Das Leben ins Mikrofon erzählt

Brigitte Babbe geht seit 25 Jahren für die Kirche beim HR auf Sendung

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Brigitte

Babbe

wer durch Alt-Griesheim fährt, dort, wo sich die Häuser dem Main entgegenducken, glaubt kaum, dass hier eine Frau wohnt, die gerade ihr 25-jähriges Mikrofon-jubiläum feierte. Die Kirchensendungen des Hessischen Rundfunks finden ihre Zuhörerinnen und Zuhörer. Viele Tausend sind es, die Brigitte Babbe auf HR 4 hören. Etwa dreimal im Jahr gestaltet sie je-weils eine Woche lang die Rubrik „Übrigens“, christliche Gedanken für den Tag.
Brigitte Babbe legt Wert darauf, dass alle Geschichten, die sie dort erzählt, wahr sind. Etwa die Begebenheit vom „Mittwochskuchen“: Freundin Inge fährt jeden Mittwoch zur Tante und bringt ihr einen Butterkuchen mit, den sie auf dem Bornheimer Wochenmarkt kauft. Bäcker und Kundin verstehen sich auch ohne Worte. Das wöchentliche Kaufritual bedarf keiner Worte mehr. Das Fazit von Brigitte Babbe: „Zwei Menschen verstehen sich mit ganz wenigen Worten – eigentlich ohne Worte. Beide sind sicherlich keine redseligen Menschen. Aber ihnen gelingt eine freundliche, zugewandte Verständigung.“ Und sie fügt als Fürbitte hinzu: „Ach Gott, hilf mir, dass mich Menschen verstehen, für die ich zu viele Worte mache.“
Mit Fug und Recht darf man der 70-Jährigen bescheinigen, dass sie sich den Menschen zuwendet, ihnen zuhört, aber auch selbst Stellung bezieht. Dabei half und hilft ihr sicherlich ihre berufliche Erfahrung als Zuständige für berufliche Rehabilitation und Schwerbehindertenvermittlung im Frankfurter Arbeitsamt.
Zur Rundfunkarbeit kam sie eher zufällig. Ironisch merkt sie über jene Zeit an, dass man damals wohl mindestens Propst hätte sein müssen, „und vor allem ein Mann“. Sie jedoch war Frau und zudem eine, die nicht Theologie studiert hatte. Immerhin: Sie durfte Artikel für den Gemeindebrief, damals der Paulsgemeinde, schreiben. Einer davon fiel dem damaligen Rundfunkbeauftragten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Joachim Schmidt, in die Hände – und er war begeistert. Er schlug Babbe als Rundfunkautorin vor. In der Kirche stieß er zunächst auf eisige Ablehnung. Frau, Nicht-Theo­ lo­ gin und dazu noch in der CDU – das war für die EKHN der siebziger Jahre zuviel. Man einigte sich schließlich auf einen Versuch. Es klappte wunderbar.
Brigitte Babbe ist eine Frau, die etwas in der Welt bewegen will. Sie war in Frankfurt Vorsitzende der Frauen-Union und ist jüngst zur Ehrenvorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises der CDU ernannt worden. Wenn man so im gut bürgerlichen Wohnzimmer sitzt, den Kaffee genießt, den Geschichten zuhört (und davon hat sie viel mehr, als sie im Radio erzählen kann), dann spürt man etwas von der gottesfürchtigen Kraft dieser Frau. Es klingelt, und der ehemalige Gemeindepfarrer schaut herein. Natürlich war Brigitte Babbe viele Jahre im Kirchenvorstand, war Vorsitzende desselben und hat dann so ziemlich alle Ämter bekleidet, die man ehrenamtlich ausfüllen kann. Sie ist Prädikantin, gehörte den Synoden der Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland an und ist bis heute im Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt. Diese Arbeit schätzt sie besonders. Aber: „Mein schönstes Ehrenamt ist das der Prädikantin.“
Man glaubt es ihr ohne Nachfrage, denn auf der Kanzel hat sie mehr Zeit, ihre vielen spannenden Geschichten von Menschen und von Gottes Wirken zu erzählen. Und keine davon ist erfunden.
Kurt-Helmuth Eimuth, Evangelisches Frankfurt 2006

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