{"id":127,"date":"2000-09-01T14:24:59","date_gmt":"2000-09-01T14:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=127"},"modified":"2000-09-01T14:24:59","modified_gmt":"2000-09-01T14:24:59","slug":"religiose-kunst-inmitten-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=127","title":{"rendered":"Religi\u00f6se Kunst inmitten der Stadt"},"content":{"rendered":"<h6>Evangelisches Frankfurt September 2000<\/h6>\n<h4>Religi\u00f6se Kunst mitten in der Stadt<br \/>\nvon Kurt-Helmuth Eimuth<\/h4>\n<p>Frankfurt hat eine Skyline. Die Hochh\u00e4user der Banken sind das augenf\u00e4llige Wahrzeichen der Stadt. L\u00e4ngst haben die Bankt\u00fcrme die Kircht\u00fcrme um L\u00e4ngen geschlagen. Doch wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet inmitten der H\u00e4userschluchten und Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen unvermutet Kunst mit christlichem Hintergrund. Kurt-Helmuth Eimuth flanierte f\u00fcr das &#8222;Evangelische Frankfurt&#8220; durch die Innenstadt.<\/p>\n<p>Kunst am und im Bau geh\u00f6rt zum guten Image einer Bank. Die Gestaltung des Geb\u00e4udes von UBS Schr\u00f6der M\u00fcnchmeyer Hengst in der Friedensstra\u00dfe, unmittelbar neben dem Frankfurter Hof, irritiert. Ian Hamilton Finaly hat sechs schwarze Granitplatten, Gesetzestafeln gleich, mannshoch an der Au\u00dfenfassade aufgestellt.<br \/>\nFinlay versteht sich als Dichter und nicht als bildender K\u00fcnstler. So hat er sechs Texte ausgesucht, die er auf die schwarzen Granitplatten mei\u00dfeln lies. Da die Texte in englisch gehalten sind und es schon sehr guter Sprachkenntnisse bedarf, sie zu \u00fcbersetzen, blieben sie von den Passanten weitgehend unbeachtet. Doch die im Stil einer lexikalischen Definition ausgesuchten Texte mahnen, den Wert des Geldes nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen. So findet sich etwa zur Definition eines Pfennigs, der als &#8222;M\u00fcnze von einigem Wert&#8220; bezeichnet wird, das Zitat aus dem Matth\u00e4usevangelium: &#8222;Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Und doch f\u00e4llt von ihnen keiner zur Erde ohne meinen Vater&#8220;. Und als Mahnung f\u00fcr das Gemeinwesen einzustehen, wird der \u00dcberfdluss als &#8222;ein Mangel an Sack und Asche&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p>Inmitten des Einkaufstrubels auf der Zeil, zwischen Katharinenkirche und Kaufhof steht die Bronzeplastik &#8222;David und Goliath&#8220; von Richard He\u00df. Mit dieser Arbeit wollte der 1937 in Berlin geborenen und heute in Darmstadt lebende K\u00fcnstler &#8222;ein Denkmal f\u00fcr den erhofften Sieg des Geistes \u00fcber die rohe Brutalit\u00e4t der Welt, der Kultur \u00fcber den Kommerz&#8220; zu schaffen.<br \/>\nVon den meisten Vor\u00fcbergehenden wird die Plastik kaum wahrgenommen, vielleicht, weil sie als Versammlungsfl\u00e4che f\u00fcr Menschen ohne Wohnung fungiert oder weil das Kunstwerk erst aus einer gewissen Entfernung in seiner Gesamtheit wirkt. David sitzt auf dem riesigen Kopf und den gebrochenen Gliedern des Goliath. In der Hand h\u00e4lt er die Steinschleuder.<\/p>\n<div id=\"attachment_128\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:070904_Engel_2.jpg?uselang=de#Reinhard Dietrich\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-128\" class=\"size-thumbnail wp-image-128\" title=\"800px-070904_Engel_2\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/800px-070904_Engel_2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-128\" class=\"wp-caption-text\">Engel auf dem Klaus-Mann-Platz, Foto: Reinhard Dietrich<\/p><\/div>\n<p>Eher am Rande der Innenstadt, vor dem Eldorado Kino, findet sich eine kleine Engelfigur. Zwischen Kneipen, Boutiquen und Caf\u00e9s hat Rosemarie Trockel auf dem Klaus-Mann-Platz ein Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus geschaffen. Die Inschrift erinnert an sie, der Engel zeigt die Verletzungen. Die zart anmutende, eher geschlechtslose Figur wurde einem Gipsmodell von 1860 f\u00fcr das Westportal des K\u00f6lner Doms entnommen.<br \/>\nDoch die von Trockel geschaffene Bronzefigur weist Verletzungen auf. Die Fl\u00fcgel sind gestutzt und der Kopf wurde von der K\u00fcnstlerin abgeschlagen und sichtbar verrenkt wieder aufgesetzt. Die Sch\u00f6nheit des Engels, dessen \u00c4sthetik auch im Zusammenspiel mit dem Engel der ehemaligen Engel-Apotheke im Eckhaus gegen\u00fcber besonders hervortritt, wird durch diese Verletzungen gebrochen. In der Widmung des Mahnmals hei\u00dft es: &#8222;Homosexuelle M\u00e4nner und Frauen wurden im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Die Verbrechen wurden verleugnet und verurteilt.