Jun 01

Die große Sehnsucht nach der Stille

Evangelisches Frankfurt Juni 2010
Meditation

Meditation und Kontemplation sind längst in christlichen Kirchen angekommen

Der „Ökumenische Arbeitskreis Meditation“ hat sich aufgelöst. Er wurde in den 1980er Jahren als Alternative zu esoterischen Angeboten von den Weltanschaungsbeauftragten Lutz Lemhöfer und Kurt-Helmuth Eimuth initiiert. Sein Ziel war, niedrigschwellig auf christliche Traditionen der Kontemplation aufmerksam zu machen. Der Kreis habe 18 lange Jahre intensive Lobbyarbeit geleistet und das Thema ins Bewusstsein gerückt, erklärte der katholische Pastoralreferent Franz-Karl Klug im evangelischen Zentrum Verkündigung, wo man sich zuletzt regelmäßig traf. Der Erfolg habe den Arbeitskreis nun überflüssig gemacht. Mittlerweile finde man Angebote zu christlicher Spiritualität in vielen Kirchengemeinden Frankfurts, im katholischen Zent­rum Heilig Kreuz und eben im Zentrum Verkündigung. „Wir sind also zuversichtlich, dass unsere Arbeit fortgesetzt wird und weiter Früchte bringt“, versicherte Klug.

Bei der letzten Veranstaltung des Arbeitskreises machte Pfarrer Sven Joachim Haack noch einmal auf das christliche Schatzkästchen mit den Perlen Kontemplation und Mystik aufmerksam. Der in der Psychiatrie und Suchtrehabilitation tätige Klinikseelsorger schätzt die „heilsame Kraft“ dieser Erfahrungswege. Die Lebenskultur aus der Stille wirke einem verbreiteten Phänomen entgegen: der Entfremdung vom eigenen Leben. Wie Haack beobachtet, sind „viele Seelen verhungert“, die „äußeren Formen der Religion so verholzt, dass niemand mehr andocken kann“.

Bei seinem Vortrag in Frankfurt gewährte der Schüler des Benediktinermönchs und Zen-Meisters Willigis Jäger Einblick in die Praxis. Sich in die Stille zu versenken sei zwar eine schlichte, aber ganz und gar nicht einfache Übung. Um durchlässig für die Erfahrung der Verbundenheit zu werden und den Mist seines Lebens in Kompost zu verwandeln, brauche es Ausdauer und Geduld. In diesem Zusammenhang warnte Haack, der seit mehr als einem Jahrzehnt an der Würzburger Schule der Kontemplation unterrichtet, namentlich die Protestanten davor, Krieg gegen sich zu führen. Kontemplation lasse sich nicht erzwingen, sie verlange vielmehr Herzenswärme und Freundlichkeit sich selbst gegenüber. Es sei ein Weg, der Zeit benötige und nie ende. Im Sinne des Benedikt von Nursia, der dazu anhielt, mit allen Dingen so umzugehen als seien sie heiliges Altargerät, solle Kontemplation in eine veränderte Haltung im Alltag münden. Angesichts der globalen Katastrophen misst Haack diesem Aspekt wachsenden Stellenwert bei. Über den ökologischen Umweg hätten viele Menschen ihre Sehnsucht nach Stille entdeckt. Haack glaubt, dass sich diese Entwicklung verstärken wird, und hält eine Aussage des katholischen Theologen Karl Rahner für prophetisch: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein… oder er wird nicht mehr sein“.

Doris Stickler

Mai 01

Fundamentalismus in Familien

Evangelisches Frankfurt Mai 2010

Fachtagung: Religiös-totalitäre Minigruppen schaden Kindern

Rund hunderttausend Kinder und Jugendliche sind nach Schätzung von Kurt-Helmuth Eimuth in Deutschland „totalitären Erziehungssystemen“ ausgesetzt, die unter dem Deckmantel von Religion auftreten. Für die „Gefährdung des Kindeswohls durch Sekten und christlichen Fundamentalismus“ wollte eine von „Sinus“, der hessischen Sekteninformations- und Selbsthilfe-Initiative, organisierte Tagung in Frankfurt sensibilisieren. Eingeladen waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendämtern, Kitas sowie Kinder- und Jugendberatungsstätten.

Waren religiös-totalitäre Erziehungsmethoden früher haupt-sächlich in klassischen Großsekten wie den Zeugen Jehovas oder Scientology zu finden, so habe man es heute mit einer Vielzahl kleiner Gruppen zu tun, berichtete Eimuth, der beim Diakonischen Werk für Frankfurt den Arbeitsbereich Kindertagesstätten leitet. In dem „fast undurchschaubaren Dickicht“ wisse man nicht, welche Gruppierung unschädlich und welche bedrohlich ist. Daher müsse jeder Einzelfall genau geprüft werden.

