Archiv für 30. September 2014

Die EF-Redaktion

Frankfurt, 30.09.2014, Gruppenfoto der Redaktion Evangelisches Frankfurt Foto: Rolf Oeser

Von links nach rechts: Stephanie von Selchow, Kurt-Helmuth Eimuth, Wilfried Steller, Antje Schrupp, Ralf Bräuer, Anne Lemhöfer. Foto: Rolf Oeser

Kurt-Helmuth Eimuth (E-Mail)

  • Pädagoge und Publizist
  • geboren 1954 in Frankfurt am Main
  • Studium der Erziehungswissenschaften, der Ev. Theologie und Soziologie
  • seit 1998 für die Herausgabe im Sinne des Presserechts verantwortlich, hautberuflich Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten im Diakonischen Werk für Frankfurt des Evangelischen Regionalverbandes

Dr. Antje Schrupp (E-Mail)

  • Journalistin und Politologin
  • geboren 1964 in Weilburg
  • Studium der Ev. Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Frankfurt
  • seit 1989 Redakteurin bei der Ev. Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt
  • seit 2000 geschäftsführende Redakteurin bei “Evangelisches Frankfurt”

Ralf Bräuer (E-Mail)

  • Pfarrer und Kommunikationswirt
  • geboren 1961 in Braunschweig
  • Studium der Ev. Theologie in Marburg, Mainz und Frankfurt
  • 1993-1996 Pfarrer in der Ev. Dornbuschgemeinde
  • 1997-2001 Projektmanager bei der Kommunikationsinitiative “Brücken bauen” der EKD
  • seit 2002 Leiter der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt am Main

Anne Lemhöfer

  • Journalistin und Soziologin
  • geboren 1978 in Frankfurt am Main
  • Studium der Soziologie und Skandinavistik in Frankfurt und Falun (Schweden)
  • 2005 Volontariat bei der Frankfurter Rundschau
  • seit 2007 FR-Redakteurin mit den Schwerpunkten Hochschule, Kultur und Reportage sowie freie Autorin  für den Reiseteil der ZEIT, die Magazine NEON und Publik Forum und andere

Stephanie von Selchow

  • Journalistin und Bibliothekarin
  • geboren 1963 in Essen
  • Studium der Germanistik, Hispanistik in Bonn und Salamanca
  • 1991-1993 Volontariat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Econ-Verlag Düsseldorf
  • seit 1995 freie Journalistin mit Schwerpunkt Kinderliteratur, Literatur und soziale Themen
  • seit 2006 Aufbau und Leitung der Grundschulbibliothek der Europäischen Schule Frankfurt
  • Herbst 2010: Verkürzte bibliothekarische Lehre mit Abschluss FaMI (Fachangestellte Medien- und Informationsdienste

Wilfried Steller (E-Mail)

  • Pfarrer
  • geboren 1953 in Alsfeld/Oberhessen
  • 1972 bis 1979: Studium der Evangelischen Theologie in Marburg und Tübingen
  • 1980 bis 1983: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg
  • 1984 bis 1985: Vikar in der Ev. Dornbuschgemeinde Frankfurt
  • 1985 bis 1987: Pfarrer in der Ev. Weißfrauengemeinde Frankfurt
  • seit 1987 Pfarrer der Ev. Glaubenskirchengemeinde Frankfurt, seit 2007 Kirchengemeinde Fechenheim

Weitere Autorinnen und Autoren

  • Doris Stickler
  • Susanne Schmidt-Lüer
  • Anne-Rose Dostalek
  • Lieselotte Wendl
  • Joachim Schreiner
  • Regina Busch
  • Gisela Pagés
  • Silke Kirch

Fotografinnen & Fotografen

  • Rolf Oeser
  • Ilona Surrey

Wenn Betteln organisiert wird, ist das für Städte ein Problem

von Kurt-Helmuth Eimuth 29. September 2014

„Bild“ spricht vom „Bettlerkrieg“ auf der Zeil. Es gebe ein Gerangel um die besten Plätze, und selbst Passanten würden angegriffen. In Norwegen will man das Betteln gar ganz verbieten. Städte wissen sich gegen das organisierte Betteln offenbar nicht anders zu helfen.