&#8220;<br \/>\nDie Provokation dieses Kunstwerkes, aufgestellt inmitten der Schwulenszene, in unmittelbarer N\u00e4he der von Tom Fecht geschaffenen Klagemauer f\u00fcr die Frankfurter Aids-Toten am Petersfriedhof, zeigt die Auseinandersetzung um den Standort. Er mu\u00dfte der Kommune regelrecht abgetrotzt werden. Die Finanzierung des Kunstwerkes \u00fcbernahm ebenfalls die B\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p>U-Bahn-Station<br \/>\nG\u00e4nzlich unvermutet begegnet man biblischer \u00dcberlieferung im U-Bahnnetz. Beim Ausbau der neuen Linie 7 wurden zahlreiche Haltepunkte individuell gestaltet. So greift die Haltestelle &#8222;Kirchplatz&#8220; im Stadtteil Bockenheim Motive aus der nahen Jakobskirche auf. Die Station Habsburger Allee hat Manfred Stumpf mit einem Esels-Zyklus versehen. Das Wandmosaik ist in schwarz und wei\u00df gehalten und erinnert an den Einzug in Jerusalem.<br \/>\nEine m\u00e4nnliche Figur auf einem Esel reitend h\u00e4lt einen Palmzweig in den H\u00e4nden. Die ingesamt 66 Esel sind &#8211; wie die U-Bahnen auch &#8211; Transportmittel. Ein Esel ist jeweils beladen, der darauffolgende nicht. Ein Esel tr\u00e4gt eine Frau mit Kind, Maria mit dem Jesuskind auf der Flucht nach \u00c4gypten t. Ein Esel tritt als Engel in Erscheinung, ein anderer tr\u00e4gt das Kreuz als Passionswerkzeug.<br \/>\nNeben diesen religi\u00f6sen Bildern werden auch Alltagsgegenst\u00e4nde und Konsumg\u00fcter transportiert, etwa Waschmaschine, Einkaufswagen, Scheckkarte, aber auch Symbole wie: eine Weltkugel, ein Atommodell, eine Wolke. Das Wandmosaik ist eine Computerzeichnung. Das einzelne Pixel des Computerbildes entspricht den quadratischen Mosaiksteinchen. W\u00e4hrend des Wartens auf die n\u00e4chste U-Bahn l\u00e4dt der Esels-Zyklus zum Meditieren und Nachdenken ein. Auf die Reise des Menschen ist der Einzug in Jerusalem gleichnishaft zu \u00fcbertragen.<br \/>\nIn der U-Bahn-Station Zoo kommt die ganze bunte Tierwelt an der einen Seite der Station aus der Arche Noah heraus und auf der anderen Seite gehen die Tiere paarweise in die Arche Noah hinein. Anfangs wurde dar\u00fcber debattiert, ob die kunterbunte Bilderwelt, die das Team Hans-J\u00fcrgen Dietz und Nicolas Vassilev nach Entw\u00fcrfen der Malerin Hildegard Lackschewitz gestaltet hat, \u00fcberhaupt Kunst sei. In frischen bunten Farben ist diese Station gestaltet. Die Tiere und Pflanzen stellen sich als Teil der Sch\u00f6pfung dar. Der Regenbogen als Zeichen der Verbundenheit zwischen Gott und den Menschen \u00fcberspannt die Station.<\/p>\n<p>Frankfurt \u2013 ein Freilichtmuseum<br \/>\nFragen an den Leiter des Dommuseums August Heuser<\/p>\n<p>August Heuser<\/p>\n<p>Sie verwalten im Dommuseum eher Geschichte. Welche Beziehung haben Sie zur zeitgen\u00f6ssischen Kunst.<br \/>\nIch bin ein gro\u00dfer Freund der zeitgen\u00f6ssischen Kunst. Sie ist vielfach sehr lebendig und bringt Bewegung und Auseinandersetzung ins t\u00e4gliche Leben. Sie provoziert, das hei\u00dft sie ruft aus dem t\u00e4glichen Trott der Gedanken und Wahrnehmungen heraus.<\/p>\n<p>Frankfurt wird h\u00e4ufig als die Stadt des Geldes gesehen. Ist sie aber nicht auch eine Stadt der Kunst?<br \/>\nNat\u00fcrlich ist Frankfurt eine Stadt der Kunst. Nicht nur die Museumslandschaft ist vielf\u00e4ltig und reich. Schauen Sie sich auf den Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen der Stadt um. Da ist in den vergangenen Jahren ein richtiges Freilichtmuseum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Skulptur, f\u00fcr Installationen und Bilder entstanden. Wenn man alles, was da nationalen und internationalen Rang hat zusammentr\u00fcge, dann m\u00fc\u00dfte man in Frankfurt ein weiteres neues Museum bauen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/Heuserbuchtitel.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-129\" title=\"Heuserbuchtitel\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/Heuserbuchtitel-100x150.gif\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><\/a>Kinder und Fernsehen: Die Elterngeneration hat gelernt, dass Fernsehen dumm macht. Doch in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts f\u00fchrt (fast) kein Weg am Fernsehen vorbei. In einem Workshop, veranstaltet vom evangelischen Medienhaus und dem Netzwerk Kommunikation und Medien (Komed) wurde das Kinderfernsehen untersucht und auch die Frage nach der Religion im allgegenw\u00e4rtigen Medium gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt hat eine Skyline. 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