Wenn sich die Betroffenen unter Druck gesetzt fühlen, wanderten sie nicht selten ab, so Eimuth. Die Mutter, die mit Kind ihrem Guru ins Ausland gefolgt ist, sei kein Einzelfall. Aufsehen erregte ein Fall aus Baden-Württemberg, wo Eltern ihre fünf Kinder aus religiösen Gründen nicht in die Schule schicken wollten und in den USA Asyl erhielten.

Harald Achilles, Referent für Schulrechtsangelegenheiten im Hessischen Kultusministerium, sieht darin eine neue Wendung. Differenzen zwischen staatlichem Erziehungsauftrag und elterlichem Erziehungsrecht sind nach Erfahrung des Juristen immer eine Gratwanderung. Das schulgesetzlich verbriefte Toleranzgebot verlange schließlich, auf weltanschauliche Hintergründe Rück- sicht zu nehmen. „Wir können die Sekten nicht abschaffen“, sagte Achilles, „sollten aber für ein Bewusstsein der Problematik sorgen“.

Das gehört sozusagen zum Alltagsgeschäft von Jürgen Zillikens. Der Rechtsanwalt und Vizepräsident des Vereins „Kids“ („Kinder in destruktiven Sekten“) glaubt, dass sich der Zug zu solchen Gruppen in Zukunft noch verstärken wird. In einer Gesellschaft, die „immer kälter wird“, würden Menschen in sektenartigen Zusammenschlüssen Halt, Wärme und soziale Kontakte suchen.

Auch Frauke Zahradnik, die Leiterin des Kinderbüros der Stadt Karlsruhe, geht davon aus, dass das Thema sich nicht so schnell erledigt. Sie verfolgt, „wenn wieder eine dubiose Gruppe auf dem Markt erscheint“, und berät päda­gogische Einrichtungen. Gleichwohl warnte sie vor überzogener Angst: „Nicht jede Sektenmitgliedschaft gefährdet gleich das Kindeswohl.“ Zudem dürfe man nicht vergessen, dass auch Armut oder zerrüttete Familien Kindern erheblichen Schaden zufügen können.

Doris Stickler

Sep 01

Besser gemeinsam: Reli in der Grundschule

Evangelisches Frankfurt September 2009

Kommentar:
Besser gemeinsam: Reli in der Grundschule

Foto

Die Frage stellt sich spätestens mit der Einschulung. Soll mein Sohn, meine Tochter am Religionsunterricht teilnehmen? Wenn ja, an welchem? Und was machen die Kinder, die nicht teilnehmen?

Man ahnt die organisatorische Herausforderung für Schulleitungen. Sie müssen für eine Minderheit (in einigen Schulen erreicht der Anteil der christlichen Kinder gerade mal ein Viertel) Religionsunterricht organisieren, und das dann auch noch für evangelisch und katholisch getrennt. Da bleiben nur „Randstunden“. Das ist durchaus symbolisch: Der Religionsunterricht wird allein durch die geringe Zahl von Kindern, die ihn besuchen, an den Rand gedrängt.

Die scheidende Studienleiterin des Religionspädagogischen Amtes der evangelischen Kirche hat jetzt noch einmal Alarm geschlagen (siehe Seite 9). Ein konfessionsgetrennter Unterricht sei Eltern nicht mehr zu vermitteln. Recht hat sie. Die Vermittlung christlicher Grundlagen sollte durchaus ökumenisch gelingen. Schließlich berufen sich ja beide Kirchen auf die Bibel. Da sollte es doch möglich sein, Schöpfungsgeschichten und die biblische Überlieferung vom Leben Jesu gemeinsam kindgerecht weiterzugeben. Der Streit um den Absolutheitsanspruch des Papstes oder um unterschiedliche Auffassungen vom Abendmahl dürfte Kinder im Grundschulalter überfordern und wird sie vermutlich auch wenig interessieren.

In den weiterführenden Klassen werden zunehmend Differenzierungen notwendig. Hier sollten den Schulen und deren Fachkonferenzen Möglichkeiten des gemeinsamen Unterrichtens eröffnet werden. Dies gilt auch für den islamischen Religionsunterricht. Ein solches Angebot muss ebenso wie Ethik vorgehalten werden. Alles andere ignoriert die gesellschaftliche Realität. Dass diese Entwicklung den Religionsgemeinschaften einiges abverlangt, ändert nichts am Ziel. Eine umfassende Bildung darf den Bereich der Religion und der religiösen Tradition nicht ausblenden. Die multireligiöse Vielfalt in den Schulen erfordert es, neue Wege zu finden.

