Stichwort: Zeugen Jehovas

Ein zehn Tage alter Säugling stirbt, obwohl die Ärzte es hätten verhindern können. Ein Blutaustausch nach der Geburt wäre lebensrettend gewesen. Doch die Eltern, aktive Zeugen Jehovas, lehnen die rettende Transfusion ab. Sie berufen sich auf die Lehre ihrer Sekte, wonach es Gottes Wille sei, von keinem Geschöpf das Blut zu genießen (3. Mose 17,14). Dabei ist dieses alttestamentliche Gebot aus Ehrfurcht vor dem Leben entstanden. „Wenn dieses Gebot eingesetzt wird, um lebenserhaltende Maßnahmen zu verhindern, wird das Gebot Gottes in unerhörter Weise pervertiert“, stellt der österreichische Theologe Johannes Dantine fest.

Zeugen Jehovas bleiben in der Regel unter sich. Ihr ganzes Tun ist auf die Verkündigung ihrer Lehre ausgerichtet. Im so genannten Predigtdienst stehen sie an Plätzen und in Fußgängerzonen, um ihre Zeitschrift, den Wachtturm, abzugeben, oder sie gehen von Tür zu Tür, um zu missionieren. Fünfmal die Woche treffen sie sich zur Unterweisung. Das Verhalten, ob in Kindergarten, Schule, Beruf oder Freizeit, wird von klein auf von der Organisation bestimmt. Selbst Kindergartenkinder dürfen ihren Geburtstag nicht feiern, da Gott nicht gewollt habe, dass man sich selbst in den Mittelpunkt stelle. Eine Mitgliedschaft in Parteien, Gewerkschaften, Verbänden oder Vereinen ist verpönt.

Die leitende Körperschaft gilt als „Kanal oder als Sprachrohr Gottes“, durch das Jehova zu seinem Volk spricht. Zwar lesen die Zeugen Jehovas auch die Bibel, doch sie lernen in ihrem Studium die Textteile anzuführen, die ihre Ansicht belegen. Mit so völlig aus dem Zusammenhang herausgelösten Texten, zudem in eigener Übersetzung, argumentieren sie an den Haustüren.

Die Zeugen Jehovas sind davon überzeugt, dass die Endzeit bereits angebrochen ist. Christus habe 1914 den himmlischen Thron bestiegen und seine Herrschaft über die Erde angetreten. Dieses müsse jetzt allen Menschen verkündet werden, denn die Menschheitsgeschichte gehe zu Ende.

Schon bald müssten sich die Menschen verantworten: Wer nicht auf der Seite Jehovas steht, wird im Endgericht vernichtet werden. Nur die treuen Zeugen Jehovas überdauern und werden bald in einem „tausendjährigen Paradies“ leben. Schon mehrmals berechneten die Zeugen Jehovas den Zeitpunkt dieses letzten Gerichtes. Schon 1874 wurde das Endgericht erwartet, doch nach eigenen Aussagen führten neuere Berechnungen zu anderen Ergebnissen. Ab 1968 wurde verkündet, dass 1975 das Ende von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte erreicht sei. Später war zu lesen, dass 1975 ein „helleres Licht von Jehova Gott“ gekommen sei. Derzeit wird kein konkretes Datum prophezeit.

1999 Kurt-Helmuth Eimuth

© Kurt-Helmuth Eimuth

Hintergrundinformation:
Gründer: Charles Taze Russel (1852-1916), Gründung der Wachtturmgesellschaft 1881, 1931 neuer Name „Zeugen Jehovas“
Präsident: seit 1992 Milton Henschel, geboren 1920
Zentrale: New York, Stadtteil Brooklyn
Deutsches Zentrum, Selters/ Taunus, dort leben und arbeiten über 1 000 Menschen
Mitglieder in Deutschland ca. 167.000, weltweit ca. 4,9 Millionen

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