Nicht alle betteln freiwillig, manche werden abends abkassiert. Wie hoch das Ausmaß der organisierten Ausbeutung ist, ist jedoch Spekulation. Foto: Rolf Oeser
Nicht alle betteln freiwillig, manche werden abends abkassiert. Wie hoch das Ausmaß der organisierten Ausbeutung ist, ist jedoch Spekulation. Foto: Rolf Oeser

Das Geben von Almosen gehört schon immer zur christlichen Tradition, die Unterstützung der Armen ist gute Praxis auch im Judentum und im Islam. Menschen in Not gilt es zu unterstützen, ihnen soll man helfen, da sind sich alle Religionen einig.

In der Folge – sozusagen die Kehrseite der Medaille – fordern arme Menschen die „milden Geben“ auch selbst ein, sie betteln. Dies und selbst die Zurschaustellung von Elend müsse man ertragen, urteilte in den 1970er Jahren das Verfassungsgericht. Der Bettler, der stumm an der Ecke sitzt, dürfe nicht vertrieben werden.

Der schweizerische Reformator Johannes Calvin hingegen setzte erstaunlicherweise schon vor 500 Jahren in Genf ein striktes Verbot des Bettelns durch. Jeder müsse von seiner Arbeit leben können, meinte Calvin. Und wenn das nicht gegeben sei, müsse er Zuwendungen bekommen. Deshalb wird in jedem Gottesdienst mit dem Klingelbeutel für diakonische Aufgaben gesammelt. Gottesdienst feiern und an die Armen denken gehören also untrennbar zusammen.

Doch spätestens seit Brechts Dreigroschenoper ist bekannt, dass Betteln eben auch organisiert wird. „Manche müssen das Geld, dass sie erbetteln, abgeben“, sagt Bettina Bonett, Straßensozialarbeiterin bei der Obdachlosenhilfe „Weser 5“. „Neulich habe ich beobachtet, wie ein Typ zwei Frauen richtig verfolgt hat, damit sie ihm das Geld geben“, erzählt sie.

„Zahlen über das Ausmaß des organisierten Bettelns gibt es nicht, nur subjektive Empfindungen“, sagt Ralph Rohrer vom Frankfurter Ordnungsamt. Doch immer mehr Zeitungen haben in letzter Zeit über das Phänomen berichtet: Die Banden seien straff organisiert, holten Menschen aus osteuropäischen Staaten mit falschen Versprechungen in den Westen, die dann in den Fußgängerzonen systematisch zum Betteln eingesetzt würden. Der Gewinn sei beträchtlich. Es wird geschätzt, dass jeder Bettler, jede Bettlerin 100 Euro am Tag einbringen muss. Die Banden operierten europaweit.

„Geben Sie nur dem Bettler ihres Vertrauens etwas“, rät Rohrer. Der Mann vom Ordnungsamt meint jene, die schon seit Jahren am selben Platz sitzen, die sozusagen persönlich bekannt sind. Oder man verweist an das Diakoniezentrum „Weser 5“. Für 1,50 Euro bekommt man dort ein Mittagessen. Bettina Bonett verteilt statt Geld manchmal Essensgutscheine.

Achim Knecht als erster evangelischer Stadtdekan ins Amt eingeführt

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 26. September 2014

Pröpstin Gabriele Scherle führte am Freitag, 26. September, den ersten evangelischen Stadtdekan Frankfurts Achim Knecht in der Heiliggeistkirche in sein Amt ein. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann, der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung gehörten zu den Gästen.

