wir sind aber keine Monopolisten  mehr. Die Leute kaufen uns unsere Distanzierung von Christus nicht ab.  Dass wir nicht bei bornierten Fundamentalismen enden m\u00fcssen, ist f\u00fcr  mich auch klar. Aber die Gefahr des Missbrauchs hebt den richtigen  Gebrauch nicht auf. Wir m\u00fcssen radikal, das hei\u00dft wurzelhaft an die  Grundlagen unseres eigenen Glaubens, sonst verlieren wir den Wettbewerb  der Religionen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine andere gro\u00dfe Gruppe, etwa ein Viertel in Frankfurt, sind  Konfessionslose, also Menschen, die keiner Religion angeh\u00f6ren. Wie  spricht man die an?<\/p>\n<blockquote><p>Meine Erfahrung ist, dass es ein hohes Interesse dieser  distanzierten, aber intellektuell anr\u00fchrbaren Menschen an authentisch  gelebtem Glauben gibt. Das interessiert die ganz ungemein. Was sie nicht  so interessiert, sind unsere bleiernen Institutionsgeschichten, also  \u201eKirchenkram\u201c. Wie wir unsere Gemeinden zusammenlegen, und ob das nun  pastoraler Raum hei\u00dft oder nicht, ist denen egal. Aber an ergreifender  und handgreiflicher Gegenwart Gottes in der Welt sind sie total  interessiert. Auch im Modus des Widerspruchs. Ich war bei der  Saisonpremiere des Tigerpalast-Variet\u00e9s eingeladen. Dessen Leiter Johnny  Klinke, ein auch geistlich sehr ausgeschlafener Mann, hat mir gesagt,  dass er die Frankfurter auf authentischen Glauben f\u00fcr ansprechbar h\u00e4lt.  Es gebe einen Hunger nach Sinn in dieser Stadt. Sie werden nicht alles  gleich \u00fcbernehmen, aber man kann damit kommen. Es interessiert sie. Und  das gef\u00e4llt mir.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sollten sich die verschiedenen Religionen zusammenschlie\u00dfen, um in  einer atheistischen Umgebung das Bewusstsein f\u00fcr Gott wach zu halten?<\/p>\n<blockquote><p>Ich glaube mit dem gro\u00dfen Johannes Paul, dem verstorbenen Papst,  dass es eine tiefe Gemeinsamkeit unter Menschen gibt, die Religionen  wirklich ernstlich anhangen. Und dass diese Gemeinsamkeit st\u00e4rker ist  als die Unterschiede in den jeweiligen Glaubensgr\u00fcnden. Schon die  Tatsache, dass man \u00fcberhaupt religi\u00f6s ist und von Gott, wie immer man  ihn ergreift und nennt, sein eigenes Leben bestimmen l\u00e4sst, also zu  einem \u201eIslam\u201c \u2013 einem, \u00fcbersetzt, \u201ehingebungsvollen Gehorsam\u201c \u2013  \u00fcberhaupt bereit ist, schafft eine Gemeinsamkeit. Ich denke, dass die  vor den trennenden Unterschieden betont werden d\u00fcrfte. Und dann entsteht  so etwas wie ein Rat der Religionen, der sich am runden Tisch  versammelt. Das ist f\u00fcr uns Katholiken neu, weil es eine  Gleichrangigkeit oder Gleichw\u00fcrdigkeit von religi\u00f6sen Bez\u00fcgen  voraussetzt, die wir so bisher gar nicht auf der Festplatte haben. Da  m\u00fcssen wir uns erst neu konfigurieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Interview: Antje Schrupp und Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt Oktober 2010 Johannes zu Eltz ist der neue katholische Stadtdekan f\u00fcr Frankfurt. Der 53 Jahre alte Theologe war bisher Stadtdekan in Wiesbaden. Mit \u201eEvangelisches Frankfurt\u201c sprach er \u00fcber die Bedeutung von Christentum und Religion in der Gro\u00dfstadt. 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