Die Verantwortlichen in Darmstadt und Limburg sollten diese Realität zur Kenntnis nehmen. In einigen Bereichen haben die Kirchen nur noch gemeinsam eine Chance, sich Gehör zu verschaffen. Welche Bedeutung man auch immer einem Religionsunterricht zumisst: Wenn nur noch gut zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler den Unterricht einer Konfession besuchen wollen, wird es auch für die Gutwilligen in den Schuldirektorien schwierig, kirchliche Ansprüche zu verteidigen. Beide Kirchen müssen ihre Positionen überdenken, sonst stellen sie sich ins Abseits.

Kurt-Helmuth Eimuth

Apr 01

Erzieherinnen braucht das Land

Erzieherinnen und Erzieher braucht das Land

Während derzeit viele Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen, gibt es eine Berufsgruppe, die sich diesbezüglich überhaupt keine Sorgen machen muss: Erzieherinnen. Allein in Frankfurter Kindertagesstätten und Krabbelstuben werden in den nächsten vier Jahren schätzungsweise 4500 neue Kräfte gebraucht. Wo die herkommen sollen, weiß derzeit noch niemand. In derselben Zeit werden nämlich in der Berta-Jourdan-Schule, der einzigen Ausbildungsstätte für Erzieherinnen in der Stadt, nur rund 1500 Absolventinnen – und wenige Absolventen – ihren Abschluss machen.

Der Grund für diesen großen Bedarf ist die Tatsache, dass ab 2013 Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für ihre Kinder haben. Auch in der evangelischen Kirche, lange ein Hort überkommener Familienmodelle, hat sich diese Erkenntnis inzwischen durchgesetzt: „Der Weg zu einer Institutionalisierung der Kinderbetreuung auch unter drei Jahren ist richtig und notwendig“, betont Pfarrer Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werkes im Evangelischen Regionalverband Frankfurt.

Von den rund 5500 neuen Krippenplätzen, die nach Schätzungen der Stadt in den nächsten vier Jahren geschaffen werden müssen, sollen 1000 in evangelischer Trägerschaft sein. Das bedeutet, dass die Kirche ihr derzeitiges Angebot fast verfünffachen will. Dabei kommt es vor allem auf die Qualität an, betont Kurt-Helmuth Eimuth, der im Diakonischen Werk für Kitas und Krabbelstuben zuständig ist. „Es geht um Bildung“, so Eimuth. Allerdings kann Bildung bei Ein- oder Zweijährigen nicht so ablaufen wie in der Schule, wo die Lehrer vorgeben, was wann gelernt wird. Die evangelischen Krabbelstuben arbeiten vielmehr nach einem Konzept, das die Bedürfnisse der Kinder selbst konsequent in den Mittelpunkt stellt. „Der Mensch lernt durch Nachahmung, Ausprobieren und Kommunikation“, so Eimuth.

Was das praktisch bedeutet, erläutert Tanja Stadtmüller, die Leiterin der evangelischen Krabbelstube in Zeilsheim: „Bei uns machen nie alle Kinder zur gleichen Zeit dasselbe.“ Die Kinder selbst entscheiden, wann sie schlafen, essen, spielen oder die Windeln gewechselt haben möchten. Die Erzieherinnen bieten ihnen kein „Programm“, sondern begleiten die Kleinen bei ihrem Entdeckungsdrang. Überall gibt es etwas zu erkunden, zum Beispiel Alltagsgegenstände wie leere Cremedosen oder Plastikflaschen. Rampen und Stufen animieren zum Klettern, die Kinder dürfen auch im Waschbecken plantschen oder sich in die Kuschelecke verziehen – je nachdem, was gerade ihr Interesse weckt. Das pädagogische Konzept dazu stammt von der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler.

Auch das Windelwechseln wird dabei nicht etwa als lästige Notwendigkeit angesehen, sondern als wichtiger Teil des Bildungsprozesses, erklärt Vanessa Hoch, die für die fachliche Ausrichtung der evangelischen Krabbelstuben zuständig ist: „Diese intime Interaktion trägt ganz entscheidend zur Vertrauensbildung bei.“ Und weil das Vertrauen zwischen Kind und Erzieherin so wichtig ist, ist in der Eingewöhnungsphase, die vier bis sechs Wochen dauert, eine einzige Kollegin für ein Kind zuständig. Wird sie zum Beispiel krank, muss die Eingewöhnungsphase unterbrochen werden. „Nur wenn die Bindung zwischen Kind und einer festen Bezugsperson stark und sicher ist, wird es anfangen, die Umgebung aktiv zu erkunden“, erklärt Hoch.

Auch für viele Erzieherinnen ist so ein Konzept eine Herausforderung, denn sie müssen sich selbst zurücknehmen und großen Respekt vor den Kleinen mitbringen. In der Ausbildung haben sie das nicht unbedingt gelernt – hier gibt es selten einen speziellen Schwerpunkt auf Frühpädagogik. Kurt-Helmuth Eimuth kritisiert die „Allround“-Pädagogik, die heute oft noch das Berufsbild Erzieherin prägt – sie müssen alles können, von der Krabbelstube bis zum Heim für Jugendliche.

