Stichwort: Sekten-Kinder

Immer haben totalitäre Systeme sich der Kinder bemächtigt. Die Gleichschaltung der Seelen und Köpfe ist die Voraussetzung, um Herrschaft unumstritten ausüben zu können. Der Totalitarismus muss sich der Herzen und Sinne bemächtigen. Es wundert also nicht, dass dieses auch für solche totalitäre Systeme gilt, die unter religiösen Vorzeichen antreten. Sie wollen die Welt erretten oder die Weltherrschaft erlangen was für sie das gleiche ist. Etwa 200.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen im Umfeld von rund 600 so genannter Sekten oder neureligiöser Gruppen auf. Die Gleichschaltung der Herzen und Sinne beginnt schon bei den Kindern. Zahlreiche Sekten haben eigene Lehrpläne entwickelt, Kinderkrippen und Kindergärten gegründet und betreiben Internate und Schulen – was insbesondere dem „Universellen Leben“ gelungen ist. Andere – wie „Scientology“ – umgehen auch die deutsche Gesetzgebung und senden ihre Kinder in sekteneigene Internate ins Ausland, etwa nach Amerika oder England. Diese Kinder leben jahrelang in einem geschlossenen sozialen System, in dem alles geregelt ist. Die Orientierung in einer offenen Gesellschaft ist fast unmöglich. Sie unterliegen einem geheimen Erziehungsplan. Eine normale Entwicklung und Kindheit wird ihnen vorenthalten:

  • Sie werden systematisch ausgegrenzt
  • Sie sollen keine Geburtstage und kein Weihnachten feiern („Zeugen Jehovas“)
  • Sie müssen täglich acht Stunden meditieren („Thakar Singh“)
  • Sie schwitzen stundenlang in der Sauna („Scientology“)
  • Sie bekommen „die Rute Gottes“ zu spüren (christlich-fundamentalistische Gruppen)
  • Sie sind die neue Elite, die sündenlos geborene Generation – oder schlicht die „Retter der Menschheit“.
  • Sie dürfen nur in der Sektenwelt leben
  • Sie sind auserwählt und ausgegrenzt

Der Mensch besteht – nach scientologischer Lehre – aus einer Art Seele-Geist-Wesen, dem Thetan. Dieser Thetan ist unsterblich, kann den Körper verlassen und bei Tod sich einen neuen Körper suchen: eine Art technische Reinkarnationsvorstellung, die jedoch für die Kinder weitreichende Folgen hat. Kinder sind für die Scientology-Sekte nur Thetane in einem kleinen Körper. Eine Kindheit gibt es nicht. Folglich können alle Angebote für Erwachsene auch für Kinder angeboten werden. Die Fachwelt hält die Verfahren von Scientology für unverantwortlich, da die psychischen Folgen vielfach nicht übersehen werden können. Um wie viel mehr gilt dies für Kinderseelen! (Kurt-Helmuth Eimuth)

Die Lehre des „Universellen Lebens“ ist damit nach ihren eigenen Aussagen angelegt auf eine Entprivatisierung des Lebens. Die Ehe wird ersetzt durch eine rechtlich unverbindliche Partnerschaft und die Kinder werden gemeinschaftseigenen Erziehungseinrichtungen anvertraut. Die Familie ist nicht existent und wird in der Gemeindeordnung nicht angesprochen. Diese Lehre steht im Widerspruch zur Wertordnung des Grundgesetzes und der bayerischen Verfassung. (Bayerischer Verwaltungsgerichtshof)

Scientology-Kritiker berichten, dass die Sekte Kontaktsperren anordnet und Kinder von nächsten Angehörigen – selbst von ihren Müttern – getrennt werden. (Aus einem Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen so genannter Jugendsekten und Psychogruppen)

Sekten-Kinder dürfen sich nicht zu autonomen Persönlichkeiten entwickeln. Sie werden behindert, manipuliert und kontrolliert. Dieses System ist als „psychische Kindesmisshandlung“ zu bezeichnen.(Kurt-Helmuth Einmuth)

© Kurt-Helmuth Eimuth

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