Der neue Frankfurter Stadtdekan während seiner Predigt in der Heiliggeistkirche.
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Der neue Stadtdekan betonte in seiner Predigt, dass Kirche nur dort auf der Spur Jesu sei, wo sie diakonisch handele. „Wenn sie sich der Hilfe der Bedürftigen zuwendet.“ Und Knecht mahnte: „Wenn sich Kirche und Diakonie dagegen zu sehr daran orientieren, was sich ‚rechnet‘ und was nicht, dann verlieren sie die Spur Jesu aus den Augen.“ Und da die Kirche sich in den gesellschaftlichen Diskurs einmischen müsse, wenn die Freiheit auf dem Spiel stehe, sei sie auch eine politische Kirche.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann hob in seinem Grußwort hervor, dass die Religionen „Sinn und Friedensstifter“ seien. Dabei gehe die evangelische Kirche nicht den einfachen Weg, sondern stelle sich den Konflikten einer Stadtgesellschaft wie etwa der Kinderarmut und der steigenden Zahl der Flüchtlinge. „Die Kirche ergreift Partei für die Schutzlosen. Sie steht mitten in der Stadt“, konstatierte der Oberbürgermeister.

Als weltoffene Handelsmetropole sei Frankfurt schon immer den Weg des Dialogs mit anderen Kulturen gegangen. Darum sei der Dialog der Religionen der einzig gangbare Weg für diese Stadt.

Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte in seinem Grußwort die positive Wirkung der Religionen in der Stadtgesellschaft. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Pröpstin Gabriele Scherle erinnerte daran, dass die Risse der Gesellschaft bis in den Rat der Religionen hineinreichten. „Und so lassen die Konfliktlinien dieser Welt auch unser Gemeinwesen brüchig werden. Statt Empathie mit den Opfern werden Gründe gesucht, um anti-semitisch sein zu können, anti-islamisch oder auch anti-westlich.“ In einer solchen Situation brauche es Aufmerksamkeit für das alltägliche Leben und seine Verletzlichkeit.

Der Weg zur Gründung des Stadtdekanats in dem sich die vier bisherigen Frankfurter Dekanate vereinten und das künftig auch die Leitung des Evangelischen Regionalverbandes übernimmt, sei sehr lang gewesen, stellte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Volker Jung fest. Doch die zahlreichen Gremien und beteiligten Personen seien Ausdruck einer „Partizipationskultur“. Das Stadtdekanat soll das Miteinander in der Sttadt, auch das Miteinander der Religionen fördern und sich als zuverlässiger Partner der Stadt zeigen, wünschte der Kirchenpräsident.

Praktisch wolle man die Ökumene zwischen evangelischer und katholischer Kirche angehen, betonte der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz. Dabei könne man sich auf das Motto der Vorgänger beziehen: „Was wir gemeinsam tun können, tun wir gemeinsam.“

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 26. September 2014 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe 2014/6 – November, Web

Flüchtlingen helfen, Bildungschancen eröffnen

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 10. September 2014

Beim Jahresempfang der Diakonie Hessen in der Peterskirche plädierte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner für bessere Bedingungen für Flüchtlinge.

In der Diskussion mit Sozialminister Stefan Grüttner (2. von rechts): die stellvertretende hessen-nassauische Kirchenpräsidenton Ulrike Scherf (rechts) und Katrin Wienold-Hocke, Pröpstin des Sprengels Kassel (2. von links). Holger Weinert (links) vom hr-Fernsehen moderierte das Gespräch. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Eine kurze Verweildauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen und einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge forderte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner beim Jahresempfang der Diakonie Hessen in der Frankfurter Peterskirche. Erstens könne der Arbeitsmarkt einige der Qualifikationen gut gebrauchen, zum anderen stärke Arbeit das Selbstvertrauen der Flüchtlinge. Grüttner betonte, dass „niemand sein Heimatland freiwillig verlässt“. Hessen habe sich auf die steigenden Flüchtlingszahlen gut vorbereitet und die Anzahl der Plätze von 578 im Oktober 2012 auf über 3000 gesteigert.