Forderungen nach einer Akademisierung des Berufs sieht Eimuth allerdings zwiespältig. Er setzt eher auf differenzierte Ausbildungsgänge und „multiprofessionelle“ Teams aus „Bildungsorganisatorinnen“ in der Einrichtungsleitung und Spezialistinnen, etwa für interkulturelle oder religiöse Bildung, die mit ihren inhaltlichen Kenntnissen dann diejenigen unterstützen, die als erste Bezugspersonen für die Kinder verlässlich da sind und Vertrauen aufbauen.

Krabbelstuben: Eine Aufgabe, die alle angeht

Nachdem in Punkto Kinderbetreuung für unter Dreijährige lange Zeit Familien und öffentliche Einrichtungen gegeneinander ausgespielt wurden, hat jetzt endlich ein Umdenken eingesetzt. Mit ungefähr vierzig Jahren Verspätung vollzieht die deutsche Gesellschaft das, was Feministinnen schon lange vorschlagen: Sie begreift, dass die Versorgung und Erziehung kleiner Kinder eine Aufgabe ist, die alle angeht und für die es ordentliche Konzepte braucht – und zwar ökonomische ebenso wie pädagogische.

Was die pädagogische Seite betrifft, so hat sich bereits vieles verändert. Das Konzept der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, nach dem die evangelischen Krabbelstuben in Frankfurt arbeiten, ist durchaus überzeugend. Zentral ist der Respekt vor den Kindern, auch bereits den Kleinsten, die als eigenwilliges Gegenüber ernst genommen werden. Modell für dieses Verständnis von Bildung ist nicht mehr der autoritäre Lehrer, der Wissen einpaukt, sondern eher die Mutter, die verlässlich da ist, dem Kind erklärt, was es interessiert, und ihm im ganz normalen Alltag Anregungen bietet. Im Zentrum steht die Vertrauensbeziehung zwischen einem Kind und einer erwachsenen Person – ob es nun die Mutter, der Vater oder eben die Erzieherin ist.

Nicht richtig durchdacht ist aber nach wie vor die ökonomische Seite. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen: Der massive Ausbau an Krippenplätzen, der jetzt holterdipolter aus dem Boden gestampft werden muss, droht nämlich daran zu scheitern, dass es schlicht und ergreifend nicht genügend Erzieherinnen gibt. Was ja auch kein Wunder ist, wenn gleichzeitig jungen Mädchen bei „Girls Days“ beigebracht wird, dass sie doch besser Kfz-Mechanikerin oder Ingenieurin werden sollen anstatt etwas „typisch Weibliches“.

Hier liegt also durchaus ein Fehler im System. Zwar ist es inzwischen Konsens, dass junge Mütter berufstätig sein sollen. Doch die Frage bleibt, wer dann eigentlich die Arbeit der ehemaligen „Hausfrauen“, die ja auch nicht den ganzen Tag nur Däumchen gedreht haben, übernehmen soll – und vor allem unter welchen Bedingungen. Denn Tätigkeiten, die auf Beziehungen, Vertrauen, Fürsorge gründen, lassen sich nun mal nicht in unser derzeitiges Verständnis von „Wirtschaft“ integrieren. Sie „rechnen“ sich nicht, bringen keinen Profit, versprechen nicht Macht und allgemeine Anerkennung. Sie entziehen sich der betriebswirtschaftlichen Logik, und trotzdem muss irgendjemand sie erledigen.

Wer die eigene Berufstätigkeit nach streng „kapitalistischer“ Logik plant, also vor allem auf Einkommen und Status achtet, ist dazu kaum motiviert. Deshalb ist der Anteil von Männern an der Kindererziehung im institutionellen Bereich genauso winzig wie früher in der Familie. Vielleicht bietet ja die Finanzkrise, die eine Wirtschaftsexpertin kürzlich sehr treffend „Testosteronkrise“ genannt hat, einen Anlass zum Umdenken. Es wäre jedenfalls nicht das Schlechteste, wenn demnächst arbeitslose Ingenieure und Kfz-Mechaniker auf Erzieher umschulen müssten. Denn Autos haben wir längst genug, Zeit für Kinder aber nicht.

