{"id":1665,"date":"2010-10-22T09:56:07","date_gmt":"2010-10-22T09:56:07","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=1665"},"modified":"2010-10-22T09:56:07","modified_gmt":"2010-10-22T09:56:07","slug":"eltern-in-deutschland-stehen-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=1665","title":{"rendered":"Eltern in Deutschland stehen unter Druck"},"content":{"rendered":"<div id=\"eintrag-2712\">\n<h5>Evangelisches Frankfurt Oktober 2010<\/h5>\n<p>Es gibt viele Forschungen dar\u00fcber, wie es  Kindern geht. Aber wie geht es eigentlich Eltern? Die  Konrad-Adenauer-Stiftung hat M\u00fctter und V\u00e4ter zu ihrer Lebenssituation  befragt. Ergebnis: Der Druck, alles richtig zu machen, ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Noch bis in die 1980er Jahre hinein war Kindheit quasi \u00f6ffentlich:  Die Kinder waren oft drau\u00dfen unterwegs, auch unbegleitet von den Eltern.  Soziologisch nennt man das eine Form der \u201e\u00f6ffentlichen  Stra\u00dfenkindheit\u201c. Heute hingegen wird von einer \u201everh\u00e4uslichten  Familienkindheit\u201c gesprochen. Das hei\u00dft: Eine immer gr\u00f6\u00dfere Zahl von  Freizeitaktivit\u00e4ten wird ins Haus verlegt. Weil Geschwister- und  Nachbarskinder weniger werden, nehmen gemeinsame Aktivit\u00e4ten mit den  Eltern und geplante Freizeit mehr Raum ein als fr\u00fcher. Eltern werden zu  \u201eFamilienmanagern\u201c, die versuchen, die \u201eVerinselung\u201c ihrer Kinder durch  gezielte Freizeitgestaltung zu \u00fcberbr\u00fccken. Sie investieren viel Zeit  und Geld, um ihre Kinder mit anderen Kindern zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Entsprechend sind auch die Anforderungen an die Eltern gestiegen. In  der Literatur spricht man von \u201eP\u00e4dagogisierung\u201c der Elternrolle.  Fr\u00fchere Erziehungsziele wie Gehorsam, Anpassung und Pflichtbewusstsein  wurden ersetzt durch ein partnerschaftlich-egalit\u00e4res Beziehungsmodell.  Dabei ist es beim Aushandeln von Regeln durchaus schwierig, das richtige  Ma\u00df zu finden: Es gibt verw\u00f6hnte Wunschkinder genauso wie  vernachl\u00e4ssigte Kinder.<\/p>\n<p>Nach wie vor \u00fcbernehmen die M\u00fctter den gr\u00f6\u00dften Teil der  Kindererziehung. Fast immer sind sie es, die zeitweilig auf  Berufst\u00e4tigkeit verzichten. Auch Paare, die sich als gleichberechtigt  und emanzipiert verstehen, kehren mit dem ersten Kind oft zu einer  traditionellen Aufgabenverteilung zur\u00fcck. Zwar gibt es heute \u201eneue  V\u00e4ter\u201c, die st\u00e4rker in die Familienarbeit eingebunden sind als V\u00e4ter  fr\u00fcher, doch w\u00e4chst gleichzeitig der Anteil derjenigen M\u00e4nner, die  aufgrund von Scheidung oder beruflicher Belastung nur noch sehr wenig  Zeit mit ihren Kindern verbringen.<\/p>\n<p>Dass Kinder es gut haben sollen, ist klar. Aber die hohen Anspr\u00fcche,  die Eltern heute erf\u00fcllen m\u00fcssen (oder auch an sich selbst stellen),  haben auch Folgen. Sie f\u00fchren nicht nur dazu, dass Frauen immer sp\u00e4ter  Kinder bekommen. Auch finanziell wird genau durchgerechnet, ob man sich  ein Kind \u201eleisten\u201c kann. Die Gesellschaft muss hier entsprechende  Unterst\u00fctzung bieten, sonst wird Elternschaft nicht bejaht.<\/p>\n<p>Ein ungew\u00f6hnliches Ergebnis hatte die Studie schon vor der  Auswertung: Die befragten Eltern brachten gro\u00dfe Dankbarkeit daf\u00fcr zum  Ausdruck, dass sich jemand tats\u00e4chlich einmal f\u00fcr ihre Lebenssituation  interessierte. Die M\u00f6glichkeit, ungefiltert die eigenen Erfahrungen und  Befindlichkeiten, insbesondere den als enorm erlebten Druck einer  neutralen Person zu schildern, wurde von ihnen als sehr positiv erlebt.  Dabei wurde  deutlich, dass Eltern in Deutschland kein Ventil haben, das  es ihnen erlaubt, ihre Anliegen zu thematisieren. Insofern boten die  Gespr\u00e4che auch eine M\u00f6glichkeit, aufgestaute Emotionen in einem  gesch\u00fctzten Rahmen zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p>Elternschaft wird heute subjektiv als zunehmend schwieriger zu  bew\u00e4ltigende Aufgabe mit hohen Erwartungen erlebt, was in vielen Milieus  zu massiver Verunsicherung der Eltern f\u00fchrt. Ein Kind zu bekommen und  zu erziehen, das halten viele Menschen heute f\u00fcr eine so komplexe und  anspruchsvolle Aufgabe, dass sie sich das kaum zutrauen.<\/p>\n<p>Die Studie ist auch als Buch erschienen: Tanja Merkle und Carsten  Wippermann, Eltern unter Druck, Lucius &amp; Lucius, 29,80 Euro.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt Oktober 2010 Es gibt viele Forschungen dar\u00fcber, wie es Kindern geht. Aber wie geht es eigentlich Eltern? Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat M\u00fctter und V\u00e4ter zu ihrer Lebenssituation befragt. 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