Zufrieden mit der Fusion der beiden hessischen diakonischen Werke zur Diakonie Hessen zeigte sich der Vorstandsvorsitzende Pfarrer Wolfgang Gern. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, berichtete, dass die Kirchengemeinden sich an vielen Stellen in der Flüchtlingshilfe engagierten. „Die Hilfsbereitschaft Flüchtlingen zu helfen ist riesengroß“, pflichtete Grüttner der Kirchenvertreterin bei.

Als Beispiel für die Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit verwies Grüttner auf den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für 0 bis 10 Jahre, der inzwischen etabliert sei. Das Land habe verstärkte Anstrengungen gerade in der frühkindlichen Bildung unternommen. Hier investiere man jährlich 435 Millionen Euro. Schließlich hätten selbst führende Kirchenvertreter im Land das in diesem Jahr in Kraft getretene Kinderförderungsgesetz gelobt.

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 10. September 2014 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe Web.

Militäreinsatz als kleineres Übel

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 7. September 2014

Eine Trennung nach dem Motto „Hier Welt, da Gott“ kann es nach Meinung des ehemaligen Bischofs der evangelischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber, nicht geben. Bei einem Studientag zur Barmer Theologischen Erklärung in Frankfurt verteidigte er auch den Einsatz militärischer Mittel.

Der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Friedrich Weber, hat eine Diskussion über die Legitimität militärischer Gewalt in seinem Vortrag zur Barmer Erklärung auch aus christlicher Sicht angeregt. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Bei einem Studientag zur Barmer Theologischen Erklärung in Frankfurt verteidigte er auch den Einsatz militärischer Mittel und unterstrich eine Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: „Christen müssen widersprechen, wenn die Gott gegebene Würde von Menschen verletzt oder gar das Leben von Menschen bedroht wird.“

Angesichts der Gewalt wie der der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in Syrien und Irak verwies Weber auf eine Erklärung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), deren Präsident er ist: Es könne Situationen geben, in denen ein Staat nicht bereit oder fähig ist, seiner Bevölkerung Schutz und ausreichende Sicherheit zu gewährleisten. Es könnte Situationen geben, wo man feststellt, dass ein Regime einen Völkermord oder andere massive Gräueltaten plant.“

Zwar müssten auch dann nicht-militärische Mittel voll ausgeschöpft werden. Doch „wenn militärische Gewalt die einzig mögliche Antwort zu sein scheint, um solche Situationen zu entschärfen, verlangt sie eine legitime Autorität, um sie einzusetzen, und eine beschränkte Anwendung der Kriterien.“ Der Schutz des Lebens von Menschen vor blanker Gewalt sei eine humanitäre Pflicht und der Einsatz militärischer Mittel könne in solcher Situation das „kleinere Übel“ sein, so Weber.

Zu der Fachtagung aus Anlass des 80. Jahrestages der Barmer Erklärung hatten mehrere evangelische Institutionen, darunter der Evangelische Regionalverband Frankfurt und das Predigerministerium eingeladen. Diese Erklärung vom 31. Mai 1934, die maßgeblich Karl Barth ausgearbeitet hatte, war die zentrale Äußerung der Bekennenden Kirche unter dem Nationalsozialismus. Sie richtete sich gegen das Kirchenregime der so genannten „Deutschen Christen”, die die evangelische Kirche dem Nationalsozialistismus anzugleichen.

Laut Barmer Theologischer Erklärung gilt für die Kirche, dass sie „allein unter Gottes Wort“ steht. Danach bestimmt sich auch ihr Verhältnis zum Staat und die Art und Weise, wie die Kirche in der Welt aktiv wird. Darum, so damals der Theologe Karl Barth, „kann die Kirche auch im totalen Staat keinen Winterschlaf antreten und auch keine Gleichschaltung sich gefallen lassen“.

Die Kirche müsse in der Gesellschaft „auf die Wahrheit Gottes hinweisen“ und auf diese Weise Verantwortung für die Welt übernehmen, betonte auch Friedrich Weber.

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 7. September 2014 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe 2014/5 – Oktober, Web.