In: Kirche Intern, April 2009

Mai 11

Den Stummen eine Stimme (Jürges)

Den Stummen eine Stimme
Veranstaltungen zum 25. Todestag von Familie Jürges

[30.04.2008] Vor 25 Jahren starb die Pfarrersfamilie Jürges. Martin Jürges, Pfarrer der evangelischen Gutleutgemeinde, seine Frau Irmtraud, Sohn Jan (11), Tochter Katharina (1), Mutter Erna (77) und Nichte Gesine Wagner (19) sind auf dem Weg zu einem Familienausflug ins Grüne, als am 22. Mai 1983 ihr Auto auf der Autobahn von brennenden Wrackteilen eines Militärjets getroffen wird.
Zur Erinnerung an das engagierte Pfarrerehepaar und seine Familie lädt die Evangelische Hoffnungsgemeinde zu mehreren Veranstaltungen ein.
Am Pfingstsonntag, 11. Mai, um 12 Uhr findet ein Gedenken an der Unfallstelle am Kreuz an der Einmündung Otto-Fleck-Schneise statt.
Am Dienstag, 20. Mai, um 19 Uhr wird im Martin-Jürges-Haus, Gutleutstraße 131, eine Ausstellung zu Leben und Wirken eröffnet. Zu Gast ist Ulrike Bremer, Autorin des HR-Films „Die tödliche Flugschau von Frankfurt“. Zu sehen ist die Ausstellung bis 1. Juni täglich von 13 bis 18 Uhr.
Einen Gottesdienst zum Gedenken an Familie Jürges gestalten Diakon Kurt Kirmes sowie der Posaunen- und der Kirchenchor der Hoffnungsgemeinde am Sonntag, 25. Mai, um 10 Uhr in der evangelischen Gutleutkirche, Gutleutstraße 121.
Texte von Irmtraud Jürges-Kießling, Martin Jürges und Gesine Wagner sind am Dienstag, 27. Mai, um 19 Uhr im Martin-Jürges-Haus, Gutleutstraße 131, zu hören. Unter dem Titel „Im Feuer ist mein Leben verbrannt“ lesen Kurt-Helmuth und Marion Eimuth. Musik kommt von Marion Eimuth und Lutz Lemhöfer.

Mrz 04

Um christlichen Fundamentalismus

Frankfurter Rundschau 4.3.08
geht es in einer Fortbildung für Lehrer , die
das Religionspädagogische Amt der evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau am 22. April (15 bis 18 Uhr) in der Rechneigrabenstraße 10 veranstaltet. Referenten sind der Weltanschauungsbeauftragte des katholischen Bistums Limburg, Lutz Lemhöfer, und der Sektenexperte Kurt-Helmuth Eimuth. Anmeldung unter 92 107-333 oder
per Email rpa.frankfurt@ekhn.de.

Feb 01

"Kinder müssen selbst aktiv werden“

Fachtag für Erzieherinnen über neue frühpädagogische Erkenntnisse

Die Frühpädagogik ist im Umbruch. Erzieherinnen in den Kindertagesstätten sollen die Kinder nicht nur beaufsichtigen, sondern fördern und bilden. Unter dem Motto „Bildung bewegt“ stand daher ein Fachtag für die Erzieherinnen und Erzieher in den 78 evangelischen Kindertagesstätten in Frankfurt, die täglich von fast 5000 Kindern besucht werden.

Erstmals waren auch die Grundschullehrerinnen und -lehrer eingeladen. Damit setzten die beiden Veranstalter, das Religionspädagogische Amt und das Diakonische Werk für Frankfurt, die Forderung des Hessischen Bildungsplans nach verstärkter Kooperation von Schule und Kindergarten um.

Die Freude an Büchern ist ganz wichtig für die frühkindliche Bildung. Bei den „Kinderlesetagen“ der Christuskirchengemeide in Nied konnten Kinder aller Altersstufen sich spannende Geschichten vorlesen lassen und in Büchern schmökern. | Foto: Oeser

Die Freude an Büchern ist ganz wichtig für die frühkindliche Bildung. Bei den „Kinderlesetagen“ der Christuskirchengemeide in Nied konnten Kinder aller Altersstufen sich spannende Geschichten vorlesen lassen und in Büchern schmökern.
Foto: Oeser

Die Bedeutung der frühen kindlichen Bildung hob Bernhard Kalicki vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München hervor. Die neuere Hirnforschung zeige, so der Hochschullehrer, dass die strukturelle Reifung des Gehirns bei der Geburt noch lange nicht abgeschlossen sei, sondern sich bis zur Pubertät fortsetze. Be­ einflusst von Sinnessignalen vollziehe sich ein stetiger Umbau von Nerven­ verbindungen, wobei nur ein Drittel der Verbindungen erhalten blieben. Deshalb gelte es, einen aktiven Konstruktionsprozess zu fördern. Die Kinder müssten selbst aktiv werden. Dies gelte für alle Bereiche des Lernens, für den Spracherwerb ebenso wie für motorische Fähigkeiten. Erzieherinnen müssten sich deshalb als „Moderatorinnen von aktiven Bildungsprozessen“ verstehen, so Kalicki.

Wie dies konkret umgesetzt werden kann, erfuhren die über 200 Teilnehmerinnen des Fachtages in zahlreichen Seminaren. So ist etwa die Hinführung zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik in den Kindergärten keineswegs mehr exotisch. Allerdings staunten die Erzieherinnen, als der Hochschullehrer die Kindergruppengröße im internationalen Vergleich präsentierte: In Amerika sind 18 Kinder, in der Europäischen Union 12 bis 15 Kinder in einer Gruppe untergebracht; in Frankfurt dagegen sind es 21, in Hessen sogar 25 Kinder.

