Sep 01

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Auf dem Weg zur Normalität

Polen ist heute ein modernes Land im Umbruch. Glasbürobauten, Einkaufszentren und Discounter machen deutlich: Hier brummt die Wirtschaft. In der Begegnung mit Menschen ist viel von einem aufgeklärten, dem Fortschritt und Europa zugewandten Geist zu spüren.

Aber es gibt auch das andere Polen, das politisch und katholisch rückständige, antieuropäische Polen. Unvergessen ist die beschämende Karikatur der Bundeskanzlerin auf der Titelseite des polnischen Gegenübers zur Bildzeitung. Polen gilt auch als das christlichste aller EU-Länder. Bei den Gottesdiensten, die sonntags im Stundentakt abgehalten werden, sind die Kirchen bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Einfluss der evangelischen Kirche hingegen ist gering. Mit der Ver­ treibung etwa aus Ostpreußen schmolz auch die Zahl der Evangelischen, bis heute gilt der Protestantismus als „deutsche“ Religion. So sagt etwa der Pfarrer von Rastenburg (Kêtrzyn), er werde als deutscher Pfarrer bezeichnet, obgleich er Pole sei.

Noch immer ist das Verhältnis von Deutschen und Polen weit von der Normalität entfernt. Doch Begegnungen und Gesten wie etwa der Kniefall von Willy Brandt am Denkmal des Warschauer Ghettos sind wichtige Stationen. Und die Initiative „Zeichen der Hoffnung“ ist weit mehr als eine Geste.

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Sept 2007