Als „ureigenste Aufgabe von Kirche“ bezeichnete Kurt-Helmuth Eimuth vom Diakonischen Werk für Frankfurt die Arbeit der Kindertagesstätten. Bildung gehöre zum Kerngeschäft der Kirche, denn mit der Geburt trete der Mensch in den Raum der Bildung ein. Der Pädagoge betonte, dass schon am Anfang der kirchlichen Kinderbetreuung im 17. Jahrhundert den Kindern eben nicht nur eine warme Suppe, sondern auch schon Bildung vermittelt wurde. Die damalige Bezeichnung „Kleinkinderschule“ weise darauf hin. Eimuth: „Bildung ist ein Markenzeichen des Protestantismus. Schon immer gehörten Diakonie und Bildung zusammen.“

truk

Evangelisches Frankfurt Feb 2007

Jun 25

Parolen lassen erschaudern

www.mittelhessen.de
Hinterländer Anzeiger
Parolen lassen erschaudern

25.06.2005

Von Irmela Dörries-Müller
Tel.: (0 64 61) 92 81 44
E-Mail: I.Doerries@mail.mittelhessen.de

Es war ein Thema, bei dem es einem eiskalt den Rücken herunter laufen konnte: Die „Apologetischen Studientage“, zu denen der Evangelische Bund Hessen und Nassau regelmäßig einlädt, beschäftigten sich in der Holzhäuser Freizeit-und Bildungsstätte des Dekanates Gladenbach mit der „Religion von rechts“. Die Zuhörer begegneten der „neuheidnischen Szene“ in ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen. Und sie hörten dabei Sätze von solch menschenverachtender Härte, dass man kaum glauben mochte, dass sie im Deutschland des 21. Jahrhundert noch so propagiert werden. Referent des aufklärerischen Abends war Kurt-Helmuth Eimuth. Der Diplom Pädagoge war zehn Jahre lang Weltanschauungsbeauftragter der evangelischen Kirche in Frankfurt,

Über Neuheidentum und Rechtsradikalismus informierte das Seminar der evangelischen Kirche. Anlass waren auch die Nazi-Demonstrationen in Gladenbach.(Archivfoto: Tietz)

Dautphetal-Holzhausen. Eimuth stellte die lange Tradition der antichristlichen Bewegung vor, die einen Höhepunkt während des Dritten Reiches erlebte. Die Gruppen, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts existierten, legten mit ihrem völkischen Denken den Grundstein für die nationalsozialistische Rassenideologie. Die NSDAP habe so manchen Kader aus den nordisch-heidnischen Zirkeln rekrutieren können, so Eimuth. Diese neogermanischen Gruppierungen lehnten sowohl das Christentum als auch das Judentum und den Islam als „artfremde orientalische Religionen“ ab. Sie seien nicht nordisch, entsprächen der germanischen Rasse also nicht. Die neogermanische Ideologie, so erklärte Eimuth, fuße auf drei Prinzipien: der nationalen Gesinnung, dem Rassengedanken und dem Blutmythos. Hiermit werde ein „Führungsanspruch“ der „germanischen Rasse“ begründet.

Eimuth machte aber auch deutlich, dass nicht jede neuheidnische Gruppierung automatisch eine rechtsradikale sei. Es gebe unter den Gruppierungen auch solche, die sich ausdrücklich von Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit abgrenzten. Eimuth nannte als Beispiel die Gruppe „Rabenclan“.

Es gebe aber eben auch andere, denen man offenen Rechtsradikalismus nachweisen könne. Wenn dieser heidnisch begründet werde, sei es gefährlich. Eimuth zitierte den Extremismus-Forscher Heitmeyer, der als entscheidende Merkmale benennt: die Theorie der Ungleichheit sowie die Akzeptanz von Gewalt.

Warnend wies der Referent auf die Deckmäntel des neuen Rechtsextremismus hin. Er nannte sie „neogermanische Romantik“ oder auch „Germanenkult“. Auch Wikinger, Kelten oder Walhalla müssten oft genug herhalten, um die extremen Anliegen der Neuheiden zu transportieren. Eimuth sah den Versuch „unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege sowie des Heimat- und Naturschutzes Jugendliche an rechtsextremistisches Gedankengut heran zu führen.“

Die „Einflugschneise“ für radikale Theorien in der Esoterik sei breit, meinte der Referent. Er nannte als Umschlagplätze für das Gedankengut esoterische Kleingruppen, satanistisch-sozialdarwinistische Gruppen, jugendsubkulturelle „Dark Wave“ Musik- und Kulturprojekte und verschwörungstheoretische Literatur.

Allerdings stelle der Rechtsextremismus anders als die meisten linksextremen Strömungen keine theoretisch durchgearbeitete Ideologie dar, sondern weise „unterschiedliche Begründungen und Ziele auf“, wie der Extremismusforscher Rainer Fromm festgestellt hat.

Eimuth skizzierte in seinem Vortrag verschiedene Gruppierungen, die in der rechten neuheidnischen Szene besonders aktiv sind. Er nannte die 1981 gegründete „Universale Kirche“ und zitierte deren radikale Aussagen zum Judentum. Weiter stellte er den „Armanenorden“ vor, der eine neue „Urreligion“ verkünden will. Die heutige Kirche enthalte den Germanen ihre ureigene Religion in einer permanenten Inquisition vor, kritisiert die Gruppe. Sie setzt dem christianisierten Europa ein neuheidnisches Glaubensmodell entgegen und beansprucht für sich die „wahre Erkenntnis der göttlichen Weltordnung“ aufgrund germanischen und keltischen „Weistums“.

Bund der Goden

Der „Bund der Goden“ mit Sitz in Herborn gelte als aktivste Organisation im völkisch-religiösen Spektrum, berichtete Eimuth. Die Gruppe sehe das Praktizieren von Christentum als „schizophrenen Akt“.

Größte heidnisch-germanische Gruppe in Deutschland sei die „Artgemeinschaft e.V. Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“. Die Gruppe habe 120 Mitglieder, sei aber im Stande, zu ihren Veranstaltungen sehr viel mehr Menschen zu mobilisieren.

In der abschließenden Diskussion, an der sich auch Schüler eines Religionskurses der Gladenbacher Freiherr-vom-Steinschule lebhaft beteiligten, unterstrich Eimuth, die neuheidnische Bewegung sei zwar keine Massenbewegung, dennoch dürfe man sie nicht verharmlosen. Ihr Gedankengut falle bei manchem auf fruchtbaren Boden. Das rechtsextreme Potenzial in Deutschland sei nicht zu unterschätzen.

Position beziehen

„Christen müssen heute deutlich Position beziehen.“ Dazu ermutigte Dekan Matthias Ullrich in seinen abschließenden Worten. Ullrich erinnerte an die erfolgreiche Mobilisierung aller demokratischen Kräfte gegen die Nazi-Demonstrationen in Gladenbach. Die Erfahrungen dort seien auch Anlass dafür gewesen, das Thema Rechtsradikalismus während eines apologetischen Seminares aufzugreifen.

Mrz 20

Vor 20 Jahren: Das schreckliche Ende eines Pfingstausflugs

Vor 20 Jahren Das schreckliche Ende eines Pfingstausflugs

FAZ

20.05.2003 ·  Sie waren befreundet, kannten sich aus der Jugendarbeit. „Er hat uns gefragt, ob wir mitkommen wollen“, erinnert sich Pfarrer Kurt-Helmuth Eimuth. In den Spessart mitkommen, am Pfingstsonntag bei herrlichem Wetter einen Ausflug ins Grüne machen.

Sie waren befreundet, kannten sich aus der Jugendarbeit. „Er hat uns gefragt, ob wir mitkommen wollen“, erinnert sich Pfarrer Kurt-Helmuth Eimuth. In den Spessart mitkommen, am Pfingstsonntag bei herrlichem Wetter einen Ausflug ins Grüne machen. Aber es ging nicht, die Schwiegereltern waren da. Eimuth wollte nicht glauben, was er abends erfuhr. „Es war unfaßbar, schrecklich, traurig.“ Weil er es nicht glauben konnte, rief er beim Flughafen an, fragte nach. Aber es stimmte. Der Ausflug hatte ein furchtbares Ende genommen. Aus buchstäblich heiterem Himmel war ein Kampfflugzeug abgestürzt, hatte Martin Jürges, dem Pfarrer der Gutleutgemeinde, seiner Frau, seinen zwei Kindern, seiner Mutter und seiner Nichte den Tod gebracht.

Eine Familie wurde ausgelöscht, von einem Moment auf den anderen. Es geschah am 22.Mai vor zwanzig Jahren. Vor zwanzig Jahren, das war die Zeit der Aufrüstung und der Friedensbewegung. „Frieden schaffen ohne Waffen“, lautete die Forderung auf ungezählten lila Tüchern. Auch Martin Jürges wollte mit solchen Tüchern am Kirchentag teilnehmen. Sie lagen schon bereit. Ausgerechnet die Familie eines Friedenskämpfers wurde in Friedenszeiten von den Trümmern eines explodierten Kampfflugzeugs getötet. Jedes Unglück ist schrecklich. Aber dieses hatte eine große Symbolkraft.

Flugzeug fiel wie eine Bombe vom Himmel

Der 22.Mai 1983: Im Stadtwald am Oberforsthaus feierten die Frankfurter, wie immer, schon am Pfingstsonntag Wäldchestag. Auf der Rhein-Main Air Base war Tag der offenen Tür. Flugvorführungen standen auf dem Programm, zum Beispiel jene des 439.Geschwaders der kanadischen Luftwaffe mit dem Namen „Tiger“. Am frühen Nachmittag stiegen die vier Starfighter auf. Ihre Piloten sollten keine akrobatischen Mätzchen vollführen, sondern militärische Routine-Formationen fliegen. Eine fünfte Maschine sollte im Abstand von 45 Sekunden der Vierer-Gruppe folgen. Doch die fiel wie eine Bombe auf den Autobahnzubringer, auf dem die Familie Jürges in ihrem hellblauen Kombi unterwegs war.

Bis heute ist die Ursache des Unglücks – der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten – nach den Worten von Polizeisprecher Franz Winkler nicht bekanntgeworden. Er hatte damals Dienst. „Das war schon heftig.“ Winkler hat es nicht vergessen, wie nach und nach die Nachricht von den Toten zu ihm drang. Martin Jürges wäre jetzt 60 Jahre alt, seine Mutter Erna 97 Jahre, seine Frau Irmtraud 58 Jahre, sein Sohn Jan 31 Jahre, seine Tochter Katharina 21 Jahre, seine Nichte Gesine Wagner, sie starb knapp drei Monate später an ihren Brandverletzungen, 39 Jahre.

Einig schon vor der Zwangsvereinigung

Karsten Petersen, weiland Pfarrer der Weißfrauengemeinde im Bahnhofsviertel, saß zu Hause, als am späten Nachmittag das Telefon klingelte. Auch er konnte es nicht glauben. Kollegen kamen, alle waren fassungslos, der Gedenkgottesdienst tags darauf in der Gutleutgemeinde wurde verabredet. Pfarrer Petersen hielt die Predigt. Beruflich hatten er und Jürges ohnehin ein Team gebildet, alles besprachen sie miteinander, den Konfirmandenunterricht ebenso wie den Auftritt im Ortsbeirat („Wir waren immer da.“) Man habe sich stets etwas Besonderes einfallen lassen müssen. Das habe Martin Jürges auch so gefallen. Heute sind die Gutleut- und die Weißfrauengemeinde „zwangsvereinigt“. Das verlangt Kirchenpolitik in Zeiten, in denen es auch der evangelischen Kirche nicht mehr so gut geht. „Wir waren damals schon vereinigt, zumindest auf der Pfarrer-Ebene“, sagt Petersen. Martin Jürges hatte das Schicksal aber nur gut zwei Jahre in der Gutleutgemeinde gegeben.

Die Matthäusgemeinde ist nun als Dritte im Bunde. Zu dritt haben sie sich den schönen Namen „Hoffnungsgemeinde“ gegeben. Er hätte Martin Jürges gefallen, ihm, dem Hoffnungsträger für die Bewohner eines problematischen Viertels, der immer einer der ersten war, der sich öffentlich – das konnte er gut – zur Wehr setzte, wenn er meinte, auch nur einen Hauch von Ausländerfeindlichkeit zu spüren, oder wenn die Stadtväter nicht einsehen wollten, daß mehr getan werden müßte für die Leute eines sozial schwierigen Stadtteils. Da konnte er hartnäckig sein, kam er schon einmal unangemeldet in die Zeitungsredaktion. „Gutleut: Symbol der Hoffnung“. So lautete das Motto des Schweigemarsches am Tag, als die Familie Jürges zu Grabe getragen wurde.

„Da fehlt einer“

Schon als Stadtjugendpfarrer – er war es zehn Jahre lang – hat sich Jürges mit der Stadt oder mit Kirchenoberen angelegt. Manchen waren seine Positionen zu links. Die Jugendlichen aber schätzten ihn. Roland Frischkorn war in jenen Tagen DGB-Jugendsekretär und Jürges‘ Nachfolger als Vorsitzender des Stadtjugendrings. Heute ist er bei einer Wohnungsbaugesellschaft. Er trifft sich immer noch gelegentlich mit seinen Nachfolgern im Amt. Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem die ins Alter gekommenen Jugendvertreter von einst sagen: „Da fehlt einer.“

„Es geht nicht aus den Köpfen derer, die es damals miterlebt haben“, sagt Pfarrer Petersen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Starfighter nur ein paar hundert Meter weiter abgestürzt wäre. Hunderttausende – die Amerikaner sprachen von 400000 – schauten den Flugvorführungen zu, Tausende feierten im Stadtwald. Seitdem gibt es in Frankfurt keine Flugschau mehr. Die Stadt entging knapp einer Katastrophe. Auch deswegen geht das Unglück nicht aus den Köpfen derer, die es miterlebt haben.

CORNELIA VON WRANGEL